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Finanzkalender: Richtig eingesetzt können Derivate einen großen Mehrwert liefern.
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Derivate

Derivate einfach erklärt: Bedeutung, Funktionsweise und Arten im Überblick

Vielleicht bist du beim Aufbau deiner Vermögensstrategie schon auf Begriffe wie Optionsschein, Future oder Zertifikat getroffen und hast dich gefragt, was dahintersteckt. All diese Produkte gehören zu einer großen Familie: den Derivaten. Sie wirken auf den ersten Blick kompliziert, folgen aber einer überraschend einfachen Grundidee. Wer diese Idee einmal verstanden hat, durchschaut auch die einzelnen Produkte deutlich leichter. Dieser Ratgeber liefert dir die Derivate Erklärung von Grund auf, ohne Vorwissen vorauszusetzen.

Das Wichtigste in Kürze

Keine Zeit den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:
    • Was ist ein Derivat: Ein Derivat ist ein Finanzprodukt, dessen Wert sich von der Kursentwicklung einer Aktie, einem Index oder einem Rohstoff ableitet.
    • Flexibel einsetzbar: Mit Derivaten kannst du auf steigende und auf fallende Kurse setzen, ohne den zugrunde liegenden Vermögenswert selbst zu kaufen.
    • Hebel und Risiko: Viele Derivate enthalten einen Hebel, der Gewinne wie Verluste vervielfacht und bis zum Totalverlust des eingesetzten Geldes führen kann.
    • Einsatzzwecke: Anleger nutzen Derivate vor allem zur Absicherung bestehender Anlagen und zur Spekulation auf Kursbewegungen.
    • Riesiger Markt: Das ausstehende Nominalvolumen außerbörslicher Derivate lag im Juni 2025 bei rund 846 Billionen US-Dollar.

Was sind Derivate?

Ein Derivat ist ein Finanzprodukt, dessen Preis von einem anderen Vermögenswert abhängt. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „ableiten“. Diesen anderen Wert nennt man Basiswert, zum Beispiel eine Aktie, einen Index, eine Währung oder einen Rohstoff wie Gold. Mit einem Derivat setzt du auf die Kursentwicklung des Basiswerts, ohne ihn selbst zu kaufen.

Ein Beispiel macht es greifbar. Eine Aktie kostet heute 100 Euro. Du glaubst, dass ihr Kurs steigt. Statt die Aktie zu kaufen, kaufst du ein Derivat auf sie. Die Aktie gehört dir damit nicht. Du hältst nur ein Wertpapier, dessen Preis dem Aktienkurs folgt. Steigt die Aktie auf 110 Euro, gewinnt auch dein Derivat. Fällt sie auf 90 Euro, verliert es.

Ein Derivat kann noch mehr: Du kannst damit auch auf fallende Kurse setzen. Beim einfachen Aktienkauf geht das nicht, denn dort verdienst du nur, wenn der Kurs steigt. Das ist die Bedeutung von Derivaten. Sie trennen die Wette auf einen Kurs vom Besitz des Werts. Das macht sie flexibel, aber auch riskanter. Mehr zu den Risiken erfährst du weiter unten.

Jens Jüttner

Ein Derivat ist ein vielseitiges Werkzeug – zum Absichern genauso wie zum Spekulieren. Entscheidend ist, dass du den Hebel verstehst, bevor du ihn nutzt. Dann wird aus einem Risiko eine bewusste Entscheidung.

Jens Jüttner
Jens Jüttner
Redakteur finanzen.net Ratgeber

Was ist ein Basiswert?

Ein Basiswert ist der Vermögenswert, von dem ein Derivat seinen Preis ableitet. Als Basiswert dienen unter anderem einzelne Aktien, Aktienindizes wie der DAX, Anleihen, Zinssätze, Währungen sowie Rohstoffe wie Gold oder Öl. Verändert sich der Kurs des Basiswerts, verändert sich auch der Wert des Derivats.

Der Basiswert wird im Fachjargon auch „Underlying“ genannt. Du kannst ihn dir als Bezugspunkt vorstellen, an dem das Derivat hängt. Je breiter die Palette möglicher Basiswerte, desto mehr Anlageideen lassen sich abbilden, vom Wetten auf einen einzelnen Aktienkurs bis zur Absicherung gegen steigende Ölpreise.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Kategorien von Basiswerten.

KategorieBeispieleTypische Anwendung
Aktien 📃Einzelaktien wie SAP oder SiemensWette auf den Kurs eines Unternehmens
Indizes 📈DAX, EURO STOXX 50, S&P 500Wette auf einen ganzen Markt
Rohstoffe 🛢️Gold, Öl, Kupfer, WeizenAbsicherung und Spekulation auf Rohstoffpreise
Währungen 💵Euro, US-Dollar, Schweizer FrankenAbsicherung gegen Wechselkursschwankungen
Zinsen 🏦Leitzinsen, AnleiherenditenAbsicherung gegen Zinsänderungen

Wie funktionieren Derivate?

Derivate funktionieren als Termingeschäfte. Zwei Parteien vereinbaren heute die Bedingungen für ein Geschäft, das erst später abgewickelt oder bewertet wird. Der Preis des Derivats hängt davon ab, wie sich der Basiswert voraussichtlich entwickelt. Häufig wirkt zusätzlich ein Hebel, der kleine Kursbewegungen in große prozentuale Gewinne oder Verluste verwandelt.

Ein einfaches Beispiel macht das Prinzip greifbar. Stell dir vor, du erwartest, dass eine bestimmte Aktie in drei Monaten teurer ist als heute. Statt die Aktie sofort zu kaufen, kannst du über ein Derivat das Recht oder die Verpflichtung erwerben, diese Aktie zu einem heute festgelegten Preis zu handeln. Liegt der Kurs in drei Monaten höher, profitierst du von der Differenz. Liegt er niedriger, machst du Verlust. Du hast also nicht die Aktie gekauft, sondern auf ihre Entwicklung gesetzt.

Der zweite zentrale Mechanismus ist die Richtung. Bei einem klassischen Aktienkauf verdienst du nur an steigenden Kursen. Derivate erlauben beide Richtungen: Eine Long-Position gewinnt bei steigenden Kursen, eine Short-Position bei fallenden. Gerade diese Möglichkeit, auf fallende Kurse zu setzen, unterscheidet Derivate grundlegend vom einfachen Investieren.

Bildquelle: Mit KI generierte Infografik / finanzen.net Ratgeber

Was bedeutet die Hebelwirkung?

Die Hebelwirkung beschreibt, dass ein Derivat eine Kursbewegung des Basiswerts verstärkt wiedergibt. Ein Hebel von 10 bedeutet, dass eine Bewegung des Basiswerts um ein Prozent den Wert des Derivats um rund zehn Prozent verändert, in beide Richtungen. Der Hebel vergrößert damit Gewinnchancen und Verlustrisiken im gleichen Maß.

Der Hebel entsteht, weil du beim Derivat nur einen Bruchteil des eigentlichen Werts einsetzt, wirtschaftlich aber die volle Summe bewegst. Wer 1.000 Euro in ein Hebelprodukt mit Hebel 10 steckt, bewegt rechnerisch 10.000 Euro am Markt. Steigt der Basiswert um fünf Prozent, gewinnt das Derivat rund 50 Prozent an Wert, aus 1.000 Euro werden also etwa 1.500 Euro. Fällt der Basiswert um fünf Prozent, schrumpfen die 1.000 Euro auf rund 500 Euro.

Diese Symmetrie ist der Kern des Hebels und zugleich seine Gefahr. Bei vielen Hebelprodukten reicht eine ausreichend große Kursbewegung gegen deine Position aus, um den gesamten Einsatz zu verlieren.

💡 Gut zu wissen

Einfache Faustregel: Multipliziere die erwartete Kursbewegung des Basiswerts mit dem Hebel, dann erhältst du grob die prozentuale Bewegung deines Derivats. Bei Hebel 5 und drei Prozent Kursbewegung sind das rund 15 Prozent Gewinn oder Verlust.

Worauf bezieht sich ein Derivat?

Ein Derivat bezieht sich immer auf einen oder mehrere Basiswerte, deren Kursentwicklung den Preis bestimmt. Möglich sind Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen und Zinsen, aber auch Anleihen oder seit einigen Jahren Kryptowährungen. Die Wahl des Basiswerts entscheidet darüber, welches Marktrisiko ein Derivat abbildet.

Für Einsteiger sind vor allem Derivate auf große Aktienindizes und bekannte Einzelaktien relevant, weil sich deren Kurse leicht nachvollziehen lassen. Exotischere Basiswerte wie einzelne Rohstoffe oder Währungspaare erfordern zusätzliches Wissen über die jeweiligen Märkte und sind deshalb anspruchsvoller.

Welche Arten von Derivaten gibt es?

Zu den wichtigsten Arten von Derivaten zählen Optionen und Optionsscheine, Futures und Forwards, Zertifikate, Swaps sowie CFDs. Sie unterscheiden sich darin, ob ein Recht oder eine Pflicht entsteht, wo sie gehandelt werden und für wen sie gedacht sind. Allen gemeinsam bleibt die Ableitung vom Basiswert.

Die folgende Tabelle ordnet die gängigen Derivate-Arten ein. Anschließend erklären die Unterabschnitte jede Form kurz und verständlich.

ArtRecht oder PflichtHandelsplatzTypisch für
Option / OptionsscheinRecht zu kaufen oder verkaufenBörsePrivatanleger und Profis
Future / ForwardPflicht zur AbwicklungFuture an der Börse, Forward außerbörslichProfis und Unternehmen
ZertifikatSchuldverschreibung des EmittentenBörse und DirekthandelPrivatanleger
SwapTausch von ZahlungsströmenAußerbörslichBanken und Unternehmen
CFDVertrag auf KursdifferenzAußerbörslich über BrokerAktive Trader

Was sind Optionen und Optionsscheine?

Optionen und Optionsscheine geben dir als Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Für dieses Recht zahlst du eine Prämie. Optionen werden meist an spezialisierten Terminbörsen gehandelt, Optionsscheine sind verbriefte Varianten, die Banken als Wertpapier ausgeben.

Der Unterschied zwischen beiden ist für Einsteiger vor allem rechtlich-technischer Natur. Wichtiger ist das gemeinsame Prinzip: Du sicherst dir mit einer überschaubaren Prämie die Chance auf einen Gewinn, falls sich der Kurs in die erhoffte Richtung bewegt. Tut er das nicht, verfällt das Recht und die gezahlte Prämie ist verloren. Das Verlustrisiko des Käufers ist damit auf den Einsatz begrenzt, das Gewinnpotenzial je nach Produkt deutlich größer.

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Was sind Futures und Forwards?

Futures und Forwards sind verbindliche Termingeschäfte. Beide Seiten verpflichten sich, einen Basiswert zu einem festgelegten Zeitpunkt und Preis zu handeln. Anders als bei Optionen besteht hier eine Pflicht zur Erfüllung. Futures sind standardisiert und werden an Börsen gehandelt, Forwards individuell und außerbörslich vereinbart.

Ursprünglich entstanden solche Geschäfte in der Landwirtschaft, etwa wenn ein Landwirt den Verkaufspreis seiner Ernte schon vor der Aussaat festschreiben wollte. Dieses Grundmotiv, einen künftigen Preis heute abzusichern, gilt bis heute. Für Privatanleger sind Futures wegen der hohen Standardgrößen und der Pflicht zur Erfüllung selten der erste Schritt, sie bilden aber das Vorbild für viele einfachere Produkte.

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Derivate handeln: Erst das Fundament, dann die Feinheiten

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Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind Wertpapiere, die eine Bank als sogenannte Inhaberschuldverschreibung ausgibt und deren Wert sich an einem Basiswert orientiert. Rechtlich leihst du der herausgebenden Bank Geld, wirtschaftlich nimmst du an der Entwicklung des Basiswerts teil. Zertifikate gibt es in vielen Varianten, von einfachen Index-Nachbildungen bis zu komplexen Hebelprodukten.

In Deutschland sind Zertifikate die unter Privatanlegern verbreitetste Form von Derivaten. Der Markt für strukturierte Wertpapiere, zu denen Zertifikate und Hebelprodukte zählen, wird auf rund 130 bis 150 Milliarden Euro geschätzt (Quelle: Bundesverband für strukturierte Wertpapiere, Stand Juni 2026). Wichtig ist der rechtliche Charakter als Schuldverschreibung, denn er bringt ein besonderes Risiko mit sich, auf das der Abschnitt zu den Risiken eingeht.

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Was sind Swaps?

Swaps sind Vereinbarungen, bei denen zwei Parteien über einen festgelegten Zeitraum Zahlungsströme tauschen. Am häufigsten sind Zinsswaps, bei denen eine Seite feste und die andere variable Zinsen zahlt. Swaps werden fast ausschließlich außerbörslich zwischen Banken, Unternehmen und institutionellen Anlegern abgeschlossen.

Für Privatanleger sind Swaps in dieser direkten Form kaum relevant. Begegnen wirst du dem Begriff aber trotzdem, denn viele ETFs nutzen Swaps, um einen Index möglichst genau nachzubilden. Diese sogenannten Swap-ETFs sind ein eigenes Thema, zeigen aber, dass Derivate auch in vermeintlich einfachen Anlageprodukten stecken können.

Was sind CFDs?

CFDs, kurz für Contracts for Difference, sind Verträge auf die Kursdifferenz eines Basiswerts zwischen Eröffnung und Schließung der Position. Du besitzt den Basiswert nie, sondern verdienst oder verlierst nur die Kursbewegung, in der Regel stark gehebelt. CFDs werden außerbörslich über spezialisierte Broker gehandelt.

CFDs gelten als besonders riskant, weil der hohe Hebel schnelle und große Verluste ermöglicht. Für Privatanleger in der EU gilt seit 2018 ein Schutz: Eine Nachschusspflicht, bei der du über deinen Einsatz hinaus Geld nachzahlen müsstest, ist für Privatkunden ausgeschlossen, und der maximale Hebel ist begrenzt (Quelle: ESMA-Produktinterventionen, in Deutschland dauerhaft durch die BaFin, Stand 2019).

Wofür werden Derivate verwendet?

Derivate werden vor allem zu zwei Zwecken eingesetzt: zur Absicherung bestehender Anlagen und zur Spekulation auf Kursbewegungen. Daneben nutzen Profis sie, um kleine Preisunterschiede zwischen Märkten auszunutzen. Der gleiche Mechanismus dient also je nach Ziel sehr unterschiedlichen Anlegern.

Diese Doppelnatur sorgt für ein verbreitetes Missverständnis. Derivate gelten oft pauschal als Zockerprodukte, dabei sind sie ursprünglich ein Werkzeug zur Risikoverringerung. Ob ein Derivat Risiko erhöht oder senkt, hängt nicht vom Produkt selbst ab, sondern davon, wie es eingesetzt wird.

Wie funktioniert die Absicherung mit Derivaten?

Bei der Absicherung, im Fachjargon Hedging, schützt ein Derivat eine bestehende Anlage gegen Verluste. Wer Aktien besitzt und fallende Kurse befürchtet, kann ein Derivat kaufen, das bei sinkenden Kursen an Wert gewinnt. Verluste im Depot werden so ganz oder teilweise ausgeglichen, ähnlich wie bei einer Versicherung.

Ein Beispiel verdeutlicht das. Angenommen, du hältst ein Aktiendepot im Wert von 50.000 Euro und willst es über eine unsichere Phase absichern. Mit einem passenden Derivat zahlst du eine überschaubare Prämie und erhältst dafür einen Ausgleich, falls die Kurse stark fallen. Bleiben die Kurse stabil, war die Prämie der Preis für deine Ruhe, vergleichbar mit dem Beitrag einer Versicherung, die du nicht in Anspruch nehmen musstest.

Wie spekulieren Anleger mit Derivaten?

Bei der Spekulation setzen Anleger gezielt auf eine bestimmte Kursentwicklung, um vom Hebel zu profitieren. Anders als bei der Absicherung gibt es keine bestehende Position, die geschützt wird. Das eingesetzte Kapital dient allein der Wette auf steigende oder fallende Kurse und ist entsprechend hohen Schwankungen ausgesetzt.

Spekulation ist nicht grundsätzlich verwerflich, sie erfüllt am Markt sogar eine Funktion, weil sie für Handelsvolumen und Preise sorgt. Für Einsteiger ist sie trotzdem der anspruchsvollste Einsatzzweck, denn der Hebel verzeiht Fehleinschätzungen kaum. Wer hier ohne klare Strategie und ohne Verständnis des Produkts agiert, verliert sein Geld erfahrungsgemäß schnell.

Welche Chancen und Risiken bieten Derivate?

Derivate bieten die Chance auf überdurchschnittliche Gewinne und auf gezielte Absicherung, bergen zugleich aber das Risiko hoher und schneller Verluste bis zum Totalverlust. Chancen und Risiken sind dabei untrennbar verbunden, denn der Hebel wirkt immer in beide Richtungen. Wer die eine Seite nutzt, akzeptiert zwangsläufig die andere.

Chancen 🚀Risiken 💣
Mit vergleichsweise wenig Kapital nimmst du an großen Kursbewegungen teil, weil der Hebel deinen Einsatz vervielfacht.Genau dieser Hebel kann deinen kompletten Einsatz vernichten – schon eine moderate Bewegung gegen deine Position kann zum Totalverlust führen.
Du kannst auf fallende Kurse setzen und so auch in schwachen Marktphasen Gewinne anstreben.Bei Zertifikaten trägst du das Emittentenrisiko: Geht die herausgebende Bank pleite, droht der Verlust deines investierten Geldes.
Bestehende Anlagen lassen sich gezielt gegen Verluste absichern, ohne dass du sie verkaufen musst.Viele Derivate sind komplex – die Preisbildung hängt von mehreren Faktoren ab und ist für Einsteiger schwer einzuschätzen.
Spezielle Produkte eröffnen dir Zugang zu Märkten wie Rohstoffen, die sonst schwer erreichbar wären.Manche Produkte haben eine begrenzte Laufzeit: Selbst bei richtiger Richtung scheitert die Wette, wenn die Bewegung zu spät kommt.
⚠️ Wichtig

Achtung: Das Emittentenrisiko ist kein theoretisches Problem. Als die US-Bank Lehman Brothers 2008 zusammenbrach, verloren viele deutsche Anleger das Geld, das sie in Zertifikate dieser Bank gesteckt hatten, obwohl der Basiswert selbst nicht wertlos war. Ein Zertifikat ist eben nur so sicher wie die Bank, die es ausgibt.

Wo kann man Derivate handeln?

Derivate werden entweder an der Börse oder außerbörslich gehandelt. Privatanleger nutzen meist die Börse oder den Direkthandel über ihren Broker, während Banken und Unternehmen viele Geschäfte außerbörslich abschließen. Für den Zugang brauchst du in der Regel ein Wertpapierdepot bei einem Broker oder einer Bank.

An der Börse sorgen klare Regeln und eine zentrale Abwicklung für Standardisierung und Transparenz. In Deutschland ist die Eurex die wichtigste Terminbörse für Optionen und Futures, während Zertifikate und Hebelprodukte vor allem über die Börsen Frankfurt und Stuttgart sowie im Direkthandel der Emittenten gehandelt werden. Der außerbörsliche Handel, auch OTC für „over the counter“ genannt, läuft dagegen direkt zwischen zwei Parteien und macht beim weltweiten Volumen den Löwenanteil aus.

Wichtig für deine Einordnung: Bevor ein Privatanleger ein verpacktes Anlageprodukt wie ein Zertifikat kauft, muss der Anbieter ein standardisiertes Informationsblatt bereitstellen.

💡 Gut zu wissen

Nachlesen: Für viele Derivate, die sich an Privatanleger richten, gibt es seit 2018 das gesetzlich vorgeschriebene Basisinformationsblatt, kurz BIB. Auf wenigen Seiten erklärt es Kosten, Risiken und mögliche Szenarien des Produkts. Lies dieses Dokument immer vollständig, bevor du investierst.

Sind Derivate für Einsteiger sinnvoll?

Für reine Einsteiger sind die meisten Derivate kein geeigneter Startpunkt, weil Hebel und Komplexität hohe Verlustrisiken mit sich bringen. Das bedeutet nicht, dass Derivate grundsätzlich schlecht sind. Sie erfüllen wichtige Funktionen, verlangen aber Wissen, Erfahrung und eine klare Strategie, die man sich erst aufbauen sollte.

Wer mit dem Vermögensaufbau beginnt, fährt in den ersten Schritten meist besser mit breit gestreuten, einfachen Anlagen und legt damit ein solides Fundament. Derivate können später ein sinnvolles Werkzeug werden, etwa zur Absicherung eines größeren Depots. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst verstehen, dann mit kleinen Beträgen üben, und nur Geld einsetzen, dessen Verlust du verkraften kannst.

Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung und gibt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er soll dich in die Lage versetzen, Derivate einzuordnen und selbst zu entscheiden, ob und wann ein solches Produkt zu deinen Zielen passt.

Fazit

Hinter dem sperrigen Wort Derivat steckt eine klare Idee: ein Produkt, dessen Wert sich von einem anderen Vermögenswert ableitet. Wer diesen Kern verstanden hat, erkennt Optionen, Futures, Zertifikate und CFDs als Varianten desselben Prinzips und durchschaut auch Schlagzeilen über Hebel und Absicherung leichter.

Die größte Stärke der Derivate ist zugleich ihre größte Gefahr. Der Hebel vervielfacht Gewinne und Verluste, das Emittentenrisiko macht manche Produkte nur so sicher wie die ausgebende Bank. Für den Anfang sind Derivate deshalb kein Muss. Als Wissen sind sie es schon, denn sie zeigen, wie eng Chancen und Risiken am Finanzmarkt zusammenhängen, und schärfen den Blick für die eigenen Anlageentscheidungen.

Das hast du gelernt das sind deine nächsten Schritte

Was du jetzt weißt: Du verstehst, dass ein Derivat seinen Wert von einem Basiswert ableitet, dass Optionen, Futures, Zertifikate und CFDs nur Varianten desselben Prinzips sind und dass der Hebel Gewinne wie Verluste im gleichen Maß vervielfacht. Du weißt außerdem, dass Chancen und Risiken hier untrennbar zusammenhängen.

  • Erst das Fundament legen: Bevor Derivate für dich infrage kommen, gehört ein breit gestreutes Basisdepot dazu. Starte mit einem Welt-ETF auf MSCI World oder FTSE All-World und baue dir so ein solides Vermögensfundament auf.
  • Basisinformationsblatt lesen: Für viele Derivate, die sich an Privatanleger richten, gibt es das gesetzlich vorgeschriebene Basisinformationsblatt (BIB). Lies dieses Dokument zu Kosten, Risiken und Szenarien immer vollständig, bevor du investierst.
  • Emittentenrisiko ernst nehmen: Ein Zertifikat ist nur so sicher wie die Bank, die es ausgibt – das hat der Fall Lehman Brothers 2008 schmerzhaft gezeigt. Prüfe deshalb bei jedem Produkt, wer der Emittent ist.
  • Mit kleinen Beträgen üben: Wenn du verstanden hast, wie ein Produkt funktioniert, taste dich mit kleinen Summen heran – und setze nur Geld ein, dessen Verlust du verkraften kannst.
  • Depot eröffnen: Du hast noch kein Depot? Lies in unserem Ratgeber-Artikel, wie du eins eröffnest oder werde gleich bei finanzen.net ZERO¹, dem Broker von finanzen.net, in wenigen Schritten aktiv.

Der wichtigste Gedanke: Der Hebel wirkt immer in beide Richtungen – wer die Chance nutzt, akzeptiert zwangsläufig das Risiko. Für den Anfang sind Derivate deshalb kein Muss. Es gilt: Erst verstehen, dann mit Bedacht handeln.

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