Schwellenländer-Anleihen entwickeln sich zur etablierten Anlageklasse

Der wirtschaftliche Aufstieg Asiens scheint unaufhaltsam. Im vergangenen Jahr erhöhte sich das Privatvermögen der reichsten Asiaten noch einmal deutlich. Im Durchschnitt des Jahres 2017 wurden pro Woche zwei Menschen aus Asien zu Vermögensmilliardären. Hauptgründe für den Boom in Asien: eine florierende heimische Wirtschaft mit steigenden Immobilienpreisen und anziehende Exporte. Und die Aussichten für die nähere Zukunft sind weiter gut. So erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) beispielsweise für die asiatischen Schwellenländer in den kommenden fünf Jahren Wachstumsraten von mehr als 6 Prozent pro Jahr. Für Indien werden sogar bis zu 7,7 Prozent prognostiziert (Stand Oktober 2018). Von solchen Wachstumszahlen sind die großen Volkswirtschaften wie die USA und die Eurozone weit entfernt. Im Gegenteil, hier scheint sich die Wachstumskurve deutlich abzuflachen. Der IWF taxiert das reale BIP-Wachstum in den USA auf 2,5 Prozent für 2019 und nur noch 1,4 Prozent in den Jahren bis 2023, da die fiskalpolitische Unterstützung der Wirtschaft ausläuft. Für die Eurozone werden 1,9 Prozent im kommenden Jahr erwartet, und ein mittelfristiger Rückgang des Wirtschaftswachstums auf ebenfalls nur noch 1,4 Prozent.1

Dieser Vorsprung bei den Wachstumsraten lockt Investoren an. Bisher waren dynamisch expandierende Volkswirtschaften wie China, Indien oder auch Brasilien vor allem für Aktienanleger interessant. Viele Technologie-, Rohstoff- und Konsumgüterkonzerne aus Schwellenländern zählen heute zu globalen Marktführern. Doch mittlerweile sind auch Staatsanleihen aus Schwellenländern zu einer ernst zu nehmenden Anlageklasse geworden. Ihr weltweit ausgegebenes Volumen hat sich von 1994 bis Mitte 2018 von 110 auf 870 Milliarden Dollar vervielfacht. Diese Entwicklung hat sich gerade noch einmal beschleunigt. Laut Weltbank wurde 2017 ein Rekordwert von 309 Milliarden Dollar an Anleihen erreicht, die neu von staatlichen und privaten Organisationen in Schwellenländern ausgegeben wurden.

Investoren schätzen Hartwährungsanleihen in Dollar

Investoren schätzen, dass diese regelmäßig in Dollar emittiert werden. Dadurch ist das Währungsrisiko besser einschätzbar, sonst müssten Investoren mit Anleihen in vielen verschiedenen lokalen Währungen arbeiten. Auf Dollar lautende Schwellenländer-Anleihen sind an einem geregelten Markt ähnlich unproblematisch wie etwa der Kauf einer europäischen Unternehmensanleihe. Im Fachjargon wird hier von "Hartwährungsanleihen" gesprochen. Bei dem von FTSE2 zusammengestellten Schwellenländer-Anleihen-Index EM USD Government and Government-related Bond Select Index wird aktuell eine Endfälligkeitsrendite in Dollar von 6,3 Prozent angegeben. Die Variante desselben Index mit einer Währungssicherung für Euro-Investoren kommt auf aktuell 3,4 Prozent (jeweils Stand Oktober 2018). Dies liegt deutlich über dem Zinsniveau für US- oder Euro-Staatsanleihen. Über den von Xtrackers ETFs angebotenen USD Emerging Markets Bond ETF (https://etf.dws.com/de-de/LU0677077884-usd-emerging-markets-bond-ucits-etf-2d-/), der diesen Index abbildet, können Anleger an dieser Renditechance partizipieren. Jedoch gelten für die ETFs auch die für Anleihemärkte üblichen Kursrisiken, sollten sich zum Beispiel die Marktzinsen stark verändern.

Doch es ist nicht nur die pure Größe, die die Anlageklasse der Schwellenländer-Anleihen für Investoren interessant macht. Es gibt mittlerweile mehr als 50 unterschiedliche staatliche und staatsnahe Emittenten, die entsprechende Indizes ausweisen. Damit ist es möglich, ein breit gestreutes Portfolio unterschiedlicher Emittenten zusammenzustellen. Schließlich ist auch positiv zu werten, dass aktuell bereits knapp die Hälfte der Schwellenländer, die als Emittenten von Anleihen auftreten, von den führenden Rating-Agenturen als "Investment-Grade"3 eingestuft wird. Damit ist das Ausfallrisiko insgesamt vergleichbar mit vielen klassischen Industrieländern.

Politische Risiken bleiben bestehen

Trotz dieser günstigen Ausgangssituation müssen Investoren genau prüfen, in welchem Schwellenland sie ihr Geld investieren wollen. In Indien zum Beispiel stehen im Frühjahr 2019 Wahlen an. Eine Wahlniederlage von Premier Narendra Modi4, was Beobachter für durchaus möglich halten, könnte die anspruchsvolle Reformagenda wieder ins Stocken bringen. Ähnliches gilt für Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südostasiens. Hier muss sich Präsident Joko Widodo im April einer Wiederwahl stellen.

China, die mit Abstand größte Volkswirtschaft Asiens, ist ein gutes Beispiel, wie externe Einflüsse die Wirtschaft in Schwellenländern belasten können. Der Handelskonflikt mit den USA mit den angekündigten Zöllen hat das Potenzial, das Wachstum der chinesischen Ökonomie deutlich zu verlangsamen. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass China durch fiskalische und monetäre Lockerungen gegensteuert, bleibt hier eine Unsicherheit bestehen. Ein weiterer grundsätzlicher Aspekt, der gegen die Attraktivität von Schwellenländer-Anleihen sprechen könnte, ist der weltweite Trend zu steigenden Zinsen. Zentralbanken von Industrieländern wie Großbritannien, Kanada und Australien sind der US-Notenbank Federal Reserve bereits mit Zinssteigerungen gefolgt. Sind verzinsliche Anlagen in diesen Ländern mittelfristig wieder attraktiver, könnten sich Investoren gegen riskantere Anleihen aus Schwellenländern entscheiden.5




1Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als nicht zutreffend oder nicht korrekt herausstellen können.
2Unternehmen, das Börsenindizes auflegt und vermarktet
3Anleihen mit guter bis sehr guter Bonitätsnote.
4Premierminister Indiens
5Quelle: DWS International GmbH, www.xtrackers.de, Stand Dezember 2018

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