Wie der Münchener Halbleiterhersteller gestern Abend bekannt gab, will der Konzern mit der Übernahme des Mobilfunk-Geschäfts der LSI Logic Corporation seine Aktivitäten im Kommunikationsbereich stärken. Infineon übernimmt dabei keine Fertigungsstätten, aber rund 700 Mitarbeiter von LSI. Ursprünglich gehörte der Bereich zu Agere Systems. Agere war im April dieses Jahres von LSI für rund drei Milliarden Euro in Aktien übernommen worden.
Die Akquisition lässt sich der Halbleiterkonzern insgesamt 330 Millionen Euro kosten, dazu kommt noch eine bedingte erfolgsabhängige Zahlung von zu bis 37 Millionen Euro. Noch steht die Transaktion unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden. Der Konzern zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Transaktion bereits im vierten Kalenderquartal 2007 abschließen zu können.
Den Angaben zufolge umfasst das Mobilfunkgeschäft von LSI primär Basisband-Prozessoren sowie Mobilfunkplattformen, die das Infineon-Portfolio sinnvoll ergänzen. In den ersten sechs Geschäftsmonaten des aktuellen Fiskaljahres hatte die Mobility Products Group von LSI einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies will sich das Münchener Unternehmen zunutze machen und erhofft sich bereits für das kommende Geschäftsjahr 2008 einen positiven Ergebnisbeitrag durch den Zukauf. Insbesondere die bislang Verluste einbringende Kommunikationssparte des Konzerns soll von der Akquisition profitieren. Hier will das Unternehmen im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben.
Zudem verschafft der Erwerb des LSI-Mobilfunkgeschäfts Infineon Zugang zu einem neuen Großkunden. Die Sparte war bislang als Basisband-Lieferant für den koreanischen Samsung-Konzern tätig. Infineon hatte im vergangenen Jahr insbesondere durch die Insolvenz des Konzernkunden BenQ Mobile und dem damit verbundenen Auftragsrückgang einen herben Ergebniseinbruch hinnehmen müssen. Die Akquisition soll das Geschäft nun wieder stabilisieren: "Mit diesem Schritt machen wir erneut deutlich, dass wir unsere führende Position im Mobilfunkmarkt verteidigen und ausbauen wollen. Das von LSI übernommene Geschäft wird unsere Position bei wichtigen Kunden stärken", so der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Dr. Wolfgang Ziebart, in einer Pressemitteilung.
Der Kauf der Mobility Products Group ist bereits der zweite Zukauf von Infineon innerhalb weniger Monate. Erst Ende Juni hatte das Unternehmen die Übernahme des DSL-Geschäfts für Teilnehmerendgeräte der Texas Instruments Inc. angekündigt, mit dem der Halbleiterkonzern seine Position im DSL-Markt weiter stärken will.
Infineon hatte sich nach der Ausgliederung der schwankungsanfälligen Speicherchipsparte Qimonda auf die drei Kernbereiche Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit konzentriert. Konzernchef Ziebart hatte dabei mehrfach darauf hingewiesen, dass neben organischem Wachstum insbesondere Akquisitionen dazu beitragen sollen, die Konzernziele zu erreichen und das Halbleitergeschäft weiter auszubauen.
Im dritten Geschäftsquartal hatte Infineon erneut mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang zu kämpfen. Die Erlöse lagen - inklusive Qimonda - um 11 Prozent unter denen des Vorjahresquartals. Zudem musste der Konzern einen Fehlbetrag von 197 Millionen Euro ausweisen nach einem Verlust von elf Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ohne Qimonda habe der Konzern operativ allerdings Fortschritte gemacht, hieß es von Seiten des Managements. Von der Beteiligung an der börsennotierten Speicherchipsparte will sich der Halbleiterhersteller in naher Zukunft trennen. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen dabei teilweise für weitere Zukäufe verwendet werden.
Auf dem Börsenparkett gab es für die Aktie des im DAX notierten Konzerns heute keine klare Richtung. Nach einem vorbörslichen Plus pendelte der Infineon-Anteilsschein im Verlauf des Handelstages um seinen Vortagesstand.