Der Hebel bei Faktor-Zertifikaten

Faktor-Zertifikate zeichnen sich vor allem durch ihren konstanten Hebel aus. Um ihn konstant zu halten, wird der Hebel an jedem Handelstag neu justiert, indem der Schlusskurs des Referenzwertes am vergangenen Handelstag als Grundlage für die Kursentwicklung am nächsten Handelstag herangezogen wird. Die Performance des Zertifikats ergibt sich also aus der gehebelten prozentualen Entwicklung des Referenzwerts gegenüber seinem Vortagesschluss. Steigt beispielsweise eine Aktie an einem Tag um 2 Prozent von 100 Euro auf 102 Euro, dann steigt ein Zertifikat des Typs Long mit Faktor 4 um 8 Prozent (2 Prozent x 4facher Hebel), beispielsweise von 10 Euro auf 10,80 Euro. Fällt die Aktie am nächsten Tag ausgehend von ihrem Vortagesschluss wieder um 1 Prozent von 102 Euro auf 100,98 Euro, fällt das Zertifikat um 4 Prozent (1 Prozent x 4facher Hebel) von 10,80 Euro auf 10,368 Euro.

Betrachtet man die Performance von Zertifikat und Referenzwert jeweils auf Tagessicht, so bleibt der Hebel konstant und verändert sich nicht mit der Zeit. Über einen längeren Zeitraum, also über mehrere Tage hinweg betrachtet, kann die Gesamtperformance der Aktie jedoch nicht einfach mit dem Hebel multipliziert werden, um die Performance des Faktor-Zertifikats während dieses Zeitraums zu erhalten. Denn die Wertentwicklung des Faktor-Zertifikats ist nicht von der Gesamtperformance des Referenzwerts über einen bestimmten Zeitraum abhängig, sondern von jeder einzelnen Tagesperformance während dieser Zeit. Wenn nur ein längerer Zeitraum betrachtet wird, sind daher die Entwicklung von Referenzwert und Zertifikat nicht mehr zu 100 Prozent parallel. Dies führt jedoch in trendstarken Phasen zu einem positiven Effekt beim Faktor-Zertifikat: Betrachtet man in so einer Phase an einem Tag nur den Eröffnungskurs von Referenzwert und Zertifikat und dann erst mehrere Tage später wieder den Schlusskurs beider Wertpapiere, ergeben sich zwei mögliche Szenarien:

1. Wenn sich der Referenzwert in die erwartete Richtung entwickelt, legt in einem solchen Vergleich das Zertifikat stärker zu, da sich die Basis für die gehebelte Wertentwicklung ebenfalls positiv entwickelt und somit jeden Tag höher liegt.

2. Wenn sich der Referenzwert entgegen der erwarteten Richtung entwickelt, nimmt die Basis für die gehebelte Wertentwicklung täglich ab. Dennoch fallen gehebelte Verluste an.

Ein positiver kumulativer Effekt bei Faktor-Zertifikaten entsteht allerdings nur in trendstarken Phasen, wenn sich der Referenzwert über mehrere Tage hinweg in die erwartete Richtung bewegt. Wird der Trend hingegen an einem oder mehreren Tagen unterbrochen, tritt der Effekt, abhängig von der Stärke der Gegenbewegung, entweder nicht oder nur in geminderter Form auf oder das Faktor-Zertifikat entwickelt sich sogar schlechter als der Referenzwert.

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