Das Wichtigste in Kürze
Keine Zeit den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:- Absicherung: Ein Put-Optionsschein sichert ein Depot gegen Kursverluste ab, weil der Put-Optionsschein an Wert gewinnt, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.
- Versicherungsprinzip: Der Kaufpreis des Put-Optionsscheins wirkt wie eine Versicherungsprämie. Notiert der Basiswert am maßgeblichen Bewertungstag auf oder über dem Basispreis, verfällt der Put-Optionsschein wertlos.
- Passender Basiswert: Für einzelne Aktienpositionen eignen sich Puts auf die jeweilige Aktie, für größere Teile des Depots Puts auf einen passenden Aktienindex.
- Formel: Die benötigte Stückzahl berechnest du mit der Formel Depotwert geteilt durch Indexstand geteilt durch Bezugsverhältnis (Bei Einzelaktien: Anzahl der Aktien geteilt durch das Bezugsverhältnis).
- Kostenfaktor: Eine dauerhafte Absicherung ist teuer. Put-Optionsscheine eignen sich vor allem für zeitlich begrenzten Schutz, etwa vor erwarteten Marktturbulenzen.
Was bedeutet es, ein Depot mit Put-Optionen abzusichern?
Aktienkurse schwanken. Um die Kursverluste möglichst gering zu halten, kannst du dich absichern – mit Put-Optionen. Sie funktionieren etwa wie eine Versicherung für das Depot. Genauer gesagt baust du eine Gegenposition auf, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnt und so Verluste im Depot ausgleicht. Fachleute nennen diese Strategie Hedging. Das gängigste Instrument dafür ist der Put-Optionsschein, ein Hebelprodukt, dessen Wert steigt, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Basiswerts sinkt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Put-Optionen und Put-Optionsscheinen. Beide können von fallenden Kursen profitieren, sind aber nicht dasselbe. Börsengehandelte Optionen sind standardisierte Terminkontrakte. Optionsscheine werden dagegen von einer Bank herausgegeben und sind rechtlich Schuldverschreibungen. Dadurch besteht bei Optionsscheinen zusätzlich ein Emittentenrisiko. Dieser Ratgeber behandelt die Absicherung mit Put-Optionsscheinen. Wie Optionsscheine im Detail funktionieren und welche weiteren Hebelprodukte es gibt, erklärt dir unser Ratgeber zu Derivaten.
Was ist der Vorteil? Wenn du Börsenturbulenzen mit möglichen Kursrückgängen erwartest, hast du drei Möglichkeiten:
- Aussitzen und darauf setzen, dass die Börse langfristig wieder steigt.
- Verkaufen, da du damit rechnest, dass die Kurse weiterhin fallen und womöglich lange unten bleiben.
- Absichern deines Portfolios mit Put-Optionsscheinen, um investiert zu bleiben.
Informiere dich ausführlich über Optionsscheine, bevor du sie handelst. Du kannst bei einem ausreichend langen Anlagehorizont kurzfristige Börsenrückgänge auch einfach aussitzen.
Die in Punkt drei gewählte Absicherung wirkt wie eine Versicherung für dein Depot. Du zahlst eine Prämie, den Preis des Optionsscheins. Tritt der „Schadensfall“ ein und notiert der Basiswert am maßgeblichen Bewertungstag unter dem Basispreis, kann der Put-Optionsschein den Verlust ganz oder teilweise ausgleichen. Notiert der Basiswert auf oder über dem Basispreis, verfällt der Put-Optionsschein in der Regel wertlos. Ein Kursrückgang allein garantiert daher noch keine Auszahlung.
Was hat es mit dem Optionsschein konkret auf sich? Ein Put-Optionsschein verbrieft grundsätzlich das Recht, von einem fallenden Kurs des Basiswerts zu profitieren. Wie und wann dieses Recht ausgeübt werden kann, bestimmen die jeweiligen Produktbedingungen. Bei europäischen Optionsscheinen erfolgt die Bewertung zu einem festgelegten Termin, während amerikanische Optionsscheine grundsätzlich auch vorher ausgeübt werden können. In der Praxis sehen viele Produkte keine tatsächliche Lieferung des Basiswerts vor. Stattdessen zahlt der Emittent einen Barausgleich.
Wie funktioniert die Absicherung mit Put-Optionsscheinen?
Die Absicherung mit Put-Optionsscheinen funktioniert über einen Ausgleichsmechanismus. Notiert der maßgebliche Referenzkurs am Bewertungstag unter dem Basispreis, ergibt sich grundsätzlich ein positiver Einlösungsbetrag. Dieser entspricht der Differenz zwischen Basispreis und Referenzkurs, multipliziert mit dem Bezugsverhältnis. Der Einlösungsbetrag kann den Verlust der abgesicherten Position ganz oder teilweise ausgleichen. Maßgeblich sind die konkreten Produktbedingungen. Die Höhe des Schutzes hängt vom gewählten Basispreis ab. Wir haben natürlich ein Beispiel mit Berechnung beigefügt. Die konkrete Mechanik anhand einer Einzelaktie findest du im Punkt „Wie sicherst du eine einzelne Aktienposition ab?“.
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Was passiert am Laufzeitende des Puts?
Am Laufzeitende zahlt der Emittent für einen Put-Optionsschein die Differenz zwischen dem höheren Basispreis und dem niedrigeren Kurs des Basiswerts aus, multipliziert mit dem Bezugsverhältnis. Notiert der Basiswert auf oder über dem Basispreis, verfällt der Put-Optionsschein wertlos und die gezahlte Prämie ist verloren.
Das Bezugsverhältnis gibt an, auf welchen Anteil des Basiswerts sich ein einzelner Optionsschein bezieht. Ein Bezugsverhältnis von 0,1 bedeutet, dass sich zehn Optionsscheine auf eine Aktie beziehen. Bei Index-Optionsscheinen (also Optionsscheinen mit einem kompletten Index als Basiswert) ist ein Bezugsverhältnis von 0,01 üblich, hundert Scheine bilden den Index dann einmal vollständig ab. Für deine Rechnung heißt das: Je kleiner das Bezugsverhältnis, desto mehr Scheine brauchst du für dieselbe Absicherung.
Welchen Basispreis solltest du wählen?
Der Basispreis bestimmt, ab welchem Kursniveau der Put-Optionsschein am Bewertungstag einen inneren Wert besitzt.
- Ein Put am Geld hat einen Basispreis in der Nähe des aktuellen Kurses. Er baut am Bewertungstag grundsätzlich ab Kursen unterhalb dieses Niveaus einen Ausgleich auf. Die gezahlte Prämie bleibt jedoch als Kostenfaktor bestehen, sodass die Absicherung wirtschaftlich nicht kostenlos ist.
- Ein Put aus dem Geld hat einen Basispreis unterhalb des aktuellen Kurses. Er ist häufig günstiger, lässt aber zunächst einen Teil des Kursverlusts ungeschützt. Das ähnelt einer Versicherung mit Selbstbeteiligung.
- Ein Put im Geld hat einen Basispreis oberhalb des aktuellen Kurses. Er besitzt bereits beim Kauf einen inneren Wert und ist deshalb entsprechend teurer. Das ist nicht automatisch eine Überversicherung, sondern bedeutet, dass ein höheres Absicherungsniveau gewählt wird.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Verluste du selbst tragen kannst, welchen Zeitraum du absichern möchtest und wie viel du für den Schutz ausgeben willst.

Wie sicherst du eine einzelne Aktienposition ab?
Eine einzelne Aktienposition sicherst du ab, indem du Put-Optionsscheine auf genau diese Aktie kaufst. Die benötigte Stückzahl ergibt sich aus der Anzahl der Aktien geteilt durch das Bezugsverhältnis. Der Gewinn der Puts gleicht bei fallenden Kursen den Verlust der Aktienposition bis auf die gezahlte Prämie aus.
Eine Musterberechnung zeigt den Mechanismus. Du hältst 100 Aktien der fiktiven Muster AG, die bei 100 Euro notiert. Deine Position ist also 10.000 Euro wert. Zur Absicherung wählst du einen Put am Geld mit Basispreis 100 Euro, drei Monaten Restlaufzeit und einem Bezugsverhältnis von 0,1. Für jede Aktie brauchst du zehn Scheine, insgesamt also 1.000 Stück. Bei einem angenommenen Preis (Prämie) von 0,30 Euro je Schein kostet dich die Absicherung 300 Euro, das entspricht 3 Prozent deines Positionswerts.
Am Laufzeitende sind drei Szenarien denkbar:
| Szenario | Kurs Muster AG | Aktienposition | Put-Auszahlung | Gesamtergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Kurs fällt | 80 Euro | −2.000 Euro | (100 − 80) × 0,1 × 1.000 = +2.000 Euro | −300 Euro (nur Prämie) |
| Kurs stagniert | 100 Euro | ±0 Euro | 0 Euro (verfällt wertlos) | −300 Euro (nur Prämie) |
| Kurs steigt | 115 Euro | +1.500 Euro | 0 Euro (verfällt wertlos) | +1.200 Euro |
Das Muster ist immer gleich. Egal wie tief die Aktie fällt, dein maximaler Verlust bleibt auf die Prämie von 300 Euro begrenzt (zuzüglich Ordergebühren). Steigt die Aktie, partizipierst du weiter an den Gewinnen, abzüglich der Prämie. Genau dieses asymmetrische Profil macht den Put zur Versicherung.
Wie sicherst du dein Depot ab?
Größere Teile deines Depots kannst du mit Put-Optionsscheinen auf einen Aktienindex absichern, der die Struktur des Depots möglichst gut widerspiegelt. Die benötigte Stückzahl ergibt sich aus der Formel Depotwert geteilt durch Indexstand geteilt durch Bezugsverhältnis. Je besser Index und Depot übereinstimmen, desto genauer wirkt die Absicherung.
Für individuelle Depots gibt es keine maßgeschneiderten Optionsscheine. Deshalb wählst du als Basiswert einen Index, der deinem Depot möglichst ähnlich ist. Ein Depot aus deutschen Standardwerten passt zu einem Put auf einen deutschen Leitindex, ein technologielastiges Depot eher zu einem Put auf einen Technologieindex. Besteht dein Depot aus Aktien verschiedener Regionen, kannst du entweder den Index mit der größten Überschneidung wählen oder Puts auf mehrere Indizes kombinieren.
In vier Schritten kommst du zur Depotabsicherung:
- Bestimme den Depotwert, den du absichern möchtest.
- Wähle einen Index, der die Zusammensetzung deines Depots möglichst gut abbildet.
- Berechne die Stückzahl mit der Formel Depotwert / Indexstand / Bezugsverhältnis.
- Wähle Basispreis und Laufzeit passend zu deinem Absicherungsbedarf und kaufe die Scheine.

Auch hier hilft eine Musterberechnung. Dein Depot ist 20.000 Euro wert und ähnelt in der Zusammensetzung einem Beispiel-Index, der bei 20.000 Punkten steht. Der gewählte Put am Geld hat ein Bezugsverhältnis von 0,01. Die Rechnung lautet: 20.000 Euro / 20.000 Punkte / 0,01 = 100 Optionsscheine. Kostet ein Schein beispielsweise 6 Euro, zahlst du 600 Euro Prämie, also 3 Prozent des Depotwerts.
Fällt der Index bis zum Laufzeitende um 15 Prozent auf 17.000 Punkte und entwickelt sich dein Depot gleichlaufend, verlierst du 3.000 Euro auf deine Wertpapiere. Die Puts zahlen im Gegenzug (20.000 − 17.000) × 0,01 = 30 Euro je Schein aus, bei 100 Scheinen also 3.000 Euro. Unterm Strich bleibt nur die Prämie von 600 Euro als Verlust. Möchtest du nur einen Teil des Depots absichern, reduzierst du einfach die Stückzahl. Mit 50 Scheinen sicherst du im Beispiel die Hälfte des Depots ab und halbierst die Kosten.