15.01.2013 16:00
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Nokia: Lebenszeichen aus dem Norden

Nokia: Lebenszeichen aus dem Norden
Comeback möglich
2013 ist das Jahr der Entscheidung für den Krisenkonzern. Der Start ist dank guter Verkaufszahlen gelungen. Das treibt den Aktienkurs.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Nokia lebt. Der finnische Konzern hat mit seiner Handy­sparte im Schlussquartal 2012 voraussichtlich schwarze Zahlen geschrieben. Die operative Marge liege zwischen null und zwei Prozent, meldete der Konzern. Was für die Branchenriesen Samsung und Apple eine Selbstverständlichkeit ist, gilt bei Nokia als eine Sensation. Die Aktie legte aus dem Stand um fast 20 Prozent zu.

Um diesen Kurssprung zu verstehen, muss man einfach nur auf frühere Geschäftszahlen schauen: Über die vergangenen zwei Jahre hatte der einstige Weltmarktführer fast fünf Milliarden Euro Verlust aufgetürmt und damit ernsthafte Zweifel an seiner Überlebensfähigkeit geschürt.
Jetzt machen sich Kostensenkungen und die Einführung neuer Handymodelle offenbar bezahlt. Auch die Netzwerksparte hat sich besser entwickelt als erwartet. Als positives Signal werten Analysten vor allem die Verkaufszahlen des neuen Flaggschiffhandys Lumia. Von Oktober bis Dezember hat Nokia nach eigenen Angaben 4,4 Millionen Stück seines bunten Smartphones verkauft, ein Plus von über 50 Prozent zum dritten Quartal.

Nachdem Nokia die Entwicklung vom schlichten Mobiltelefon zum intelligenten Multifunktionsgerät komplett verschlafen hatte, soll das Lumia den Konzern zu einem ernsthaften Rivalen der Marktführer Samsung und Apple machen. Konzernchef Stephen Elop hat ­Nokias eigenes Handy-Betriebssystem Symbian praktisch aufgegeben und koppelt die Zukunft Nokias an Microsofts Handyversion von Windows. Zugleich hat Elop mehr als 20.000 Jobs gestrichen und Produktionsstätten geschlossen, um die Kosten zu senken.

Positiver Pessimismus
Über den Berg ist der Krisenkonzern damit aber noch nicht: Für das erste Quartal erwartet Nokia für seine Handy­sparte wegen saisonaler Effekte und verschärftem Wettbewerb bereits wieder negative Margen. Sorgen bereitet zudem die schrumpfende Bargeldreserve. Über die vergangenen fünf Jahre hat sich der Betrag bis Ende September auf 3,6 Milliarden Euro halbiert.

Gemessen an Samsung und Apple sind die Ergebnisse von Nokia noch immer spärlich. Samsung etwa hat gerade einen operativen Quartalsgewinn von 8,3 Milliarden Dollar vermeldet. Knapp zwei Drittel davon kommen laut Analystenschätzungen aus der Handysparte. Nokia verkauft zwar noch immer viele Geräte, die meisten davon aber aus dem Billigsegment. Nach Berechnung von Analysten ist der Marktanteil der Finnen im Smartphone-Segment von einst mehr als 50 auf vier Prozent geschmolzen. Viele Investmentprofis sehen die Zukunft der Finnen weiterhin kritisch. Nur 15 von 48 Analysten geben eine Kaufempfehlung für Nokia ab. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 2,58 Euro, deutlich unter dem aktuellen Kurs.

Der Pessimismus kann durchaus positiv für den Aktienkurs sein, da die Erwartungen entsprechend niedrig sind. Für das laufende Jahr sieht die Konsensschätzung, also der Durchschnitt aller Prognosen, Nokia weiterhin in der Verlustzone. Der Trend der Schätzungen zeigt aber leicht nach oben. Die jüngste Ergebnismeldung des Konzerns könnte den Konsens weiter nach oben schieben. Das müsste dem Aktienkurs helfen.

Zahlreiche Patente
Beachtenswert ist auch der positive Trend der Netzwerksparte Nokia Siemens: Ein nachhaltiger Turnaround könnte den Weg bereiten für einen Verkauf der Sparte. Das würde nicht nur Geld in die Kasse bringen, sondern auch wieder Übernahmefantasie schüren —Nokia könnte allein schon wegen zahlreicher Patente Käufer anziehen.

Die Redaktion hat die Nokia-Aktie lange negativ beurteilt, vor zwei Jahren aber als Turnaroundspekulation erstmals wieder empfohlen. Damit waren wir eindeutig zu früh. Auch jetzt bleibt Nokia eine riskante Wette auf ein Comeback. Der Aktienkurs dürfte weiterhin stark schwanken. Konservative Anleger sollten lieber auf Samsung setzen.

Bildquellen: Nokia
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13:16 UhrNokia overweightJP Morgan Chase & Co.
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