Silber hat im ersten Quartal 2026 eine noch stärkere Volatilität als Gold verzeichnet. Am 29. Januar stieg der Preis kurzzeitig auf rund 120 US-Dollar je Unze – etwa das Vierfache des Vorjahreswerts – bevor er dann innerhalb weniger Tage auf etwa 65 US-Dollar drastisch abstürzte und bis Mitte März weiter auf ca. 61 US-Dollar einbrach. Das Edelmetall reagiert weiterhin sehr stark auf Bewegungen beim Goldpreis, und wir gehen davon aus, dass diese Wechselbeziehung auch in Zukunft der maßgebliche Faktor für die Entwicklung sein wird.
Industrienachfrage
Als die Preise im Januar in die Höhe schossen, bestand die größte Sorge darin, dass die hohen Preise den industriellen Konsum untergraben könnten. Da etwa die Hälfte der gesamten Silbernachfrage auf industrielle Anwendungen entfällt, bleibt dieser Bereich der wichtigste Teil des Marktes.
Nachdem sich die Preise abgeschwächt haben, hat sich das Risiko für die Nachfrage etwas verringert. Dennoch flaute die industrielle Nachfrage nach einem Höchststand 2024 im Jahr 2025 ab und könnte 2026 erneut leicht zurückgehen.
Ein großer Teil dieser Dynamik hängt mit der Solarbranche zusammen. Die Installationstätigkeit wurde im Vorfeld der Änderungen am chinesischen Strompreissystem vorgezogen, was den Ausbau in diesem Jahr voraussichtlich beeinträchtigen wird. Gleichzeitig senken die Hersteller durch Effizienzsteigerungen und den Einsatz von Ersatzmaterialien weiterhin die verwendete Silbermenge pro Stück. Branchenschätzungen zufolge haben diese technologischen Verbesserungen die Silberintensität erheblich gemindert, sodass selbst bei einem Anstieg der Installationen die Silbernachfrage nicht zwangsläufig mitwächst.
Trotz dieser Herausforderungen bleiben die langfristigen Rahmenbedingungen günstig. Solarenergie gehört nach wie vor zu den preiswertesten Stromquellen, und der strukturelle Strombedarf steigt weltweit weiter an. Allerdings ist das Wachstum nicht unbegrenzt, da Netzengpässe und Verzögerungen bei der Erteilung von Genehmigungen das Expansionstempo in vielen Regionen bremsen.
Auch die Geopolitik mag eine Rolle spielen. Der Konflikt um den Iran könnte die Bemühungen in Europa und Asien forcieren, die Energiequellen vielfältiger zu gestalten und die Abhängigkeit von importierten Kohlenwasserstoffen zu verringern. Die Lieferketten für erneuerbare Energien bergen zwar eigene Risiken, diese konzentrieren sich jedoch größtenteils auf die anfängliche Bauphase. Sobald sie in Betrieb sind, liefern Anlagen zur Erzeugung mittels erneuerbaren Energien Strom aus heimischen Quellen, was die Energiesicherheit erhöht. Obwohl wir in unserem Basisszenario von einer schwächeren Silbernachfrage im Solarbereich ausgehen, besteht Aufwärtspotenzial, falls politische Weichenstellungen den Ausbau beschleunigen.
Neben der Solarenergie dürfte auch die Nachfrage im Zusammenhang mit der Dateninfrastruktur, der Elektrifizierung des Verkehrs und Investitionen in Stromnetze weiterhin für Aufschwung sorgen. Zudem dürfte sich die Verwendung in Verbindung mit Ethylenoxid-Katalysatoren nach dem Rückgang im letzten Jahr erholen.
Abbildung 1: Industrielle Silbernachfrage

Quelle: Metals Focus, WisdomTree. 2026. (P) = Prognosen. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Anlegernachfrage
Die Anlegerströme waren ein wesentliches Merkmal des Jahres 2025. Börsengehandelte Produkte (ETPs) verzeichneten von März bis zum Jahresende starke Zuflüsse, die weitgehend dem Kursanstieg folgten und volumenmäßig einen der höchsten jemals gemessenen Jahreswerte brachten.
Dieser Trend hat sich 2026 umgekehrt. Die Abflüsse waren beträchtlich, da Anleger bereits Gewinne mitnahmen, noch bevor die Kurse Ende Januar ihren Höchststand erreichten.
Diese veränderte Positionierung trägt zur Erklärung der starken Kurskorrektur bei. Da sich die Partizipation ausweitete und das gehebelte Engagement bis Anfang 2026 zunahm, wurde der Markt anfälliger für einen raschen Abbau von Fremdkapital. Als die geopolitischen Spannungen eskalierten, schränkten viele Anleger ihr Risiko ein und erhöhten ihre Barbestände, was zu einer Welle von Glattstellungen von Long-Positionen führte, anstatt dass neue Short-Positionen aufgebaut wurden.
Die Trends bei Sachanlagen waren eher uneinheitlich. Die Nachfrage nach Münzen und Barren stieg 2025 stark an, was nicht nur auf traditionelle Märkte wie Indien, Deutschland und Australien zurückzuführen war, sondern auch auf eine Belebung in Ostasien und Nahost. In diesen Regionen hat der höhere Goldpreis offenbar zu einer Substitution durch Silber geführt.
Im Gegensatz dazu schwächte sich die Nachfrage in den USA deutlich ab und sank auf den niedrigsten Stand seit vielen Jahren. Zuletzt hat die Volatilität die Stimmung an den westlichen Märkten gedämpft, sodass die Anleger im Februar und März eine vorsichtigere Haltung einnahmen.
Abbildung 2: Silberbestände in börsengehandelten Produkten

Quelle: Bloomberg Finance L.P. Von September 2020 bis April 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Schmucknachfrage
Der kräftige Preisanstieg im Jahr 2025 und Anfang 2026 hat die Schmucknachfrage stark belastet. Die globale Fertigung ging 2025 um 8 % zurück, was einen breit angelegten Abwärtstrend zeigt.
Indien musste den größten Einbruch hinnehmen, da die Erschwinglichkeit die Nachfrage dämpfte, während Europa unter einer schwächeren Exporttätigkeit litt, die auf Handelskonflikte zurückzuführen war. Ostasien erwies sich als widerstandsfähiger, wobei ein moderates Wachstum in China teilweise durch die Abkehr von Gold sowie eine stärkere Exportleistung in Thailand gestützt wurde.
Mit Blick auf die Zukunft dürften anhaltend starke Preise die Nachfrage weiter drosseln, während fortdauernde Instabilität im Nahen Osten ebenfalls den regionalen Verbrauch bremsen könnte.
Recycling
Die höheren Preise haben im letzten Jahr einen Anstieg der Recyclingaktivitäten bewirkt, wobei die Mengen den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt erreicht haben. Die Zuwächse waren am deutlichsten bei Schmuck und Silberwaren zu beobachten, wo der Wiederverkauf auf dem Markt preisabhängiger ist.
Die Reaktion war jedoch nicht unbegrenzt. Engpässe bei der Verarbeitung im Veredelungssystem schränkten die Menge an Material ein, die wieder auf den Markt gebracht werden konnte, insbesondere bei hochwertigem Schrott.
Das industrielle Recycling entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung und nahm aufgrund geringerer Verwertungsquoten bei Elektronikschrott ab. 2026 wird ein weiterer Anstieg des Recyclingvolumens erwartet, der durch ein ganzes Jahr mit hohen Preisen begünstigt wird.
Minenangebot
Die weltweite Fördermenge stieg im Jahr 2025 um 3 %, was durch eine höhere Produktion in Ländern wie Peru und Russland getragen wurde. Gleichzeitig sanken die Produktionskosten das zweite Jahr in Folge, was die Margen der Primärsilberproduzenten steigen ließ.
2026 dürfte das Angebot weitgehend stabil und nur geringfügig rückläufig sein, da Zuwächse in einigen Regionen durch Schwächen in anderen Bereichen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Blei- und Zinkbergbau, ausgeglichen werden.
Es ist zu beachten, dass der Großteil des Silberangebots als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Metalle, darunter Gold, Kupfer, Blei und Zink, anfällt. Folglich wird das Silberangebot nicht nur von seinem eigenen Preis beeinflusst, sondern auch von der allgemeinen Dynamik auf den Märkten für Basis- und Edelmetalle.
Höhere Preise und bessere Margen könnten zwar Anreize für eine verstärkte Aktivität bieten, doch könnten Beeinträchtigungen sowohl im Bergbau als auch in der Veredelung sowie geopolitische Komplikationen das Angebotswachstum kurzfristig bremsen.
Marktsaldo
Prognosen zufolge wird der Silbermarkt auch 2026 ein Defizit aufweisen, wobei die Versorgungslücke in etwa der von 2025 entsprechen dürfte, allerdings deutlich geringer ausfallen wird als in den letzten Jahren.
Die schwächere Industrie- und Schmucknachfrage hat zur Verringerung des Ungleichgewichts beigetragen. Gleichzeitig haben die starken Zuflüsse in ETPs im vergangenen Jahr das verfügbare Angebot praktisch vollständig absorbiert, wodurch sich die zugrunde liegenden Marktbedingungen stärker verschärft haben, als es die offiziellen Salden vermuten lassen.
Da die Anlegernachfrage in diesem Jahr voraussichtlich nachlassen wird, dürfte sich dieser Druck etwas entspannen, wodurch sich der Markt dem Gleichgewicht annähern wird.
Abbildung 3: Saldo am Silbermarkt

Quelle: Metals Focus, WisdomTree. 2025. (P) = Prognosen. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Preisausblick
Wir behalten unseren positiven Ausblick für Gold bei und gehen davon aus, dass sich Silber in die gleiche Richtung entwickeln wird. Auch wenn die Nachfrage in mehreren Segmenten abflaut, dürfte die Stärke dieser Beziehung als Stütze dienen.
Ausgehend von unseren Modellannahmen und einem Anstieg des Goldpreises um etwa 18 % zwischen dem ersten Quartal 2026 und dem ersten Quartal 2027 schätzen wir, dass der Silberpreis im gleichen Zeitraum um rund 24 % zulegen könnte. Ein Großteil dieses Aufwärtspotenzials ist eher auf die Entwicklung des Goldpreises zurückzuführen als auf silberspezifische Fundamentaldaten.
Dennoch gibt es Einschränkungen. Die im letzten Jahr gestiegenen Investitionen in die Förderkapazitäten könnten das Angebot ankurbeln und das Aufwärtspotenzial begrenzen. Zudem bleiben zwar Wirtschaftsindikatoren wie die PMI1 im expansiven Bereich, doch die geopolitische Unsicherheit belastet weiterhin die Stärke der Erholung.
Abbildung 4: Attribution der Prognosen

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Fazit
Der Ausblick für Silber hängt weniger von den Fundamentaldaten des Edelmetalls selbst als vielmehr von seinem Verhältnis zu Gold ab. Zwar könnten eine nachlassende Industrie- und Schmucknachfrage sowie geringere Anlageströme kurzfristig als Gegenwind wirken, doch dürften diese Faktoren die Unterstützung durch ein günstiges Makroumfeld für Edelmetalle kaum aufwiegen. Da der Markt noch immer ein Defizit aufweist und die strukturellen Nachfragetreiber bestehen bleiben, ist Silber trotz anhaltender Volatilität gut positioniert, um weiteres Aufwärtspotenzial zu erschließen.
Umsetzung
WisdomTree Core Physical Silver (WSLV) bietet kostengünstigen (Verwaltungsgebühr von 0,19 %) Zugang zu Silber. Dank der physischen Besicherung müssen Sie sich keine Gedanken über die Belastung durch das Rollieren am Futures-Markt oder zusätzliche Swap-Gebühren machen.
1 Einkaufsmanagerindex bzw. Purchasing Managers Index.
Wichtige Informationen
Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.
]]>