Kindesunterhalt

Düsseldorfer Tabelle 2019: So viel Unterhalt steht Scheidungskindern zu – die aktuelle Unterhaltstabelle

Die Düsseldorfer Tabelle verrät, wie viel Unterhalt Scheidungskinder erhalten. Wie die aktuelle Unterhaltstabelle zeigt, stehen unter Umständen auch volljährigen Kindern Zahlungen zu. In unserem Artikel zur Düsseldorfer Tabelle 2019 verraten wir, wie hoch der Kindesunterhalt aktuell ist und was Sie als Eltern tun müssen.

Düsseldorfer Tabelle -
darum geht es

Die Düsseldorfer Tabelle regelt die Hö­he von Un­ter­halts­zah­lungen und wird nor­ma­ler­wei­se jähr­lich aktua­li­siert.

Ziel der Düsseldorfer Tabelle ist es, die Recht­spre­chung der Fa­mi­lien­ge­rich­te un­ter an­derem be­züg­lich des Kin­des­un­ter­halts zu stan­dar­di­sie­ren.

"Unterhalt" si­chert den Lebens­be­darf einer Person - voll­ständig oder zu­min­dest teil­weise.

Düsseldorfer Tabelle -
Tipps & Tricks

Der Mindest­unter­halt für min­der­jäh­ri­ge Kin­der richtet sich nach dem Exi­stenz­mini­mum des Kin­des und der Min­dest­unter­halts­ver­ord­nung.

Ab 1. Januar 2019 liegt der mo­nat­li­che Min­dest­unter­halt bei 354 Euro bis zur Voll­en­dung des 6. Lebens­jah­res, bei 406 Euro bis zum 12. Lebens­jahr, da­nach bei 476 Euro.

Tipp: Unterhaltspflichtige von er­wach­se­nen Trennungs­kindern müssen kün­ftig weniger bei­steuern, da der Un­ter­halt wegen des höheren Kin­der­gel­des ge­ringer aus­fällt.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Wer nach einer Scheidung wissen möchte, wie viel Unterhalt die gemeinsamen Kinder erhalten, muss einen Blick in die sogenannte Düsseldorfer Tabelle werfen. Diese Unterhaltstabelle gibt Auskunft darüber, welche Zahlungen Sie leisten müssen oder, wenn die Kinder bei Ihnen leben, welchen Unterhalt die Kinder von Ihrem (Ex-)Partner bekommen.

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine bundesweit anerkannte Richtlinie zum Unterhaltsbedarf. Seit 1962 regelt die Düsseldorfer Tabelle die Höhe von Unterhaltszahlungen mit dem Ziel, die Rechtsprechung der Familiengerichte unter anderem bezüglich Kindesunterhalt zu standardisieren. An der Düsseldorfer Tabelle orientieren sich die Familiengerichte bei der Festsetzung des Unterhalts, sie hat aber keine Gesetzeskraft.

Der Kindesunterhalt ist aber nur ein Bereich der Düsseldorfer Tabelle, die insgesamt aus vier Teilen besteht: dem bereits angesprochenen Kindesunterhalt, dem Ehegattenunterhalt, der Mangelfallberechnung und dem Verwandtenunterhalt. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf aktualisiert die Unterhaltstabelle in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Familiengerichtstag regelmäßig.

In diesem Ratgeberartikel liegt der Schwerpunkt auf dem Kindesunterhalt. Sie erfahren, wie hoch der aktuelle Kindesunterhalt ist, welche Faktoren die Höhe des Unterhalts beeinflussen und was Sie als Eltern von Scheidungskindern tun müssen.

Was bedeutet "Unterhalt zahlen"?

Aus rechtlicher Sicht bezeichnet der Begriff "Unterhalt" die Verpflichtung eines Ein­zel­nen, die Existenz eines an­deren Men­schen zu si­chern. Das deut­sche Unter­halts­recht ist im vierten Buch des Bür­ger­lichen Ge­setz­buches (BGB) ge­re­gelt.

Wichtig ist in diesem Zusammen­hang, dass es keinen ein­heit­lichen Unter­halts­an­spruch gibt, einer Unter­halts­zah­lung gehen ver­schie­dene An­spruchs­grund­lagen mit unter­schied­lichen Be­dingungen voraus. Die Düssel­dorfer Ta­belle hilft dabei, diese An­sprüche und Be­dingungen zu ver­ein­fachen und zu ver­ein­heit­lichen.

Ab 2019 bekommen Scheidungskinder mehr Geld

In der Düsseldorfer Tabelle 2019 wurden Änderungen bezüglich Kindesunterhalt zu Gunsten des Nachwuchses vorgenommen. Demnach müssen getrennt lebende Eltern ihre Kinder, im Vergleich zum Vorjahr, mit mehr Geld unterstützen. Gegenüber 2018 erhöht sich der Mindestunterhalt für Minderjährige erneut, außerdem wird das Kindergeld auf den Bedarf angerechnet. Die neue Unterhaltstabelle gilt ab 1. Januar 2019.

Das ändert sich: Der Mindestunterhalt minderjähriger Kinder liegt bis zur Vollendung des 5. Lebensjahres (erste Altersstufe) bei 354 statt bisher 348 Euro. In der zweiten Altersstufe (6 bis zur Vollendung des 11. Lebensjahres) gibt es 406 statt bisher 399 Euro und zwischen dem 12. Lebensjahr bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres besträgt der Mindestunterhalt nun 476 Euro (zuvor 467 Euro). Beim volljährigen Nachwuchs bleibt der Kindesunterhalt auf dem Niveau von 2018.

Auf den Bedarf des Kindes wird ab sofort das Kindergeld angerechnet. Ab Juli 2019 liegt das Kindergeld voraussichtlich bei 204 Euro für das erste und zweite Kind, bei 201 Euro für das dritte Kind und bei 235 Euro für das vierte und jedes weitere Kind. Bei minderjährigen Kindern wird das Kindergeld normalerweise zur Hälfte, bei volljährigen Kindern vollumfänglich auf den Unterhaltsbedarf angerechnet.

Hinweis: Unterhaltspflichtige von erwachsenen Trennungskindern können sich auch darüber freuen, dass das Kindergeld auf den Unterhaltsbedarf angerechnet wird. Der Betrag, den sie künftig beisteuern müssen, fällt wegen des höheren Kindergeldes geringer aus.

Wer muss Unterhalt zahlen?

Nur der Elternteil, bei dem sich das minderjährige und gemeinsame Kind selten oder zumindest nicht ständig aufhält, ist laut § 1612a BGB zum sogenannten Barunterhalt verpflichtet. Sind die gemeinsamen Kinder volljährig und befinden sich in Ausbildung und/oder Studium, sind sowohl Mutter als auch Vater zum Unterhalt verpflichtet. Sie zahlen dann Kindesunterhalt entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit.

Wie viel Unterhalt muss ich pro Kind zahlen?

Der Mindestunterhalt für minderjährige Trennungskinder richtet sich nach dem Existenzminimum des Kindes und der sogenannten Mindestunterhaltsverordnung (mehr dazu können Sie in § 1612a BGB nachlesen). Ab 1. Januar 2019 gelten die Mindestunterhaltssätze, die bereits weiter oben genannt wurden und in der folgenden Tabelle übersichtlich aufgeführt sind.

Düsseldorfer Tabelle 2019

Netto­einkommen0-5
Jahre
6-11
Jahre
12-17
Jahre
ab 18
Jahre
Prozent­satzBedarfs­kontroll­betrag
bis 1.900354406476527100880/1.080
1.901 – 2.3003724275005541051.300
2.301 – 2.7003904475245801101.400
2.701 – 3.1004084675486071151.500
3.101 – 3.5004254885726331201.600
3.501 – 3.9004545206106751281.700
3.901 – 4.3004825536487171361.800
4.301 – 4.7005105856867591441.900
4.701 – 5.1005396187248021522.000
5.101 – 5.5005676507628441602.100
ab 5.501
je nach Fall

Die Unterhalts­tabelle für 2019 beruht auf Ko­or­dinie­rungs­gesprä­chen. Diese haben unter Betei­ligung al­ler Ober­landes­gerichte sowie der Unter­halts­kommission des Deut­schen Familien­gerichts­tages e.V. statt­ge­fun­den.

Der Kindesunterhalt im Einzelfall – ein Beispiel

Um herauszufinden, welchen Betrag ein Barunterhaltspflichtiger monatlich zahlen muss respektive welcher Betrag Scheidungskindern jeden Monat von ihren geschiedenen Eltern zusteht, sind einige Daten wichtig: Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen, Alter des Kindes und verschiedene Faktoren, die den Kindesunterhalt beeinflussen wie der Eigenbedarf oder Schulden.

Damit das Lesen der Tabelle leichter fällt, hier ein kleines Beispiel: Ihr unterhaltsrelevantes Einkommen beläuft sich auf 3.000 Euro. Sie werden damit entsprechend in der 4. Einkommensstufe zwischen 2.701 Euro und 3.100 Euro eingestuft. Ihr Kind ist 13 Jahre alt, was der 3. Altersstufe entspricht. In diesem bispielshaften Fall weist die Düsseldorfer Tabelle einen Unterhaltsanspruch in Höhe von 548 Euro im Monat aus.

In der Düsseldorfer Tabelle wird der monatliche Unterhaltsanspruch von zwei Unterhaltsberechtigten ausgewieesen. Haben Sie nur ein Kind oder mehr als zwei Kinder, dann können Ab- oder Zuschläge angemessen sein – es erfolgt dann möglicherweise die Einstufung in eine niedrigere oder höhere Nettoeinkommensgruppe. Beträgt das Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils monatlich mehr als 5.501 Euro, dann wird der Kindesunterhalt nach den Umständen des Einzelfalls bestimmt. Welche Faktoren den Unterhaltsanspruch noch beeinflussen, zeigen wir im Folgenden auf.

Wie wird die Düsseldorfer Tabelle berechnet?

Das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen zu ermitteln, ist in der Praxis die größte Schwierigkeit. Mit dem Nettoeinkommen auf der Gehalts- oder Lohnabrechnung hat dies in den seltensten Fällen zu tun – dazu und zu den Begrifflichkeiten der Tabelle im Folgenden mehr.

Unterhaltsbedarf und Zahlbetrag

Die obige Tabelle hat keine Gesetzeskraft, sie stellt vielmehr eine Richtlinie dar. In der Tabelle wird der monatliche Unterhaltsbedarf bezogen auf zwei Unterhaltsberechtigte ausgewieesen. Der ausgewiesene Bedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag.

Der Zahlbetrag ändert sich beispielsweise bei einer größeren oder geringeren Anzahl Unterhaltsberechtigter. Dann können Ab- oder Zuschläge angemessen sein, die eine Einstufung in einer niedrigeren oder höheren Gruppe nach sich zieht. Um den notwendigen Mindestbedarf zu decken, kann gebenenfalls eine Herabstufung bis in die unterste Tabellengruppe notwendig sein.

Notwendiger und angemessener Eigenbedarf

Sollte das verfügbare Einkommen auch dann nicht ausreichen, müssen die Interessen der Kinder höher bewertet werden als die des/der Unterhaltspflichtigen. Das heißt: Der notwendige Eigenbedarf (Selbstbehalt) beträgt beim nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen 880 Euro pro Monat, beim erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen jeden Monat 1.080 Euro. Hierin enthalten sind bis zu 380 Euro für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung (Warmmiete). Überschreitet die Warmmiete den ausgewiesenen Betrag und in nicht unangemessener Weise, dann soll der Selbstbehalt erhöht werden.

Der angemessene Eigenbedarf beträgt normalerweise mindestens 1.300 Euro monatlich – insbesondere gegenüber anderen volljährigen Kindern. In diesem Betrag ist eine Warmmiete bis zu 480 Euro inklusive.

Nettoeinkommen des/der Barunterhaltspflichtigen

Am Nettoeinkommen des oder der Barunterhaltspflichtigen errechnet sich der Kindesunterhalt. Von diesem Einkommen abzuziehen sind berufsbedingte Aufwendungen, die sich von den privaten Lebenshaltungskosten eindeutig abgrenzen lassen. Dieser Betrag kann auch pauschal auf 5 Prozent des Nettoeinkommens geschätzt werden, dabei können mindestens 50 Euro (bei geringfügiger Teilzeitarbeit auch weniger) und höchstens 150 Euro pro Monat angesetzt werden. Wenn die berufsbedingten Aufwendungen die Pauschale übersteigen, dann müssen diese insgesamt belegt werden.

Schulden, sofern diese „berücksichtigungsfähig“ sind, sind in der Regel vom Einkommen abzuziehen. Berücksichtigungsfähig sind unter anderem Schulden, die bereits während des Zusammenlebens der Eltern gemacht wurden. Diese sind abziehbar, solange wenigstens der Mindestunterhalt (niedrigster Satz der Düsseldorfer Tabelle) gewährleistet ist.

Schulden, die vor Geburt des Kindes gemacht wurden, sind ebenfalls berücksichtigungsfähig. Das können beispielsweise BAföG-Schulden eines Elternteils oder Schulden zur Einrichtung der Wohnung sein. Bei Schulden, die später angehäuft wurden, ist der Grund der Verbindlichkeit entscheidend. Schulden, die durch den Kauf eines (unnötig) teuren Autos oder für eine Weltreise gemacht wurden, sind nicht abziehbar.

Tipp: Einen Überblick über die Leitlinien zum Unterhalt der Düsseldorfer Tabelle erhalten Sie auf der Internetseite des OLG Düsseldorf. Dort finden Sie Informationen zum unterhaltsrechlichen Einkommen, zum Kindesunterhalt, zum Ehegattenunterhalt sowie zum sogenannten Mangelfall.

Prozentsatz

Die erste Einkommensgruppe (bis 1.900 Euro) ist Ausgangspunkt für die weiteren Berechnungen in der Düsseldorfer Tabelle. In der ersten Zeile wird der Mindestunterhalt ausgewiesen (354 Euro), der Prozentsatz beträgt entsprechend 100 Prozent.

Alle weiteren (höheren) Prozentsätze drücken die Steigerung des Unterhalts der jeweiligen Einkommensgruppe gegenüber dem Mindestunterhalt in der ersten Einkommensgruppe aus. Wird nun der Mindestunterhalt einer Altersstufe, zum Beispiel 476 Euro für die Altersstufe 3 (12 bis 17 Jahre), mit dem Prozentsatz einer bestimmten Einkommensstufe, zum Beispiel 110&nbspProzent bei Einkommensstufe 3 (2.301 bis 2.700 Euro), multipliziert, dann ergibt sich die Höhe des Unterhaltsanspruchs. Diesen können Sie als entsprechenden Eurobetrag in der Tabelle ablesen, in diesem Beispiel sind dies 524 Euro.

Bedarfskontrollbetrag

Der Bedarfskontrollbetrag ist nicht identisch mit dem Eigenbedarf. Dieser Wert dient der Vorsorge einer Ungleichbehandlung und soll eine ausgewogene Verteilung des Einkommens zwischen dem Unterhaltspflichtigen und den unterhaltsberechtigten Kindern gewährleisten. So soll vermieden werden, dass der Unterhaltspflichtige finanziell schlechter gestellt ist als die Unterhaltsberechtigten.

Wird der Bedarfskontrollbetrag unter Berücksichtigung anderer Unterhaltspflichten unterschritten, so wird der Tabellenbetrag der nächst niedrigeren Gruppe angesetzt, deren Bedarfskontrollbetrag nicht unterschritten wird.

Tipp: Weitere Anmerkungen zur Düsseldorfer Tabelle und zur Berechnung des Kindesunterhalts finden Sie auf der Internetseite des OLG Düsseldorf. Dort erfahren Sie auch, welchen Kindesunterhalt Sie als Unterhaltspflichtiger leisten müssen, wenn Sie nur ein Kind oder wenn Sie mehr als zwei Kinder haben.

Düsseldorfer Tabelle - das sollten Sie tun

1
Überprüfen Sie, wie hoch Ihr unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen ist. Gibt es beispielsweise Schulden, die berücksichtigungsfähig sind?
2
Bedenken Sie, dass Sie wegen der Erhöhung des Kindergeldes weniger Unterhalt an Ihre erwachsenen Kinder zahlen müssen.
3
Hat sich an Ihrer beruflichen Situation oder an Ihrer Einkommenssituation etwas geändert, dann bedenken Sie dies beim Kindesunterhalt.

Beitrag verfasst von:

MARKUS GENTNER – FINANZEN.NET REDAKTEUR

Markus Gentner - Redakteur finanzen.net Ratgeber Markus Gentner leitet den Ratgeberbereich bei finanzen.net. Zuvor war er fünf Jahre lang in der News-Redaktion tätig. Der studierte Journalist und Germanist entdeckte seine Passion für die Börse beim Deutschen Anleger Fernsehen DAF, bereits während seines Volontariats sammelte er Erfahrung mit Ratgeberthemen.

Hinweis: Unsere Ratgeber-Artikel sind objektiv recherchiert und unabhängig erstellt. Damit Sie unsere Informationen kostenlos lesen können, werden manchmal Klicks auf Verlinkungen vergütet.

Bildquelle: Pressmaster / Shutterstock.com

JETZT NEWSLETTER ABONNIEREN!

Produktempfehlungen, Spartipps, aktuelle Urteile - mit dem kostenlosen Ratgeber-Newsletter sind Sie stets bestens informiert!

Mehr zum Thema

Arbeitsvertrag fristgerecht kündigen
Gesetzliche Kündigungsfristen im Arbeitsvertrag – so kündigen Sie fristgerecht, die besten Tipps
Streit mit dem Chef, ein Umzug der Liebe wegen oder ein besseres Jobangebot - Gründe für eine Kündigung des Arbeitsvertrages gibt es viele. Wie Sie fristgerecht den Arbeitsvertrag kündigen, worauf Sie dabei achten müssen und wie ein Kündigungsschreiben aussieht, beantworten wir in diesem Ratgeber-Artikel - die besten Tipps rund um gesetzliche Kündigungsfristen im Arbeitsrecht.
BackToTop Nach oben