Einige der Höhepunkte des Gesprächs heute:

Transkript:

Stephen Dover: Grant, beginnen wir mit Ihnen. Wie haben sich die Wahlergebnisse und Gewinne der letzten Woche und sogar COVID auf Ihre Überlegungen zu den Märkten oder Sektoren ausgewirkt?

Grant Bowers: Ich finde es recht interessant zu sehen, wie sich die Wahlen entwickeln, und zwar mit dieser Art 50:50-Verteilung der Stimmen, bei der Joe Biden im Weißen Haus sitzt und der Senat zwischen Republikanern und Demokraten aufgeteilt ist. Das bekräftigt uns in der Annahme, dass wir uns in den USA wahrscheinlich weiterhin in einem Umfeld befinden werden, in dem die Unternehmen und das Wirtschaftswachstum gefördert werden. Ich glaube, dass viele der größeren wirtschaftspolitischen Befürchtungen, die die Leute vor einer blauen Welle hatten – dass diese das Umfeld dramatisch verändern würde –, wahrscheinlich weiter in den Hintergrund gedrängt werden und wir eine deutliche Fortsetzung des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds erleben werden.

Stephen Dover:  Alan, Sie denken viel globaler. Haben Sie Gedanken zu den Themen der vergangenen Woche und welche Meinung haben Sie diesbezüglich?

Alan Bartlett: Grundsätzlich haben wir versucht, sicherzustellen, dass unsere Portfolios sehr widerstandsfähig sind. Unsere Strategien sind daher sehr auf eine breite Diversifizierung ausgerichtet, da in unsicheren Zeiten unbedingt auf eine starke, fundamentale Diversifizierung geachtet werden muss. Auf Bewertungsbasis finden wir mehr Möglichkeiten außerhalb der USA; Japan ist in dieser Hinsicht wahrscheinlich unser am stärksten differenziertes Engagement. Unserer Auffassung nach werden dadurch viele der positiven Aspekte gewisser Themen abgedeckt, die in den USA in Bezug auf Technologie und Wachstum eine treibende Kraft waren. Allerdings zu einem wesentlich günstigeren Preis. In den USA haben wir aus Bewertungssicht Schwierigkeiten beim Thema Technologie gehabt. Wir schätzen Wachstum und Technologie sehr, im Hinblick auf die Bewertungen ist das jedoch schwieriger. Also tendieren wir dazu, einige der zentralen Themen des Marktes aufzugreifen und nach möglichen Begünstigten der Rabatte im mittleren Preissegment zu suchen. Wir haben ein Engagement in Technologiewerten, dabei handelt es sich jedoch in der Regel um Aktien aus dem Technologiebereich, die z. B. mit der Reisebranche verbunden sind, da diese aus offensichtlichen Gründen mit einem erheblichen Abschlag bewertet werden.

Stephen Dover: Wahrscheinlich ist der Sektor einer der wichtigsten Interessenschwerpunkte, mit denen wir uns gegenwärtig befassen. Sprechen wir also der Reihe nach über Sektoren. Zunächst einmal: Der Technologiesektor ist das, was den Markt in dieser Woche und sogar in diesem Jahr beherrscht hat. Grant, was sind Ihre Ansichten zu diesem Sektor? Und wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung?

Grant Bowers: Wir setzen weiterhin auf Technologie. Als wachstumsorientierter Investor, der sich auf die USA konzentriert, müssen wir meiner Meinung nach berücksichtigen, dass der eigentliche Treiber der Technologiewerte die Idee der digitalen Transformation und deren Auswirkungen auf die globale Wirtschaft war. Der Übergang von einer analogen zu einer wirklich digitalen Welt befindet sich noch ganz am Anfang. Wir sehen eine Expansion, die über die Technologie hinausgeht und sich auf andere Sektoren des Marktes ausweitet. Aus diesem Grund bewerten wir als Anleger den Technologiesektor weiterhin positiv. Wir sind der Meinung, dass das Wahlergebnis diesen Ausblick nur bestärkt. Die Rolle der Technologie als treibende Kraft des Wandels wird im kommenden Jahrzehnt noch mehr an Bedeutung gewinnen. In der derzeitigen, durch COVID bedingten Situation erleben wir Arbeiter, die im Homeoffice tätig sind, Verbraucher, die neue Formen des Kaufens, des Verkaufens und der Kommunikation miteinander kennenlernen. Das alles trägt zur Steigerung der Akzeptanz bei. Wir stellen in der Tat fest, dass viele unserer großen Anlagethemen im Technologiebereich angesichts COVID immer mehr an Bedeutung gewinnen. Viele davon werden vermutlich diesen Trend fortsetzen. Wir erwarten, dass die Verbraucher viele der bisherigen traditionellen Wege nicht wieder aufnehmen werden, die sie beim Kauf und Verkauf von Waren früher eingeschlagen haben. Ein weiterer Punkt im Bereich Technologie, den wir unbedingt im Auge behalten sollten, betrifft den Vorschlag für ein Infrastrukturgesetz. Es ist anzunehmen, dass ein Infrastrukturgesetz umfangreiche Allokationen in den Bereichen Technologie, Breitbandzugang und 5G-Infrastruktur enthalten wird. Nicht zu vergessen sind auch die Spannungen mit China, die vor allem den Technologiebereich betreffen. Und Anleger müssen berücksichtigen, dass die Spannungen zwischen China und den USA anhalten werden, ganz gleich, wer im Weißen Haus sitzt. Angesichts der derzeitigen Situation zwischen den USA und China ist davon auszugehen, dass diese Art von Spannungen weiterhin bestehen werden. Diese werden weiterhin in den Nachrichten vertreten sein und Volatilität für die Anleger erzeugen, aber langfristig brauchen beide Seiten einander und werden Wege für eine Zusammenarbeit finden.

Stephen Dover: Grant, eine der wohl wichtigsten Antworten auf die Frage, die wir im Zusammenhang mit dem Technologiesektor immer wieder geben, lautet also: Ja, er wächst. Ja, es gibt viele Möglichkeiten und er hat dieses Jahr bzw. in den letzten Jahren sogar besser abgeschlossen als andere Sektoren, sowohl in absoluten Zahlen als auch im Vergleich zu anderen Marktsegmenten. Glauben Sie, dass Technologie in diesem Kontext immer noch Value-Titel sind?

Grant Bowers: Wenn man „Value“ in einem klassischen Sinne beschreibt, nämlich als niedrige relative Bewertungen, dann fällt es meiner Meinung nach schwer zu argumentieren, dass Technologie im Vergleich zum Markt billig ist. Betrachtet man jedoch die Fundamentaldaten im Technologiesektor, so sind die langfristigen, nachhaltigen Wachstumsprofile, die wir in vielen Unternehmen sehen, die großen, disruptiven Marktchancen, die sich derzeit bieten. Das sind die Innovationen, die derzeit in vielen dieser Märkte stattfinden und die traditionellen Branchen nachhaltig verändern. Der Ausblick für den Technologiebereich ist aus Bewertungssicht nach wie vor sehr positiv. Technologie wird im Vergleich zum breiteren Markt mit einem Aufschlag gehandelt, allerdings liegt die Standardabweichung nur etwa eine Stufe über der historischen Norm. und damit am oberen Ende des Gesamtmarktes. Die Technologie wird jedoch durch enorme Cashflows unterstützt und die Unternehmen weisen eine unglaubliche Rentabilität auf. Manche Anleger vergleichen es mit der Dotcom-Blase und meinen: „Haben wir das nicht auch schon beim letzten Mal gesehen?“ Betrachtet man die eigentlichen Fundamentaldaten, so hat der Technologiesektor vor etwa einem Jahrzehnt den Wendepunkt in Bezug auf die Rentabilität erreicht. Diese Unternehmen – ganz gleich, ob es sich um Software- oder Hardwarehersteller handelt – erwirtschaften mittlerweile einen enormen Cashflow. Bei vielen Unternehmen steigen die Dividenden, es gibt Kapitalrückflüsse, Aktienrückkäufe, ein starkes, robustes Umfeld für Fusionen und Übernahmen. Insgesamt betrachtet, halte ich die langfristige weltweite Nachfrage im Technologiesektor für sehr stark ausgeprägt. Das wiederum ist eine ziemlich gute Grundlage für den gesamten Sektor. Bewertungen kommen und gehen. Es gibt Technologiebereiche, die teuer sind, aber es gibt auch Technologiebereiche, die in diesem Markt gewissermaßen auf der Strecke bleiben. Als wachstumsorientierter Anleger sehen wir in diesen Bereichen durchaus gute Chancen, und ich bin sicher, dass Alan wahrscheinlich auch im Technologiesektor einiges an Value-Titeln zu finden vermag.

Alan Bartlett: Solange die Bewertungen sinnvoll sind, werden wir in jeden Sektor und jede Art von Unternehmen investieren. Entscheidend für uns ist meines Erachtens die Zukunftsorientierung. Meiner Meinung nach sind viele der Argumente über Growth und Value sehr stark rückwärts gerichtet. Wir sind keine Fans einer rückwärts gerichteten Version des Value-orientierten Anlegens. Wir halten eine Aktie nicht für günstig, nur weil sie auf der Basis der aktuellen Kursgewinne oder des Kursbuches mit einem Abschlag gegenüber dem Markt gehandelt wird. So ist beispielsweise ein Schwerpunkt der Analysen sehr stark auf die kommenden drei, vier, fünf, sechs Jahre und sogar noch länger ausgerichtet, um herauszuarbeiten, wer die langfristigen Gewinner sind; wir setzen dies aber schlussendlich wieder in Beziehung zum Preis. In den Bereichen, in denen wir mit der Technologie im Allgemeinen Probleme haben, ist es einfach so, dass die Neubewertungen, die in diesem Zusammenhang stattgefunden haben, für uns nicht unbedingt nachvollziehbar sind.

Andererseits wollen wir natürlich kein Kreditrisiko eingehen, denn die umfangreichen staatlichen Hilfen, die der Wirtschaft in diesem Jahr gewährt werden, haben bei vielen Unternehmen zu einer künstlichen Senkung der Kapitalkosten geführt. Viele der sogenannten Value-Aktien bergen demnach in der Zukunft erhebliche bilanzielle Risiken, wobei es sich auf der Seite des höheren Wachstums um ein fundamentales Bewertungsrisiko handelt. Sie rechtfertigen den Aufschlag einfach nicht gegenüber anderen Unternehmen, die uns auch zur Verfügung stehen.

Stephen Dover: Wechseln wir zu einem anderen Sektor. Grant, sprechen Sie doch zuerst über den Gesundheitssektor. Das ist offensichtlich der Sektor, auf den zumindest in den Vereinigten Staaten diese Wahlwoche und das Ergebnis dieser Wahlwoche Einfluss hat. Wie beurteilen Sie den Gesundheitssektor, Grant?

Grant Bowers: Wir sind weiterhin optimistisch, was den Gesundheitssektor im Allgemeinen betrifft. Vr dem Hintergrund einer Art globalen demographischen Welle mit einer alternden Bevölkerung und einer wachsenden Mittelschicht, die alle einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung, bessere Heilmethoden und Behandlungen sowie bessere Leistungen der Gesundheitsbranche fordern, sind wir der Meinung, dass die langfristigen Aussichten im Gesundheitswesen weiterhin gut sind. Längerfristig glauben wir, dass die pharmazeutische Industrie, die Biotech-Industrie, die Medizinprodukte- und Dienstleistungsindustrie in den USA und weltweit wachsen wird, um diese Nachfrage zu befriedigen. Aus wahltaktischer Sicht war einer der Vorteile für den Gesundheitssektor meines Erachtens die Tatsache, dass mit der Aufteilung der Wahlliste in den USA und der Aufteilung von Senat und Repräsentantenhaus einer der größten Negativfaktoren im Gesundheitssektor beseitigt wurde, nämlich das System des Alleinzahlers oder ein von der Regierung gesponserter Gesundheitsplan, der von einigen Mitgliedern der Demokraten thematisiert wurde. Sobald man diese Punkte weglässt, entfallen die größten negativen Aspekte. Meines Erachtens stand dies für den Gesundheitssektor zur Debatte. Wir sehen daher weiterhin ein positives langfristiges Wachstum im Sektor Gesundheitswesen. Wir beurteilen auch die Rolle des Gesundheitswesens in unserer sich verändernden Welt weiterhin positiv. Nach unserer Meinung werden die im Gesundheitswesen zu erwartenden Innovationen die Art und Weise, wie wir leben und wie wir Zugang zur Medizin haben, grundlegend verändern. Und ganz egal, ob wir in diesem Zusammenhang über Telemedizin sprechen oder nicht, wird dieser Zugang in Zukunft stärker datenzentriert sein. Es wird alles genauer und individueller sein. Aus Anlegersicht sehen wir also enorme Chancen, da sich das Gesundheitswesen vom traditionellen Geschäft zu einem viel stärker digital ausgerichteten, verbraucherorientierten Geschäft wandelt, um so die gigantische globale Nachfrage zu befriedigen, die in den nächsten zehn Jahren zu erwarten ist. Aus Anlegersicht haben wir meiner Meinung nach das beste Wahlergebnis erzielt. Und das langfristige Wachstumsprofil im Gesundheitswesen bleibt nach meinem Dafürhalten weiterhin stark.

Stephen Dover: Ich wende mich jetzt an Sie, Alan. Sprechen wir ein wenig über Bereiche, die zumindest traditionell in den Value-Indizes vertreten sind, nämlich der Finanz- und der Energiesektor. Was sind Ihre Ausblicke auf diese beiden Sektoren? Welche Möglichkeiten sehen Sie und welche Bereiche sollte man Ihrer Meinung nach dort vermeiden?

Alan Bartlett: Ja, für Value-orientierte Anleger sind das beides sehr interessante Sektoren, da beide auf dem ersten Blick sehr günstig sind. Betrachtet man die integrierten Ölgesellschaften, so könnten bei einer Betrachtung über einen Zeitraum von fünf oder sechs Jahren viele dieser Unternehmen mit ihren Free-Cashflow-Renditen ihren gesamten Marktwert wieder aufkaufen. Unsere Strategien sind eigentlich ziemlich untergewichtet, insbesondere in den Bereichen Energie und Banken, da für uns bei Anlagen in die Unternehmen nicht nur der Preis eine Rolle spielt. Dabei müssen der Preis und das längerfristige Wachstumsprofil gegeneinander abgewogen werden. Es gibt also offensichtlich gegenüber den Energiewerten eine Art ökologischen ESG-Überhang [Umwelt, Soziales, Governance]. Wichtiger für uns ist jedoch, dass wir nicht glauben, dass sie im Falle eines Abschwungs der Märkte besonders defensiv reagieren. Im Laufe der Zeit werden wir bessere Möglichkeiten für den Kauf erhalten. Auf der Bankenseite scheinen Banken bezogen auf den Preis bzw. auf einer längerfristigen Basis also sehr günstig zu sein. Die Herausforderung besteht in diesem Fall jedoch darin, dass der Kreditzyklus noch nicht wirklich durchlaufen wurde. Solange sich der Kreditzyklus nicht fortsetzt, solange der sonst zwangsläufig eintretende Konkurszyklus nicht wieder einigermaßen in Gang kommt, ist die Beteiligung an Banken in entwickelten Märkten mit Risiken verbunden. Möglicherweise sind einige von ihnen bereits mit chronischen Situationen konfrontiert, die in den Schwellenländern auftauchen, sind also interessanter. Bei Value-orientierten Anlegern erwarten viele Menschen, dass sie in erheblichem Maße in Aktien aus dem Energie- und Bankensektor investieren. Wir tun dies aber nicht. In der Vergangenheit haben wir dies auch getan, aber offen gesagt haben sich die Bedingungen im Februar geändert. Wir hinterfragen uns in diesem Bereich auch kontinuierlich selbst. Wir sind jedoch der Meinung, dass in beiden Bereichen derzeit Geduld der richtige Weg ist.

Stephen Dover: Alan, ein weiterer Bereich, nach dem wir oft gefragt werden und der sicherlich Value-Manager betrifft, sind die zyklischen Aktien. Wie sehen Sie die zyklischen Sektoren?

Alan Bartlett: Wir sind zwar in Bezug auf die langfristige Entwicklung vorsichtiger, aber wir haben ein ziemlich beträchtliches Engagement in zyklischen und insbesondere industriellen zyklischen Werten. Basierend darauf wird es vermutlich fiskalische Anreize geben – und zwar unabhängig davon, ob Trump oder Biden die Wahl gewinnt. In den vergangenen Tagen gab es viele Fragen und Ansichten darüber, wie hoch diese Anreize genau sein werden. Die einzige Äußerung an den Märkten, die derzeit unterstützt werden sollte, sind die fiskalischen Anreize. Dabei ist klar, dass diese ihren Eingang in viele der eher zyklischen Werte finden werden. Wir haben also dort investiert, wo wir interessante Engagements zu vernünftigen Preisen finden konnten. Statt das zyklische Risiko in erster Linie bei Bank- und Energieaktien einzugehen, setzen wir eher auf Verbrauchsgüter sowie direkt auf zyklische Industrien. Ich vermute, dass wir hier am Ende ein Szenario erleben, über das wir uns mehr Sorgen machen als der Durchschnittsbürger, was im Moment sicherlich der Durchschnittsanleger ist, und zwar die Gefahr einer Inflation, steigender Zinssätze, einer Abwertung der US-Währung und so weiter. Wir achten also sehr darauf. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die Regierungen nur so lange Geld ausgeben, bis sie dazu nicht mehr in der Lage sind. Dieses Geld findet seinen Weg in die Taschen der Menschen. Es findet seinen Weg in die Infrastruktur, in breitere Industriewerte. Deswegen möchten wir lieber dort präsent sein als bei vielen der Namen aus der Technologiebranche, die beispielsweise das 50-Fache der Verkaufszahlen erreichen.

Stephen Dover: Grant, können Sie vielleicht ein wenig über den Sektor der Konsumgüter sowie über Ihre Gedanken zu zyklischen Werten sagen?

Grant Bowers: Auf jeden Fall. Ich finde den Konsumgütersektor sehr interessant. In vielerlei Hinsicht ist dies wohl eine Art Epizentrum von COVID. Man schaue sich nur die Aktien von Reiseveranstaltern, Hotels und Einzelhändlern an – wirklich viele von ihnen haben in dieser Situation mit enormen Problemen zu kämpfen. Die eigentliche Frage lautet also: Hat die Situation neue Chancen für Anleger geschaffen? Wir haben tatsächlich einige Chancen im Konsumgütersektor gefunden. Wir glauben, dass einige der mit der Reisebranche zusammenhängenden Titel irgendwann wieder Fahrt aufnehmen werden, dass dies erfolgreiche Unternehmen mit langfristig starken Wachstumsprofilen sind. Die Verbraucher werden ihr Geld künftig jedoch auf andere Art und Weise ausgeben. Sie werden auf eine andere Art und Weise mit den Unternehmen kommunizieren. Und sie haben viele neue Möglichkeiten kennengelernt, wie sie ihren Alltag bewältigen können. Einige dieser Veränderungen werden bestehen bleiben. Und genau dort gibt es für einige dieser neuen Unternehmen Chancen, sei es im Bereich des E-Commerce oder beim Zugang zu medizinischer Versorgung oder beim Sport zu Hause. Einige dieser neuen Felder werden bestehen bleiben. Auf die eine oder andere Weise werden die Verbraucher jedoch zu ihrem früheren Konsumverhalten zurückkehren. Wenn sich die Verbraucher wieder sicher fühlen, werden sie auch wieder verreisen. Wir sind davon überzeugt, dass COVID überwunden werden wird und dass wir dieses Ziel auch tatsächlich erreichen werden. In den USA erlebt der Immobilienmarkt einen enormen Aufschwung, da die Millennials und viele andere Verbraucher aus den Städten wegziehen und eine Art Stadtflucht stattfindet. Das betrifft alles – den Kauf von Häusern, die Gründung von Haushalten und all die Ausgaben rund um die Einrichtung eines Haushalts, von der Möblierung über den Kauf von Haushaltsgeräten. Es bleibt nicht nur beim Kauf von hausbezogenen Dingen sondern es umfasst auch den Kauf von Autos und so weiter. Angesichts steigender Beschäftigungszahlen und der zunehmenden Erfahrung im Umgang mit COVID kommen wir mit Blick auf das nächste Jahr zu dem Schluss, dass der Ausblick für die Verbraucher ziemlich gut ist. Der Weg dorthin wird jedoch ziemlich holprig sein.

Stephen Dover: Vielen Dank. Grant, sprechen wir kurz über Ihr Engagement im Finanzsektor. Dies unterscheidet sich von dem, was man vielleicht erwarten würde.

Grant Bowers: Es ist in der Tat anders. Der Finanzsektor hat uns, glaube ich, wirklich gefallen, aber ich würde sagen, dass wir mit Alan insoweit übereinstimmen, als wir nur sehr wenige oder gar keine Engagements in zinsempfindlichen und Bankunternehmen haben. Obwohl der Finanz- und Bankensektor in den USA relativ stark ist, ist eine Rückkehr zu den Wachstums- und Rentabilitätsniveaus, wie wir sie vor der Finanzkrise erlebt haben, bisher noch nicht zu beobachten. Wenn man den Finanzsektor als wachstumsorientierter Anleger betrachtet, sieht man also einen Markt mit einem Volumen von 20 Billionen US-Dollar, der fest in seiner alten analogen Struktur verankert ist. Und diese Idee, über die ich vorhin gesprochen habe, die digitale Transformation, die über die Technologie hinaus in all diese anderen Sektoren vordringt – im Finanzsektor bietet sich hier eine der größten Chancen. Wir sehen enorme Chancen bei den Datenlieferanten von Finanzdienstleistern, wenn es darum geht, die Backoffice-Bereiche von Banken von der reinen Datenverarbeitung in Papierform auf eine stärker digitalisierte, elektronische Art der Erfassung der Bankgeschäfte der Verbraucher umzustellen. Ein Thema, über das wir intern sprechen, ist, wie die Zukunft im Bankwesen aussehen wird. Wahrscheinlich wird das Bankwesen in Zukunft stärker digitalisiert sein. Es wird persönlicher sein. Es wird in Echtzeit ablaufen. Und es wird in vielerlei Hinsicht sozialer sein. Dadurch wird das traditionelle Bankenmodell des Privatkundengeschäfts nachhaltig verändern. Möglicherweise haben Sie aber auch eine Einzahlung getätigt und mit einem Kassierer gesprochen, wodurch es viel verbraucherorientierter gestaltet werden könnte. Und das eröffnet uns eine Menge Anlagemöglichkeiten. Deshalb mögen wir den Finanzsektor, jedoch nicht den traditionellen Bankensektor. Das unterscheidet sich nicht so sehr von dem, was Alan über einige der Finanzwerte gesagt hat.

Stephen Dover: Alan, was hält Sie nachts wach? Was für Risiken gibt es auf dem Markt, die auftreten könnten und über die Sie sich Sorgen machen?

Alan Bartlett: Nachhaltigkeit. Was das gesamtwirtschaftliche Umfeld anbelangt, so glaube ich, dass es einen großen Unterschied bei der Erholung von der schlimmen Rezession gibt, die eindeutig zu erwarten ist. Welche langfristige Nachfrage besteht dann wirklich in einer Wirtschaft, die riesige Schuldenberge angehäuft und viele Probleme hat? Wir müssen wohl den Enthusiasmus dämpfen und realistisch einschätzen, wie die Dinge auf längere Sicht aussehen werden. Für uns besteht die Realität darin, dass, wenn die derzeitige Regierungspolitik weiter besteht, es unvermeidlich zu einer Inflation kommen wird und damit der Zyklus beendet ist. Wenn die Intervention der Regierung keinen Erfolg hat, führt dies unweigerlich zu einer anhaltenden Rezession. Wir befinden uns in einer Situation, die anfällig für Änderungen ist. Was wir sehr positiv bewerten, ist, dass die Realitäten im kommenden Jahr etwas schwieriger werden und die Märkte eine Volatilität aufweisen werden, die wir ausnutzen können. Solange wir unsere Hausaufgaben in Bezug auf die Aktien gemacht haben, kennen wir den sinnvollen Preis. Wir wissen, wo wir hinwollen. Wir konzentrieren uns auf die Diversifizierung. Wir können sie nutzen, um günstige Käufe für unsere Kunden zu realisieren.

Stephen Dover: Noch kurz, Grant, was ist es, das Sie nachts wach hält? Welche Bedenken haben Sie möglicherweise in Bezug auf den Markt?

Grant Bowers: Unsere Bedenken sind wahrscheinlich zweifacher Art. Zuallererst, trotz der Wahlen und allem, was in der Wirtschaft vor sich geht, ist COVID das wirklich dominierende Thema auf diesen Märkten und in der Wirtschaft. Und solange es kein Heilmittel oder eine Behandlung gibt oder COVID keine Gefahr mehr darstellt, kann man sich kein wirkliches Bild davon machen, wie hoch die tatsächliche wirtschaftliche Nachfrage in den USA oder sogar weltweit ist, weil sie im Moment völlig verzerrt ist und COVID alles überlagert. Wenn man das zurückschrauben und die nächste Stufe betrachten könnte, dann würde ich – da stimme ich Alan zu – bei einigen Stufen sagen, dass die Inflation wahrscheinlich eines der größten Risiken auf dem Markt ist. Nach unserer Auffassung hat die Fed im Kern erklärt, dass sie die Zinsen weiterhin niedrig halten wird. Dadurch wird die Wirtschaft mit einer höheren Inflation weiter aufgeheizt, und die längerfristigen deflationären Kräfte, die nicht nur durch die Technologie, sondern auch durch vieles, worüber in den großen Themen der digitalen Transformation gesprochen wird, hervorgerufen werden, halten die Inflation unter Kontrolle und schaffen damit einen ziemlich guten und nachhaltigen Rahmen. Wir beurteilen die USA und die Nachhaltigkeit des Wachstums in den USA viel positiver, und wir sind der Meinung, dass sich US-Aktien, Wachstumswerte, bei niedrigen Zinssätzen und relativ niedriger Inflation, weiterhin gut entwickeln werden, auch wenn das Umfeld gewaltige Veränderungen durchlaufen wird. Das schafft für uns als Anleger zahlreiche Chancen auf diesem Markt.

Stephen Dover: Recht herzlichen Dank. Vielen Dank, Grant. Vielen Dank, Alan.

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