Anpassungsschwelle

Der Faktor-Index bildet die um einen konstanten Faktor gehebelte tägliche Performance des Referenzwertes nach. Dafür wird, wie auch bei der Performanceberechnung des Referenzwerts selbst, jeweils der Schlusskurs am Vortag als Bewertungskurs für die prozentuale Wertentwicklung an einem neuen Handelstag verwendet.

Faktor-Indizes besitzen jedoch darüber hinaus einen speziellen Mechanismus, der verhindern soll, dass der Wert des Faktor-Index auf null fällt oder sogar negativ wird, wenn die Kursbewegungen des Referenzwertes an einem Tag zu stark ausfallen. Dieser Mechanismus wird ausgelöst, wenn der Referenzwert eine festgelegte Anpassungsschwelle erreicht. Dann wird beim Faktor-Index eine sogenannte untertägige Anpassung durchgeführt.

Die Anpassungsschwelle beschreibt, wie stark eine Kursveränderung des Referenzwerts gegenüber seinem Vortagesschluss sein darf, bevor sie nicht mehr zulässig ist. Sie wird als konstanter Prozentsatz festgesetzt und ihr absoluter Wert wird zu Beginn eines jeden Handelstags berechnet und veröffentlicht. Wird ein neuer Faktor-Index aufgelegt, wird gleichzeitig auch festgesetzt, wie hoch die Anpassungsschwelle bezogen auf den Referenzwert ist. Der Prozentsatz der Anpassungsschwelle bleibt danach immer konstant.

Beispiel: Bei einem Faktor-Zertifikat mit Faktor 8 würde eine Bewegung des Referenzwerts um 12,5 Prozent entgegen der erwarteten Kursrichtung einen 100prozentigen Wertverlust des Faktor-Zertifikats bedeuten. Um zu verhindern, dass dies eintritt und das Zertifikat wertlos wird, besitzt der entsprechende Faktor-Index eine Anpassungsschwelle. Diese liegt bei 10 Prozent, wird also ausgelöst, wenn der Referenzwert an einem Handelstag 10 Prozent oder mehr an Wert verliert.

Wird die Anpassungsschwelle erreicht, findet die sogenannte untertägige Anpassung statt. Das heißt, der Faktor-Index reagiert so, als ob der Handelstag beendet wäre und gleichzeitig ein neuer Handelstag beginnen würde: Der "Vortagesschlusskurs" wird auf Höhe der berührten oder unterschrittenen Anpassungsschwelle gesetzt und die neue Anpassungsschwelle ausgehend von diesem Kurs um den festgelegten Prozentsatz nach unten vorschoben. Außerdem wird die berührte Anpassungsschwelle damit auch der neue Bewertungskurs für die weitere Performancemessung.

Die Anpassungsschwelle ist somit nicht gleichzusetzen mit der Knock-Out-Schwelle bei anderen Zertifikaten, da das Faktor-Zertifikat nicht wertlos wird, wenn der Faktor-Index seine Anpassungsschwelle berührt. Sie ist aber auch kein Sicherheitspuffer, da sie weitere Verluste nicht verhindert sondern lediglich abschwächt. Da der Bewertungskurs bei Berührung der Anpassungsschwelle auf ein niedrigeres Niveau fällt und die Teilnahme an der Kursveränderung des Referenzwertes dann von diesem Niveau aus nachvollzogen wird, kann man die Anpassung sogar mit einer direkten Realisierung der bis dahin angefallenen Verluste gleichsetzen. Ein Totalverlust durch ungünstige Kursbewegungen des Referenzwertes ist durch die Anpassungsschwelle aber so gut wie unmöglich.

Bildquelle: echoevg, shutterstock, MoonRock, shutterstock

pagehit