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Private Equity

Private Equity erklärt: Beteiligungen abseits der Börse

Die meisten Unternehmen, deren Produkte du täglich nutzt, findest du an keiner Börse. Der Zulieferer deines Autoherstellers, die Softwarefirma hinter deiner Banking-App, die Kette hinter deiner Zahnarztpraxis: Sie alle gehören jemandem, nur eben nicht Aktionären. Genau um diese Firmen geht es bei Private Equity. Jahrzehntelang blieb das Geschäft Millionären und Pensionskassen vorbehalten. Seit einer EU-Reform von 2024 kommst auch du hinein, teils mit kleinen dreistelligen Beträgen. Bevor du das tust, solltest du wissen, worauf du dich einlässt.

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

Keine Zeit, den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:
    • Definition: Private Equity bezeichnet Eigenkapitalbeteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind.
    • Vier Grundformen: Frühphasen-Investoren, Wachstumsfinanzierer, Buy-and-Build-Strategen und Sanierer verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze mit sehr unterschiedlichem Risiko.
    • Größtes Segment: Von den 15,69 Milliarden Euro, die 2025 in deutsche Unternehmen flossen, entfielen 10,66 Milliarden auf kreditfinanzierte Übernahmen (Quelle: Bundesverband Beteiligungskapital (BVK), vorläufige Jahresstatistik, Stand 03/2026).
    • Drei Zugangswege: Aktien von Beteiligungsgesellschaften, Private-Equity-ETFs und ELTIF-Fonds beteiligen dich an jeweils völlig verschiedenen Dingen.
    • Umstrittene Zahlen: Die Renditeangaben der Branche gelten unter Wissenschaftlern als methodisch angreifbar, weil Private-Equity-Fonds ihre Beteiligungen selbst bewerten.
    • Umsetzung: Wenn du Private Equity bzw. Beteiligungsgesellschaften in deinem Depot abbilden willst, findest du in unserer News „Drei Wege in den Beteiligungsmarkt“ mögliche Optionen.

Was ist Private Equity?

Private Equity bedeutet, dass sich Investoren an Unternehmen beteiligen, die nicht an der Börse gelistet sind. Der Begriff bildet das Gegenstück zu Public Equity, also zu Aktien börsennotierter Konzerne. In beiden Fällen kaufst du Firmenanteile und wirst Miteigentümer. Der Unterschied liegt darin, wie du an diese Anteile kommst und wie schnell du sie wieder verkaufen kannst.

Der deutsche Aktienmarkt umfasst wenige hundert notierte Gesellschaften. Daneben stehen Millionen von GmbHs, Familienbetrieben und Konzerntöchtern, deren Anteile niemand an einer Börse kaufen kann. Genau dort setzen Beteiligungsgesellschaften an. Sie erwerben solche Firmen ganz oder teilweise, arbeiten mehrere Jahre an ihnen und verkaufen sie anschließend weiter. Der Gewinn entsteht aus der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, ergänzt um die Erträge, die das Unternehmen in der Zwischenzeit abwirft.

Du bist Private Equity vermutlich längst begegnet, ohne es zu merken. Zu den größten Transaktionen der jüngeren Vergangenheit zählen in Deutschland der Arzneimittelhersteller STADA, die Lack-Geschäftssparte von BASF, der Immobiliendienstleister Apleona und der Wärmetauscher-Spezialist Kelvion. Wenn ein Beteiligungsinvestor eine Ladenkette, einen Klinikbetreiber oder einen Handwerksbetrieb in deiner Nachbarschaft übernimmt, ändert sich für dich als Kunde selten etwas Sichtbares. Für das Unternehmen ändert sich fast alles.

Was bedeuten Beteiligungsgesellschaft, Fonds und Portfoliounternehmen?

Ein Private-Equity-Investment läuft über drei Ebenen. Die Beteiligungsgesellschaft ist das Unternehmen, das das Geschäft betreibt und Personal beschäftigt. Der Private-Equity-Fonds ist das Gefäß, in das Anleger ihr Geld einzahlen. Das Portfoliounternehmen ist das gekaufte Unternehmen, an dem am Ende alles hängt.

Die Beteiligungsgesellschaft legt einen Fonds auf und sammelt dafür Kapital ein, meist bei Pensionskassen, Versicherern und Stiftungen. In der Fachsprache heißt der Manager dieses Fonds General Partner, die einzahlenden Anleger heißen Limited Partner. Mit dem eingesammelten Geld kauft der Fonds über mehrere Jahre hinweg eine Handvoll Unternehmen. Diese Dreiteilung klingt zunächst nach Buchhaltung, entscheidet aber später darüber, was du als Privatanleger tatsächlich bekommst. Denn je nach Zugangsweg kaufst du dich auf einer anderen dieser drei Ebenen ein.

Von Private Equity zu unterscheiden ist Private Debt. Dabei vergeben Fonds Kredite an nicht börsennotierte Firmen, statt Anteile zu kaufen. Der Kreditgeber bekommt Zinsen und sein Geld zurück, profitiert aber nicht davon, wenn die Firma erfolgreich wächst.

Bevor du in Private Equity investierst, solltest du eine Frage beantworten können: Kaufst du den Manager oder die Beteiligung? Aktien und ETFs geben dir den Manager, ein ELTIF die Beteiligung. Wer das verwechselt, hat am Ende etwas anderes im Depot als gedacht.

Jens Jüttner
Redakteur bei finanzen.net Ratgeber

Wie funktioniert ein Private-Equity-Investment?

Ein Private-Equity-Investment durchläuft drei Phasen: kaufen, entwickeln, verkaufen. Der Fonds erwirbt eine Firma, arbeitet mehrere Jahre an deren Geschäft und veräußert sie anschließend. Der Verkauf, in der Branche Exit genannt, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des gesamten Investments.

In der Kaufphase sucht der Fonds gezielt nach Unternehmen, bei denen er Verbesserungspotenzial sieht. Nach der Übernahme greift der Investor operativ ein. Er tauscht unter Umständen Führungskräfte aus, strafft das Produktportfolio, verhandelt Einkaufskonditionen neu oder investiert in Vertrieb und Technik. Der Anspruch lautet, die Firma über mehrere Jahre hinweg spürbar profitabler zu machen. Buyout-Beteiligungen werden dabei länger gehalten als Beteiligungen an jungen Firmen.

Für den Ausstieg stehen drei Wege offen. Der Fonds kann die Firma an einen Industriekonzern verkaufen, der sie in sein eigenes Geschäft integriert. Er kann sie an einen anderen Private-Equity-Fonds weiterreichen. Oder er bringt sie an die Börse. Gemessen an der Zahl der Beteiligungen ist allerdings keiner dieser Wege der Regelfall. Von den Beteiligungen, die 2025 endeten, wurde mehr als jede vierte als Totalverlust abgeschrieben. Ein echter Unternehmensverkauf gelang nach Zahlen des Bundesverbands Beteiligungskapital (BVK) in etwa jedem fünften Fall (Stand: 03/2026). Findet sich kein Käufer, bleibt die Beteiligung liegen, und die Anleger warten weiter auf ihr Geld.

Die Beteiligungsgesellschaft verdient auf zwei Wegen. Sie kassiert eine laufende Verwaltungsgebühr auf das verwaltete Vermögen und zusätzlich eine Erfolgsbeteiligung am Gewinn, den Carried Interest. Als Faustformel der Branche gilt seit Jahrzehnten das Modell „zwei und zwanzig“: zwei Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr plus zwanzig Prozent des Gewinns oberhalb einer vereinbarten Mindestverzinsung. Diese Gebührenstruktur erklärt einen Teil der Vermögen, die in der Branche entstanden sind. Sie erklärt aber nicht, wie gut die Fonds für ihre Anleger gearbeitet haben, denn die Verwaltungsgebühr fließt unabhängig vom Ergebnis.

Welche Formen von Private Equity gibt es?

Private Equity unterteilt sich in vier Grundformen, die sich nach dem Reifegrad der Zielfirma und der Höhe des eingesetzten Kredits unterscheiden. Kreditfinanzierte Übernahmen dominieren den Markt deutlich: Von 15,69 Milliarden Euro Beteiligungskapital, die 2025 in deutsche Unternehmen flossen, entfielen 10,66 Milliarden auf dieses Segment (Quelle: BVK, vorläufige Jahresstatistik, Stand 03/2026).

FormZielunternehmenWas der Investor tutKredithebelRisiko
Venture CapitalJunge Firmen, oft ohne GewinnWachstum finanzieren, Kontakte öffnenKaumSehr hoch, Totalausfälle eingeplant
Growth EquityEtablierte Mittelständler mit GewinnExpansion mitfinanzieren, meist als MinderheitGeringMittel
Buy-and-BuildSolide Firmen einer BrancheZukäufe bündeln und zusammenführenMittelMittel bis hoch
Leveraged Buy-outGroße, etablierte UnternehmenMehrheit übernehmen, Effizienz steigernHochHoch, abhängig von Zinsen
TurnaroundAngeschlagene Firmen, RandgeschäfteSanieren und wieder verkaufenUnterschiedlichSehr hoch, stark schwankend
Venture Capital: Kapital für junge Unternehmen

Venture Capital heißt auf Deutsch Wagniskapital und trifft es damit ziemlich genau. Frühphasen-Investoren beteiligen sich an jungen Unternehmen, die oft noch keinen Gewinn erwirtschaften, dafür aber schnell wachsen können. Fremdkapital spielt kaum eine Rolle, weil eine Bank einer Firma ohne Ertrag selten Geld leiht. Das Geschäftsmodell funktioniert über Streuung: Ein Fonds beteiligt sich an dreißig oder vierzig Startups, rechnet damit, dass ein großer Teil davon scheitert, und hofft auf die wenigen Treffer, die das Ergebnis des gesamten Portfolios tragen. Eine Vorstufe bilden Business Angels, also vermögende Einzelpersonen, die noch früher einsteigen und neben Geld meist auch eigene Branchenerfahrung mitbringen.

Growth Equity: Kapital für den nächsten Wachstumsschritt

Growth Equity oder Wachstumskapital richtet sich an kleinere und mittlere Unternehmen, die bereits profitabel arbeiten und den nächsten Schritt gehen wollen. Der Investor steigt meist als Minderheitsgesellschafter ein und überlässt den bisherigen Eigentümern die Kontrolle. Das Geld fließt in neue Märkte, zusätzliche Produktionskapazität oder in die Entwicklung neuer Produkte. In Deutschland flossen 2025 rund 2,79 Milliarden Euro in Wachstumsfinanzierungen und Minderheitsbeteiligungen (Quelle: BVK, Stand 03/2026).

Buy-and-Build: aus vielen kleinen Firmen eine große

Buy-and-Build folgt einer Bauplan-Logik. Der Investor kauft zunächst ein solides Unternehmen als Basis, die sogenannte Plattform. Anschließend erwirbt er nach und nach Wettbewerber und führt alle Betriebe zu einer Einheit zusammen. Der Gewinn entsteht auf zwei Wegen. Zum einen sinken die Kosten, weil Einkauf, Buchhaltung und IT nur noch einmal gebraucht werden. Zum anderen wird ein Unternehmen mit hundert Millionen Euro Umsatz am Markt üblicherweise höher bewertet als zwanzig Betriebe mit je fünf Millionen. Diese Bewertungslücke ist der eigentliche Kern der Strategie. Besonders verbreitet ist der Ansatz bei Zahnarzt- und Tierarztketten, Handwerksbetrieben und IT-Dienstleistern.

Leveraged Buy-out: Mehrheitsübernahme auf Kredit

Leveraged Buy-outs bilden das größte Segment. Der Investor übernimmt die Mehrheit an einem etablierten Unternehmen und finanziert den Kaufpreis zu einem erheblichen Teil über Kredite, die anschließend das gekaufte Unternehmen selbst bedient. Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Läuft das Geschäft besser als geplant, vervielfacht der Kredit die Eigenkapitalrendite. Läuft es schlechter, drücken Zins und Tilgung ein ohnehin schwächelndes Unternehmen zusätzlich. Steigende Zinsen treffen dieses Segment deshalb härter als jede andere Form von Private Equity.

Turnaround: Sanierung statt Wachstum

Turnaround-Investoren, oft schlicht Sanierer genannt, kaufen dort, wo andere aussteigen. Ihre Ziele sind Randgeschäfte großer Konzerne, die dort niemand mehr haben will, oder Firmen in echten Schwierigkeiten. Der Kaufpreis fällt entsprechend niedrig aus, gelegentlich zahlt sogar der Verkäufer noch etwas dazu. Der Wert entsteht anschließend durch harte operative Arbeit: Standorte schließen, Produktion umstellen, Verträge neu verhandeln. Gelingt die Sanierung, sind die Renditen erheblich. Gelingt sie nicht, ist das eingesetzte Kapital verloren. Die Ergebnisse solcher Investoren schwanken von Jahr zu Jahr stärker als in jedem anderen Segment, weil alles am Zeitpunkt einzelner Verkäufe hängt.

💡 Gut zu wissen

Drei Begriffe, die dir noch begegnen werden
Secondaries bezeichnen den Kauf gebrauchter Fondsanteile von Anlegern, die vorzeitig aussteigen wollen, meist mit Abschlag. Mezzanine-Kapital steht zwischen Eigen- und Fremdkapital und wird im Insolvenzfall nachrangig bedient. Continuation Funds übernehmen Beteiligungen aus einem auslaufenden Fonds in ein neues Vehikel desselben Managers, wenn sich kein externer Käufer findet. Der letzte Punkt gilt unter Beobachtern als Warnsignal, weil der Verkäufer hier zugleich der Käufer ist.

Wie kannst du als Privatanleger in Private Equity investieren?

Privatanleger erreichen Private Equity über drei Wege: Aktien von Beteiligungsgesellschaften, börsengehandelte Indexfonds auf solche Aktien (konkret ETFs) und ELTIF-Fonds. Die drei Wege unterscheiden sich nicht in Nuancen, sondern grundsätzlich. Nur einer davon beteiligt dich tatsächlich an nicht börsennotierten Unternehmen.

ZugangswegWoran du beteiligt bistHandelbarkeitKostenniveau
Aktie einer BeteiligungsgesellschaftAm Manager, also am Unternehmen, das die Fonds betreibtBörsentäglichKeine Fondsgebühr, nur Ordergebühr
Private-Equity-ETFAn einem Korb solcher Manager-AktienBörsentäglichNiedrig, wie bei anderen Branchen-ETFs
ELTIF-FondsMittelbar an nicht börsennotierten FirmenEingeschränkt, meist quartalsweise RückgabeDeutlich höher als bei ETFs

Was kaufst du mit der Aktie einer Beteiligungsgesellschaft?

Mit der Aktie einer Beteiligungsgesellschaft kaufst du den Investor, nicht dessen Beteiligungen. Du wirst Miteigentümer des Konzerns, der Unternehmen kauft, entwickelt und verkauft. Dafür bekommst du Geschäftsberichte, Analystenschätzungen, oft eine Dividende und die Möglichkeit, börsentäglich wieder auszusteigen.

Der Reiz dieses Wegs liegt in der Transparenz. Eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft berichtet regelmäßig und unterliegt denselben Regeln wie jeder andere Konzern. Fondsgebühren zahlst du keine, es fällt nur die Ordergebühr deines Brokers an. Der Preis dafür ist das Einzelwertrisiko. Du hängst an genau einem Geschäftsmodell und an den Entscheidungen genau eines Managements. Wer diesen Weg wählt, sollte verstehen, ob die Gesellschaft ihre Beteiligungen dauerhaft hält oder nach wenigen Jahren weiterverkauft. Bei Sanierern hängt das Jahresergebnis maßgeblich daran, ob geplante Verkäufe im laufenden Jahr abschließen oder sich ins nächste verschieben.

Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft börsennotierte Gesellschaften aus dem Beteiligungsgeschäft. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich erheblich, obwohl alle unter dem Begriff Private Equity firmieren.

UnternehmenArt des UnternehmensISIN
Deutsche Beteiligungs AGÄlteste deutsche Beteiligungsgesellschaft: investiert eigenes Kapital in Mittelständler und legt zusätzlich Fonds für institutionelle Investoren aufDE000A1TNUT7
Indus HoldingMittelstandsholding: kauft deutsche Mittelständler und hält sie dauerhaft, statt sie nach einigen Jahren weiterzuverkaufenDE0006200108
MutaresSanierer: übernimmt Randgeschäfte großer Konzerne und Sondersituationen, restrukturiert sie und verkauft sie weiterDE000A2NB650
EQTEuropäische Fondsgesellschaft aus Schweden: legt Fonds für Buy-outs, Infrastruktur und Wagniskapital aufSE0012853455
KKRUS-Fondsgesellschaft: Pionier der kreditfinanzierten Übernahme, heute zusätzlich in Krediten, Infrastruktur und Immobilien aktivUS48251W1045
BlackstoneWeltgrößter Verwalter alternativer Anlagen: Buy-outs, Immobilien und Private Credit unter einem DachUS09260D1072

Zwei Muster lassen sich an der Tabelle ablesen. Die ersten drei Gesellschaften investieren überwiegend eigenes Geld und verdienen deshalb direkt am Erfolg ihrer Beteiligungen. Die drei großen internationalen Häuser verwalten dagegen vor allem fremdes Kapital und verdienen an Gebühren. Wer eine solche Aktie kauft, sollte wissen, welchem der beiden Modelle er sich anschließt, denn davon hängt ab, wovon der Kurs am Ende abhängt.

In eigener Sache
Beteiligungsaktien und Private-Equity-ETFs handeln

Zwei der drei Investment-Wege führen über ein ganz normales Wertpapierdepot. Bei finanzen.net ZERO¹ handelst du Aktien von Beteiligungsgesellschaften und Private-Equity-ETFs beim Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025). Starte hier in wenigen Klicks.

Was steckt wirklich in einem Private-Equity-ETF?

Ein Private-Equity-ETF enthält Aktien börsennotierter Beteiligungsgesellschaften, keine Anteile an privaten Unternehmen. Der Fonds bündelt zwischen 25 und rund 100 solcher Manager-Aktien in einem Indexkorb und macht daraus ein börsentäglich handelbares Produkt mit einer laufenden Gebühr im Bereich anderer Branchen-ETFs.

Dieser Punkt führt regelmäßig zu Missverständnissen, deshalb hier deutlich: Wenn du einen solchen ETF kaufst, besitzt du anteilig Aktien von Vermögensverwaltern. Deren Kurse hängen an Verwaltungsgebühren, Erfolgsbeteiligungen und der allgemeinen Stimmung am Aktienmarkt. Sie hängen nur mittelbar daran, wie sich die Firmen in den Fonds entwickeln. Ein Private-Equity-ETF schwankt deshalb wie ein Finanzsektor-Investment, nicht wie ein Private-Equity-Fonds. Das ist weder gut noch schlecht, du solltest es nur wissen, bevor du kaufst.

Was ist ein ELTIF und was hat sich 2024 geändert?

Ein ELTIF ist ein europäischer langfristiger Investmentfonds. Er investiert in Dinge, die du an keiner Börse kaufen kannst: Unternehmensbeteiligungen, Infrastruktur, Immobilien. Bis Anfang 2024 kamst du an diese Fonds nur heran, wenn du mindestens 10.000 Euro anlegen und ein Nettovermögen von 100.000 Euro nachweisen konntest. Beide Hürden sind seit der Reform ELTIF 2.0 am 10. Januar 2024 gefallen. Seitdem steht dir die Fondsform offen.

Die Reform änderte noch mehr. Ein ELTIF muss jetzt nur noch 55 statt 70 Prozent seines Portfolios in illiquide Werte stecken, und er darf in mehr Anlagearten investieren als vorher. Vollständig gilt das neue Regelwerk seit Oktober 2024, seit die technischen Vorgaben zu Liquidität, Rückgaben und Mindesthaltefristen in Kraft sind. Die Anbieter haben schnell reagiert: 2022 gab es 77 zugelassene ELTIFs, Ende 2025 waren es rund 268.

Warum das für dich wichtig ist: Der ELTIF ist der einzige der drei Wege, über den du dich tatsächlich an nicht börsennotierten Firmen beteiligst. Dafür zahlst du allerdings an mehreren Stellen drauf. Die laufenden Kosten liegen deutlich über denen eines ETFs, oft kommt eine Erfolgsvergütung obendrauf. Deine Anteile bekommst du meist nur zu festen Terminen zurück, und selbst dann nur begrenzt: Häufig gibt der Fonds pro Stichtag nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz seines Volumens frei. Rechne also nicht damit, kurzfristig an dein Geld zu kommen.

Dazu kommt ein Punkt, den kein Werbeprospekt betont: Der Markt ist jung. Viele Produkte gibt es erst seit wenigen Jahren. Du kaufst also ein Versprechen, keine Erfolgsbilanz.

⚠️ Wichtig

Zielrendite ist keine Zusage Anbieter von Private-Markets-Produkten werben häufig mit zweistelligen Zielrenditen pro Jahr. Eine Zielrendite ist eine Absichtserklärung, keine Prognose und erst recht keine Garantie. Wie breit die Spanne tatsächlich ist, zeigen die regulatorischen Szenarien im Basisinformationsblatt jedes Fonds. Dort steht neben dem mittleren Szenario auch, wie hoch der Verlust im Stressfall ausfallen kann. Lies dieses Dokument, bevor du investierst, nicht danach.

Welche Chancen und Risiken hat Private Equity?

Private Equity verspricht höhere Renditen als der Aktienmarkt und eine Wertentwicklung, die weniger von Börsenlaunen abhängt. Beide Versprechen sind unter Wissenschaftlern umstritten. Die Risiken dagegen sind unstrittig: hohe Kosten, jahrelange Kapitalbindung und eine Bewertungspraxis, die nicht immer transparent ist.

Was spricht für Private Equity?

Für Private Equity spricht der Zugang zu einem Teil der Wirtschaft, den du über die Börse nicht erreichst. Beteiligungsinvestoren können außerdem operativ eingreifen, statt nur Anteile zu halten. Wer eine Mehrheit besitzt, tauscht das Management aus, wenn es nicht liefert. Ein Aktionär mit 0,001 Prozent Anteil kann das nicht.

Ein zweites Argument betrifft den Zeithorizont. Ein börsennotierter Vorstand steht quartalsweise unter Beobachtung und meidet deshalb Entscheidungen, die kurzfristig auf den Gewinn drücken. Ein Beteiligungsinvestor mit acht Jahren Haltedauer kann eine Firma umbauen, auch wenn das drei Jahre lang Geld kostet. Ob dieser Vorteil in der Praxis regelmäßig zu höheren Renditen für die Anleger führt, ist allerdings genau die Frage, an der sich die Fachwelt reibt.

💡 Gut zu wissen

Was macht der Markt? Du bist auf der Suche nach weiteren Infos? In unserem News-Bereich findest du Nachrichten rund um Sparen, Geldanlage und Börse. Beispielsweise unsere Nachricht zu Private Equity.

Warum sind die Renditezahlen umstritten?

Die Renditezahlen der Branche gelten als methodisch angreifbar, weil Private-Equity-Fonds ihre Beteiligungen mangels Börsenkurs selbst bewerten. Vier Kritikpunkte tauchen in der Fachliteratur regelmäßig auf.

  • Fonds setzen ihre Anteilswerte selbst fest. Die ausgewiesenen Schwankungen wirken dadurch glatter, als sie sind.
  • Schlecht laufende Fonds melden ihre Zahlen oft nicht mehr an Datensammelstellen. Der verbleibende Durchschnitt sieht dadurch besser aus.
  • Die Branchenkennzahl IRR reagiert stark darauf, wann Zahlungen fließen, und lässt sich entsprechend beeinflussen.
  • Anleger müssen jahrelang Geld für Kapitalabrufe bereithalten. Dessen niedrige Verzinsung fehlt in den Renditeangaben meist.

Für dich hat das zwei Folgen. Erstens: Wer dir eine präzise historische Private-Equity-Rendite nennt, überschätzt die Datenlage. Zweitens: Weil die Schwankungen geglättet erscheinen, wirkt auch der Gleichlauf mit dem Aktienmarkt geringer, als er tatsächlich ist. Der beworbene Streuungsvorteil fällt deshalb wahrscheinlich kleiner aus als versprochen.

Was bedeutet Illiquidität für dich konkret?

Illiquidität bedeutet, dass du dein Geld nicht kurzfristig zurückbekommst. Bei einem ETF verkaufst du innerhalb von Sekunden zum Marktpreis. Bei einem ELTIF sind Rückgaben meist nur quartalsweise möglich und zusätzlich auf einen Anteil des Fondsvolumens begrenzt. Klassische Beteiligungsfonds binden Kapital über die volle Laufzeit.

Diese Einschränkung taucht in keiner gängigen Risikokennzahl auf, was sie besonders tückisch macht. Rechne es an einem Beispiel durch: Du legst 10.000 Euro in einem Private-Markets-Produkt an. Zwei Jahre später brauchst du das Geld, weil das Auto kaputt ist oder der Job wackelt. Beim ETF verkaufst du und hast das Geld am nächsten Tag auf dem Konto, gegebenenfalls mit Verlust, aber verfügbar. Beim illiquiden Produkt wartest du auf das nächste Rückgabefenster, konkurrierst dort mit anderen Rückgabewünschen und musst je nach Marktlage einen Abschlag auf den offiziellen Anteilswert hinnehmen. Deshalb gehört in diese Anlageklasse ausschließlich Geld, das du über Jahre nicht brauchst.

Welche Kosten fallen an?

Die Kosten unterscheiden sich zwischen den drei Zugangswegen erheblich. Beim Direktkauf einer Beteiligungsaktie zahlst du nur die Ordergebühr. Ein Private-Equity-ETF kostet eine jährliche Gebühr im Bereich anderer Branchen-ETFs; also etwa 0,4 bis 0,75 Prozent. Klassische Private-Equity-Fonds liegen teilweise beim Zehn- bis Dreißigfachen eines passiven Aktien-ETFs.

Diese Spanne wirkt abstrakt, entfaltet über lange Haltedauern aber erhebliche Wirkung. Gebühren wirken wie ein Zinseszins mit umgekehrtem Vorzeichen: Jeder Prozentpunkt, der jährlich abfließt, fehlt nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in allen Folgejahren als Basis für weiteres Wachstum. Bei Anlageklassen mit vorgesehener Haltedauer von fünf bis zehn Jahren ist die Kostenquote deshalb kein Nebenaspekt, sondern eine der wenigen Größen, die du vor dem Kauf sicher kennst. Die erwartete Rendite kennst du nicht.

Für wen eignet sich Private Equity und für wen nicht?

Private Equity eignet sich als Beimischung für Anleger, die bereits ein breit gestreutes Depot besitzen und über Jahre auf einen Teil ihres Kapitals verzichten können. Als erster oder einziger Baustein im Vermögensaufbau ist die Anlageklasse nicht gedacht, weder von Anbietern noch von Aufsichtsbehörden.

Eine sinnvolle Reihenfolge sieht so aus: Zuerst steht ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. Danach folgt ein breit gestreutes Basisdepot, für die meisten Privatanleger ein weltweit anlegender ETF. Erst wenn beides steht und du noch Geld übrig hast, das über Jahre entbehrlich ist, wird eine Beimischung interessant. Die Reihenfolge ist keine Formalie. Wer illiquide Anlagen kauft, bevor der Notgroschen steht, muss im Ernstfall genau zum schlechtesten Zeitpunkt verkaufen.

Vier Irrtümer tauchen bei Einsteigern besonders häufig auf. Sie kosten selten sofort Geld, führen aber dazu, dass du etwas anderes im Depot hast, als du dachtest.

Der Irrtum 🧐Was tatsächlich gilt ✅
„Mit einem Private-Equity-ETF bin ich an nicht börsennotierten Firmen beteiligt.“Du hältst Aktien von Vermögensverwaltern. An deren Portfoliofirmen bist du nicht beteiligt.
„Die beworbene Zielrendite ist das, was ich ungefähr erwarten kann.“Eine Zielrendite ist eine Absicht des Anbieters, keine Prognose. Die Bandbreite steht im Basisinformationsblatt.
„Ich brauche das Geld ohnehin nicht, die Handelbarkeit ist mir egal.“Ob du das Geld brauchst, entscheidet selten der Plan, sondern der Ernstfall. Dann ist der Ausstieg nur zu festen Terminen und begrenzt möglich.
„Was jahrzehntelang nur Vermögenden offenstand, muss überlegen sein.“Exklusivität sagt nichts über Rendite. Entscheidend bleiben Kosten, Bindungsdauer und Streuung.

Der letzte Punkt verdient eine Bemerkung. Private Equity trägt eine Aura des Exklusiven, weil die Anlageklasse jahrzehntelang tatsächlich nur Vermögenden offenstand. Diese Aura überträgt sich leicht auf die Erwartung überlegener Ergebnisse. Exklusivität und Rendite sind aber zwei verschiedene Dinge. Dass ein Produkt lange schwer zugänglich war, sagt nichts darüber aus, ob es sich für dich rechnet.

Fazit

Private Equity ist kein Produkt, sondern eine Sammelbezeichnung für sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle. Zwischen einem Frühphasen-Investor, der auf dreißig Startups setzt, und einem Sanierer, der ein Konzern-Randgeschäft umbaut, liegen Welten. Wer wissen will, worauf er sich einlässt, muss zuerst die Form klären, dann den Zugangsweg.

Beim Zugangsweg entscheidet eine einzige Frage über fast alles: Willst du den Manager kaufen oder die Beteiligung? Aktien und ETFs geben dir den Manager, günstig und börsentäglich handelbar. ELTIFs geben dir die mittelbare Beteiligung, dafür teurer und über Jahre gebunden. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Bleibt der Punkt, an dem sich Anbieter und unabhängige Forschung uneinig sind. Die Renditeversprechen der Branche stützen sich auf Daten, die Fonds selbst erzeugen und die sich einer unabhängigen Prüfung weitgehend entziehen. Behandle zweistellige Zielrenditen deshalb als das, was sie sind: eine Absicht. Was du dagegen sicher kennst, sind die Kosten und die Bindungsdauer. Nach diesen beiden Größen solltest du entscheiden.

Private Equity auf einen Blick

  • Kein Produkt, sondern ein Sammelbegriff: Venture Capital, Growth Equity, Buy-and-Build, Leveraged Buy-out und Turnaround verfolgen völlig unterschiedliche Ansätze. Kläre erst die Form, dann den Zugangsweg.
  • Die entscheidende Frage: Kaufst du den Manager oder die Beteiligung? Aktien und ETFs geben dir den Manager, ein ELTIF die mittelbare Beteiligung an nicht börsennotierten Firmen.
  • Der Exit ist nicht der Regelfall: Von den Beteiligungen, die 2025 endeten, wurde mehr als jede vierte als Totalverlust abgeschrieben. Ein echter Unternehmensverkauf gelang in etwa jedem fünften Fall.
  • Kosten und Bindungsdauer kennst du vorher: Die Rendite nicht. Entscheide nach den beiden Größen, die feststehen, nicht nach der beworbenen Zielrendite.
  • Nur als Beimischung: Erst Notgroschen, dann breit gestreutes Basisdepot, danach Private Equity mit Geld, das du über Jahre nicht brauchst.

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Disclaimer: Die in diesem Artikel enthaltenen Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations-, Bildungs- und Marketingzwecken ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Anlagestrategieempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Die Informationen berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele und finanzielle Situation des Lesers. Jede Anlageentscheidung sollte eigenverantwortlich getroffen und sorgfältig geprüft werden. Vor einer Anlageentscheidung sollte der Rat eines Anlage- und Steuerberaters eingeholt werden. Der Handel mit Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten ist mit hohen Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen basieren grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Wir übernehmen keine Haftung für Verluste, die durch die Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen entstehen.

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