von Roland Kuse
Veröffentlicht am
Der Streit um den Kostendeckel beim Altersvorsorgedepot ist entschieden. Die Koalitionsfraktionen haben sich auf maximal 1 Prozent Effektivkosten für alle Standardprodukte geeinigt – runter von den ursprünglich geplanten 1,5 Prozent. Verbraucherschützer hatten 0,5 Prozent gefordert, die Versicherungsbranche wollte 1,5 Prozent halten. Der Kompromiss liegt dazwischen. Doch reicht das?
1 Prozent Effektivkosten pro Jahr klingt harmlos. Über eine volle Ansparphase summiert sich der Effekt aber erheblich, weil die Kosten nicht nur das eingezahlte Geld schmälern, sondern auch den Zinseszins auf die entgangene Rendite.
Eine Beispielrechnung: Wer monatlich 200 Euro spart und 6 Prozent Rendite vor Kosten erzielt, kommt nach 40 Jahren bei 0,2 Prozent Kosten (typischer ETF) auf rund 360.000 Euro. Bei 1 Prozent Kosten (Standardprodukt am Deckel) bleiben rund 295.000 Euro. Die Differenz: 65.000 Euro – allein durch Gebühren.
Im Vergleich zum ersten Entwurf ist das trotzdem ein Fortschritt. Bei 1,5 Prozent Kosten wären nur etwa 263.000 Euro übrig geblieben. Die Absenkung auf 1 Prozent spart Sparern im Standardprodukt also rund 32.000 Euro gegenüber dem ursprünglichen Plan. Wie sich die Kosten auf die Rendite auswirken, zeigen wir im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.
Die Altersvorsorgedepot Förderung fließt erst ab dem Tag, an dem Geld eingezahlt wird. Wer keine Zulagen verschenken will, kann sich bei finanzen.net ZERO schon jetzt kostenlos vormerken lassen und gehört am 1. Januar 2027 zu den Ersten, die ihr Depot eröffnen.
Alle Informationen zur Förderung, Steuern, Auszahlung und Anbietern findest du in unserem Ratgeber-Artikel zum Altersvorsorgedepot
Die Forderung lag bei 0,5 Prozent. Eine Petition sammelte dafür innerhalb von zwei Tagen über 100.000 Unterschriften. Umfragen zeigten: Nur 23 Prozent der potenziellen Nutzer akzeptierten den ursprünglichen Deckel von 1,5 Prozent.
Mit 1 Prozent hat die Koalition nachgebessert, aber die Kritik verstummt nicht vollständig. Der Unterschied zwischen 0,2 Prozent (günstiger ETF) und 1 Prozent (Standardprodukt) beträgt über 40 Jahre immer noch 65.000 Euro. Wer das Standardprodukt nutzt, zahlt also einen hohen Preis für die Bequemlichkeit. Genau die Gruppe, die der Kostendeckel schützen soll – finanziell weniger versierte Sparer – wird am stärksten belastet.
Die Koalition hat parallel ein neues Element eingeführt: Ein öffentlicher Träger wird ein eigenes Standarddepot anbieten. Dieses muss denselben Kriterien entsprechen wie private Produkte, wird aber auf Transparenz und niedrige Kosten ausgelegt sein. Der Kostendruck auf private Anbieter steigt dadurch. Ob das öffentliche Produkt näher an 0,3 oder an 1 Prozent landen wird, ist noch offen – aber die Existenz eines staatlichen Konkurrenten dürfte die Preise im gesamten Markt drücken.
Gleichzeitig soll das öffentliche Depot den nahtlosen Übergang von der Frühstart-Rente für Kinder in die private Altersvorsorge ermöglichen.
Für Sparer, die sich selbst um ihre Fondsauswahl kümmern, ist der Kostendeckel ohnehin weniger relevant. Im Altersvorsorgedepot können sie selbst günstige ETFs auswählen. Ein breit gestreuter MSCI-World-ETF kostet typischerweise 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Der Deckel von 1 Prozent betrifft nur das Standardprodukt – also jenes Angebot, das Einsteiger ohne eigene Fondserfahrung nutzen. Welche ETFs und Fonds im Altersvorsorgedepot zugelassen sind, zeigen wir im Ratgeber.
Die Absenkung auf 1 Prozent ist ein Fortschritt gegenüber dem ersten Entwurf, aber kein Durchbruch für Verbraucher. Wer das Standardprodukt nutzt, zahlt über Jahrzehnte zehntausende Euro mehr als nötig. Wer sich die 15 Minuten nimmt, selbst einen günstigen ETF auszuwählen, spart dieses Geld. Das Altersvorsorgedepot belohnt Eigeninitiative – und das öffentliche Standarddepot könnte den Markt zusätzlich unter Druck setzen. Alle Hintergründe zum Altersvorsorgedepot im Ratgeber.
Disclaimer: Die in diesem Artikel enthaltenen Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations-, Bildungs- und Marketingzwecken ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Anlagestrategieempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Die Informationen berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele und finanzielle Situation des Lesers. Jede Anlageentscheidung sollte eigenverantwortlich getroffen und sorgfältig geprüft werden. Vor einer Anlageentscheidung sollte der Rat eines Anlage- und Steuerberaters eingeholt werden. Der Handel mit Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten ist mit hohen Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen basieren grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Wir übernehmen keine Haftung für Verluste, die durch die Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen entstehen.
1Hinweis: finanzen.net zero ist ein Angebot der finanzen.net zero GmbH, einer Tochter der finanzen.net GmbH.