Einsatzmöglichkeiten und geeignete Börsenphasen

Sie spielen ihre Vorteile optimal aus, wenn der Referenzwert sich konstant in die erwartete Richtung bewegt, da die Anleger dann über den konstanten Hebel an dieser Entwicklung teilnehmen können. In solchen Phasen können Anleger mit Faktor-Zertifikaten long gehen und auf steigende Kurse setzen oder Faktor-Zertifikate für eine Short-Strategie einsetzen und an etwaigen fallenden Kursen partizipieren.

Tendiert der Referenzwert jedoch ohne klare Richtung oder zeigt sich sehr volatil mit sich täglich abwechselnden Kursgewinnen und -verlusten, ist eine Investition in Faktor-Zertifikate auf diesen Referenzwert nicht ratsam. Denn die Berechnungsweise und der konstante Hebel von Faktor-Zertifikaten wirken sich in Seitwärtsphasen negativ auf deren Wert aus. Daher können Anleger in diesem Fall mit Faktor-Zertifikaten auch einen Verlust erleiden, wenn sich der Kurs des Referenzwertes schlussendlich nicht wesentlich verändert hat.

Denn je höher der Tagesverlust bei einem Faktor-Zertifikat ausfällt, desto schwerer ist es, diesen Verlust wieder auszugleichen und auf das Ausgangsniveau zurückzukommen. Denn durch den festen, mehrfachen Hebel und die tägliche Anpassung des Basispreises, braucht es dafür einen Gewinn, der prozentual höher ist als der Verlust, der zuvor erzielt wurde. Fiel der Wert eines Faktor-Zertifikats mit Faktor 2 beispielsweise an einem Tag um 10 Prozent von 10 Euro auf 9 Euro, braucht es am nächsten Tag einen Gewinn von 11,11 Prozent, um vom niedrigeren Bewertungskurs bei 9 Euro aus wieder den ursprünglichen Kurs von 10 Euro zu erreichen. Das gilt jedoch nicht nur in volatilen Börsenphasen, sondern auch, wenn sich der Referenzwert in die andere Richtung entwickelt, als man es erwartet hat.

Faktor-Zertifikate sind daher auch nur für Anleger geeignet, die eine klare Erwartung für die weitere Entwicklung des Referenzwerts haben, die also Trends erkennen können. Kenntnisse der Chartanalysen können daher hilfreich sein. Auch eignen sich Faktor-Zertifikate nicht als langfristige Geldanlage im Sinne einer Buy-and-Hold-Strategie, auch wenn sie keine begrenzte Laufzeit besitzen. Besser geeignet erscheinen sie stattdessen als kurzfristige Anlage für zeitliche begrenzte Spekulationen auf starke Kursbewegungen des Referenzwerts. Auch für die Absicherung von Aktienpositionen im Depot sind sie im Gegensatz zu anderen Zertifikaten aufgrund des festen Hebels kaum geeignet. Man könnte zwar theoretisch für 2.500 Euro Short Faktor-Zertifikate auf den DAX mit Faktor 8 erwerben um ein Depot mit Standardtiteln im Wert von 20.000 Euro abzusichern, allerdings müssten dann an der Zertifikateposition ständig Anpassungen vorgenommen werden um das Verhältnis von Aktien zu Faktor-Zertifikaten auf dem richtigen Niveau zu halten. Denn durch den festen Hebel verläuft die Entwicklung von Aktien und Faktor-Zertifikaten über einen längeren Zeitraum hinweg nicht hundertprozentig parallel. Faktor-Zertifikate können daher wohl eher als Beimischung zum Depot genutzt werden.

Zusammenfassend sind Faktor-Zertifikate also nur in trendstarken Phasen für erfahrene Anleger geeignet, die eine klare Vorstellung von der kurz- bis mittelfristigen Kursentwicklung des Referenzwertes haben und mit Zertifikaten an dieser teilnehmen wollen. Gleichzeitig sollten sich diese Anleger auch des Risikos bewusst sein, das sie eingehen, da hohe Verluste drohen, wenn sich der Referenzwert doch in die andere Richtung entwickelt.

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