Unternehmen gegen die Demenzkrise

Weltweit erkrankt alle drei Sekunden ein Mensch an Demenz1. Schon jetzt leben etwa 50 Millionen Menschen rund um den Globus mit einer Demenzerkrankung - und diese Zahl wird sich Schätzungen zufolge alle 20 Jahre sogar noch verdoppeln. 2030 werden es bereits 82 Millionen sein, 2050 sogar 152 Millionen2. Ein Grund dafür: Die steigende Lebenserwartung der Menschen.

Zusätzlich zu den persönlichen Schwierigkeiten und Einschränkungen, die eine solche Erkrankung mit sich bringen, werden auch wirtschaftliche Folgen in den nächsten Jahren zu beobachten sein. "Die zunehmende Zahl von Demenz-Patienten könnte Regierungen und Gesundheitssysteme vor Probleme stellen: Die Behandlungskosten werden aktuell auf eine Billion US-Dollar geschätzt, und bis 2030 könnten sie sich auf zwei Billionen verdoppeln3", erläutert Dani Saurymper, leitender Analyst für Ageing und Lifestyle bei AXA IM Framlington Equities.

Die drohende Demenzkrise als Folge einer schnell alternden Gesellschaft, stellt nicht nur die einzelnen Mitglieder dieser Gesellschaft, sondern auch Unternehmen verschiedenster Sektoren vor viele Probleme, denen sie entgegenwirken müssen. So sind Unternehmen, laut Saurymper, dazu angehalten, "die Versorgungsforschung voranzutreiben, Anreize für ein gesünderes Konsumverhalten zu bieten und bedarfsgerechte Langfristlösungen zu entwickeln, um die Krankheit für künftige Generationen in den Griff zu bekommen".

Investitionen in Therapieforschung

Eine wirksame Medikation gegen Demenz oder der Alzheimer-Krankheit oder gar eine Heilung der Erkrankungen gibt es derzeit noch nicht, doch das ist das klar ausgesprochene Ziel. "Schätzungen zufolge werden Unternehmen jedoch bis 2021 über 10 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von Medikamenten investieren4", so Saurymper weiter.

Aktuell lägen die Schwerpunkte der Demenztherapie auf den Studien von Antikörpern und neuen Therapien für neurodegenerative Krankheiten. Das Biotechnologieunternehmen Biogen führt derzeit fortgeschrittene Studien mit dem Antikörper Aducanumab durch. "Dieser Antikörper zielt auf ein Protein ab, das sich in den Gehirnen von Alzheimerpatienten ablagert und mit einer Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten und der Funktionalität in Verbindung gebracht wird5", erklärt der Experte. Frühe klinische Studien hätten gezeigt, dass Aducanumab im Vergleich zu einer Placebo-Kontrollgruppe die fortschreitende Verschlechterung bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit erheblich gebremst hat.

Prothena, ein anderes Biotechnologieunternehmen, habe kürzlich eine Vereinbarung über 150 Millionen US-Dollar mit dem Biopharmaunternehmen Celgene abgeschlossen. "Beide wollen gemeinsam Medikamente entwickeln, die auf drei Proteine abzielen, die mit verschiedenen Arten von Demenz zusammenhängen6", erläutert Saurymper.

Frühzeitige Diagnose und gesunder Lebensstil

Zwar versuchen die Unternehmen, Therapiemöglichkeiten zu entwickeln, die bestenfalls den Heilungsprozess anstoßen sollen, der Fokus ist aber breiter gestreut und liegt auch auf der Entwicklung eines besseren und frühzeitigeren Diagnoseprozesses sowie auf der gesundheitlichen Vorsorge. "Big Data kann helfen, Demenzdiagnosen früher zu stellen", berichtet Saurymper. "Optum, eine Sparte des Gesundheitskonzerns United Health, konnte mithilfe seiner ‚Big Data Research Initiative‘ bereits erste Erfolge erzielen: Seit 2015 haben sie mit fortschrittlichen wissenschaftlichen Methoden elektronische Patientenakten von Demenzkranken nach Hinweisen durchsucht, um eine Demenz vorherzusagen, vorzubeugen und behandeln zu können."

Durch diese Methoden konnten Warnsignale ermittelt und festgestellt werden, die bis zu drei Jahre vor einer traditionellen Diagnose der Krankheit Hinweise auf diese geben können. Diese Früherkennung ermöglicht dem Patienten die Chance, mit bereits existierenden und zukünftigen Therapiemöglichkeiten gegen die Krankheit anzukämpfen.

Auch ein gesunder Lebensstil kann zur Vorbeugung beitragen. "In mehr als einem Drittel aller Fälle kann eine Demenz durch mehr Wissen und ein gesünderes Leben vermieden werden. Wichtige negative Faktoren sind Stress, Adipositas, Kopfverletzungen und Umweltverschmutzung", sagt Saurymper.

Vitality, eine Sparte des südafrikanischen Versicherungsunternehmens Discovery, habe das erkannt. Das Unternehmen ermutigt seine Kunden dazu, eine gesündere Lebensweise anzustreben und bietet ihnen verschiedene Geräte zur Überwachung ihrer Gesundheitswerte an. Durch diese Überwachung können die Kunden ihren Lebensstil bewusster steuern und bekommen ein allgemeines Bewusstsein für ihre eigenen Werte. Das Unternehmen will dadurch seine Ausgaben für vermeidbare Krankheiten wie Fettleibigkeit senken. Bestenfalls profitieren demnach beide Seite daran.

"Bereits jetzt haben viele Branchen erkannt, dass mit einem zunehmenden Anteil älterer Menschen auch deren Bedürfnisse immer wichtiger werden. Chronische Krankheiten wie Demenz müssen besser verstanden werden, um sie zu vermeiden oder im Krankheitsfall medizinisch angemessen zu behandeln. Nur so kann das Wohl der Menschen, der Gesellschaft und der Wirtschaft gesichert werden", schließt Saurymper.

1. Alzheimer’s Disease International, World Alzheimer’s Report 2015
2. Alzheimer’s Disease International, World Alzheimer’s Report 2015
3. Radiol 2015, zitiert von der Vereinigung Alzheimer’s Disease International
4. GBI Research, zitiert in BAML: "The Silver Economy - Global Ageing Primer", Mai 2016
5. Biogen, Stand April 2018
6. Prothena, März 2018


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Stand: 13.09. 2018

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