Sektorrotation als Leitlinie der Portfoliobildung

Hält die Aktien-Hausse an?

Die Aktienmärkte der führenden Industrienationen kennen seit rund einem Jahr nur eine Richtung: nach oben. Getrieben von einer immer noch expansiven Geldpolitik der führenden Notenbanken, großen Hoffnungen zu stimulierenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen der neuen US-Regierung und einem wieder dynamischeren Wirtschafts- und Gewinnwachstum, legten Aktien in Europa und jenseits des Atlantiks kräftig zu. Im Oktober markierte der DAX ein neues Allzeithoch, auch der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial oder die Nasdaq bewegen sich schon seit längerem auf Rekordkurs. In den vergangenen zwölf Monaten haben diese wichtigen Kursbarometer den Anlegern Renditen von mehr als 20 Prozent beschert.

Und das, obwohl sich das Umfeld für die Dividendentitel mittlerweile etwas eingetrübt hat. Anlass zur Sorge geben die geopolitischen Spannungen. Der Unmut über das nordkoreanische Atomprogramm nimmt weltweit zu. Unsicher ist zudem, wie lange die Euphorie der Börsianer bezüglich der neuen US-Regierung noch anhält. Einen ersten Dämpfer bereitete das gescheiterte Gesetz zur Gesundheitsreform, das trotz mehrerer Versuche keine Zustimmung des Kongresses erhielt. Zudem mehren sich die Anzeichen, dass nun auch die EZB ihre äußerst lockere Geldpolitik beendet. Anleger müssen in dieser Phase einen schwierigen Spagat meistern: Einerseits sollen Gewinne gesichert werden, andererseits will niemand aus einem haussierenden Markt aussteigen.

Durch Sektorrotation zyklische Trends nutzen

Je nach Branche reagieren Aktien oft äußerst unterschiedlich auf zyklische Faktoren wie die Entwicklung konjunktureller Größen, etwa die BIP-Steigerung, Zinsen und Inflation. Bei der von State Street Global Advisors angewandten Sektorrotationsstrategie können Anleger deswegen ihr Engagement mit dem Einsatz von Sektor-ETFs zielgerichtet an der Konjunkturabhängigkeit der Branche ausrichten. Im Rahmen dieser Strategie werden solche Sektoren bevorzugt, von denen aufgrund zyklischer Trends eine Outperformance zu erwarten ist, während umgekehrt die Sektoren untergewichtet werden, bei denen eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung zu befürchten ist.

In einem Aufschwung verzeichnen oft alle Sektoren Kursgewinne - jedoch in mitunter äußerst unterschiedlicher Ausprägung und zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Erholungsphase. So werden sich zinssensitive Sektoren wie langlebige Konsumgüter, Technologie und Finanzen eher zu Beginn einer Konjunkturerholung verbessern. Denn diese Phase geht mit niedrigen Zinsen einher, weswegen Verbraucher nun eher bereit sind, sich zu verschulden und zu konsumieren. Steigen die Zinsen im späteren Verlauf des Zyklus wieder an, sinken Konsum- und Verschuldungsbereitschaft - mit entsprechenden Folgen für die betroffenen Sektoren. In Reifephasen, zur Mitte eines Konjunkturzyklus, verzeichnen üblicherweise die Sektoren Material und Industrie Gewinne, während im Abschwung defensive Qualitäten gefragt sind. Diese sind vor allem in solchen Branchen zu finden, deren Erlöse und Erträge nur eine geringe Konjunktursensibilität aufweisen, was üblicherweise im Gesundheitswesen, bei Konsumgüterherstellern oder Versorgern der Fall ist. Auch der Energiesektor insgesamt kann in dieser Phase profitieren, wenn der Inflationsdruck relativ hoch ist.

Im aktuellen Umfeld halten die Experten von State Street Global Advisors die Grundstoffindustrie für interessant. Da die Produkte von Grundstoffunternehmen wie beispielsweise Spezialchemie, Industriegase und Baumaterialien in vorgelagerten Bereichen der globalen Lieferketten benötigt werden, profitieren sie in besonderem Maße von dem relativ synchronen weltweiten Wachstum. An der Börse wurde dieses Potenzial eher spät erkannt und nur langsam eingepreist, so dass die Dynamik der Entwicklung eventuell noch unterschätzt wird. Wer sich angesichts des bereits langanhaltenden Aufschwungs hingegen defensiver aufstellen will, kann beispielsweise auf den Sektor Versorger setzen.

Mit ETFs in Sektoren anlegen

Eine Anlagestrategie mit Fokus auf Sektoren ist wesentlich selektiver als etwa ein wachstumsorientierter Investment-Ansatz, bei dem Unternehmen mit einem bestimmten Wachstumspotenzial in die Auswahl kommen. Anders als im Fall einer Strategie, die sich vorrangig an Wachstums- oder Wertkriterien orientiert, sind sich bei der Aktienanlage in Sektoren die Unternehmen naturgemäß ähnlicher. Das wiederum macht das Risiko und die Rendite von Sektor-Engagements besser kalkulierbar. Anleger können hier ihre Einschätzungen zu konjunkturellen Zyklen viel präziser umsetzen. Zudem wird durch die breite Streuung über die Werte des Basisindex das Risiko im Vergleich zur Einzelwertanlage signifikant reduziert. Das heißt, dass starke Kursverluste einer einzigen Aktie sich deutlich geringer auf das Gesamtportfolio auswirken. Vorteile gibt es aber auch beim Auswahlprozess, der für Sektoranlagen weniger aufwendig ist, als für Direktanlagen. Denn für die Zusammenstellung eines Aktiendepots aus Einzelwerten gibt es in den weltweit maßgeblichen Aktienindizes Tausende von potenziellen Anlageoptionen zu überprüfen, was gerade für Privatanleger mit unverhältnismäßig hohen Informationskosten verbunden sein dürfte. Mit sektorbasierten ETFs können Anleger gezielt auf die Sektoren setzen, denen sie eine Outperformance zutrauen. Mit einem passiv verwalteten ETF wird somit eine aktive Anlageentscheidung getroffen.

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