Der Blick über den Tellerrand

Home Bias - üblich und gefährlich

Ein bekanntes Phänomen der Kapitalanlage ist der sogenannte Home Bias. Anleger tendieren dazu, ihre Investitionsobjekte zu einem überwiegenden Teil in ihrem Heimatmarkt zu suchen. Das ist gut nachvollziehbar, denn der tägliche Nachrichtenkonsum sowie die Bekanntheit der Firmen aus dem Alltag heraus schafft das Gefühl einer guten Informationsbasis.

Doch unter dem Gesichtspunkt der Portfoliodiversifikation weist diese Vorgehensweise einen großen Nachteil auf. Denn Unternehmen aus demselben regionalen Markt sind oft ähnlichen Einflussfaktoren ausgesetzt. Dazu zählen beispielsweise die Binnenkonjunktur, politische Entscheidungen oder die Geldpolitik. Das sorgt für einen erhöhten Gleichlauf der Wertpapiere, im Fachjargon also für eine hohe Korrelation. Im Rahmen der Portfoliozusammenstellung ist diese aber kontraproduktiv. Je stärker die Entwicklung einzelner Aktien divergiert, desto mehr kann das Risiko eines Gesamtportfolios durch eine Mischung reduziert werden - bei einer identischen Zielrendite. Mit einem Übergewicht von Investitionen im Heimatmarkt wird daher das Risiko der Kapitalanlage unnötig erhöht.

USA als Korrektiv

Eine wesentliche Verbesserung unter dem Gesichtspunkt der Diversifikation kann für den hiesigen Anleger bereits durch eine Beimischung von US-Anlagen erzielt werden. Dank eines riesigen Binnenmarktes weisen die Vereinigten Staaten eine gewisse Autonomie auf, das Land verfügt zudem über zahlreiche global führende Konzerne, die dank ihrer breiten Aufstellung selbst Schwankungen in einzelnen Regionen ausgleichen. Wichtige Trends können dies- und jenseits des Atlantiks divergieren und so für einen positiven Diversifikationseffekt sorgen. Ein gutes Beispiel bietet die aktuelle Zinspolitik: Während in der Eurozone noch mit Maßnahmen des Quantitative Easing gegen eine zu niedrige Inflation gekämpft wird, haben die USA bereits den Zinserhöhungszyklus gestartet.

Zudem ist der US-Markt hochentwickelt und weltweit führend. Das spiegelt sich in einer breiten Indexpalette wider, die auch hierzulande einfach und kostengünstig, beispielsweise über Exchange Traded Funds (ETFs) des Anbieters iShares, investierbar ist. Neben dem Klassiker, dem Dow Jones Industrial Average, ist der wesentlich breiter aufgestellte S&P 500 ebenso verfügbar wie der Nasdaq 100 Index, der Leitindex der weltweit führenden Technologiebörse. In Abhängigkeit von den eigenen Präferenzen bieten sich zahlreiche weitere Möglichkeiten an, um bestimmte Schwerpunkte zu setzen, sei es auf den Bereich der Small Caps (iShares S&P SmallCap 600 UCITS ETF), auf Dividenden- und Qualitätstitel (iShares MSCI USA Dividend IQ UCITS ETF) oder auf einzelne Branchen (bspw. Gesundheits- oder Konsumgüterindustrie: iShares S&P 500 Health Care Sector UCITS ETF, iShares S&P 500 Consumer Discretionary Sector UCITS ETF).

Schwellenländer als sinnvolle Ergänzung

Das Setzen von Schwerpunkten ist ein wesentlicher Schritt, um im Rahmen der Portfoliozusammenstellung die eigenen Präferenzen abzubilden. Allerdings sollte dabei eine ausreichende Diversifikation immer im Blick behalten werden, um die Volatilität abzusenken und damit das Risiko zu minimieren. Je geringer die Korrelation, desto höher fällt der Diversifikationseffekt aus. Aus Diversifikationserwägungen eignen sich daher auch die Schwellenländer, die sogenannten Emerging Markets, als Portfolioergänzung. Durch eine andere wirtschaftliche Ausgangslage sind diese noch einmal gänzlich anderen Einflussfaktoren ausgesetzt. So ist ihr Wachstumspotenzial (u.a. wegen eines deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Einkommens) generell höher, die Entwicklung verläuft aber meist volatiler - u.a. auch wegen der größeren Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen. Zentrale wirtschaftliche Kennzahlen verdeutlichen die Unterschiede zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern einerseits und den entwickelten Industrieländern andererseits. So konnten die erstgenannten in den letzten zehn Jahren nach IWF-Daten im Durchschnitt um 5,8 Prozent p.a. wachsen (Industrieländer: 1,4 Prozent) und ihre Exporte um 5,1 Prozent p.a. steigern (Industrieländer: 3,6 Prozent), das allerdings bei einer deutlich höheren Inflation von 6,0 Prozent p.a. (Industrieländer: 1,7 Prozent).

Das Produktangebot zu den Emerging Markets ist nicht so vielfältig wie jenes zum US-Markt, insbesondere im Fall von iShares aber inzwischen auch reichhaltig. Das fängt an mit ETFs zum breit gestreuten MSCI Emerging Markets Index, entweder mit Gewinnausschüttung oder thesaurierend, geht über eine fokussiertere Variante (iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF) und regionale Subindizes (MSCI Asia, BRIC 50) bis hin zu Angeboten für einzelne Länder (z.B. iShares China Large Cap UCITS ETF).

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