SpaceX geht an die Börse – und Anleger ohne Zuteilung dürfen entspannt bleiben. Was 9.200 ausgewertete IPOs über den Einstieg am ersten Handelstag verraten.
von Jens Jüttner
Veröffentlicht am
Heute (12. Juni 2026) startet SpaceX an der Nasdaq – mit 135 US-Dollar Ausgabepreis, rund 75 Milliarden Dollar Emissionsvolumen und einer Bewertung von 1,77 Billionen Dollar ist es der größte Börsengang aller Zeiten. Wer keine Aktien zugeteilt bekommen hat, muss sich allerdings nicht grämen. Die IPO-Forschung legt nahe: Wer heute nicht dabei ist, verpasst womöglich weniger, als der Hype vermuten lässt. Eine kommentierende Einordnung.
Die Dimensionen sind historisch: Mit 1,77 Billionen Dollar wird SpaceX höher bewertet als Tesla (rund 1,5 Billionen) und Meta (rund 1,4 Billionen Dollar) – und übertrifft den bisherigen Rekord-Börsengang von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019. Entsprechend groß war der Andrang bei der Zeichnung. Doch genau hier beginnt das Problem für Privatanleger.
Jay Ritter, IPO-Forscher an der University of Florida, hat mehr als 9.200 US-Börsengänge seit 1980 ausgewertet. Sein Befund ist ernüchternd: Wer zum Schlusskurs des ersten Handelstags eingestiegen ist, lag drei Jahre später im Schnitt 21 Prozent hinter dem Gesamtmarkt. Eine Analyse des US-Finanzhauses Truist über 30 große Tech-IPOs der vergangenen 15 Jahre kommt auf einen durchschnittlichen Maximalverlust von 55 Prozent im ersten Handelsjahr – mehr als die Hälfte der untersuchten Aktien notierte nach zwölf Monaten im Minus.
Der vielzitierte Zeichnungsgewinn, im Schnitt rund 19 Prozent am ersten Handelstag, geht dagegen an jene, die bei der Zuteilung berücksichtigt wurden. Das sind in aller Regel institutionelle Investoren – auch wenn beim SpaceX-IPO 30 Prozent der Anteile für Privatanleger vorgesehen sind.
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Beim SpaceX-Börsengang kommt eine Besonderheit hinzu: Das Unternehmen gibt nur einen kleinen Teil seiner Aktien aus. Die knappe Stückzahl trifft auf enorme Nachfrage – von Indexfonds, institutionellen Nachkäufern und Kleinanlegern mit unlimitierten Orders. Das kann den Kurs am ersten Tag stark treiben, sagt aber wenig über den fairen Wert aus. Das Analysehaus Morningstar etwa taxiert diesen auf rund 780 Milliarden Dollar – weniger als die Hälfte der IPO-Bewertung.
Um Elon Musk und seine Unternehmen hat sich eine treue Fangemeinde gebildet, die den heutigen Handelsstart feiern wird. Doch rasende Fan-Begeisterung und die kalte Ratio der Börse passen selten zusammen. Wer an die langfristige Story von SpaceX glaubt – Starlink, KI-Infrastruktur, Raumfahrt –, kann auch später noch einsteigen: dann auf Basis belastbarer Quartalszahlen statt Raketenromantik. Liefert das Unternehmen, bleibt genug Zeit. Liefert es nicht, hat man sich einen Platz in Jay Ritters nächster Statistik erspart.
Der SpaceX-Börsengang ist ein historisches Ereignis – aber kein Grund für überstürzte Käufe. Die Datenlage zu IPOs spricht dafür, abzuwarten, bis sich der Kurs gefunden hat und erste Quartalszahlen vorliegen. Gelassenheit ist an der Börse keine Charakterschwäche, sondern eine Renditequelle.
Diese Einordnung stammt aus dem finanzen.net Ratgeber-Newsletter, der Börsenereignisse wie den SpaceX-IPO einordnet – pointiert, meinungsstark und kostenlos. Du willst mehr solche Analysen direkt ins Postfach? Dann abonniere gleich hier unseren Newsletter.
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