Schwellenländer: Investment in die Zukunft

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Schwellenländer: Investment in die Zukunft

Bevor sich ETF-Anleger für eine Anlage in einer bestimmten Region entscheiden, sollten sie sich über die Chancen und Risiken dort genau informieren. Xtrackers stellt mit einer regelmäßig erweiterten Liste von Länderanalysen solche Informationen zur Verfügung. Eine sorgfältige Information ist besonders für Anlagen in Schwellenländern wichtig. Weltweit werden bis zu 40 Volkswirtschaften zu den Schwellenländern gezählt. Entsprechend unterschiedlich ist ihr ökonomischer Entwicklungsstand: Er reicht von einem Fast-schon-Industrieland wie Südkorea bis zu einem Fast-noch-Entwicklungsland wie Pakistan.

Der Anteil der Schwellenländer am Welt-Bruttoinlandsprodukt nimmt stetig zu: Die Wachstumsraten in den „Emerging Markets“ sind aktuell mit durchschnittlich deutlich über 4 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in den Industrieländern. Erwirtschafteten die sogenannten E7-Staaten (China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko, Türkei) 1995 kaufkraftbereinigt* nur etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung der sieben bedeutendsten Industrieländer (G7-Staaten: USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada), lagen die beiden Staatengruppen 2015 bereits gleichauf. 2040 könnte das Verhältnis 2:1 zugunsten der E7-Staaten betragen. Übrigens: Nach mehr als 140 Jahren an der Spitze sind die USA nicht mehr die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Schwellenland China hat die Vereinigten Staaten im Jahr 2014 beim Bruttoinlandsprodukt überholt – zumindest kaufkraftbereinigt. 1

Gewaltige ökonomische Unterschiede

Wie groß die Unterschiede zwischen den Schwellenländern sind, wird beim Blick auf die jährliche Wirtschaftsleistung pro Einwohner sichtbar. Während die asiatischen Tech-Nationen Taiwan und Südkorea mit einem kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf von 55.000 Internationale Dollar 2 (IntD) bzw. 45.000 IntD sogar vor vielen EU-Industriestaaten liegen, ist beispielsweise Pakistan mit 5.900 IntD noch hinter Entwicklungsländern wie Usbekistan und der Republik Kongo platziert. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit knapp 54.000 IntD noch gerade unter den Top 20 und damit weit hinter Spitzenreiter Katar (133.000 IntD-Dollar). Das Emirat am Persischen Golf wird von einigen Indexanbietern übrigens ebenfalls als Schwellenland eingestuft.3 In den vergangenen Jahrzehnten waren es vor allem der Export und Investitionen, die das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern antrieben: Niedrige Lohnkosten und ein schier unerschöpfliches Angebot an Arbeitskräften – wie am Beispiel von China.

An den Chancen der Schwellenländer partizipieren

Von Russland bis Südafrika und von Mexiko bis Indonesien: Schwellenländer sind über den gesamten Globus verteilt und zum Teil ganz unterschiedlich kulturell, religiös und ökonomisch geprägt. Eine allgemeingültige Abgrenzung zu sogenannten Frontier Markets (deutsch: Grenzmärkte) auf der einen und Developed Markets (deutsch: entwickelte Märkte) auf der anderen Seite gibt es nicht. Investoren orientieren sich daher häufig an der Länderzuordnung großer Indexanbieter. Der Schwellenländer-Leitindex MSCI EM beispielsweise umfasst derzeit 26 Länder mit insgesamt rund 1.400 Unternehmen, wobei die asiatischen Wirtschaftsriesen China, Südkorea, Taiwan und Indien fast zwei Drittel der Index-Marktkapitalisierung stellen. Da die Entwicklung in den Schwellenländern mit größeren Schwankungen als in den Industrienationen verbunden ist, müssen Anleger wissen, dass ein Investment mit höheren Risiken verbunden sein kann. Das gilt für den privaten Konsum, die Realzinsen und allgemein das Wirtschaftswachstum ebenso wie für die Aktienkurse.

Anleger, die an den Chancen der aufstrebenden Märkte partizipieren möchten, können das unter anderem mit dem Xtrackers MSCI Emerging Markets Index UCITS ETF. Der 2017 aufgelegte Xtrackers Core-ETF ermöglicht eine breite Investition in Schwellenländer-Aktien und verfügt über eine jährliche Pauschalgebühr von 0,2 Prozent. Xtrackers Core-ETFs sind ETFs mit einer niedrigen jährlichen Pauschalgebühr (Total Expense Ratio / TER), die eine Beteiligung an der Wertentwicklung wichtiger Aktien- und Rentenindizes ermöglichen.4 Grundsätzlich ist zu beachten, dass alle Investitionen Risiken unterliegen so u. a. den allgemeinen Marktrisiken.

Wertvolle Weitsicht – mit weiteren Xtrackers Länderanalysen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen verstehen.

Indien – der unbekannte Riese

Bereits heute ist Indien kaufkraftbereinigt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. In den kommenden 10 bis 20 Jahren dürfte Indien die USA in den kommenden von Platz 2 verdrängen und Spitzenreiter China immer näher rücken. Eine Hauptherausforderung wird es sein, den wachsenden Wohlstand im Land gerechter zu verteilen. Während die konjunkturelle Entwicklung etwa in China in den kommenden Jahren etwas an Dynamik verlieren dürfe, könnte Indien seine Wachstumsraten beibehalten. Ein Grund dafür dürfte ein steigender Anteil höher qualifizierter Arbeitskräfte sein. Indien würde dadurch bis 2030 von einem Land mit niedrigerem mittlerem Einkommen zu einem Land mit höherem mittlerem Einkommen aufsteigen. Für eine nachhaltig positive Entwicklung muss Indien allerdings die Lebensbedingungen auch für die unteren sozialen Schichten verbessern: Im „Index der menschlichen Entwicklung“ der Vereinten Nationen, der u.a. die Ungleichheit in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Einkommen innerhalb eines Landes berücksichtigt, liegt Indien nur im unteren Mittelfeld4.

Gold ist ein ganz besonderes Edelmetall. In Indien gilt das umso mehr – obwohl oder gerade weil das Land selbst kaum über eigene Vorkommen verfügt: Indien findet sich nicht unter den 40 größten Goldproduzenten der Welt, steht jedoch für rund ein Sechstel der jährlichen Nachfrage. Gekauft wird vor allem Schmuck, denn am Gold, das eine Frau bei ihrer Hochzeit trägt, lässt sich die soziale Stellung ihrer ganzen Familie ablesen. Hinzu kommt, dass Gold insbesondere in ländlichen, „bankfernen“ Landesteilen immer noch als Anlagealternative zum Bankkonto genutzt wird. Insgesamt dürften indische Privathaushalte über mehr als 25.000 Tonnen Gold verfügen – ihr Gegenwert entspräche in etwa 40 Prozent des gesamten indischen Bruttoinlandsprodukts. 5

Indien verfügt über zwei wichtige Börsen, beide mit Sitz in Mumbai: die National Stock Exchange (NSE) sowie die Bombay Stock Exchange (BSE). Leitindex der NSE ist der Nifty 50, der die nach Marktkapitalisierung betrachtet 50 größten indischen Unternehmen enthält. Der erste indische Aktienindex überhaupt war 1986 der SENSEX, der aus insgesamt 30 Unternehmen der Bombay Stock Exchange besteht und wie der Nifty breit über verschiedene Sektoren gestreut ist. Aktuell zählt die Bombay Stock Exchange zu den Top-10 der größten Börsen weltweit (nach Marktkapitalisierung)6 . Noch steht Indien nicht unbedingt auf der Agenda vieler Privatanleger. Das dürfte auch daran liegen, dass die meisten indischen Unternehmen international noch kaum bekannt sind. Das verunsichert Investoren – bietet aber auch interessante Möglichkeiten.

Von den Chancen Indiens partizipieren

Um in Indiens Wirtschaft zu investieren und von ihrem Wachstum profitieren zu können, stehen Anlegern gleich mehrere ETFs zur Verfügung, über die sie am Erfolg indischer Unternehmen und deren Aktien teilhaben können. Der Xtrackers Nifty 50 Swap UCITS ETF bildet die Wertentwicklung der 50 indischen Aktien ab, die im S&P CNX NIFTY Index enthalten sind. Darunter enthalten sind Banktitel ebenso wie Aktien aus Indiens Technologiesektor oder der Pharmabranche. Auch Papiere des Autoherstellers Tata Motors, der auch Fahrzeuge der Marken Jaguar und Range Rover herstellt, sind im Index enthalten und werden mit ihrer Wertentwicklung durch den ETF abgebildet. Als weitere Möglichkeit für eine Investition in den indischen Aktienmarkt können Anleger auch einen ETF auf den MSCI India TRN Index wählen. Auch dieser ETF bildet die Wertentwicklung des indischen Aktienmarkts ab, investiert dabei aber breiter als der Xtrackers Nifty 50 Swap UCITS ETF. Da der MSCI India TRN Index die Stammaktien aller Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung am indischen Markt umfasst, sind in ihm rund 70 anstatt nur 50 Titel gelistet. Auch hier wird jedoch über verschiedene Branchen hinweg investiert, so dass es Anlegern überlassen bleibt, ob sie über den Index von S&P oder den etwas breiter aufgestellten MSCI-Index in den indischen Markt investieren.8

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China – noch der Motor der Weltwirtschaft?

Die Dynamik des Wandels von der Werkbank der Welt zur wirtschaftlichen Supermacht ist atemberaubend. Zwar wächst Chinas Wirtschaft heute nicht mehr so stark wie noch vor zehn Jahren, allerdings immer noch wesentlich dynamischer als die der Industrieländer. Bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein war China die weltweit größte Volkswirtschaft. Und ist es heute wieder – zumindest, wenn man die Wirtschaftsleistungen kaufkraftbereinigt betrachtet. Zwar ist das reale Bruttoinlandsprodukt in US-Dollar gerechnet aktuell noch kleiner als jenes der USA. Angepasst an die Kaufkraft im jeweiligen Land hat China die Vereinigten Staaten aber bereits im Jahr 2014 überholt. Der endgültige Wachwechsel an der Spitze der Wirtschaftssupermächte wird von den meisten Experten etwa im Jahr 2030 erwartet.

China (ohne Hongkong) war im Jahr 2017 mit rund 136 Milliarden US-Dollar nach den USA der zweitgrößte Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen weltweit. Zehn Jahre zuvor rangierte das Land noch auf Rang 6. Gleichzeitig investierte China mit fast 125 Milliarden US-Dollar nach den USA und Japan so viel im Ausland wie kein anderes Land (2007: Rang 19). China baut massiv an seiner wirtschaftlichen Zukunft: Mit der „Belt and Road Initiative“ wird die Entwicklung von zwei Handelskorridoren vorangetrieben – einem zu Land und einem zur See. Sie sollen das Reich der Mitte mit seinen Handelspartnern in Zentralasien, dem Mittleren Osten und Europa besser verbinden. Bislang hat China bereits rund eine Billion US-Dollar in das Projekt investiert. Auch in Deutschland ist die „neue Seidenstraße“ schon angekommen: Seit 2011 verkehren regelmäßig Güterzüge zum Beispiel zwischen China und Duisburg – mittlerweile sind es bis zu 35 pro Woche.

Das Reich der Mitte hat sich in den letzten Jahren stark geöffnet

Die chinesischen Finanzmärkte hinken der wirtschaftlichen Entwicklung immer etwas hinterher. Doch insbesondere seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Xi Jinping hat sich das Land für ausländische Investoren weiter geöffnet. Selbst in zuvor unzugängliche Festlandaktien können ausländische Anleger mittlerweile investieren – das eröffnet ganz neue Anlagemöglichkeiten. An den chinesischen Börsen werden grundsätzlich zwei Aktientypen gehandelt. A-Aktien an den Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen und H-Aktien in Hongkong. A-Aktien notieren in Renminbi und können nur von chinesischen und ausgewählten ausländischen Investoren gehandelt werden. H-Aktien notieren in Hongkong-Dollar und stehen allen Investoren offen. Seit einiger Zeit können Privatanleger weltweit zumindest indirekt auch in A-Aktien investieren: Der Indexanbieter MSCI nahm Mitte 2017 chinesische Festlandaktien in seinen Schwellenländerindex auf.

Auch auf Unternehmensebene gehört China mittlerweile zu den Big Playern: Die Marktkapitalisierung, also der rechnerische Gesamtwert aller Aktienanteile an der Shanghaier Börse, war zum Jahresende 2018 nach Tokio die zweitgrößte einer asiatischen Börse und die viertgrößte weltweit. Nicht von ungefähr finden sich unter den 100 wertvollsten Unternehmen weltweit aktuell 13 aus China. Nur die USA mit 55 Unternehmen ist häufiger unter den Top-100 vertreten.

Im Oktober 2016 wurde der chinesische Renminbi neben US-Dollar, Euro, britischem Pfund und Yen als fünfte Währung in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen – ein Meilenstein für die Integration Chinas in die globale Finanzwirtschaft. Der IWF erkannte damit die bereits erfolgten Schritte hin zu einer Öffnung der jahrzehntelang abgeschotteten chinesischen Kapitalmärkte an.

Der Xtrackers MSCI China UCITS ETF ist besonders breit angelegt und bildet die wichtigsten chinesischen Aktien ab, die als B-Aktien an den Börsen in Shanghai und Shenzhen, sowie an der Hongkonger Börse notiert sind. Dagegen umfasst der Xtrackers CSI300 Swap UCITS ETF die 300 größten und liquidesten Unternehmen, die in CNY an den chinesischen Inlandsbörsen notiert sind (A-Aktien).

Wertvolle Weitsicht – mit weiteren Xtrackers Länderanalysen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen verstehen.


1pwc.com, emergingmarkets.blog.franklintempleton.com, imf.org, bbc.com, businessinsider.com, de.statista.com, imf.org #2
2 Eine von der Weltbank berechneten Vergleichswährung. 1 Internationaler Dollar hat im jeweils betrachteten Land dieselbe Kaufkraft wie 1 US-Dollar in den USA.
3Quelle: imf.org, imf.org, country.eiu.com
4Investitionen unterliegen Risiken so u. a. den allgemeinen Marktrisiken in Bezug auf den jeweiligen zugrunde liegenden Index. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als nicht zutreffend oder nicht korrekt herausstellen können.
5Quelle: data.oecd.org, bloomberg.com
6Quelle: businesstoday.in, gold.org, gold.de, timesofindia.indiatimes.com
7Quelle: statista.com, nirmalbang.com, nirmalbang.com #2

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