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aktualisiert: 13.12.2010 13:48

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Hochtief: Wüster Konter aus Katar

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Mit dem Einstieg der Scheichs aus Katar dürften die Lichter bei Hochtief nicht ausgehen
Mit dem Einstieg bei Hochtief ist dem Golfstaat ein Coup geglückt. Deutschland steht bei den Scheichs weiterhin ganz oben auf der Liste.

von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Dass sich die arabische Halbinsel für Fußball interessiert, weiß seit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar die ganze Welt. Zwar ist das Emirat am Persischen Golf bei der Ausübung dieses Sports bestenfalls ein ambi­tionierter Amateur, dafür verfügen die Scheichs aber über reichlich Kapital. Denn wirtschaftlich spielt Katar längst in der internationalen Topliga. Das zeigt der Einstieg beim Baukonzern Hochtief Anfang der Woche, mit dem das Übernahmeangebot der spanischen ACS für die Essener ausgehebelt werden soll.

Der Deal selbst hat auch viel mit Fußball zu tun, nicht nur, weil ACS-Chef Florentino Perez zugleich Präsident von Spaniens Vorzeigeclub Real Madrid ist. Hochtief soll vielmehr Hand anlegen, wenn neue Fußballstadien aus dem sandigen Boden in Katar gestampft werden. Das Unternehmen sei ein „Schlüsselpartner für den Aufbau der Infrastruktur im Vorfeld der WM 2022“, sagt Ahmad Mohamed Al-Sayed, CEO von Qatar Holding, die über eine Kapitalerhöhung 9,1 Prozent der Anteile bei Hochtief übernimmt.

Verantwortlich für den gelunge­nen Konter aus der arabischen Wüste ist aber ein anderer Scheich: Hamad Bin Jassim Bin Jabr Al-Thani, Chef des Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) und Vorsitzender von dessen Investmentarm Qatar Holding. Al-Thani gilt als einer der größten privaten Investoren der arabischen Welt und ist zugleich Premier und Außenminister des Kleinstaats. Politisch unterhält er ausgezeichnete Kontakte in den Westen, die auch bei der WM-Bewerbung nützlich waren. Mit Bundeskanzlerin ­Angela Merkel diskutierte er bereits vor Wochen einen möglichen Einstieg bei Hochtief.

„Das Investment in Hochtief wird den Transfer moderner Technologie und Know-how nach Katar erleichtern“, gab der Staatsfondschef nun zu Protokoll. Die Beteiligung passt auch, abgesehen von der WM, ideal zur Strategie der Katarer, die in den kommenden vier Jahren rund 100 Milliarden Dollar in internationale Infrastrukturprojekte investieren wollen. Dazu zählen laut Finanzminister Yousef Hussein Kamal der Straßenbau, die städtische Entsorgung sowie Beteiligungen an Häfen und Flug­häfen. Hochtief könnte bei all diesen Vorhaben zum Zuge kommen.


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Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 zählt der Golfstaat zu jenen arabischen Großinvestoren, die mit ihren Aktienkäufen in Europa wohl die dicksten Schlagzeilen unter allen Staatsfonds produziert haben. Neben Beteiligungen an europäischen Banken wie Barclays, Credit Suisse und Santander sowie der Londoner Börse haben es die Scheichs aus Katar bei ihrer Einkaufstour insbesondere auf deutsche Automobilunternehmen abgesehen. Vor gut einem Jahr erregte Qatar Holding mit seinem Einstieg bei Volkswagen (12,3 Prozent) und Porsche (10,0 Prozent) Aufsehen. Dazu passt, dass 2007 ein Unter­nehmen aus dem Herrscherhaus Al-Thani 25 Prozent des börsennotier­ten Autorennsportspezialisten HWA aus dem badischen Affalterbach erwarb.

„Katar dürfte zu den größten Staatsfondsinvestoren in Deutschland zählen“, sagt Staatsfondsanalyst Steffen Kern von der Deutschen Bank. Dabei gehört die QIA nicht zu den ganz Großen ihrer Zunft. Mit einem verwalteten Vermögen von ­geschätzt 65 Milliarden Dollar rangierte sie Mitte 2010 nach Auskunft der Deutschen Bank auf Platz 13 der weltgrößten Staatsfonds. Die Nummer 1, die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), verwaltete dagegen mehr als das Zehnfache. Doch lediglich beim Einstieg bei Daimler vor zwei Jahren (9,1 Prozent) sorgte der Fonds in Deutschland für größeres Aufsehen.

Wie stark die Großinvestoren tatsächlich in der deutschen Wirtschaft vertreten sind, ist aber reine Spekulation. „Über den genauen Umfang der Staatsinvestitionen herrscht Unklarheit“, sagt Kern und verweist darauf, dass Staatsfonds ähnlich wie Pensionskassen Investments bei börsennotierten Unternehmen meist unterhalb von meldepflichtigen Schwellen eingehen. Es gibt also gute Gründe anzunehmen, dass die bekannten Beteiligungen der Araber in Deutschland nur die Spitze des Eisbergs sind. Klar scheint lediglich, dass arabische Staatsfonds tenden­ziell eine hohe Aktienquote im Portfolio haben und sich mit Private Equity zurückhalten.

Stattdessen greift der Golfstaat offenbar verstärkt nach Immobilien auch in Deutschland. Nach Erkenntnissen von Jones Lang LaSalle mischen arabische Staatsfonds 2010 bei den Immobilientransaktionen international ganz vorn mit. Katars Investoren hätten „ihre Pendants aus der arabischen Welt“ bei Geschäften mit neuen Immobilienkomplexen hinter sich gelassen, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Jones-Lang-La-Salle-Manager Fadi Moussalli. Bisher haben sich die Scheichs Katars vor allem auf London gestürzt und dort Kaufhäuser, Immobilien und ganze Entwicklungsgesellschaf­ten erworben. Doch Immobilienspezialisten halten künftig Investitionen in Deutschland für wahrscheinlich.

Die Branchenstruktur zeigt, wo­rauf es dem arabischen Energiestaat bei seinen Unternehmensbeteiligun­gen ankommt. Deren Geschäft soll im weitesten Sinn mit der Öl- und Gasindustrie zu tun haben, der Katar seinen wirtschaftlichen Reichtum verdankt. So ist die Fokussierung auf Transport, Automobile und Zulieferer zu erklären. Für die Unternehmen ist das „langfristig orientierte Interesse“ an den Unternehmen nach Aussage des Deutsche-Bank-Experten Kern ein Plus.

Doch Staatsfonds sind keine bequemen Investoren. Seit der Finanzkrise, während derer der Wert ihrer Portfolios deutlich gelitten hatte, setzen die Großaktionäre auf verstärktes Risikomanagement und schauen den Vorständen mehr denn je auf die Finger. Ebenso versuchen sie, ihre ­Risiken breit über Währungsräume und Länder hinweg zu streuen. Der Großteil der milliardenschweren Investitionen wird aber wohl in die Heimatregionen der Fonds fließen.

Diese Entwicklung wird insbesondere in Katar in den kommenden Jahren bis zur WM 2022 wohl kaum zu übersehen sein.

Bildquellen: HeidelbergCement AG

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