Die Consumer Electronics Show (CES) ist eine der größten und einflussreichsten Technologiemessen der Welt, auf der globale Tech-Innovatoren zusammenkommen. Die CES wird zwar oft mit Unterhaltungselektronik in Verbindung gebracht, ist jedoch inzwischen auch ein Forum, auf dem längerfristige Technologievorhaben, Investitionsprioritäten und politikorientierte Innovationstrends ins Blickfeld rücken. Anlegern liefert die CES wertvolle Hinweise darauf, welche Technologien den Sprung vom Konzept zur Marktreife schaffen können und welche Ökosysteme nachhaltige Investitionen anziehen.
Die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) eröffnet neue Anlagechancen und regt zu tiefergehenden Überlegungen darüber an, was als Nächstes anstehen könnte. In diesem Beitrag stellen wir fünf von der CES beeinflusste Themen mit Blick auf 2026 vor, die dem Researchteam von WisdomTree besonders aufgefallen sind.
KI-Infrastruktur: Von bahnbrechenden Modellen zur physischen Skalierung
KI-Infrastruktur war eines der deutlichsten Signale der CES. Nvidia zeigte in seiner Eröffnungsrede, wie künstliche Intelligenz die Datenverarbeitung von Grund auf verändert. Im Zuge der Modernisierung der Industrie verlagern sich die Forschungs- und Entwicklungsbudgets zunehmend in Richtung KI, während Durchbrüche bei Grundlagenmodellen – beschleunigt durch Open-Source-Initiativen wie DeepSeek – die Nachfrage sowohl von Hyperscalern als auch von Unternehmen steigern. Agentische KI definiert die Art der Entwicklung und Bereitstellung von Software neu, aber die CES hat deutlich gemacht, dass diese Fortschritte von nachhaltigen Investitionen in die physische Infrastruktur abhängen.
Die Nvidia-Plattform Vera Rubin demonstrierte, wie extremes Co-Design auf Systemebene die Grenzen herkömmlicher Halbleiter überwindet. Trotz einer Erhöhung der Transistoranzahl um nur etwa das 1,6-Fache gegenüber Blackwell bietet Rubin eine rund fünffache Verbesserung der Gleitkommaleistung und eine bis zu zehnfache Steigerung des Durchsatzes pro Watt. Das unterstreicht, dass Effizienzsteigerungen mittlerweile genauso wichtig sind wie die reine Rechenleistung.
Vor allem wird die KI-Geschichte nicht allein von Chips der nächsten Generation geschrieben. Jensen Huang betonte die entscheidende Rolle von Netzwerk und Speicher, damit Tausende von Grafikprozessoren (GPUs) als ein einziges System arbeiten können. AMD bekräftigte das mit seiner wachsenden Roadmap für Rechenzentrumsbeschleuniger und Rack-Scale-Lösungen, Marvell hob die steigende Bedeutung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen, Optik und Compute Express Link (CXL) für den groß angelegten Datentransfer hervor und SK Hynix betonte die Rolle des Speichers bei der Ausschöpfung des vollen Potenzials umfangreicher KI-Systeme der nächsten Generation. Investitionen in KI-Infrastruktur werden durch eine reale, sich verstärkende Nachfrage angetrieben. Dabei spiegelt der Kapazitätsausbau führender Technologieunternehmen eher eine bereits über dem Angebot liegende Auslastung wider als spekulative Überkapazitäten. Das wiederum schafft Wachstumschancen auf verschiedenen Ebenen des KI-Infrastruktur-Ökosystems, wobei sich attraktive Renditen nicht nur auf die aktuellen KI-Mega-Caps konzentrieren.
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„2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie Anlageportfolios von Engagements in weniger bekannten KI-Titeln profitieren können. Während Bewertungen in bestimmten Bereichen des Ökosystems aufgrund der über den Fundamentaldaten liegenden Begeisterung der Anleger durchaus Selektivität erfordern, bleibt KI derzeit der stärkste Treiber des globalen Wachstums. Ein diversifiziertes Engagement in führenden KI-Infrastrukturanbietern stellt eine attraktive Möglichkeit dar, an den zentralen Wegbereitern dieses Megatrends teilzuhaben.“ – Elvira Kuramshina, Associate Director, Quantitative Research, WisdomTree. |
Physische KI im Mittelpunkt der CES 2026
Physische KI war das große Thema auf der CES 2026. Nvidia gab den Ton an, als Chief Executive Officer Jensen Huang erklärte, der „ChatGPT-Moment für physische KI“ sei gekommen, da Maschinen nun allmählich die physische Welt erkennen, sie verstehen und entsprechend handeln können. Nvidia baut sein Robotik-Ökosystem mit Grundlagenmodellen wie Cosmos für Simulationen und GR00T für humanoide Intelligenz sowie mit Trainingstools und Hardware weiter aus. Mit der Einführung seines Alpamayo Autonomous Vehicle (AV) Reasoning Stack kündigte Nvidia außerdem einen verstärkten Vorstoß in den Bereich des autonomen Fahrens an.
Boston Dynamics stellte seinen humanoiden Roboter Atlas vor und Hyundai kündigte Pläne an, Atlas bereits 2028 in Fabriken einzusetzen und bis 2030 mit Unterstützung von Google DeepMind auf komplexere Aufgaben auszuweiten. An anderer Stelle gab Arm die Lancierung einer speziellen Einheit für physische KI bekannt und Mobileye übernahm Mentee Robotics – ein weiteres Zeichen für die anhaltende Verlagerung der KI von der Cloud in die reale Welt.
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„Seit der Markteinführung von ChatGPT und großen Sprachmodellen beschränken sich die meisten KI-Innovationen auf das digitale Ökosystem. Physische KI steht für den Übergang von der Cloud zur Realwirtschaft und erweitert KI-Innovationen auf Sektoren, die den Großteil des wirtschaftlichen Werts generieren.“ – Blake Heimann. Senior Associate, Quantitative Research, WisdomTree. |
Atomkraft verknüpft KI-Hype der CES mit Energieinitiativen der USA
Die CES 2026 wurde letztendlich von KI dominiert, aber die Energie, die hinter der KI-Infrastruktur steckt, rückt ebenfalls immer mehr in den Vordergrund, wobei die Kernenergie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doosan präsentierte auf der CES kleine modulare Reaktoren (SMR) als eine Möglichkeit, den steigenden Strombedarf von Rechenzentren zu decken. Außerhalb der Messehallen arbeitet Doosan auch mit Amazon und X-energy zusammen, um den Einsatz von SMR in den USA voranzutreiben, was wiederum mit den Anforderungen von Rechenzentren zusammenhängt. Der Zeitpunkt ist vielsagend. Kurz vor Beginn der CES vergab das US-Energieministerium neue Aufträge zur Urananreicherung, darunter auch Fördermittel für Centrus Energy. Das ist wichtig, weil Russland immer noch etwa ein Viertel des angereicherten Urans der USA liefert1 und die Ausnahmeregelungen der USA für russische Uranimporte 2028 auslaufen. Unternehmen, die ihre Anreicherungskapazitäten ausbauen, könnten angesichts der Ausweitung der US-Vorhaben zum Bau von Kernkraftwerken entscheidend dazu beitragen, Engpässe im Brennstoffkreislauf zu beseitigen.
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„Die CES feiert die Potenziale der KI. Die schwierigere Frage ist, was sie mit Energie versorgt. Die Kernenergie rückt als zuverlässige Energiequelle für Rechenzentren wieder in den Fokus. Washingtons Vorstoß zur Urananreicherung signalisiert, dass die Brennstoffversorgungskette nun zur strategischen Infrastruktur gehört.“ – Baoqi Zhu, Senior Associate, Quantitative Research & Multi Asset Solutions, WisdomTree. |
Von Humanoiden bis hin zu Rechenzentren: Die kritischen Materialien hinter KI
Die CES 2026 hat bestätigt, dass die nächste Phase des KI-Zyklus zunehmend von der „Realwirtschaft“ und nicht mehr rein digital geprägt sein wird. Neben Humanoiden und Robotik stand die Messe ganz im Zeichen der Herausforderung der Skalierung: mehr Rechenzentren, mehr Strombedarf, mehr Kühlung, mehr Investitionen in das Stromnetz. Das ist für kritische Mineralien in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Erstens bleiben Seltenerd-Permanentmagnete (NdPr sowie Dy/Tb für hohe Wärmeableitung) ein wichtiger Bestandteil für hocheffiziente Motoren in der Robotik, Automatisierung und industriellen Elektrifizierung. Zweitens spiegelt der Anstieg des Kupferbedarfs wider, dass KI zunehmend durch die Stromversorgung und nicht durch die Rechenleistung begrenzt wird. Rechenzentren benötigen leistungsstarke Netzaufrüstungen und Übertragungsanlagen, deren Ausbau einen hohen Kupferbedarf mit sich bringt.
Insgesamt deutet die CES auf einen zweigleisigen Nachfragemotor für kritische Mineralien hin: (1) Physische KI und fortschrittliche Fertigung sowie (2) KI-Infrastruktur, Elektrifizierung und Investitionen in das Stromnetz, die beide die strategische Argumentation für seltene Erden im Rahmen des umfassenderen Themas „Materialien für Intelligenz“ stützen.
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„Wenn KI Einzug in die Realwirtschaft hält, wird nicht nur die Softwareebene zu den Gewinnern zählen. Die benötigten Materialien und Chips, die Motoren, Rechner und Energiemanagement antreiben, sind von entscheidender Bedeutung, insbesondere wenn die Lieferketten konzentriert sind und die Sicherheit Teil des Anlagearguments wird.“ – Aneeka Gupta, Director, Macroeconomic Research, WisdomTree. |
Quantencomputing: Von Strategieplänen zu realer Dynamik
Auf der CES 2026 wurde CES Foundry vorgestellt, ein spezielles Programm, das KI und Quanteninnovation unter einem Dach vereint und die strategische Bedeutung der Quantentechnologie unterstreicht. Vorträge von Branchenführern wie IBM und D-Wave beleuchteten die konkreten Fortschritte auf dem Gebiet. IBM konzentriert sich 2026 darauf, den Quantenvorteil bei sinnvollen Aufgaben zu demonstrieren, während der Konzern langfristig sein erstes fehlertolerantes System namens Starling bis 2029 einführen will. Das Unternehmen stellte fest, dass die Erzielung eines Quantenvorteils in verschiedenen Anwendungsfällen parallele Fortschritte bei der Hardware und Innovationen bei den Algorithmen erfordern wird, wobei ein breiter Zugang zu Quantensystemen für die Beschleunigung von Experimenten und Entdeckungen von entscheidender Bedeutung ist.
Unterdessen präsentierte D-Wave praktische Quantenanwendungen live auf der CES und hob dabei sowohl die Komplexität der Quantenhardware als auch die Rolle eines breiteren Ökosystems von Enablern hervor. D-Wave demonstrierte, wie Unternehmen mit quantenklassischen Ansätzen bereits heute durch Quanten-Annealing die Möglichkeiten der Quantentechnologie nutzen können, noch bevor vollständig universelle Systeme verfügbar sind. Andere CES-Sitzungen zur Quantentechnologie befassten sich mit den bahnbrechenden Möglichkeiten von Quantencomputern für die Zukunft und betonten die Bedeutung der Entwicklung von Standards und des Übergangs zu quantensicherer Verschlüsselung im Zuge der wachsenden Verbreitung dieser Technologie.
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„Die CES hat gezeigt, dass die Dynamik im Quantencomputing an Fahrt gewinnt und der Fokus zunehmend darauf liegt, die Technologie in echte Geschäftsergebnisse umzusetzen. Wir befinden uns noch in den Anfängen dieses revolutionären Bereichs und seines Potenzials, die Weltwirtschaft zu verändern. In dieser Phase sind ein längerer Anlagehorizont und ein diversifizierter Ansatz entscheidend, um Risiken zu steuern und gleichzeitig langfristiges Wachstum zu ermöglichen.“ – Elvira Kuramshina, Associate Director, Quantitative Research, WisdomTree. |
Fazit
Die CES 2026 war ein klares Signal dafür, dass KI dank massiver Investitionen in Infrastruktur, Energie, Materialien und neue Computing-Paradigmen nun endgültig den Sprung in die groß angelegte Anwendung in der Realwirtschaft geschafft hat. Die vielversprechendsten Möglichkeiten ergeben sich nicht aus einer einzelnen Technologie, sondern aus miteinander verbundenen Ökosystemen, die KI-Hardware, physische Automatisierung, Energieerzeugung und Computertechnologie der nächsten Generation umfassen.
1 Quelle: U.S. Energy Information Administration.
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