Fragen und Antworten zu Faktor-Zertifikaten

Frage: Was ist der "Faktor" bei Faktor-Zertifikaten?

Antwort: Der Begriff "Faktor" kommt ursprünglich aus der Mathematik und bezeichnet dort den Wert, mit dem ein anderer multipliziert wird. Bei Faktor-Zertifikaten ist mit "Faktor" der Hebel gemeint. Der Begriff "Faktor" soll ausdrücken, dass die Tagesrendite des Referenzwertes immer mit dem gleichen Wert multipliziert wird, der Hebel also konstant ist. Gleichzeitig soll durch die Benennung eine Abgrenzung zu anderen Hebelprodukten geschaffen werden, bei denen sich der Hebel täglich verändert.

Frage: Sind Faktor-Zertifikate besser als andere Hebelprodukte?

Antwort: Jein. Wenn man die Kursentwicklung des Referenzwertes richtig voraussagt und dieser sich auch stabil in diese Richtung bewegt, können Faktor-Zertifikate auf längere Sicht besser abschneiden als andere Hebelprodukte. Faktor-Zertifikate besitzen außerdem kein Laufzeitende und können nicht aufgrund einer Knock-Out Schwelle unmittelbar wertlos verfallen.
Bewegt sich der Referenzwert jedoch seitlich, sollte man andere Hebelprodukte vorziehen. Denn hier sind Faktor-Zertifikate im Nachteil, da Anleger aufgrund der Konstruktionsweise von Faktor-Zertifikaten in Seitwärtsphasen Verluste erleiden können.

Frage: Ich nutze Zertifikate hauptsächlich, um mein Depot gegen Kursschwankungen abzusichern. Kann ich das auch mit Faktor-Zertifikaten machen?

Antwort: Zur Absicherung eines Depots sind Faktor-Zertifikate nicht geeignet. Um sein Depot abzusichern kauft man normalerweise Zertifikate, die im gleichen Maß zulegen, wie die Aktien im Depot verlieren, und dies auf die absolute Summe gesehen. Faktor-Zertifikate steigen jedoch immer prozentual gesehen um ein Vielfaches dessen, was der Referenzwert verliert. Für die Depotabsicherung würde das heißen, man müsste die Menge der Faktor-Zertifikate täglich anpassen um das Verhältnis von Aktien zu Faktor-Zertifikaten auf dem richtigen Niveau zu halten. Das wäre im Vergleich zur Absicherung mit anderen Zertifikaten sehr zeitaufwendig und ist daher nicht zu empfehlen.

Frage: Warum brauchen Faktor-Zertifikate einen Faktor-Index und basieren nicht direkt auf dem Referenzwert?

Antwort: Faktor-Zertifikate müssen auf einem Faktor-Index basieren, damit die Tagesperformance des Referenzwertes immer mit dem konstanten Faktor gehebelt werden kann. Würden die Faktor-Zertifikate direkt auf dem Referenzwert basieren, ergäbe sich ein variabler Hebel, wie es bei anderen Hebelprodukten der Fall ist.

Die gehebelte Kursentwicklung des Referenzwertes findet stattdessen im entsprechenden Faktor-Index statt. So kann auch der jeweilige Schlusskurs des Vortages als Basis für die Hebelwirkung am neuen Handelstag herangezogen werden. Das Zertifikat muss dann nur noch die Entwicklung des Faktor-Index verfolgen, damit der Hebel in Bezug auf die Performance des Referenzwertes konstant bleibt.

Frage: Ich bin von Optionsscheinen Hebel im höheren zweistelligen oder im dreistelligen Bereich gewöhnt. Gibt es auch Faktor-Zertifikate mit höheren Hebeln?

Antwort: Zwar werden in selteneren Fällen Faktor-Zertifikate angeboten, die einen Hebel von bis zu 40 haben können. Bei Faktor-Zertifikaten auf Indizes oder Aktien liegt der Hebel aber meist im einstelligen Bereich.

Der verhältnismäßig niedrige Hebel ist aber kein Nachteil der Faktor-Zertifikate, da er im Gegensatz zu den Hebeln von anderen Scheinen nicht verwässert wird. Andere Hebelzertifikate besitzen die hohen zwei- bis dreistelligen Hebel ja auch nur zu Beginn ihrer Laufzeit. Danach nehmen diese ab, wenn das Zertifikat in die erwartete Richtung läuft. Das passiert bei Faktor-Zertifikaten nicht.

Bildquelle: KristinaSh, shutterstock, KristinaSh, shutterstock, DeeaF, shutterstock

pagehit