Das Wichtigste in Kürze
- Ab 2027 werden keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen. Bestehende Verträge genießen vollen Bestandsschutz – alle bisherigen Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten.
- Niemals kündigen: Bei einer Kündigung musst du sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Bei 15 Jahren Laufzeit können das mehrere tausend Euro sein.
- Du hast drei Optionen: Vertrag ruhen lassen, Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen oder mit der alten Fördersystematik weiterlaufen lassen.
- Der Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist ab 2027 möglich. Alle Zulagen bleiben erhalten, nach fünf Vertragsjahren ist der Wechsel kostenlos. Eine Zustimmung des bisherigen Anbieters ist nicht nötig.
- Das Altersvorsorgedepot bietet deutlich mehr: bis zu 540 Euro Grundzulage statt 175 Euro, Kosten von 0,1 statt 2 Prozent, volle Aktienquote statt Garantie-Bremse.
- Geringverdiener mit Kindern sollten genau rechnen: Nur wer weniger als 25 Euro monatlich sparen kann, profitiert weiterhin vom alten System. Für alle anderen ist das neue Depot besser.
- Das Fenster für einen letzten Riester-Neuabschluss schließt am 31. Dezember 2026 endgültig.
Riester-Rente abgeschafft: Was das konkret bedeutet
Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge genießen vollen Bestandsschutz – wer seinen Vertrag behält, bekommt weiterhin die bisherigen Zulagen von 175 Euro Grundzulage und bis zu 300 Euro pro Kind. Die Beitragsgarantie bleibt ebenfalls bestehen.
Der Riester-Nachfolger heißt Altersvorsorgedepot. Die Koalition hat die Förderung gegenüber dem ersten Entwurf nochmals angehoben: 50 Cent pro eingezahltem Euro bis 360 Euro, 25 Cent für jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro. Die maximale Grundzulage steigt damit auf 540 Euro pro Jahr. Kinderzulagen von 300 Euro pro Kind werden bereits ab 25 Euro monatlichem Eigenbeitrag voll gewährt. Erstmals sind auch alle Selbstständigen förderberechtigt. Alle Förderdetails im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.
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Riester-Rente kündigen: Warum das fast immer ein Fehler ist
Die Kündigung ist die teuerste aller Optionen. Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, löst eine sogenannte förderschädliche Verwendung aus. Die Folge: Sämtliche erhaltenen Zulagen und Steuervorteile müssen an den Staat zurückgezahlt werden. Bei einem Vertrag, der seit 2005 läuft, summieren sich die Zulagen auf über 3.500 Euro – Geld, das bei einer Kündigung komplett verloren geht. Hinzu kommen Stornogebühren des Anbieters, die den Verlust noch vergrößern.
Es gibt praktisch keine Konstellation, in der eine Kündigung wirtschaftlich Sinn ergibt. Selbst ein schlecht laufender Vertrag mit hohen Kosten ist beitragsfrei gestellt besser aufgehoben als gekündigt.
Drei Wege für deinen bestehenden Riester-Vertrag
Statt zu kündigen hast du drei sinnvolle Optionen – jede mit eigenen Vor- und Nachteilen.
Option 1: Riester-Rente ruhen lassen
Du stellst den Vertrag beitragsfrei. Das bedeutet: keine neuen Einzahlungen, keine neuen Zulagen, aber das vorhandene Guthaben bleibt investiert und die bisherigen Zulagen bleiben erhalten. Die laufenden Verwaltungskosten reduzieren sich in der Regel, verschwinden aber nicht komplett.
Diese Option eignet sich für Sparer, die ihre Abschlusskosten bereits vollständig abbezahlt haben und parallel ab 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen wollen. So nutzt man das Beste aus beiden Welten: das vorhandene Riester-Kapital arbeitet weiter, während frisches Geld ins günstigere neue System fließt.
Option 2: Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen (empfohlen)
Ab 2027 können Riester-Sparer ihr gesamtes Guthaben in ein Altersvorsorgedepot überführen. Der Wechsel funktioniert unkompliziert: Ein formloses Schreiben an den bisherigen Anbieter genügt, dessen Zustimmung ist nicht erforderlich. In den ersten fünf Vertragsjahren darf der alte Anbieter maximal 150 Euro Wechselgebühr verlangen. Danach ist der Wechsel kostenfrei.
Entscheidend: Alle bisher erhaltenen Zulagen und Steuervorteile bleiben bei der Übertragung vollständig erhalten. Nach dem Wechsel greift sofort die neue Fördersystematik mit 50 Cent pro Euro statt der festen 175 Euro. Gleichzeitig sinken die Kosten drastisch – von typischerweise 1,5 bis 2,5 Prozent bei Riester auf 0,1 bis 0,2 Prozent bei einem selbst gewählten ETF.
Diese Option lohnt sich besonders für Singles und Gutverdiener ohne Kinder, die von den festen Riester-Zulagen ohnehin wenig profitiert haben und deren Verträge durch hohe laufende Kosten belastet sind.
Option 3: Vertrag mit alter Fördersystematik weiterlaufen lassen
Die bisherige Riester-Förderung mit festen Zulagen und Beitragsgarantie läuft für bestehende Verträge unverändert weiter. Das kann für eine kleine Gruppe die richtige Wahl sein: Geringverdiener mit mehreren Kindern, die weniger als 25 Euro im Monat sparen können, erhalten im alten System feste Kinderzulagen unabhängig vom Eigenbeitrag. Auch Sparer, die kurz vor der Rente stehen und von der Beitragsgarantie profitieren, haben wenig Grund zu wechseln.
Durch die Koalitionseinigung ist dieser Personenkreis allerdings deutlich geschrumpft. Im neuen System wird die volle Kinderzulage schon ab 25 Euro monatlich erreicht – im alten System brauchte man dafür mindestens 60 Euro Jahresbeitrag, profitierte aber ohne Einkommensberechnung.

Was ein Riester-Vertrag wirklich gekostet hat
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Wer 2002 begonnen hat, monatlich 100 Euro in einen Riester-Vertrag einzuzahlen, steht nach 23 Jahren bei rund 36.000 Euro. Hätte es das Altersvorsorgedepot damals bereits gegeben – gleicher Eigenbeitrag, aber angelegt in einem MSCI-World-ETF mit den neuen Zulagen – wären daraus rund 106.000 Euro geworden.
Die Differenz von 70.000 Euro hat drei Ursachen: Erstens die hohen Produktkosten von durchschnittlich 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr, die über Jahrzehnte zehntausende Euro auffressen. Zweitens die verpflichtende Beitragsgarantie, die Anbieter in der Niedrigzinsphase in Anleihen statt Aktien zwang. Und drittens die niedrigere Förderung – 175 Euro feste Grundzulage bei Riester gegenüber bis zu 540 Euro im neuen System.
Auch kürzere Zeiträume sind betroffen. Wer 2010 gestartet hat, liegt nach 15 Jahren bei etwa 23.000 Euro mit Riester gegenüber 67.000 Euro im kontrafaktischen Altersvorsorgedepot-Szenario. Selbst bei nur 10 Jahren (Start 2015) beträgt die Differenz rund 12.000 Euro.
So läuft der Wechsel in vier Schritten
Schritt 1 – Jetzt vorbereiten: Prüfe deinen aktuellen Riester-Vertrag. Wie hoch sind die laufenden Kosten (Effektivkosten)? Wie viel Guthaben ist im Vertrag? Welche Zulagen hast du erhalten? Diese Zahlen bestimmen, ob eine Übertragung oder das Ruhenlassen sinnvoller ist.
Schritt 2 – Anbieter für das Altersvorsorgedepot wählen: Ab 2027 bieten Banken, Neobroker und Fondsgesellschaften Altersvorsorgedepots an. Achte auf niedrige Effektivkosten – der Unterschied zwischen 0,2 und 1 Prozent macht über 40 Jahre rund 65.000 Euro aus. Vermeide Versicherungsprodukte, die das Depot in einen teuren Mantel verpacken.
Schritt 3 – Guthaben übertragen: Formloses Schreiben an den bisherigen Riester-Anbieter. Keine Zustimmung nötig. Nach fünf Jahren Vertragslaufzeit kostenlos, davor maximal 150 Euro.
Schritt 4 – ETF auswählen und Sparplan einrichten: Ein breit gestreuter Welt-ETF (MSCI World, FTSE All-World) kostet 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Sparplan einrichten, Förderung kassieren, Zinseszins arbeiten lassen.
Riester vs. Altersvorsorgedepot: Der direkte Vergleich
| Merkmal | Riester-Rente | Altersvorsorgedepot (ab 2027) |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 €/Jahr (fest) | Bis zu 540 €/Jahr |
| Typische Kosten | 1,5–2,5 % pro Jahr | 0,1–0,2 % (selbst gewählter ETF) |
| Aktienquote | Meist unter 30 % | Bis zu 100 % |
| Beitragsgarantie | 100 % verpflichtend | Keine (optional 80/100 %) |
| Kinderzulage voll ab | 60 €/Jahr Eigenbeitrag | 25 €/Monat |
| Selbstständige | Ausgeschlossen | Förderberechtigt |
| Steuern Ansparphase | Abhängig vom Produkt | Komplett steuerfrei |
| Umschichtungen | Eingeschränkt, ggf. steuerpflichtig | Beliebig oft, steuerfrei |
| Auszahlung | Mind. 70 % verrenten | Frei wählbar |
Häufige Fragen zur Riester-Rente Alternative
Ist die Riester-Rente abgeschafft?
Für Neuabschlüsse ja – ab dem 1. Januar 2027 wird kein neuer Riester-Vertrag mehr vergeben. Wer bereits einen hat, behält ihn mit vollem Bestandsschutz. Alle bisher erhaltenen Zulagen und Steuervorteile bleiben bestehen, unabhängig davon ob man wechselt oder nicht.
Warum sollte ich meinen Riester-Vertrag nicht kündigen?
Weil eine Kündigung als förderschädliche Verwendung gilt. Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden. Bei einem 15 Jahre alten Vertrag verlierst du auf einen Schlag mehrere tausend Euro. Dazu kommen mögliche Stornogebühren. Stilllegen oder übertragen ist in praktisch jedem Fall besser.
Was genau ist der Riester-Nachfolger?
Das Altersvorsorgedepot – ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in dem du direkt in ETFs, Fonds und Anleihen investieren kannst. Die Förderung liegt bei bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr plus 300 Euro Kinderzulage pro Kind. In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Kapitalerträge an. Wie das Altersvorsorgedepot im Detail funktioniert, erklären wir im Ratgeber.
Wie kann ich meine Riester-Rente ins Altersvorsorgedepot umwandeln?
Ab 2027 mit einem formlosen Schreiben an deinen bisherigen Anbieter. Dessen Zustimmung ist nicht erforderlich. In den ersten fünf Vertragsjahren kann eine Wechselgebühr von maximal 150 Euro anfallen, danach ist der Wechsel kostenfrei. Das komplette Guthaben wird übertragen, alle Zulagen bleiben erhalten.
Was bedeutet Riester-Rente ruhen lassen?
Du stellst den Vertrag beitragsfrei. Es fließen keine neuen Beiträge und keine neuen Zulagen mehr. Das vorhandene Guthaben bleibt investiert und die bisher erhaltenen Zulagen bleiben erhalten. Parallel kannst du ab 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen und dort mit den besseren Konditionen weitersparen.
Für wen lohnt sich Riester nach der Reform noch?
Nur für eine sehr kleine Gruppe: Geringverdiener mit mehreren Kindern, die weniger als 25 Euro im Monat sparen können. In diesem Fall übersteigen die festen Riester-Kinderzulagen die neue beitragsabhängige Förderung. Für alle anderen ist das Altersvorsorgedepot in jeder Hinsicht besser. Wer zu dieser Gruppe gehört und noch keinen Vertrag hat, sollte vor dem 31. Dezember 2026 einen günstigen Riester-Fondssparplan abschließen.
Wie hoch ist die typische Rendite eines Riester-Vertrags?
Ernüchternd niedrig. Eine Analyse von Finanzwende über 96 Tarife ergab, dass 65 Prozent der Produkte nicht einmal 2 Prozent Bruttorendite erzielen. Nach Abzug der Kosten von durchschnittlich 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr bleibt bei vielen Verträgen eine Nettorendite von unter 1 Prozent – kaum mehr als Tagesgeld.
Wann ist der letztmögliche Termin für einen Riester-Neuabschluss?
Der 31. Dezember 2026. Ab dem 1. Januar 2027 sind keine Neuabschlüsse mehr möglich. Wer von den alten Riester-Konditionen profitieren will (feste Kinderzulagen unabhängig vom Eigenbeitrag), muss bis dahin einen Vertrag abschließen. Für die Mehrheit der Sparer lohnt sich das nicht – Warten auf das Altersvorsorgedepot ist die bessere Strategie. Alle Wechseloptionen und Rechenbeispiele im Ratgeber.