aktualisiert: 19.09.2012 12:27
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Neuer Wachstumskurs: Warum Biotech wieder in ist

Immer mehr Medikamente entstehen in Biotech-Labors
Biotechnologie-Investments
Der Hype um Biotechtitel zur ­Jahrtausendwende war verfrüht. Nun scheint der Sektor reif zu sein, die Erwartungen der Anleger zu erfüllen. Die besten Investments.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Kursabstürze, Pleiten und hohe Verluste — Anleger, die um die Jahrtausendwende in Biotechaktien investierten, mussten viel ertragen. Doch vor einiger Zeit hat sich das Bild gewandelt. Biotechunternehmen gehören zu den besten Investments der vergangenen 18 Monate. Schon 2011 lag der Nasdaq-Biotech-Index mit 14,2 Prozent (in Euro) im Plus — gegen den negativen Trend an den Weltbörsen. Seit Anfang des Jahres stieg er gar um 34 Prozent. Und es gibt gute Gründe, warum die Rally noch einige Monate anhalten kann.

Die katastrophale Bilanz der ersten Biotechinvestments legte den Grundstein für die Rally. Denn sie führte dazu, dass die Branche als „verbrannt“ galt. „Betrug Ende 2000 das Volumen von Biotechfonds noch 10,6 Milliarden Euro, schrumpfte es bis Ende 2011 auf knapp zwei Milliarden“, weiß Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des Fondsberaters SJB. Nur auf Basis solcher Verzweiflung wachsen Bullenmärkte.

Hinzu kommt: Die übrig gebliebenen Unternehmen haben solide Geschäftsmodelle und schreiben hohe Gewinne — vor allem in den USA, dem Gesundheitsmarkt der Welt. Das honorieren an der Wall Street auch die Börsianer. Europa hat die Entwicklung dagegen verschlafen. Dort sind die meisten Firmen kleiner und nicht profitabel, was An­leger eher abschreckt.

Die Pipeline ist voll
Die Entwicklung neuer Medikamente machte in den vergangenen Jahren große Fortschritte. 2010 wurden von der US-Zulassungsbehörde FDA 22 Arzneimittel aus Biotech­labors genehmigt, 2011 waren es sogar 35. Auch in den kommenden Jahren rechnen Branchenkenner mit jährlich 30 bis 37 neuen Medikamenten. Zudem ist die Pipeline gut gefüllt. An etwa 7.400 Forschungsprojekten zu neuen Präparaten wird derzeit gearbeitet. Vor allem die Anzahl der Produkte, die in Phase III kommen, nimmt deutlich zu. Das ist für die Unternehmen enorm wichtig. Phase III umfasst die letzten Studien vor der Zulassung. Rund 40 bis 50 Prozent der Medikamente, die so weit kommen, schaffen es auf den Markt und bringen einen ordentlichen Gewinn.

Da neu zugelassene Arzneimittel zehn Jahre lang Patentschutz genießen, werden mit ihnen häufig mehrere Hundert Millionen Euro Umsatz jährlich erzielt. Zunehmend kommen Wirk­stoffe für spezielle Patientengruppen, wie beispielsweise die Träger seltener Erbkrankheiten, auf den Markt. Trotz der überschaubaren Zahl an Patienten spülen diese Präparate Geld in die Kassen der Biotechfirmen, weil die Therapiekosten pro Jahr nicht selten zwischen 50.000 und 300.000 US-Dollar liegen.

Fünf der zehn umsatzstärksten Arzneimittel sind inzwischen biotechnologischen Ursprungs. Das liegt an der Innovationskraft des Sektors, die sich besonders bei Krebsleiden, Alzheimer, Diabetes und Krankheiten des zentralen Nervensystems wie multiple Sklerose oder Parkinson zeigt. Die Pharmabranche hingegen hat zunehmend mit dem Auslaufen von Patenten und der Konkurrenz durch Generikagesellschaften zu kämpfen, was kräftig auf die Erträge drückt. Dieses Jahr laufen beispielsweise Exklusivrechte über 50 Milliarden Dollar aus. Oft verlieren die Pharmagiganten über die Jahre dann 80 Prozent dieser Umsätze.

Neben den Generika- profitieren davon die Biotechfirmen, weil zum einen Krankenkassen bereit sind, die frei gewordenen finanziellen Mittel für innovative, wirksamere Präparate auszugeben. Zum anderen verzeichneten die bürokratisch organisierten Pharmakonzerne in den vergangenen Jahren vermehrt Fehlschläge bei Neuentwicklungen und haben wenig Produkte in der Pipeline. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als mit Biotechs zu kooperieren, die hierfür oft gute Kondi­tionen für sich herausschlagen.

Hohe Prämien bei Übernahmen Immer öfter übernehmen große Pharmariesen auch Biotechfirmen gleich ganz, mit hohen Prämien auf den Aktienkurs. Das war zuletzt einer der Faktoren, die die Kurse trieben. So zahlte Gilead Sciences fast 90 Prozent Aufschlag auf den Börsenwert von Pharmasset, das Hepatitis-C-Wirkstoffe entwickelt. Bristol-Myers Squibb legte für die Biotechfirma Inhibitex sogar 126 Prozent Prämie hin. Skeptiker warnen vor einer Preisblase. Dem widerspricht Christian Lach von Adamant Biomedical Investments in Zürich. „Die Aufschläge zum Aktienkurs liegen im Schnitt bei 40 bis 50 Prozent. Das ist nicht überzogen“, sagt der Schweizer. Er ist weiterhin optimistisch, was Aktien dieses Sektors anbelangt. Nicht zuletzt aus regulatorischen Gründen und wegen politischem Rückenwind. Sowohl Barack Obama als auch Mitt Romney haben die Branche als einen der wenigen US-Wachstumssektoren ausgemacht. Mit einer Start-up-Initiative sollen neue Arbeitsplätze entstehen. Fördergelder und Steuervorteile sind im Gespräch. Zudem hat die FDA Anweisung, die Zulassungsverfahren zu verkürzen und rascher zu prüfen, weshalb künftig wohl pro Jahr mehr Präparate zugelassen werden. Ob das auf Kosten der Sicherheit geht, ist abzuwarten.

Lach sieht trotz der Hausse noch keine übertriebene Bewertung. „Die fundamentale Lage ist angesichts der hervorragenden Wachstumsaussichten der Unternehmen gesund“, meint er. Zudem dürfte der Trend anhalten, dass Anleger große Biotechfirmen als Ersatz für Pharma­titel, die kaum Fantasie bieten, ins defensive Aktiendepot aufnehmen.
Das war auch in den Augen von Harald Schwarz, Manager des Me­dical-BioHealth-Trends-Fonds, ein wichtiger Grund dafür, dass 2011 und 2012 viel Kapital in den Sektor floss. „Viel bedeutender noch waren aber die Eurokrise und die unsicheren weltwirtschaftlichen Aussichten, die dazu führten, dass Anleger in US-Aktien umschichteten“, meint er. Sie bevorzugten bei Wachstumsbranchen Bio­tech, da der Sektor relativ konjunkturunabhängig sei.

Das berge aber auch eine Gefahr: „Beruhigt sich die Eurokrise, könnten Biotechtitel korrigieren.“ Zumal die großen Biotechs, die die höchsten Gewinne erzielten, mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 20 für 2013 nicht mehr günstig seien. Laut dem Analysehaus Bernstein Research ist der Sektor der fünftteuerste an der US-Börse.
Kritisch sieht Fondsmanager Schwarz auch, dass ab 2015 die Biotechriesen genauso wie in der Vergangenheit ihre Pharma-Pendants mit preiswerten Nachahmerpräparaten rechnen müssen. „Das wird der Markt spätestens 2014 realisieren“, sagt er.

Im Herbst positiver Newsflow
Kurzfristig glaubt er aber ebenso wie Lach, dass die Rally bei großen Biotechaktien weiterläuft. Dafür sorge die Tatsache, dass im Herbst viele Biotechkonferenzen stattfinden, was traditionell aufgrund positiver Nachrichten den Titeln Auftrieb gebe. Beide Profis sind sich ­einig darin, dass mittelfristig die kleineren und mittelgroßen Unternehmen des Sektors attraktiv sind. Sie stiegen in der Rally nicht so stark und haben noch Nachholpotenzial. So verloren mittlere Werte mit Kapitalisierung von 500 Millionen bis einer Milliarde US-Dollar im Vorjahr in Euro im Schnitt 16,1 Prozent und konnten 2012 bisher nur um 15,3 Prozent klettern — weit weniger als der Nasdaq-Biotech-Index.

„Überdies entwickeln die kleineren Firmen die innovativen Präparate, die die Branchenführer suchen“, so Schwarz. Sie sind aber viel volatiler und oft auf nur ein oder zwei Arzneimittel fokussiert. Floppt eines, stürzt die Aktie ab. Daher gilt bei Biotech noch mehr als bei anderen Sektoren: streuen, streuen, streuen. Dazu bieten sich Fonds und Zertifikate an.

Investor-Info

Medical Biohealth-Trends
Auf die zweite Reihe setzen

Vorwiegend auf mittlere und kleine Titel konzen­triert sich der Fonds Medical BioHealth-Trends von Medical Strategy. Nur zehn Prozent des Kapitals stecken in Large Caps, zu mehr als 80 Prozent investiert Portfoliomanager Harald Schwarz in Biotech­titel, der Rest sind Medizintechnikaktien. Langfristig hat der Fonds den Nasdaq-Biotech-Index klar geschlagen, in den vergangenen zwei Jahren hinkt er ihm wegen seiner Fokussierung auf kleinere Werte aber deutlich hinterher. Sollte sich ein Wechsel von hoch bewerteten Biotech-Bluechips hin zu mittleren und kleineren Titeln vollziehen, dürfte der Fonds wieder aufholen. Europäische Titel sind mit rund 30 Prozent vertreten, der Rest sind US-Aktien. Die Jahresgebühr beträgt 1,7 Prozent plus 15 Prozent Erfolgsbeteiligung, wenn der Fonds im Halbjahr mehr als 2,5 Prozent Kursgewinn erzielt. 

Lacuna Biotech Fonds
Mix aus Groß und Mittel

Der von der Züricher Adamant Biomedical gemanagte reine Biotechfonds investiert etwa zur Hälfte in Branchenriesen und zur Hälfte in Mid Caps. Seit Januar hinkt er hinter dem Nasdaq-Biotech-Index leicht, auf Dreijahressicht deutlich hinterher. Er ist für Anleger interessant, die große und mittleren Biotechtitel mixen wollen. Dank hohen Anteils an großen Firmen hält sich die Volatilität im Rahmen, trotzdem besteht die Chance auf Gewinne mit Mid Caps. Zu 97 Prozent wird in den USA angelegt. Die Jahresgebühr beträgt 1,75 Prozent. Nachteilig für Anleger ist die Art der Erfolgsbeteiligung. Schon bei Kursgewinnen von mehr als einem Prozent im Quartal fällt diese in Höhe von 15 Prozent an. 

Zertifikat
Er läuft und läuft und läuft

Seit zwei Jahren geht es mit dem Nasdaq-Biotech-Index richtig steil aufwärts. Verantwortlich dafür sind vor allem die zehn größten Positionen in der 116 Werte umfassenden Benchmark, die den Index mit 55 Prozent Anteil dominieren. Viele der Large Biotechs brachten neue, umsatzstarke Medikamente heraus, was deren Kurse teilweise explodieren ließ. Spitzenpositionen sind Alexion Pharma, Amgen, ­Regeneron, Gilead Sciences und Celgene. Das Barometer ist marktkapitalisierungsgewichtet. Mit dem RBS-Zertifikat auf den Nasdaq-Biotech-Index spekulieren Anleger darauf, dass die Rally sich fortsetzt. Die Jahresgebühr beträgt 0,75 Prozent, und auch die niedrigen Dividenden von knapp 0,5 Prozent werden vom Emittenten einbehalten.

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