Was passiert, wenn...

Beispiel 1: Steigende Kurse

Mit einem Faktor-Zertifikat Long spekulieren Sie auf steigende Kurse des Referenzwerts. Für unser Beispiel wählen wir ein Faktor-Zertifikat (Long) mit einem Faktor von 4. Dieses bezieht sich wiederum auf einen Faktor-Index (Long), der die Entwicklung des Referenzwertes mit einem vierfachen Hebel nachbildet. Steigt der Kurs des Referenzwertes gegenüber seinem Bewertungskurs, der dem Vortagesschluss entspricht, um 2 Prozent, dann steigt der Kurs des oben genannten Faktor-Index um 8 Prozent. Fällt der Kurs des Referenzwertes gegenüber seinem Bewertungskurs um 2 Prozent, dann fällt auch der Faktor-Index in diesem Beispiel um 8 Prozent, da die Hebelwirkung in beide Richtungen wirkt. Anleger können mit einem Faktor-Zertifikat Long mit Faktor 4 also sowohl hohe Gewinne einfahren als auch hohe Verluste erleiden.

Nun betrachten wir zur besseren Veranschaulichung eine Kursentwicklung über mehrere Tage hinweg. Zu Beginn des Betrachtungszeitraums notieren sowohl der Referenzwert als auch der Faktor-Index (Long) mit Faktor 4 bei 100 Euro. Zur Gegenüberstellung betrachten wir zusätzlich auch noch einen Faktor-Index (Short) mit Faktor 4, der zu Beginn des Betrachtungszeitraums ebenfalls bei 100 Euro notiert.

An den folgenden fünf Tagen steigt der Referenzwert jeweils um 1 Euro. Die entsprechenden prozentualen Wertsteigerungen von Referenzwert und Faktor-Indizes können Sie aus der folgenden Tabelle entnehmen.

Entwicklung von Faktor-Indizes (Short und Long) mit Faktor 4 im Vergleich zu ihrem Referenzwert:

Die Gesamtperformance des Referenzwertes beträgt während des Betrachtungszeitraums 5 Prozent, was einem Anstieg von 100 Euro auf 105 Euro entspricht. Obwohl der 4xFaktor-Index (Long) die Wertentwicklung des Referenzwertes multipliziert mit dem Faktor 4 darstellt, kann die Gesamtperformance des Referenzwertes nicht einfach mit 4 multipliziert werden, um die Gesamtperformance des Faktor-Index zu erhalten. Denn dieser erzielt über den Beobachtungszeitraum keine Performancesteigerung von 20 Prozent, sondern er steigt sogar um 21,21 Prozent. Dies liegt daran, dass sein Bewertungskurs über die einzelnen Tage stärker steigt, als der des Basiswerts und das Niveau, auf das die prozentuale Entwicklung aufgeschlagen wird, somit von Tag zu Tag höher ist. Der Faktor-Index (Long) schneidet also in trendstarken Phasen besser ab als der Basiswert.

Beim 4xFaktor-Index (Short) ist hingegen zu beobachten, dass dieser trotz des gleichen Faktors nicht so stark fällt, wie der Faktor-Index (Long) steigt. Auch dies liegt am Bewertungskurs. Dieser nimmt beim Faktor-Index (Short) über die Tage hinweg kontinuierlich ab, so dass auch die prozentualen Verluste von einem niedrigeren Niveau abgezogen werden und daher geringer ausfallen. Natürlich ist zu beachten, dass aufgrund des Hebels trotz des beschriebenen Effekts überproportionale Verluste anfallen.

Beispiel 2: Fallende Kurse

Mit einem Faktor-Zertifikat Short spekulieren Sie auf fallende Kurse des Referenzwertes. Für unser Beispiel wählen wir ein Faktor-Zertifikat (Short) mit einem Faktor von 4. Dieses beruht wiederum auf einem Faktor-Index (Short), der die inverse Entwicklung des Referenzwertes mit einem vierfachen Hebel nachbildet. Steigt der Kurs des Referenzwertes gegenüber seinem Bewertungskurs, der dem Vortagesschluss entspricht, um 2 Prozent, dann sinkt der Kurs des oben genannten Faktor-Index (Short) um 8 Prozent. Fällt der Kurs des Referenzwertes gegenüber seinem Bewertungskurs um 2 Prozent, dann steigt der Faktor-Index (Short) in diesem Beispiel um 8 Prozent. Die Hebelwirkung wirkt also in beide Richtungen. Anleger können mit einem Faktor-Zertifikat Short mit Faktor 4 also sowohl hohe Gewinne einfahren als auch hohe Verluste erleiden.

Nun betrachten wir zur besseren Veranschaulichung eine Kursentwicklung über mehrere Tage hinweg. Zu Beginn des Betrachtungszeitraums notieren sowohl der Referenzwert als auch der Faktor-Index (Short) mit Faktor 4 bei 100 Euro. Zur Gegenüberstellung betrachten wir zusätzlich auch noch einen Faktor-Index (Long) mit Faktor 4, der zu Beginn des Betrachtungszeitraums ebenfalls bei 100 Euro notiert.

An den folgenden fünf Tagen fällt der Referenzwert jeweils um 1 Euro. Die entsprechenden prozentualen Wertveränderungen von Referenzwert und Faktor-Indizes können Sie aus der folgenden Tabelle entnehmen.

Entwicklung von Faktor-Indizes (Short und Long) mit Faktor 4 im Vergleich zu ihrem Referenzwert:

Die Gesamtperformance des Referenzwertes beträgt während des Betrachtungszeitraums minus 5 Prozent, was einem Rückgang von 100 Euro auf 95 Euro entspricht. Obwohl der 4xFaktor-Index (Short) die inverse Wertentwicklung des Referenzwertes multipliziert mit dem Faktor 4 darstellt, kann die Gesamtperformance des Referenzwertes nicht einfach mit -4 multipliziert werden, um die Gesamtperformance des Faktor-Index zu erhalten. Denn dieser erzielt über den Beobachtungszeitraum keine Performancesteigerung von 20 Prozent, sondern er steigt sogar um 22,15 Prozent. Dies liegt daran, dass sein Bewertungskurs über die einzelnen Tage stärker steigt und somit das Niveau, auf das die prozentuale Entwicklung aufgeschlagen wird, somit höher ist. Der Faktor-Index (Short) schneidet also in trendstarken Phasen besser ab.

Beim 4xFaktor-Index (Long) ist hingegen zu beobachten, dass dieser trotz des gleichen Faktors nicht so stark fällt, wie der Faktor-Index (Short) steigt. Auch dies liegt am Bewertungskurs. Dieser nimmt beim Faktor-Index (Long) über die Tage hinweg kontinuierlich ab, so dass auch die prozentualen Verluste von einem niedrigeren Niveau abgezogen werden und daher geringer ausfallen. Natürlich ist zu beachten, dass aufgrund des Hebels trotz des beschriebenen Effekts überproportionale Verluste anfallen.

Beispiel 3: Seitwärts

Für eine Spekulation in volatilen Märkten bzw. bei einem seitwärts tendierenden Referenzwert sind Faktor-Zertifikate nicht geeignet. Zur Veranschaulichung betrachten wir hier direkt ein Beispiel, dass eine schwankende Kursentwicklung über mehrere Tage hinweg zeigt. Zu Beginn des Betrachtungszeitraums notieren sowohl der Referenzwert als auch ein Faktor-Index (Long) sowie ein Faktor-Index (Short), die für dieses Beispiel beide mit Faktor 6 ausgestattet sind, bei 100 Euro.

An den folgenden fünf Tagen folgt der Referenzwert keiner stabilen Kursrichtung, liegt aber am Ende des Betrachtungszeitraums wieder in der Nähe des Ausgangskurses. Dazwischen wechseln sich Kursgewinne und Kursverluste in unterschiedlicher Höhe ab. Die entsprechenden prozentualen Wertveränderungen von Referenzwert und Faktor-Indizes können Sie aus der folgenden Tabelle entnehmen.

Entwicklung von Faktor-Indizes (Short und Long) mit Faktor 6 im Vergleich zu ihrem Referenzwert:

Während der Referenzwert nur leicht um seinen Ausgangswert schwankt, unterliegen die beiden betrachteten Faktor-Indizes aufgrund der Hebelwirkung starken Kursschwankungen. Sowohl der 6xFaktor-Index (Long) als auch der 6xFaktor-Index (Short) erleiden während des Beobachtungszeitraums hohe Verluste, fahren zwischendurch aber auch hohe Gewinne ein. Dennoch schafft es der 6xFaktor-Index (Long) am Ende auf Gesamtsicht nur auf ein Plus von 0,31 Prozent bei 100,31 Euro, während der Referenzwert immerhin bei 102,00 Euro genau 2 Prozent im Plus liegt.

Die Tatsache, dass der 6xFaktor-Index (Long) trotz sechsfachem Hebel schlechter abschneidet als der Referenzwert, liegt daran, dass auch die Verluste prozentual höher sind als beim Referenzwert. Dies führt am nächsten Tag wiederum zu einem tieferen Bewertungskurs beim Faktor-Zertifikat, so dass ein prozentual höherer Gewinn benötigt wird, um die Verluste überhaupt wieder auszugleichen, geschweige denn Gewinne zu erzielen. Je größer als die Verluste bei einem Faktor-Index sind, desto schwerer ist eine Kurserholung. Vor allem in Seitwärtsphasen wie dem obigen Beispiel kann dies zu hohen Verlusten im Faktor-Index führen, die nicht mehr ausgeglichen werden können. Faktor-Zertifikate sind daher in diesen Börsenphasen kein geeignetes Anlageinstrument, sofern sie über mehrere Tage hinweg gehalten werden sollen.

Bildquelle: Sakonboon Sansri / Shutterstock.com, Robert Kneschke / Shutterstock.com

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