Ein durchschnittlicher Europäer isst jedes Jahr etwa 6 kg Schokolade.1 Die in letzter Zeit verzeichneten Preisspitzen bei Kakaobohnen schlagen sich weltweit direkt in den Preisen in den Regalen nieder und sind ein deutliches Beispiel dafür, wie sich Angebotsschocks in der Landwirtschaft auf die Verbraucherpreisinflation auswirken.
Im Zuge der jährlichen Neugewichtung 2026 hat Bloomberg Kakaobohnen-Futures in seinen viel beachteten Bloomberg Commodity Index (BCOM) aufgenommen. Die Indexmethode zielt auf die Erfassung von Rohstoffen ab, die wichtige Inputfaktoren für die Realwirtschaft darstellen. Die Gewichtung erfolgt anhand der weltweiten Produktion und der Liquidität der Terminmärkte.
Kakao kommt mit einer Zielgewichtung von etwa 1,7 % in den Index. Gleichzeitig wurden die Gewichtungen von Edelmetallen nach ihrer starken relativen Wertentwicklung des Jahres 2025 angepasst. Ihre Zielgewichtungen für 2026 liegen nahe denen von 2025. Ebenso wurden Energierohstoffe, darunter Brent- und WTI-Rohöl, wieder auf die Gewichtungen von Anfang 2025 zurückgeführt.
Kakaobohnen unter Druck
Die Kakaoproduktion ist stark konzentriert: Der Großteil des weltweiten Angebots stammt aus einer kleinen Anzahl von Ländern innerhalb eines schmalen Äquatorialgürtels, insbesondere aus der Elfenbeinküste und Ghana (Abbildung 1). Angesichts der geografischen Konzentration reagiert das weltweite Angebot besonders empfindlich auf regionale Störungen.
Abbildung 1: Geografische Konzentration der Kakaobohnenproduktion

Quelle: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, WisdomTree. Produktionszahlen in Kilotonnen, Stand 2024.
Die Kakaoerträge stehen seit einigen Jahren aufgrund von ungünstigen Wetterbedingungen, der Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten, alternden Baumbeständen und langjährigen Unterinvestitionen von landwirtschaftlichen Betrieben unter anhaltendem Druck. Diese Faktoren bremsen das Angebotswachstum in einer Zeit mit stabiler Nachfrage.2
Das Ergebnis war ein starker Anstieg der Preisvolatilität und mehrere ausgeprägte Preisspitzen (Abbildung 3).
Abbildung 2: Kakaopreise vor dem Hintergrund knapper Angebotsbedingungen

Quelle: IWF, ICCO-Tagespreis für Kakao (Barpreis) – Internationale Kakao-Organisation, CIF-Preis – US- und europäische Häfen. Von Januar 1990 bis September 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Korrektur der performancebedingten Übergewichtungen
Neben der Hinzufügung von Kakaobohnen ist die auffälligste Auswirkung des Rebalancings 2026 die Umkehr der performancebedingten Gewichtungskonzentration, die sich im Laufe des Jahres 2025 aufgebaut hat (Tabelle 1). Bei der Festlegung der jährlichen Zielgewichtungen für die einzelnen Rohstoffe stützt sich der Index auf Liquiditätsdaten und US-Dollar-gewichtete Produktionsdaten und nicht auf die aktuelle Preisentwicklung.
Nach den starken Renditen von Gold (+62,46 %3) und Silber (+138,63 %3) 2025 nahm die Gewichtung von Edelmetallen im Laufe des Jahres von etwa 19 % auf 29 % zu. Da sich die Zielgewichtungen für 2026 nicht wesentlich von denen des Jahres 2025 unterscheiden, führt der regelbasierte Rebalancing-Prozess des Index das Engagement in Edelmetallen wieder auf seine produktionsbasierte Allokation zurück.
Bei Energierohstoffen, die 2025 insgesamt einen Rückgang zu verzeichnen hatten (-10,41 %3), war der gegenteilige Effekt zu beobachten. Entsprechend derselben Methode wurden die Allokationen in Rohöl der Sorten Brent und WTI im Vergleich zu den Gewichtungen zum Jahresende angehoben, was eher ihre zugrunde liegende wirtschaftliche Bedeutung als ihre Renditen der letzten Zeit widerspiegelt.
Tabelle 1: Zielgewichtungen des Bloomberg Commodity Index für 2026

Quelle: Bloomberg. Gesamtrendite vom 31. Dezember 2024 bis zum 31. Dezember 2025. Die jährliche Neugewichtung wurde vom 9. bis zum 15. Januar 2026 durchgeführt. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Zusammensetzung der Benchmark ist wichtig für die Inflationsabsicherung
Rohstoffe haben traditionell eine hohe Inflationssensitivität gezeigt, was ihre Rolle als direkte Inputfaktoren für Lebensmittel, Energie und Industriegüter widerspiegelt (Abbildung 3). Daher kommen breite Rohstoff-Benchmarks häufig in Multi-Asset-Portfolios zum Einsatz, die auf den Erhalt der Kaufkraft abzielen.
Die Wirksamkeit einer Rohstoffallokation als Inflationsabsicherung hängt jedoch nicht nur vom Engagement in der Anlageklasse ab, sondern auch von der Zusammensetzung der verschiedenen Rohstoffe. Eine Konzentration auf eine kleine Anzahl von Rohstoffen oder Sektoren kann die Ausrichtung auf die Inflationsquellen, denen die Verbraucher ausgesetzt sind, verringern.
Durch die Aufrechterhaltung eines diversifizierten Engagements in Energie-, Metall- und Agrarrohstoffen und durch das systematische Rebalancing der Gewichtungen auf der Grundlage der wirtschaftlichen Produktion statt der Preisentwicklung sind breite Benchmarks wie der Bloomberg Commodity Index so konzipiert, dass sie mit dem Inflationsdruck in der Realwirtschaft Schritt halten.
Abbildung 3: Rohstoffpreise und Inflation

Quelle: Bloomberg, von Dezember 1960 bis September 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Durch die Aufnahme von Kakao-Futures wird das Engagement des Index gegenüber dem Preisdruck bei Lebensmitteln geringfügig ausgebaut. Lebensmittel und Getränke stellen einen bedeutenden Anteil des Warenkorbs der Verbraucherpreisinflation dar. Daher sind Agrarrohstoffe eine wichtige, wenn auch oft kleinere Komponente inflationssensitiver Portfolios.
Optionen für die Umsetzung in starken Rohstoffmärkten
2025 war ein starkes Jahr für Rohstoffe, die viele traditionelle und alternative Anlagen hinter sich ließen (Abbildung 4). Edelmetalle gehörten zu den Rohstoffsegmenten mit der stärksten Performance. Sie wurden durch sinkende Realrenditen, eine anhaltende Nachfrage der Zentralbanken nach Gold und Perioden mit erhöhter politischer und geopolitischer Unsicherheit gestützt.
Abbildung 4: Renditen wichtiger Anlageklassen im Jahr 2025

Quelle: Bloomberg, vom 31. Dezember 2024 bis zum 31. Dezember 2025 in USD als Gesamtrendite. „Globale Aktien“ ist der MSCI ACWI Gross Total Return USD Index, „Globale Anleihen“ ist der Bloomberg Global-Aggregate Total Return Index Value Unhedged USD, „Digitale Assets“ ist der CoinDesk 20 Index und „Globale Immobilien“ ist der FTSE EPRA Nareit Global REITs TR Index. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Bei einer kräftigen Wertentwicklung können sich die Unterschiede zwischen dem Benchmark-Engagement und der Umsetzung verstärken. Während Indizes das wirtschaftliche Engagement definieren, kann die Umsetzung dieses Engagements die Ergebnisse beeinflussen. Breit angelegte Rohstoff-ETFs setzen in der Regel auf eine auf Futures basierende Replikation, was für voluminöse oder verderbliche Rohstoffe oft der einzig gangbare Ansatz ist, im Laufe der Zeit jedoch Rollkosten verursachen kann.
Wenn die physische Replikation möglich ist, wie beispielsweise bei Edelmetallen wie Gold und Silber, kann sich das Halten des zugrunde liegenden Metalls in physischer Form auf die Performance auswirken (Abbildung 5). Der WisdomTree Bloomberg Commodity UCITS ETF (PCOM) kombiniert ein auf Futures basierendes Engagement mit physisch unterlegten Edelmetallen und spiegelt damit wider, wie viele Anleger separat in Gold und Silber investieren. Im Laufe der Zeit hat dieser Ansatz bei der Umsetzung zu Performanceunterschieden gegenüber vollständig synthetischen Pendants geführt.
Abbildung 5: Vergleich der Wertentwicklung von PCOM und einem vollständig synthetischen breiten Rohstoff-ETF

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, vom 31. Dezember 2021 bis zum 31. Dezember 2025. Die Zeitreihe zeigt die Differenz der kumulierten Rendite des Nettoinventarwerts des WisdomTree Broad Commodities UCITS ETF und eines vergleichbaren ETF, der denselben Index in US-Dollar nachbildet. Die gestrichelte Linie veranschaulicht den historischen Trend als lineare Funktion. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Das Rebalancing des Bloomberg Commodity Index im Jahr 2026 zeigt, wie sich eine regelbasierte Benchmark durch einen konsistenten und transparenten Prozess an veränderte Marktbedingungen anpasst. Die Einbeziehung von Kakao-Futures spiegelt beobachtbare Entwicklungen auf den Agrarmärkten wider, während die Verringerung performancebedingter Übergewichtungen den Fokus des Index auf wirtschaftlich fundierte Engagements unterstreicht.
Über die Benchmark-Konstruktion hinaus kann auch die Art der Umsetzung des Rohstoffengagements eine Rolle spielen, insbesondere in Zeiten einer starken Marktperformance. Abweichungen zwischen futuresbasierter und physischer Replikation, insbesondere bei Edelmetallen, können im Laufe der Zeit Einfluss auf die erzielten Ergebnisse haben.
In ihrer Gesamtheit verdeutlichen diese Überlegungen die Bedeutung sowohl der Indexgestaltung als auch der Umsetzung für die Aufrechterhaltung eines repräsentativen Engagements in realwirtschaftlichen Inputfaktoren und die Steuerung der Konzentration über Marktzyklen hinweg.
1 Verband der Schweizer Schokoladefabrikanten
2 Niederländische Regierung, Zentrum zur Förderung von Importen aus Entwicklungsländern (CBI): „Wie hoch ist die Nachfrage nach Kakao auf dem europäischen Markt?“
3 Quelle: Bloomberg, vom 31.12.2024 bis zum 31.12.2025, basierend auf dem jeweiligen Bloomberg Commodity Total Return Subindex. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
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