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Aktien-Kennzahlen

Das sind die 10 wichtigsten Aktien-Kennzahlen: Aktienanalyse einfach erklärt

Du willst Aktien handeln? Doch nun fragst du dich, ob der Kurs deines neuen Favoriten überhaupt fair ist. Genau hier setzen Aktien-Kennzahlen an. Sie machen aus einem reinen Preis eine bewertbare Größe und zeigen dir, ob ein Unternehmen teuer, profitabel und solide finanziert ist. Diese zehn Kennzahlen reichen für den Einstieg.

Das Wichtigste in Kürze

Keine Zeit, den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:
    • Definition: Aktien-Kennzahlen setzen den Aktienkurs ins Verhältnis zu Gewinn, Substanz und Finanzkraft eines Unternehmens und zeigen so, ob eine Aktie teuer oder günstig ist.
    • Bewertungskennzahlen: Die fünf Bewertungskennzahlen KGV, KBV, KUV, KCV und Dividendenrendite zeigen, wie viel du für den Erfolg eines Unternehmens bezahlst.
    • Rentabilitätskennzahlen: Rentabilitätskennzahlen wie Eigenkapitalrendite und Nettomarge zeigen, wie effizient ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet.
    • Nie allein betrachten: Eine einzelne Kennzahl ist nie aussagekräftig, erst der Vergleich innerhalb einer Branche und über mehrere Jahre liefert ein belastbares Bild.

Was sind Aktien-Kennzahlen und wozu brauchst du sie?

Aktien-Kennzahlen sind Verhältniszahlen, die den Aktienkurs oder den Unternehmenswert zu Geschäftszahlen wie Gewinn, Umsatz oder Eigenkapital ins Verhältnis setzen. Aktien-Kennzahlen ermöglichen es, Unternehmen unterschiedlicher Größe objektiv zu vergleichen und einzuschätzen, ob eine Aktie im Verhältnis zu ihrer Leistung teuer oder günstig ist.

Der Aktienkurs allein sagt dir wenig. Eine Aktie für 300 Euro kann günstiger sein als eine für 10 Euro, denn entscheidend ist, wie viel Gewinn und Substanz hinter dem Preis stehen. Genau das rechnen Kennzahlen für dich aus. Die Analyse anhand solcher Geschäftszahlen nennt man Fundamentalanalyse.

Für alle Beispiele in diesem Ratgeber nutzen wir ein fiktives Unternehmen, die Muster AG.

Je Aktie gelten diese Werte: Aktienkurs 60 Euro, Gewinn je Aktie 3 Euro, Buchwert je Aktie 30 Euro, Umsatz je Aktie 40 Euro, Cashflow je Aktie 5 Euro und eine Dividende von 1,80 Euro je Aktie.
Auf Unternehmensebene hat die Muster AG 10 Millionen ausgegebene Aktien, einen Jahresüberschuss von 30 Millionen Euro, ein Eigenkapital von 300 Millionen Euro und eine Bilanzsumme von 600 Millionen Euro, woraus sich 300 Millionen Euro Schulden ergeben. Von den 30 Millionen Euro Gewinn schüttet die Muster AG 18 Millionen Euro als Dividende aus, das entspricht 1,80 Euro je Aktie.

 

Welche Kennzahlen zeigen, ob eine Aktie teuer oder günstig ist?

Bewertungskennzahlen setzen den Aktienkurs ins Verhältnis zu einer Geschäftszahl und zeigen, wie viel Anleger für den Erfolg eines Unternehmens zahlen. Die fünf wichtigsten Bewertungskennzahlen sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis und die Dividendenrendite.

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1. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie viele Jahresgewinne du für eine Aktie bezahlst. Du teilst den Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie. Bei der Muster AG sind das 60 Euro geteilt durch 3 Euro, also ein KGV von 20. Ein niedriges KGV gilt als günstig, ein hohes signalisiert eine teure Aktie oder hohe Wachstumserwartungen. Sinnvoll vergleichbar ist ein KGV nur innerhalb derselben Branche.

2. Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) vergleicht den Kurs mit dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie, also der Substanz des Unternehmens. Die Formel lautet Kurs geteilt durch Buchwert je Aktie. Die Muster AG kommt auf 60 Euro geteilt durch 30 Euro, ein KBV von 2. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass die Börse das Unternehmen niedriger bewertet als sein bilanzielles Vermögen. Besonders aussagekräftig ist das KBV bei substanzstarken Branchen wie Banken oder Industrie.

3. Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) setzt den Kurs ins Verhältnis zum Umsatz je Aktie und funktioniert auch bei Unternehmen, die noch keinen Gewinn machen. Bei der Muster AG ergibt 60 Euro geteilt durch 40 Euro ein KUV von 1,5. Da der Umsatz nichts über die Profitabilität aussagt, taugt das KUV vor allem für junge Wachstumsunternehmen und den Vergleich innerhalb einer Branche.

4. Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) misst den Kurs im Verhältnis zum tatsächlichen Geldfluss je Aktie. Der Cashflow lässt sich schwerer beschönigen als der ausgewiesene Gewinn, weil er das real ein- und ausgezahlte Geld erfasst. Bei einem Cashflow von 5 Euro je Aktie liegt das KCV der Muster AG bei 12. Ein niedriges KCV deutet auf eine günstige Bewertung mit solider Finanzbasis hin.

5. Dividendenrendite

Die Dividendenrendite zeigt, wie viel Prozent des Aktienkurses du jährlich als Dividende ausgezahlt bekommst. Die Formel lautet Dividende je Aktie geteilt durch Kurs, mal 100. Zahlt die Muster AG 1,80 Euro Dividende, ergibt das bei 60 Euro Kurs eine Dividendenrendite von 3 Prozent. Eine sehr hohe Dividendenrendite ist nicht automatisch gut, oft steckt ein stark gefallener Kurs dahinter.

⚠️ Wichtig

Vergleiche Bewertungskennzahlen wie das KGV nur zwischen Unternehmen derselben Branche. Ein Softwareunternehmen hat strukturell ein höheres KGV als ein Automobilhersteller, ein branchenübergreifender Vergleich führt in die Irre.

Welche Kennzahlen zeigen, wie profitabel ein Unternehmen ist?

Rentabilitätskennzahlen zeigen, wie effizient ein Unternehmen aus Kapital und Umsatz Gewinn erwirtschaftet. Die drei wichtigsten Rentabilitätskennzahlen sind die Eigenkapitalrendite, die Nettomarge und der Gewinn je Aktie. Hohe und über Jahre stabile Werte sprechen für ein wirtschaftlich starkes Unternehmen.

6. Eigenkapitalrendite (ROE)

Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen aus dem eingesetzten Eigenkapital erzielt. Die Formel lautet Jahresgewinn geteilt durch Eigenkapital, mal 100. Verdient die Muster AG 3 Euro je Aktie bei 30 Euro Eigenkapital je Aktie, liegt die Eigenkapitalrendite bei 10 Prozent. Werte dauerhaft über 15 Prozent gelten als stark, sehr hohe Werte können aber auch aus hohen Schulden stammen.

7. Nettomarge

Die Nettomarge zeigt, wie viel vom Umsatz am Ende als Gewinn übrig bleibt. Die Formel lautet Jahresgewinn geteilt durch Umsatz, mal 100. Bei 3 Euro Gewinn und 40 Euro Umsatz je Aktie erreicht die Muster AG eine Nettomarge von 7,5 Prozent. Je höher die Marge, desto mehr Spielraum hat ein Unternehmen bei steigenden Kosten oder fallenden Preisen.

8. Gewinn je Aktie (EPS)

Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) verteilt den gesamten Jahresgewinn auf die einzelne Aktie und ist die Basis für das KGV. Die Formel lautet Jahresüberschuss geteilt durch Anzahl der Aktien. Entscheidend ist weniger der absolute Wert als die Entwicklung über mehrere Jahre. Ein stetig steigender Gewinn je Aktie ist ein starkes Qualitätssignal.

Welche Kennzahlen zeigen, wie stabil ein Unternehmen finanziert ist?

Stabilitätskennzahlen zeigen, wie solide ein Unternehmen finanziert ist und wie gut es Krisen übersteht. Die zwei wichtigsten Stabilitätskennzahlen sind die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad. Beide setzen Eigenkapital und Schulden ins Verhältnis und geben Auskunft über das finanzielle Risiko.

9. Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote zeigt, welcher Anteil des Unternehmensvermögens durch eigenes Kapital gedeckt ist. Die Formel lautet Eigenkapital geteilt durch Bilanzsumme, mal 100. Hat die Muster AG 300 Millionen Euro Eigenkapital bei 600 Millionen Euro Bilanzsumme, beträgt die Eigenkapitalquote 50 Prozent. Eine hohe Quote bedeutet weniger Abhängigkeit von Krediten und mehr Widerstandskraft in schwachen Jahren.

10. Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad setzt die Schulden ins Verhältnis zum Eigenkapital. Die Formel lautet Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital, mal 100. Bei 300 Millionen Euro Schulden und 300 Millionen Euro Eigenkapital liegt der Verschuldungsgrad der Muster AG bei 100 Prozent. Schulden sind nicht per se schlecht, ein maßvoller Kredit kann Wachstum finanzieren. Kritisch wird es erst, wenn die Schulden das Eigenkapital deutlich übersteigen.

 

Wie nutzt du die Kennzahlen in der Praxis?

Aktien-Kennzahlen entfalten ihren Wert erst in der Kombination und im Vergleich. Eine einzelne Kennzahl liefert nie ein vollständiges Bild, erst der Vergleich mit Wettbewerbern derselben Branche und die Entwicklung über mehrere Jahre zeigen, ob eine Aktie wirklich günstig und das Unternehmen gesund ist.

Gehe in drei Schritten vor:

  • Betrachte immer mehrere Kennzahlen gemeinsam, etwa ein niedriges KGV zusammen mit einer soliden Eigenkapitalquote und einer stabilen Marge.
  • Vergleiche die Werte mit direkten Wettbewerbern aus derselben Branche, nicht mit dem Gesamtmarkt.
  • Schau dir die Entwicklung über die letzten drei bis fünf Jahre an, um Ausreißer und Trends zu erkennen.

Der häufigste Einsteigerfehler ist, den Aktienkurs mit dem Wert eines Unternehmens zu verwechseln. Der zweithäufigste ist, eine einzelne günstige Kennzahl als Kaufsignal zu deuten. Ein niedriges KGV kann auch bedeuten, dass der Markt sinkende Gewinne erwartet. Kennzahlen zeigen dir die richtigen Fragen, die Antwort liefert erst der Blick auf das Geschäftsmodell.

💡 Gut zu wissen

Alle zehn Kennzahlen findest du für jede Aktie kostenlos in den Kurs- und Fundamentaldaten auf finanzen.net (wie hier am Beispiel von Apple) unter den Reitern Kennzahlen oder Bilanz.


KennzahlWas sie misstFormel (vereinfacht)Muster AG
KGVWie viele Jahresgewinne du zahlstKurs / Gewinn je Aktie20
KBVKurs im Verhältnis zur SubstanzKurs / Buchwert je Aktie2
KUVKurs im Verhältnis zum UmsatzKurs / Umsatz je Aktie1,5
KCVKurs im Verhältnis zum CashflowKurs / Cashflow je Aktie12
DividendenrenditeAusschüttung im Verhältnis zum KursDividende / Kurs x 1003 %
EigenkapitalrenditeGewinn je eingesetztem EigenkapitalGewinn / Eigenkapital x 10010 %
NettomargeGewinnanteil am UmsatzGewinn / Umsatz x 1007,5 %
Gewinn je AktieGewinn pro einzelner AktieJahresüberschuss / Aktienzahl3 €
EigenkapitalquoteEigenkapital an der BilanzsummeEigenkapital / Bilanzsumme x 10050 %
VerschuldungsgradSchulden im Verhältnis zum EigenkapitalFremdkapital / Eigenkapital x 100100 %

Fazit

Mit diesen zehn Kennzahlen kannst du jede Aktie in wenigen Minuten grob einordnen: Bewertungskennzahlen zeigen den Preis, Rentabilitätskennzahlen die Qualität, Stabilitätskennzahlen das Risiko. Keine Kennzahl ist für sich allein ein Kauf- oder Verkaufsgrund.

Wichtiger als die perfekte Berechnung ist die richtige Perspektive: Vergleiche innerhalb der Branche, schau auf mehrere Jahre und kombiniere die Kennzahlen zu einem Gesamtbild. So wird aus einem Kurs eine fundierte Einschätzung.

Das hast du gelernt das sind deine nächsten Schritte

Was du jetzt weißt: Du verstehst, dass Aktien-Kennzahlen den Kurs ins Verhältnis zu Gewinn, Substanz und Finanzkraft setzen und eine Aktie so bewertbar machen. Du kennst die drei Kategorien: Bewertungskennzahlen (KGV, KBV, KUV, KCV, Dividendenrendite) zeigen den Preis, Rentabilitätskennzahlen (Eigenkapitalrendite, Nettomarge, Gewinn je Aktie) die Qualität und Stabilitätskennzahlen (Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad) das Risiko. Und du weißt, dass keine Kennzahl für sich allein aussagekräftig ist.

  • Mehrere Kennzahlen kombinieren: Betrachte nie eine Zahl isoliert, sondern setze mindestens eine Kennzahl je Kategorie zusammen, etwa ein niedriges KGV mit solider Eigenkapitalquote und stabiler Marge.
  • Immer im Branchenvergleich: Ein KGV oder KBV ist nur gegen Wettbewerber derselben Branche aussagekräftig. Ein Softwareunternehmen trägt strukturell höhere Werte als ein Automobilhersteller.
  • Mehrjahres-Entwicklung prüfen: Schau dir die Werte über drei bis fünf Jahre an, nicht nur den aktuellen Stand. Ein stetig steigender Gewinn je Aktie sagt mehr als ein einzelner Jahreswert.
  • Geschäftsmodell dahinter verstehen: Kennzahlen zeigen dir die richtigen Fragen, die Antwort liefert das Geschäftsmodell. Ein niedriges KGV kann auch bedeuten, dass der Markt sinkende Gewinne erwartet.
  • Depot eröffnen: Du hast noch kein Depot? Lies in unserem Ratgeber-Artikel „Online-Depot eröffnen“, wie du eins eröffnest oder werde gleich bei finanzen.net ZERO¹, dem Broker von finanzen.net und Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025), in wenigen Schritten aktiv.

Der wichtigste Gedanke: Kennzahlen sind kein Automatismus für Kaufen oder Verkaufen, sondern ein Werkzeug, um eine Aktie schnell und objektiv einzuordnen. Es gilt: Erst mehrere Kennzahlen kombinieren, dann im Branchen- und Mehrjahresvergleich einordnen, dann mit Blick aufs Geschäftsmodell entscheiden.

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