Volkswirtschaftliche Szenarien

Was wäre wenn …? Die volkswirtschaftlichen Szenarien von Schroders

Das Team um Chefvolkswirt Keith Wade, Azad Zangana und Craig Botham entwirft mögliche Szenarien, in denen die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage in die Zukunft projiziert wird. Was diese Überlegungen im Vergleich zum aktuellen Basisszenario bedeuten und wie sich diese Gedankenspiele in der realen Weltwirtschaft auswirken würden, verbirgt sich hinter den Überschriften in der Liste unter der Szenariografik.

Inflation: Messgröße für den Anstieg der Preise von Waren und Dienstleistungen im Zeitverlauf
Deflation: geringeres Wirtschaftswachstum, niedrigere Inflation
Stagflation: geringeres Wirtschaftswachstum, höhere Inflation
Reflation: höheres Wirtschaftswachstum, höhere Inflation
Produktivitätsschub: höheres Wirtschaftswachstum, niedrigere Inflation

Basisszenario

Darum geht es

Das Basisszenario ist die Prognose von Schroders für die voraussichtlich eintretende wirtschaftliche Entwicklung.

So sieht das Szenario aus

  • Die Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2019 bleibt unverändert bei 2,8%. Für 2020 wird nun ein etwas niedrigeres Wachstum in Höhe von 2,6% erwartet (vorher: 2,7%).
  • Insgesamt wurde die Wachstumsprognose für die USA erhöht und für die Eurozone, Japan und die Schwellenländer verringert.
  • Die Herabstufung für 2020 resultiert aus einer schwächeren Prognose für die USA (1,5%) und für China (6%).
  • Unterdessen wurde aufgrund des gesehenen Anstiegs beim Ölpreis die Inflationsprognose für dieses und das nächste Jahr über alle Regionen hinweg erhöht.
  • Die Anhebung der Inflationsprognose für die USA erfolgt ebenfalls als Reaktion auf die Anhebung der Zölle auf Importe aus China.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Es wird davon ausgegangen, dass der Leitzins in den USA den Höchststand gesehen hat und dass es, bedingt durch das fragile Konjunkturbild, zu einer Zinssenkung im Juni 2020 kommen wird.
  • Von den Notenbanken in Europa, Großbritannien und Japan wird eine abwartende und vorsichtige Geldpolitik erwartet.
  • Schließlich wird damit gerechnet, dass China durch eine Reduzierung des Mindestreservesatzes (auf 10% bis Ende 2020) Lockerungspotenzial bei der Geldpolitik hat.
  • Zudem ist Schroders der Meinung, dass Japans Notenbank ihre expansive Ausrichtung beibehalten wird.
  • Mit Blick nach China wird es wohl weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen geben – so erwartet Schroders eine Verringerung der Mindestreserveanforderungen für Banken auf 10% im Jahr 2020.

Auswirkung:

Eintrittswahrscheinlichkeit des Basisszenarios: 60 %

Italienische Schuldenkrise

Darum geht es

Italien schliddert in die Schuldenkrise.

So sieht das Szenario aus

  • Obwohl Italien eine Einigung mit der Europäischen Kommission über den Haushalt für dieses Jahr getroffen hat, erwartet Schroders neue Spannungen zwischen Rom und Brüssel im Herbst, wenn das neue Budget formuliert werden muss.
  • Die Märkte fürchten eine neue Eskalation im Streit und die Rendite italienischer Staatsanleihen steigt auf 6%.
  • Nach einer Reihe fehlgeschlagener Staatsanleihen-Auktionen benötigt die Regierung Hilfe von der Europäischen Union in Form eines „Bail-outs“.
  • Es kommt zu Übertragungseffekten zu Anleihen anderer finanzschwacher Euro-Staaten.
  • Eine technokratische Regierung wird installiert und das OMT-Programm zum Kauf kurzfristiger Staatsanleihen wird wieder aktiviert.
  • Die quantitative Lockerung QE wird neu gestartet, weil der Eurozone eine tiefe Rezession bevorsteht.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Die italienische Schuldenkrise führt primär zu schwächerem globalem Wachstum, weil zunächst die Konjunkturprobleme Italiens das Wachstum in der Eurozone negativ beeinflussen und sich dann der Anstieg an Unsicherheit global auf die Investitionsdynamik der Unternehmen auswirkt.
  • Auf der Inflationsseite sieht das Bild ungewisser aus. Für die Eurozone ist dieses Szenario stagflationär, da der Euro auf 0,99 zum US-Dollar abwertet. Hingegen werten der US-Dollar und der japanische Yen auf, was in Kombination mit dem niedrigeren Ölpreis und dem Schock an den Finanzmärkten zu niedrigerem Wachstum und geringerer Inflation führt. Auch mit Blick auf die Schwellenländer sind die Auswirkungen gemischt. China interveniert, indem es den Yuan stützt. Auf der anderen Seite werten die Währungen von Brasilien, Russland und Indien im Zuge der steigenden Risikoaversion ab, was insgesamt zu einem stagflationären Szenario für die Schwellenländer führt.

Auswirkung: Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 4 %

China öffnet den Geldhahn

Darum geht es

China implementiert ausgeprägte fiskalpolitische und geldpolitische Maßnahmen.

So sieht das Szenario aus

  • China greift auf seinen gewohnten Maßnahmenkatalog zurück, um eine stärkere Wachstumsabschwächung zu vermeiden.
  • Die politischen Entscheidungsträger beschließen einen ausgedehnten fiskalpolitischen und geldpolitischen Stimulus.
  • Die Nachfrage nach Rohstoffen schnellt empor; davon profitieren einige Schwellenländer.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Die stärkere Nachfrage aus China befeuert den globalen Handel und führt zu steigenden Rohstoffpreisen. Dies resultiert in stärkerem Wachstum und höherer Inflation im Vergleich zum Basisszenario.
  • Regionen, die eine hohe Sensitivität zum globalen Handel aufweisen wie Europa oder die Schwellenländer, erfahren einen erheblichen Wachstumsschub im Jahr 2020.
  • Als Folge dessen steigen die Zinsen sowohl in den entwickelten Ländern als auch in den Schwellenländern (exklusive China) an.

Auswirkung: Reflation: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 5 %

Handelsstreit – USA gegen den Rest der Welt

Darum geht es

Die US-Regierung fährt im Handelsstreit einen noch offensiveren Kurs.

So sieht das Szenario aus

  • Die US-Administration beschließt, Strafzölle auf Autoimporte aus der restlichen Welt einzuführen, und hebt damit den Handelsstreit auf eine neue Ebene.
  • Währenddessen eskaliert der Konflikt mit China – die Gespräche scheitern und die USA erheben weitere Zölle auf die restlichen Importwaren aus China.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Höhere Einkaufspreise treiben die Inflation in die Höhe und die schwächere Handelsdynamik belastet das Wachstum.
  • Der Anstieg der Unsicherheit belastet die Kapitalausgaben der Unternehmen, die ihre Zulieferketten hinterfragen.
  • Die Zentralbanken reagieren auf die schwächere Konjunktur und schlagen eine expansivere Geldpolitik ein.

Auswirkung: Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 8 %

Rapider Ölpreisanstieg

Darum geht es

Der Ölpreis steigt auf über 100 US-Dollar pro Barrel.

So sieht das Szenario aus

  • Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die Auferlegung von Sanktionen resultieren darin, dass die globale Ölproduktion um rund 1 Mio. Barrel pro Tag abnimmt.
  • Zusätzlich dazu weitet sich der geopolitische Konflikt zwischen dem Iran, Israel und Saudi-Arabien aus.
  • Auf Basis dessen klettert der Ölpreis auf über 100 US-Dollar pro Barrel.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Der höhere Ölpreis führt zu einem rapiden Anstieg der Inflation und belastet die Ölkonsumenten weltweit.
  • Die Ölproduzenten profitieren zwar von dem höheren Ölpreis, aber weiten die Produktion nicht schnell genug aus, um andere Kürzungen auszugleichen.
  • Höhere Investitionen und ein Anstieg in der Schiefergasproduktion in den USA gleichen letztendlich den Angebotsrückgang aus; im Laufe der Zeit verblassen jedoch die positiven Effekte hiervon und die negativen Auswirkungen auf den globalen Handel und die Haushaltsausgaben belasten das Wachstum.
  • Die geldpolitische Straffung der US-Notenbank ist limitiert, weil höhere Inflation in Verbindung zu schwächerem Wachstum steht.

Auswirkung: Stagflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 4 %

Robuster US-Arbeitsmarkt

Darum geht es

Die Stärke des US-Arbeitsmarkts hält den aktuellen Konjunkturzyklus am Laufen.

So sieht das Szenario aus

  • Der US-Arbeitsmarkt entpuppt sich als flexibler als gedacht. Der Anteil der arbeitenden Bevölkerung steigt und mehr Menschen finden wieder Arbeit.
  • Dies unterbindet einen stärkeren Anstieg bei den Gehältern und der Inflation und bringt höheres Wachstum mit sich.
  • Schließlich profitiert auch die restliche Welt in Form eines stärkeren Wachstums von der soliden Nachfrage im US-Markt.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Durch das stärkere Wachstum ist die Fed in der Lage, 2020 von Zinssenkungen Abstand zu nehmen.
  • Generell liegen die Zinsniveaus global höher als im Basisszenario.

Auswirkung: Produktivitätsschub: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 5 %

US-Rezession 2020

Darum geht es

Die US-Wirtschaft gleitet im Jahr 2020 in die Rezession ab.

So sieht das Szenario aus

  • Es stellt sich heraus, dass die US-Wirtschaft fragiler ist als erwartet, nachdem die US-Notenbank Fed eine restriktivere Geldpolitik einschlägt und die positiven Effekten der Fiskalimpulse abebben.
  • In Kombination reduziert dies die Nachfrage in der Wirtschaft und belastet die Ausgaben der Haushalte und Unternehmen.
  • Die Wirtschaftsleistung schrumpft 2020 und der Konjunkturzyklus kommt zum Ende. Die Rohstoffpreise und die Inflation fallen.
  • Die Fed ergreift geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Die Kapitalmärkte fallen jedoch in Antizipation einer globalen Rezession.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Das niedrigere US-Wachstum wirkt sich negativ auf den globalen Handel aus und trifft insbesondere die Eurozone, Japan und die Schwellenländer hart.
  • Der Anstieg der Verunsicherung hat zudem negative Folgen auf die Nachfrageseite der Wirtschaft, unter anderem bedingt durch die Eintrübung der Finanzierungsbedingungen.
  • Das Wirtschaftswachstum bricht ein.
  • Als Folge dessen wird die Geldpolitik in den Schwellenländern und in den entwickelten Ländern deutlich expansiver.

Auswirkung: Deflation: schwächeres Wirtschaftswachstum und niedrigere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 9 %.

Rezession außerhalb der USA

Darum geht es

Die Welt außerhalb der USA gleitet in die Rezession ab.

So sieht das Szenario aus

  • Die wirtschaftliche Abkühlung in Europa, China und Japan verstärkt sich, da das schrumpfende Exportwachstum sich negativ auf die Investitionsbereitschaft der Firmen auswirkt.
  • Die Arbeitslosenquote steigt und die Konsumausgaben sinken.
  • Schließlich fallen die Rohstoffpreise und die Inflation geht zurück.

Diese Faktoren könnten außerdem wichtig werden

  • Das schwächere Wirtschaftswachstum hat negative Folgen auf die globale Handelsaktivität.
  • Letztendlich kommt es auch zu einer Eintrübung der Finanzierungsbedingungen in den USA und höherer Schwankungsintensität an den Märkten.
  • Der US-Dollar wird stärker und belastet zusätzlich die Schwellenländer.

Auswirkung: Reflation: höheres Wirtschaftswachstum und höhere Inflation

Eintrittswahrscheinlichkeit: 5 %

Bildquelle: SFIO CRACHO / Shutterstock.com

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