Entnahmeplan-Rechner
So funktioniert der Entnahmerechner
Der Rechner braucht vier Angaben:
Startkapital: Wie viel Vermögen steht dir zu Beginn der Entnahmephase zur Verfügung? Zieh vorher eine Notreserve ab (drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto), die nicht Teil des Plans sein sollte.
Monatliche Entnahme: Wie viel willst du dir regelmäßig auszahlen? Das ist deine Zusatzrente aus dem Depot.
Erwartete Rendite: Welche jährliche Rendite erwartest du? Für ein breit gestreutes Aktien-ETF-Portfolio sind 5 bis 6 Prozent nach Kosten ein realistischer Planungswert. Für eine konservativere Mischung aus ETFs und Festgeld eher 3 bis 4 Prozent.
Laufzeit: Über wie viele Jahre soll das Kapital reichen? Rechne großzügig. Wer mit 65 in Rente geht, sollte mindestens 30 Jahre einplanen, besser 35.
Das Ergebnis zeigt dir, ob dein Kapital für den gewünschten Zeitraum ausreicht, und wie sich der Depotwert über die Jahre entwickelt. Probiere verschiedene Szenarien durch: Was passiert bei 4 statt 6 Prozent Rendite? Was, wenn du 500 Euro weniger entnimmst?
Tipp: Rechne immer ein konservatives und ein optimistisches Szenario. Wenn dein Plan bei 4 Prozent Rendite funktioniert, bist du auch für schlechtere Marktphasen gewappnet. Bei 6 Prozent hast du zusätzlichen Spielraum.
Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt?
Bevor du den Rechner nutzt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Willst du das Kapital aufbrauchen oder nur von den Erträgen leben?
Kapitalverzehr: Höhere Auszahlungen, begrenzter Zeitraum
Du planst, das gesamte Vermögen über einen definierten Zeitraum zu verbrauchen. Am Ende steht das Depot bei null. Dafür sind die monatlichen Entnahmen höher, weil du nicht nur Erträge, sondern auch Substanz entnimmst.
Beispiel: 500.000 Euro Startkapital, 5 Prozent Rendite, 30 Jahre Laufzeit. Du kannst monatlich etwa 2.700 Euro entnehmen. Nach 30 Jahren ist das Kapital aufgebraucht.
Das Risiko: Wenn du älter wirst als geplant, ist das Geld weg. Plane deshalb mit einem Puffer von mindestens 5 Jahren über deine geschätzte Lebenserwartung hinaus.
Kapitalerhalt: Geringere Auszahlungen, unbegrenzte Laufzeit
Du entnimmst nur die Erträge und lässt das Stammkapital unangetastet. Das Depot bleibt bestehen und kann vererbt werden. Dafür fällt die monatliche Entnahme niedriger aus.
Beispiel: 500.000 Euro Startkapital, 5 Prozent Rendite. Du entnimmst jährlich 25.000 Euro (ca. 2.080 Euro monatlich). Das Kapital bleibt erhalten.
Der Vorteil: Kein Langlebigkeitsrisiko. Egal wie alt du wirst, die Erträge fließen weiter. Der Nachteil: Du brauchst ein größeres Startkapital für den gleichen Lebensstandard.
Trag beide Szenarien in den Rechner ein und vergleiche die Ergebnisse. So siehst du, welchen Unterschied die Entscheidung für deinen Alltag macht.
Weitere Finanzrechner
Die 4-Prozent-Regel: Orientierungswert mit Einschränkungen
Die bekannteste Faustregel für Entnahmepläne stammt vom US-Finanzplaner William Bengen (1994): Wer im ersten Jahr 4 Prozent seines Startkapitals entnimmt und den Betrag jährlich an die Inflation anpasst, konnte historisch mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens 30 Jahre von seinem Vermögen leben.
So funktioniert das konkret: Bei 500.000 Euro Startkapital beträgt die erste Jahresentnahme 20.000 Euro. Im zweiten Jahr wird der Betrag um die Inflation erhöht: bei 2 Prozent auf 20.400 Euro. Im dritten Jahr auf 20.808 Euro. So bleibt die Kaufkraft über die Jahre erhalten.
Bengen ging von einem Portfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen aus. Die Regel hat sich auch in schwierigen Marktphasen (1929, 1970er-Stagflation, 2000, 2008) als tragfähig erwiesen.
Warum viele Experten heute vorsichtiger sind: Die Anleiherenditen lagen in den 2010er Jahren deutlich unter historischen Werten, und die Aktienbewertungen sind höher als in früheren Jahrzehnten. Viele Finanzplaner empfehlen deshalb 3 bis 3,5 Prozent statt 4 Prozent, um die Erfolgswahrscheinlichkeit über 30 Jahre auf über 95 Prozent zu erhöhen.
Probiere im Rechner verschiedene Entnahmeraten durch: 3 Prozent, 3,5 Prozent und 4 Prozent. Der Unterschied in der monatlichen Entnahme ist überschaubar, der Effekt auf die Laufzeit enorm.
Feste vs. dynamische Entnahme
Bei der festen Entnahme (Bengen-Methode) entnimmst du jedes Jahr denselben inflationsbereinigten Betrag, egal was die Märkte machen. Das gibt Planungssicherheit, belastet das Portfolio aber in schlechten Jahren stärker.
Bei der dynamischen Entnahme berechnest du jedes Jahr neu einen Prozentsatz des aktuellen Depotwerts. Wenn das Depot auf 520.000 Euro wächst, steigt deine Entnahme. Fällt es auf 450.000 Euro, sinkst du mit. Das schont das Portfolio in Krisenzeiten, bedeutet aber schwankende Auszahlungen.
Viele Anleger kombinieren beide Ansätze: eine feste Untergrenze für den Grundbedarf, darüber hinaus flexible Entnahmen je nach Depotstand.
Die drei größten Risiken
1. Börsenkrach zum Start (Sequence-of-Returns-Risiko)
Das gefährlichste Szenario: Du startest deinen Entnahmeplan, und die Märkte brechen ein. Du musst Anteile zu Tiefstpreisen verkaufen. Diese Anteile fehlen bei der Erholung. Zwei Anleger mit identischer Durchschnittsrendite über 30 Jahre können völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen, nur weil der eine in einem Crash startet und der andere in einer Aufwärtsphase.
Lösung: Halte drei bis fünf Jahresentnahmen in Tagesgeld oder Festgeld als Liquiditätspuffer. So musst du in Krisenzeiten keine ETF-Anteile verkaufen und kannst warten, bis sich die Märkte erholen. Nach der Erholung füllst du den Puffer wieder auf.
2. Inflation
Bei 2,5 Prozent durchschnittlicher Inflation halbiert sich die Kaufkraft in 28 Jahren. Eine Entnahme von 2.000 Euro monatlich hat dann nur noch die Kaufkraft von rund 1.000 Euro. Deshalb ist ein Aktienanteil von mindestens 50 Prozent auch in der Entnahmephase sinnvoll: Aktien bieten historisch den besten Inflationsschutz.
3. Älter werden als geplant
Wer den Entnahmeplan auf 30 Jahre auslegt und 33 Jahre lebt, hat ein Problem. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Partner eines 65-jährigen Ehepaars 90 wird, liegt bei über 50 Prozent. Plane deshalb mit 35 oder 40 Jahren statt mit 30. Die monatliche Entnahme sinkt dadurch, aber du gewinnst erhebliche Sicherheit.
Trag im Rechner verschiedene Laufzeiten ein und sieh, wie stark sich die monatliche Entnahme verändert. Oft ist der Unterschied zwischen 30 und 35 Jahren kleiner als erwartet.
Kombiniere die Bausteine: Ein breit gestreutes ETF-Portfolio für langfristiges Wachstum, ein Liquiditätspuffer von 3 bis 5 Jahresentnahmen in Festgeld gegen das Crash-Risiko, und eine konservative Entnahmerate von 3 bis 3,5 Prozent gegen das Langlebigkeitsrisiko. Diese Kombination hat sich in der Praxis als robust erwiesen.
Steuern bei der Entnahme
Nicht jeder entnommene Euro wird besteuert. Bei einem ETF-Verkauf zahlst du nur auf den Gewinnanteil Abgeltungssteuer (26,4 Prozent inkl. Soli, ohne Kirchensteuer). Verkaufst du Anteile im Wert von 10.000 Euro, die du für 7.000 Euro gekauft hast, werden nur die 3.000 Euro Gewinn besteuert.
Für Aktienfonds gilt die Teilfreistellung von 30 Prozent: Nur 70 Prozent der Gewinne sind steuerpflichtig. Die effektive Steuerlast auf Kursgewinne liegt damit bei etwa 18,5 Prozent.
Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei Verheirateten) bleibt steuerfrei. Richte einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank ein, damit die Steuer erst ab Überschreitung einbehalten wird.
Für Rentner mit geringem Gesamteinkommen (unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro in 2026) lohnt sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt. Damit entfällt die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge komplett.
Häufige Fragen zum Entnahmeplan
Wie viel kann ich monatlich aus meinem Depot entnehmen?
Das hängt von Startkapital, Rendite und gewünschter Laufzeit ab. Als Faustregel: Bei 3,5 Prozent jährlicher Entnahmerate und 500.000 Euro Startkapital sind das rund 1.458 Euro monatlich (17.500 Euro im Jahr). Bei 4 Prozent sind es 1.667 Euro. Trag deine Werte in den Rechner ein und probiere verschiedene Szenarien.
Was ist die 4-Prozent-Regel?
Eine Faustregel von 1994: Wer im ersten Jahr 4 Prozent des Startkapitals entnimmt und den Betrag jährlich an die Inflation anpasst, konnte historisch mindestens 30 Jahre von seinem Vermögen leben. Viele Experten empfehlen heute konservativere 3 bis 3,5 Prozent.
Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko?
Die Gefahr, dass ein Börsencrash zu Beginn der Entnahmephase das Portfolio dauerhaft schädigt. Wer Anteile zu Tiefstpreisen verkaufen muss, verliert Substanz, die bei der Erholung fehlt. Ein Liquiditätspuffer von 3 bis 5 Jahresentnahmen in Festgeld schützt dagegen.
Soll ich das Kapital aufbrauchen oder erhalten?
Kapitalverzehr ermöglicht höhere monatliche Entnahmen, birgt aber das Risiko, dass das Geld ausgeht. Kapitalerhalt ist sicherer und ermöglicht Vererbung, erfordert aber ein größeres Startkapital. Der Rechner zeigt dir den Unterschied für deine persönliche Situation.
Wie schütze ich mich gegen Inflation?
Behalte einen Aktienanteil von mindestens 50 Prozent im Portfolio, auch in der Entnahmephase. Aktien bieten historisch den besten Inflationsschutz. Passe den Entnahmebetrag jährlich an die Inflation an, damit deine Kaufkraft erhalten bleibt.
Werden Entnahmen aus dem ETF-Depot besteuert?
Nur der Gewinnanteil wird besteuert, nicht der gesamte Verkaufserlös. Für Aktienfonds gilt zusätzlich die Teilfreistellung von 30 Prozent. Die effektive Steuerlast auf Kursgewinne liegt damit bei etwa 18,5 Prozent (ohne Kirchensteuer). Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person bleibt steuerfrei.
Was ist eine Nichtveranlagungsbescheinigung?
Ein Dokument vom Finanzamt für Rentner mit geringem Gesamteinkommen (unter dem Grundfreibetrag). Damit entfällt die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge vollständig. Lohnt sich besonders, wenn die gesetzliche Rente niedrig ist und die Kapitalerträge den Grundfreibetrag nicht überschreiten.
ETF-Entnahmeplan oder Dividendenstrategie?
Ein ETF-Entnahmeplan verkauft regelmäßig Anteile und bietet maximale Flexibilität. Eine Dividendenstrategie zahlt Erträge aus, ohne Anteile zu verkaufen, schwankt aber mit den Ausschüttungen. Viele Anleger kombinieren beides: Dividenden-ETFs als Basis-Cashflow, ergänzt durch gezielte Anteilsverkäufe bei Bedarf.
Wie oft sollte ich meinen Entnahmeplan überprüfen?
Mindestens einmal jährlich. Vergleiche den aktuellen Depotwert mit deiner ursprünglichen Planung. Ist das Portfolio deutlich gewachsen, kannst du die Entnahme erhöhen. Ist es geschrumpft, solltest du die Rate reduzieren. Nutze den Rechner bei jeder Überprüfung, um die verbleibende Laufzeit neu zu berechnen.