Derivate bereichern das Depot

Derivate - eine gigantische Erfolgsgeschichte

Das Derivat als Finanzprodukt hat eine sehr lange Tradition, der organisierte Handel startete bereits im 16. Jahrhundert in den Niederlanden. Ausgangspunkt war der Wunsch von Händlern, sich gegen künftige Preisschwankungen für ihr Produkt - den Basiswert, auch Underlying genannt - abzusichern. Dafür wurden Termingeschäfte entwickelt, in denen man sich auf die künftigen Parameter einer Transaktion für den Basiswert weit im Voraus einigte. Diese Verträge wurden schließlich in standardisierter Form handelbar gemacht. Zwei Gattungen sind dabei besonders in den Vordergrund getreten: Die Option, die das Recht, aber nicht die Pflicht beinhaltet, ein Geschäft zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu bestimmten Konditionen durchzuführen, und der Future, der eine verbindliche Transaktion festschreibt. Der Future hat standardisierte Parameter im Bezug auf Underlying, Preis, Menge und Fälligkeit, um die Börsenhandelsfähigkeit zu ermöglichen, die unstandardisierte Variante nennt man Forward. Daneben gibt es auch noch Verträge zu Tauschgeschäften, die Swaps.

Der möglichen Vielfalt von Derivaten auf unterschiedlichste Basiswerte - von Aktien, über Anleihen und Kredite bis hin zu Rohstoffen oder Währungen - sind kaum Grenzen gesetzt, die Finanzindustrie hat das mit vielen Innovationen genutzt und dem Derivatemarkt zu einer enormen Größe verholfen. Nach den Daten der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) belief sich das Kontraktvolumen der ausstehenden Derivate im zweiten Halbjahr 2013 auf mehr als 700 Bio. US-Dollar. Im Anschluss führten Konsolidierungsbemühungen im Sektor zu einem Rückgang auf immer noch enorme 552 Bio. US-Dollar im ersten Halbjahr 2015.

Zertifikate - eine echte Innovation

Ebenfalls zur Gattung der Derivate zählen die Zertifikate, die in der Regel von Banken in Form einer Schuldverschreibung emittiert werden. Ein Zertifikat verbrieft dem Erwerber das Recht, in einer festgelegten Form an der Preisentwicklung des Underlyings zu partizipieren. So kann ein Anleger beispielsweise mit einem Indexpartizipationsschein auf den DAX an der Wertentwicklung des wichtigsten deutschen Leitindex teilhaben, ohne selbst die einzelnen Aktien besitzen zu müssen. Ein solches Zertifikat, erstmals emittiert von der Dresdner Bank im Jahr 1990, gilt als Geburtsstunde des Sektors.

Im Anschluss wurde das Angebot massiv ausgeweitet, denn Zertifikate bieten einen großen Vorteil. Die Banken können durch eine Kombination verschiedener Asset-Klassen wie Aktien, Optionen, Futures und Anleihen in einem Wertpapier - diesen Prozess nennt man die Strukturierung - unterschiedliche Zahlungsprofile schaffen, aus denen ein Anleger in Abhängigkeit von seinen Erwartungen und Anlagezielen auswählen kann. Zudem bieten die Wertpapiere einen einfachen Zugang zu vielen Asset-Klassen, die für Privatinvestoren ansonsten, etwa wegen hoher Mindestvolumina, nur schwer zugänglich sind.

Ein breit diversifizierter Markt

Insbesondere aufgrund dieser Flexibilität haben Zertifikate in Deutschland ihren ersten großen Boom nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000 erlebt, als mit klassischen Aktieninvestments lange Zeit kein Geld zu verdienen war. Als Alternative boten sich damals u.a. Zertifikate mit garantiertem Kapitalerhalt (Garantiezertifikate), einer gewissen Schutzfunktion (Bonuszertifikate) oder einem gehebelten Gewinn bei fallenden Kursen (Short Knock-out-Zertifikate) an.

Diese Gattungen haben auch heute noch eine große Bedeutung. Zusätzlich bereichert wurde der Markt durch zahlreiche exotische Strukturen, auf die aber nur ein relativ kleiner Anteil entfällt. Der Deutsche Derivate Verband beziffert das Gesamtmarktvolumen auf 70,8 Mrd. Euro (Stand November 2015). Im Bereich der Anlageprodukte entfällt der größte Anteil dabei mit 32,2 Prozent auf strukturierte Anleihen, gefolgt von Kapitalschutzzertifikaten (14,7 Prozent) und Aktienanleihen (13,1 Prozent). Im Segment der Hebelzertifikate liegen Optionsscheine (40,8 Prozent) und Knock-out-Produkte (39,7 Prozent) fast gleichauf, auf Faktorzertifikate entfallen mittlerweile 19,5 Prozent.

Entwicklung des Zertifikatevolumens in den vergangenen 12 Monaten (in Mrd. EUR)


Quelle: Deutscher Derivate Verband


Entwicklung des Zertifikatevolumens in Deutschland seit 2004 (in Mrd.EUR)


Quelle: Deutscher Derivate Verband

DDV-Emittentenumfrage 2015/2016 - Zertifikate-Anbieter ziehen positive Bilanz

Quelle: Deutscher Derivate Verband

Bildquelle: suedhang/Getty Images

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