Funktionsweise von Faktor-Zertifikaten

Mit Faktor-Zertifikaten können Anleger an stabilen Kurstrends partizipieren. Dabei wird die Tagesperformance des Referenzwertes, auf den sich das Faktor-Zertifikat bezieht, mit einem konstanten Hebel, dem Faktor, gehebelt, so dass die Zertifikate einen überproportionalen Ertrag oder eben auch Verlust verglichen mit einem Direktinvestment bieten. Die Höhe des Hebels kann jeder Anleger aus einer Reihe von Faktor-Zertifikaten je nach seiner Risikobereitschaft selbst wählen: Alle Emittenten bieten Papiere mit unterschiedlichen Hebeln an, so dass man beispielswiese bei Faktor-Zertifikaten auf Aktien oder Aktienindizes meist zwischen Papieren mit einem Faktor zwischen 2 und 8 auswählen kann. Entscheidet man sich für ein Zertifikat mit Faktor 6, steigt und fällt das Zertifikat um den 6fachen prozentualen Wert wie der Referenzwert - und das jeden Tag aufs Neue.

Ebenfalls praktisch: Hat man sich einmal für ein bestimmtes Faktor-Zertifikat auf einen Referenzwert entschieden, kann man bei gleichbleibendem Hebel immer mit dem gleichen Schein auf den Referenzwert spekulieren, da Faktor-Zertifikate keine Laufzeitbegrenzung haben. Das ständige Suchen nach passenden Papieren, wie man es beispielsweise von Optionsscheinen kennt, entfällt also und man kann sich mehr auf den Handel und die Performance der Zertifikate konzentrieren. Faktor-Zertifikate besitzen jedoch auch Nachteile: Sie sind nicht für den Handel in volatilen Märkten geeignet. Wenn der Kurs des Referenzwerts an einem Tag fällt und am nächsten Tag wieder steigt, schneidet ein Long Faktor-Zertifikat aufgrund des konstanten Hebels in der Regel schlechter ab.

Ebenso kann es zu Abweichungen bei der Abbildung der Performance des Referenzwerts kommen, wenn dieser in einer anderen Währung notiert ist als das Faktor-Zertifikat und es zu Schwankungen im Wechselkurs zwischen den beiden Währungen kommt. Anleger tragen hier also ein Währungsrisiko. Anders bei Dividendenausschüttungen: Wird ein Referenzwert an einem Tag aufgrund einer Dividendenzahlung ex Dividende und damit zu einem niedrigeren Kurs gehandelt, wird der Kurs des Faktor-Zertifikates um die Dividendenausschüttung korrigiert, damit Zertifikateanlegern hieraus kein Nachteil entsteht. Denn Anleger, die Faktor-Zertifikate besitzen, erhalten keine laufenden Erträge wie Dividenden- oder auch Zinszahlungen.

Faktor-Zertifikate gibt es sowohl als Long-Zertifikat als auch als Short-Zertifikat, man kann mit Ihnen also sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des Referenzwerts spekulieren. Man sollte jedoch beachten, dass der Hebel immer in beide Kursrichtungen wirkt, man mit dem Faktor-Zertifikat also sowohl überproportionale Gewinne erzielen, aber auch überproportionale Verluste erleiden kann, wenn sich der Referenzwert nicht in die erwartet Richtung bewegt. Positiv wirkt sich dabei jedoch aus, dass Faktor-Zertifikate keine Knock-Out-Schwelle besitzen, bei der das Zertifikat sofort komplett wertlos ist. Obwohl man auch mit Faktor-Zertifikaten hohe Verluste einfahren kann, ist das Risiko eines unmittelbaren Totalverlustes gegenüber Knock-out Produkten zumindest verringert.

Statt einem KO-Level gibt es bei Faktor-Zertifikaten jedoch eine Anpassungsschwelle. Diese wird erreicht, wenn die Performance des Basiswerts an einem Tag einen bestimmten prozentualen Wert, beispielsweise 25 Prozent, übertrifft und in die Richtung läuft, die einen Verlust beim Faktor-Zertifikat bedeutet. In diesem Fall reagiert das Faktor-Zertifikat so, als ob ein neuer Handelstag beginnen würde und errechnet die weitere Performance ab Erreichen der Anpassungsschwelle neu mit dieser als Referenzkurs. Somit fällt der Gesamtverlust dieses Tages kleiner aus, als wenn die Anpassung nicht stattfinden würde. Allerdings kommt die untertägige Anpassung einer unmittelbaren Realisierung der bis dahin aufgelaufenen Verluste gleich.

Bildquelle: Yuriy2012, shutterstock

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