Marginale Gewinne, die sich summieren

 

Im Profisport – beispielsweise bei Auto- oder Radrennen – entscheidet das Konzept des „marginalen Gewinns“ über Sieg oder Niederlage. Nehmen wir das Formel-1-Team von Red Bull als Beispiel. In den letzten zehn Jahren hat es nicht nur vier Fahrer-Weltmeistertitel und zwei Konstrukteurs-Weltmeistertitel gewonnen, sondern auch in sieben von zehn Jahren die Auszeichnung für die schnellsten Boxenstopps erhalten.

 

Tabelle 1: Die Formel 1 als Beispiel für die Summierung marginaler Gewinne

Season Formula One World Drivers' Champion Team's standing in Fastest Pit Stop Award
2025 Lando Norris (McLaren) 2nd
2024 Max Verstappen (Red Bull) 1st
2023 Max Verstappen (Red Bull) 1st
2022 Max Verstappen (Red Bull) 1st
2021 Max Verstappen (Red Bull) 1st
2020 Lewis Hamilton (Mercedes) 3rd
2019 Lewis Hamilton (Mercedes) 4th
2018 Lewis Hamilton (Mercedes) 3rd
2017 Lewis Hamilton (Mercedes) 1st
2016 Nico Rosberg (Mercedes) 3rd
2015 Lewis Hamilton (Mercedes) 3rd

Quelle: formula1.com, 2025.

 

Der „Fastest Pit Stop Award“ zeichnet das Team mit den kürzesten Boxenstoppzeiten während der gesamten Saison aus. Dies ist die Zeit, die Rennwagen für Reifenwechsel und kleinere Reparaturen in der Box verbringen. Auffällig ist (siehe Tabelle 1), dass in neun der letzten zehn Jahre das Team mit dem siegreichen Fahrer auch unter den ersten drei im Pit-Stop-Ranking landete. Bruchteile einer Sekunde, die bei jedem Stopp gewonnen werden, können sich im Laufe eines Rennens summieren und den Unterschied zwischen dem zweiten und dem ersten Platz ausmachen.  Faktoren wie Fahrer und Technologie hängen zum Teil von finanziellen Ressourcen ab, die Verkürzung der Boxenstoppzeiten ist dagegen weitgehend eine Frage der Praxis und operativer Spitzenleistung.

 

Der Status quo der Geldanlage

 

Bei Aktieninvestitionen ist es am gängigsten, in die Benchmark zu investieren, bei der es sich in der Regel um ein nach Marktkapitalisierung gewichtetes Portfolio handelt, das alle weltweit börsennotierten Unternehmen repräsentiert. Anders ausgedrückt: Sie investieren genau wie der durchschnittliche Aktienanleger: Wenn jeder Anleger im Schnitt 5 % seines Portfolios in Apple Inc. investiert hat, dann haben Sie das auch.

 

Bei Anleihen, also Anlagen in Schuldverschreibungen, besteht der gängigste Ansatz darin, alle öffentlich begebenen Schuldtitel von Staaten und Unternehmen unter Berücksichtigung von Bonitäts- und Liquiditätsvorschriften einzubeziehen. Die Schuldverschreibungen werden nach dem Wert der Schuld gewichtet. Folglich erhält ein Unternehmen, das mehr Schulden aufnimmt, eine höhere Gewichtung als ein Unternehmen mit einer geringeren Schuldenlast.

 

Bei Rohstoffen wählt die primäre Benchmark alle Rohstoffe mit liquiden Terminkontrakten aus und gewichtet die ausgewählten Kontrakte auf der Grundlage der Liquidität der Futures und des Produktionsvolumens der Rohstoffe im Verhältnis 2:1. Das Ergebnis ist eine Allokation von 29 % in fossilen Brennstoffen, aber nur 16 % in stark nachgefragten Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium.1

 

Obwohl die Anlageansätze oben am gängigsten sind, erzielen sie nicht immer die besten Ergebnisse. Wie im Sport können marginale Gewinne auch für Anleger im Laufe der Zeit beträchtliche Ergebnisse bringen.

 

Marginale Gewinne erzielen

 

nhand von empirischen Beobachtungen zeigen wir, wie unser Ansatz Anlegern dabei hilft, diese marginalen Gewinne zu erzielen, die den entscheidenden Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen können.

 

Ein häufiges Problem der Gewichtung von Aktien nach Marktkapitalisierung ist das Konzentrationsrisiko. Solche Benchmarks und die kostengünstigsten börsengehandelten Fonds (ETFs), die diese nachbilden, weisen eine hohe Gewichtung in einigen wenigen US-Technologieaktien auf, was die Diversifikationsmöglichkeiten der Anleger einschränkt. Auch wenn die sogenannten „Glorreichen Sieben“2 in den letzten zehn Jahren maßgeblich zum Wachstum des Aktienmarktes beigetragen haben, ist eine hohe Konzentration auf wenige Aktien auf sehr lange Sicht nicht der umsichtigste Ansatz.

 

Abbildung 1: Lösung des Konzentrationsrisikos bei gleichzeitigem Zugang zu höherem langfristigen Wachstum

Quelle: WisdomTree, Stand: 28. November 2025. Das geschätzte langfristige Wachstum ist die von Marktteilnehmern erwartete mittlere jährliche Umsatzwachstumsrate für die nächsten drei bis fünf Jahre. Die „All-Country Benchmark“ ist der MSCI ACWI Index. „WisdomTree Megatrends“ ist der WisdomTree Global Megatrends Equity Index. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

 

Diversifikation bedeutet zwar, das Engagement in den Mega-Caps von heute zu verringern, muss jedoch nicht auf Kosten des langfristigen Wachstums gehen. Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, weist der WisdomTree Megatrends Index, der Unternehmen umfasst, die von einigen der derzeit wichtigsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen profitieren, sowohl eine geringere Konzentration in seinen zehn größten Positionen als auch eine höhere geschätzte langfristige jährliche Umsatzwachstumsrate von 16 % auf – verglichen mit 12 % für den Aktienbenchmark.

 

Ein weiteres Beispiel sind Aktien aus Schwellenländern. Viele Regierungen beteiligen sich an öffentlichen Unternehmen, insbesondere in Sektoren wie Öl, Gas, Strom und Banken. In seinem Buch „The 10 Rules Of Successful Nations“ (Die 10 Regeln erfolgreicher Nationen) beschreibt Ruchir Sharma, ehemals Head of Emerging Markets und Chief Global Strategist bei Morgan Stanley Investment Management, wie staatliche Unternehmen oft als Mittel zur Schaffung von Arbeitsplätzen missbraucht wurden. Während wirtschaftlicher Abschwünge wurden staatliche Banken unter Druck gesetzt, Kredite zu vergeben, die später zu Forderungsausfällen führten.

 

Zur Begrenzung des Einflusses voreingenommener Politiker liegt es auf der Hand, staatliche Unternehmen aus einem Schwellenländerindex auszuschließen. Es ist eine geringfügige Anpassung, aber die marginalen Gewinne haben sich im Laufe der Zeit summiert, wie die Outperformance des WisdomTree Emerging Markets Ex States Owned Enterprise Index zeigt (siehe Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Staatliche Unternehmen haben die Aktienperformance der Schwellenländer belastet

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, vom 29. August 2014 bis zum 28. November 2025. Die „Emerging Markets Benchmark“ ist der MSCI Emerging Markets Total Return Index. „Ex-State-Owned Emerging Markets“ ist der WisdomTree Emerging Markets ex State Owned Enterprises Total Return Index. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

 

Ein drittes Beispiel ist die Nachbildung einer breiten Rohstoffbenchmark. Die synthetische Replikation (unter Verwendung von Terminkontrakten) ist häufig der einzig gangbare Ansatz, da die meisten Rohstoffe entweder schwer zu transportieren sind, wie beispielsweise Aluminium, oder leicht verderblich, wie beispielsweise Weizen. Daher ist die Replikation durch Finanzkontrakte zur Norm geworden und führt in der Regel zu einer relativ genauen (wenn auch nicht perfekten) Nachbildung der Rohstoff-Spotpreise. Dieser Ansatz kann jedoch auch Nachteile haben, da Terminkontrakte im Laufe der Zeit Rollkosten verursachen können.

 

Wo eine physische Replikation möglich ist, wie etwa bei Edelmetallen wie Gold und Silber, kann eine effiziente physische Verwahrung einen bedeutenden Vorteil bieten (Abbildung 3). Im europäischen ETF-Markt ist unser Broad Commodities UCITS ETF der einzige breit diversifizierte Rohstoff-UCITS-ETF, der das Engagement in Edelmetallen über physisch besicherte börsengehandelte Produkte abbildet und damit widerspiegelt, dass viele Anleger gezielt ein Engagement in Gold oder Silber suchen. Das spiegelt die Art und Weise wider, wie viele Anleger sich einzeln in Gold oder Silber engagieren möchten. In der Vergangenheit hat dies eine deutliche Outperformance gegenüber konkurrierenden kostengünstigen Beta-ETFs gebrach.

 

Abbildung 3: WisdomTree Broad Commodity UCITS ETF überflügelt vollständig synthetischen Vergleichsfonds

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, vom 31. Dezember 2021 bis zum 28. November 2025. Die Zeitreihe zeigt die Differenz der kumulierten Rendite des Nettoinventarwerts des WisdomTree Broad Commodities UCITS ETF und eines vergleichbaren ETF, der denselben Index in US-Dollar nachbildet. Die gestrichelte Linie veranschaulicht den historischen Trend als lineare Funktion. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

 

Fazit

 

Standardisierte Anlageansätze können ein nützlicher Ausgangspunkt sein. Sie aber blind zu befolgen, kann zu unbeabsichtigten Risiken führen, beispielsweise durch eine starke Abhängigkeit von einer kleinen Gruppe von Aktien, durch den Besitz von Unternehmen, nur weil diese mehr Schulden aufgenommen haben, oder durch die Bevorzugung von Öl aufgrund seiner Liquidität statt seiner Relevanz.

 

Die Formel 1 zeigt die Bedeutung marginaler Gewinne. Bei WisdomTree wenden wir dieses Prinzip auf die Indexgestaltung an und versuchen, den Aufbau von Portfolios zu verbessern, anstatt einfach den Status quo zu akzeptieren.

 

1 Quelle: Bloomberg, 2025. https://www.bloomberg.com/company/press/bloomberg-commodity-index-2026-target-weights-announced/.
2 Die Glorreichen Sieben sind eine Gruppe von leistungsstarken und einflussreichen Unternehmen auf dem US-Aktienmarkt: Alphabet, Amazon, Apple, Tesla, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. 

Wichtige Informationen

Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.

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