Volkswirtschaftliche Szenarien: Details und mögliche Folgen

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen. ================================== Stand: 16. August 2018. Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von der Schroders Economics Group und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mittei-lungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrück-ten oder aufgeführten Ansichten dar.

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Das Team um Chefvolkswirt Keith Wade sowie Azad Zangana und Craig Botham entwirft mögliche Szenarien, in denen die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage in die Zukunft projiziert wird. Was diese Überlegungen im Vergleich zum aktuellen Basisszenario bedeuten und wie sich diese Gedankenspiele in der realen Weltwirtschaft auswirken würden, verbirgt sich hinter den Überschriften in der folgenden Liste.

Inflation: Anstieg der Preise von Waren und Dienstleistungen im Zeitverlauf
Deflation: Geringeres Wirtschaftswachstum, niedrigere Inflation
Stagflation: Geringeres Wirtschaftswachstum, höhere Inflation
Reflation: Höheres Wirtschaftswachstum, höhere Inflation
Produktivitätsschub: Höheres Wirtschaftswachstum, niedrigere Inflation

Basisszenario

Darum geht es

Das Basisszenario ist die Prognose von Schroders für die voraussichtlich eintretende wirtschaftliche Entwicklung.

So sieht das Szenario aus

  • Das globale Wirtschaftswachstum bleibt robust.
  • Wir haben allerdings zum zweiten Mal in Folge unsere Prognose für 2018 von 3,4 % auf 3,3 % und für 2019 von 3,2 % auf 3,0 % nach unten korrigiert.
  • Die signifikantesten Anpassungen haben wir in Europa und Japan vorgenommen, nachdem das Wachstum in der ersten Jahreshälfte enttäuscht hat.
  • Zudem haben wir auch unsere Einschätzung hinsichtlich des Wachstums für die USA und die Schwellenländer geringfügig nach unten korrigiert.
  • Der Grund für unsere schwächere Wachstumseinschätzung liegt darin, dass wir nun davon ausgehen, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA längere Zeit andauern und die negativen Auswirkungen ausgeprägter ausfallen werden als bisher gedacht.
  • Unserer Meinung nach wird der Konflikt bis 2019 andauern und weitreichende Zölle auf verschiedene Güter zwischen den beiden Nationen mit sich bringen. Von China erwarten wir ebenfalls direkte Maßnahmen gegen US-Unternehmen, die innerhalb von China operieren.
  • Der globale Handel und die Kapitalausgaben leiden unter diesem Umfeld.
  • Wir haben unsere Inflationsprognose als Resultat steigender Zölle und höherer Ölpreise von 2,4 % auf 2,7 % nach oben angepasst.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Wir rechnen mit zwei weiteren Zinsschritten der US-Notenbank 2018 und zwei im kommenden Jahr, sodass die Federal Funds Rate gegen Mitte 2019 auf 3 % steigt.
  • Die EZB sollte im 4. Quartal ihr Lockerungsprogramm beenden und den Leitzins 2019 zwei Mal anheben.
  • Von Japans Notenbank erwarten wir keine weiteren geldpolitischen Veränderungen über den Prognosezeitraum hinweg, nachdem die Ausrichtung der Geldpolitik zunächst leicht modifiziert wurde.
  • In Großbritannien werden wir 2019 wohl weitere Zinsschritte sehen, wenn es mehr Klarheit über die Ausgestaltung des Brexit gibt.
  • Auf der anderen Seite ist davon auszugehen, dass die niedrigere Preissteigerungsrate und die anhaltenden Liquiditätsbedenken in China dazu führen, dass Chinas Notenbank ihre Geldpolitik eher lockern wird.
  • Von Russland erwarten wir ebenfalls eine lockere Zinspolitik im Jahr 2019.
  • Brasilien wird dahingegen eher Indien folgen und die Geldpolitik straffen.
  • In diesem Umfeld rechnen wir damit, dass der US-Dollar mittelfristig noch weiter aufwerten kann, bevor er dann 2019 an Dynamik verliert.

Auswirkung: -

Eintrittswahrscheinlichkeit des Basisszenarios: 65%

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Italien schliddert in die Schuldenkrise.

So sieht das Szenario aus

  • Die populistische italienische Regierung legt sich mit Brüssel an und verkündet eine fiskalpolitische Lockerung in Höhe von 5 % des Wirtschaftswachstums.
  • Der Markt gerät in Aufruhr und die Renditen 10-jähriger BTPs (Staatsanleihen Italiens) klettern auf über 6 %.
  • Nach einer Reihe fehlgeschlagener Auktionen ist die Regierung gezwungen, Hilfe von der EU zu ersuchen, die ihrerseits Rettungsmaßnahmen einleitet.
  • Ein Technokrat übernimmt die Regierung als Premierminister und die Europäische Zentralbank EZB initiiert ein Hilfsprogramm.
  • Das Lockerungsprogramm wird 2019 wieder aufgenommen, weil der Eurozone eine tiefe Rezession bevorsteht.
  • Das Risiko einer Zahlungsausfalls und der damit verbundenen Restrukturierung des Schuldenbergs bleibt bestehen. Jedoch sinken die Anleiherenditen als Folge der EZB-Intervention und inländischer Reformen wieder auf verkraftbare Level.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Für die Eurozone ist dies zunächst ein stagflationäres Szenario aus wirtschaftlicher Stagnation und steigendem Preisdruck, das den Euro wieder auf 1,02 zum US-Dollar fallen lässt.
  • Ab Mitte 2019 wandelt sich das Szenario in eine deflationäre Richtung.
  • Die Währungen in Japan und den USA werten auf und führen in Kombination mit dem niedrigeren Ölpreis und einem Schock an den Finanzmärkten zu niedrigerem Wachstum und niedrigerer Inflation.
  • Die Auswirkungen auf die Schwellenländer sind gemischt, aber letztendlich deflationär.
  • China interveniert gegen eine Abwertung des heimischen Währung Yuan.
  • Andere Schwellenländer wie Russland, Brasilien und Indien erfahren jedoch Währungsabwertungen.

Auswirkung:

Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

5%

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Die Tendenz hin zu fiskalpolitischen Impulsen breitet sich global aus.

So sieht das Szenario aus

  • Als Reaktion auf die Fiskalimpulse in den USA beschließen andere Länder eigene expansive Maßnahmen.
  • Als mögliche Katalysatoren dafür sehen wir Regierungswechsel oder auch stärkere populistische Tendenzen.
  • Die G7 der sieben größten Industriestaaten und die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) richten allesamt ihre Fiskalpolitik expansiver aus durch eine Kombination aus Steuerreduzierungen und höheren Ausgaben.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Die Kombination aus lockerer Fiskalpolitik und starker Wachstumsdynamik (größer als Trendwachstum) steigert das Vertrauen in die Wirtschaft weiter.
  • In einigen Ländern, die niedrige Arbeitslosenquoten verzeichnen, steigen die Gehälter, was wiederum zu höherer inländischer Inflation führt. In anderen Ländern, die noch einen stärker aufnahmefähigen Arbeitsmarkt haben, zieht die Inflation durch höhere Rohstoff- und Importpreise an.
  • Die Zentralbanken reagieren mit einer restriktiveren Geldpolitik, die letztendlich das Wachstum etwas abkühlt.

Auswirkung:

Reflation: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

4 %

Volkswirtschaftliche Szenarien

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Darum geht es

Europa verbündet sich mit den USA und erhebt ebenso wie die USA Zölle gegen China.

So sieht das Szenario aus

  • Die USA und Europa verkünden einen Waffenstillstand im Handelsstreit und verbünden sich gegen China.
  • Beide Wirtschaftsräume verhängen Zölle auf chinesische Güter mit dem Ziel, Zugeständnisse in Bezug auf die chinesische Wirtschafts- und Industriepolitik sowie den Umgang mit geistigem Eigentum zu erzwingen.
  • China reagiert auf die auferlegten Zölle in Höhe von 25 % auf einen Großteil seiner Handelsgüter, indem es im 4. Quartal die Währungen um 20 % abwertet.
  • Dies gleicht den negativen Einfluss von den auferlegten Zöllen aus, kommt allerdings auf Kosten der globalen Konjunktur und der Preisniveaus.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Die auferlegten Zölle treiben die Preise in Europa und den USA nach oben.
  • Im Zuge dessen steigt die Inflation an, die aber teilweise durch den niedrigeren Ölpreis gedämpft wird.
  • Währungen, die als sichere Häfen angesehen werden, werten auf. Der Euro und die Schwellenländerwährungen verlieren jedoch an Wert.
  • Insgesamt verlangsamt sich das globale Wirtschaftswachstum, der Handel geht zurück und der US-Dollar gewinnt an Stärke.

Auswirkung:

Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

7%

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Der Ölpreis steigt auf über 100 USD pro Barrel.

So sieht das Szenario aus

  • Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die Auferlegung von Sanktionen resultieren darin, dass die globale Ölproduktion um rund 1 Mio. Barrel pro Tag abnimmt.
  • Zusätzlich dazu weitet sich der geopolitische Konflikt zwischen dem Iran, Israel, Saudi-Arabien aus.
  • In Folge dessen klettert der Ölpreis auf über 100 USD pro Barrel.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Der höhere Ölpreis führt zu einem rapiden Anstieg der Inflation und belastet die Ölkonsumenten weltweit.
  • Die Ölproduzenten profitieren zwar von dem höheren Ölpreis, aber weiten die Produktion nicht schnell genug aus, um andere Kürzungen auszugleichen.
  • Höhere Investitionen und ein Anstieg in der Schiefergasproduktion in den USA gleichen letztendlich den Angebotsrückgang aus; im Laufe der Zeit verblassen jedoch die positiven Effekte hiervon und die negativen Auswirkungen auf den globalen Handels und die Haushaltsausgaben belasten das Wachstum.
  • Die geldpolitische Straffung der Fed ist limitiert, weil höhere Inflation in Verbindung zu schwächerem Wachstum steht.

Auswirkung:

Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

3 %

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Eine neue Ära des freien Handels bricht an.

So sieht das Szenario aus

  • Die Gespräche zwischen Europa und den USA münden in einer neuen Ära des freien Handels.
  • Die Beseitigung von Zöllen und Handelsbeschränkungen ermutigt andere Länder, darunter auch China, sich dem Kurs anzuschließen.
  • Der Anteil des globalen Handels in Relation zum Weltwirtschaftswachstum steigt deutlich an.
  • Die wettbewerbsfähigsten Länder profitieren am meisten.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Die am stärksten integrierten globalen Wertschöpfungsketten steigern ihre Produktivität und verringern die Herstellungskosten.
  • Aufgrund der neuen Wettbewerbsintensität werden die Einsparnisse über den Preis weitergegeben, was eine niedrigere Inflation nach sich zieht.
  • Die niedrigeren Preise resultieren in einer stärkeren Güternachfrage und höherem Wachstum.

Auswirkung:

Produktivitätsschub: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

4%

Volkswirtschaftliche Szenarien

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Nach einem schwächeren ersten Quartal kühlt die Konjunktur auch im zweiten Quartal ab.

So sieht das Szenario aus

  • Die konjunkturelle Abkühlung im ersten Quartal bleibt auch im zweiten Quartal bestehen, da die Sorgen hinsichtlich einer mögliche Eskalation des Handelskrieges auf das Verbrauchervertrauen und den Konjunkturoptimismus drücken.
  • Der globale Handel kühlt sich ab, Kapitalausgaben werden verschoben und die Konsumenten legen die Ersparnisse aus den Steuerreduzierungen zurück.
  • Die globale Wirtschaft erleidet eine Wachstumsdelle, die sich bis 2019 ausdehnt.
  • Schließlich zieht die Wirtschaftsaktivität wieder an, weil sich die Beziehungen zwischen den USA und dem Rest der Welt verbessern.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Niedrigere Ölpreise und niedrigeres Wachstum reduzieren die Inflation.
  • Nach dem Zinsschritt im Juni folgt nur noch eine Zinserhöhung bis zum Jahresende 2019.
  • Insgesamt bleiben die Zinsen in Großbritannien, der Eurozone und China für längere Zeit auf niedrigem Niveau.

Auswirkung:

Deflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und niedrigere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

5 %

Trumps Wachstumsboom

Das volkswirtschaftliche Team von Schroders entwirft regelmäßig politische Szenarien und zeigt deren mögliche wirtschaftliche Folgen.

Darum geht es

Die politischen Maßnahmen von Donald Trump befeuern einen Wachstumsboom.

So sieht das Szenario aus

  • Nach einer starken Wachstumsdynamik im zweiten Quartal setzt sich der positive Trend weiterhin fort.
  • Der Konjunkturoptimismus von Seiten der Unternehmen schlägt sich in höheren Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Personal nieder.
  • Darüber hinaus bringen die Steuerreduzierungen insgesamt höhere Ausgaben der Unternehmen und Haushalte mit sich.
  • Das Wachstum bleibt robust und die Arbeitslosenquote fällt weiter über die nächsten 12 Monate, bis Kapazitätsbeschränkungen zu höherer Inflation führen, die dann in der zweiten Jahreshälfte 2019 die Konjunktur abdämpft.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Der Wachstumsboom wird von der Trump-Administration begrüßt, verursacht jedoch steigende Inflation und zwingt die US-Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik.
  • Die Federal Funds Rate steigt auf 4 % Ende 2019.
  • Obwohl das globale Wirtschaftswachstum von der stärkeren US-Nachfrage profitiert, wertet der US-Dollar auf und führt zu unvorteilhafteren finanziellen Konditionen in den Schwellenländern.

Auswirkung:

Reflation: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit:

6 %

Bildquelle: violetkaipa / Shutterstock.com