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05.11.2010 06:00

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ERNEUERBARE ENERGIEN

Windkraft: Welche Aktien das Rennen machen

Nordex zu myNews hinzufügen Was ist das?



Europas Staaten haben erstmals konkrete Pläne für den Ausbau grüner Energien vorgelegt
Die EU-Länder haben festgelegt, wie sie in Zukunft sauberen Strom erzeugen wollen. Speziell die Windenergie darf mit Rückenwind rechnen.

von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Selbst bei gutem Wetter sind sie kaum zu sehen: Knapp über dem Horizont der Ostsee recken sich die zehn weißen Windmühlen in die klare Luft und drehen ihre Flügel. Aus der Ferne wirken sie wie Spielzeug. Seit 2003 sorgt der Windpark Samsö vor der Nordküste der dänischen Insel Fünen für grünen Strom und zählt damit zu den ersten Offshorewindparks der Welt.

Doch auch wenn er nur vier Kilometer von der Heimatinsel des Märchendichters Hans-Christian Andersen entfernt steht, von einem Märchen kann im Fall der dänischen Windkraft längst keine Rede mehr sein. Der einstige Weltmarktführer rangiert selbst in Europa nur noch unter „ferner liefen“. Der Pioniergeist der Dänen hat sich indes nachhaltig über den gesamten Kontinent ausgebreitet. Immer mehr Länder setzen in Sachen grüner Strom auf die rotierenden Riesen.

Weiteren Rückenwind erhält die Branche jetzt von neuen Plänen der Politik. Denn 23 der 27 EU-Staaten haben in den vergangenen Wochen so ausführliche und detaillierte Ausbaupläne zur Förderung regenerativer Energien bis 2020 vorgelegt wie noch nie. Diese „Nationalen Aktionspläne“ gehen auf eine Anordnung der EU-Kommission zur Durchsetzung des Klimaschutzziels der Gemeinschaft zurück. Damit verpflichtet die Kommission jedes Land darauf, seinen Beitrag zu leisten, um 2020 mit grünen Energien mindestens 20 Prozent des Energieverbrauchs der EU zu decken. Noch liegt die Quote EU-weit bei der Hälfte.

Eine Analyse der Aktionspläne durch €uro am Sonntag zeigt, dass neben der Biomasse insbesondere die Wind- und Solarenergie mit großen Zuwächsen rechnen können. So planen die 23 Staaten, ihre Windkraftkapazitäten von derzeit 82 Giga­watt (GW) bis 2020 um mehr als 150 Prozent auf 208 GW auszubauen.
Selbst klamme Staaten wie Groß­britannien machen trotz Krise Ernst mit dem Ökostrom und haben ihre Versorger zu einem Ausbau verpflichtet. Das Ziel einer Versieben­fachung der Windkapazitäten auf 28 GW ist deshalb mehr als ein Lippenbekenntnis. Insgesamt kommt allein auf die Windkraftanlagenbauer durch die neuen EU-Vorhaben ein Marktvolumen von deutlich über 100 Milliarden Euro zu.

Für die Branche sind das gute Nachrichten. Denn 2009 und 2010 waren von Finanzierungsengpässen und Überkapazitäten geprägt. „Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Windkraft von einem Anbieter- zu einem Käufermarkt gewandelt“, sagt HSH-Nordbank-Analyst Arndt Krakau. Galten 2008 noch Lieferzeiten von mehr als einem Jahr, werden die Maschinen heute binnen weniger Wochen ausgeliefert. 2010 rechnet die Bank mit einem Rückgang des internationalen Windkraftanlagenbauvolumens um acht Prozent auf 35 GW. Das liegt zwar vor allem am Einbruch in den USA, aber auch in Europa stag­nieren die Neuinstallationen bei gut zehn GW. Entsprechend kräftig gingen auch die Aktienkurse der Windturbinenbauer im laufenden Jahr in die Knie. Doch die geschundenen ­Anleger haben Grund zur Hoffnung: Schon 2011 soll der Markt nach HSH-Nordbank-Prognose in Europa wieder um 25 Prozent auf 13,8 GW steigen.

Dafür sieht Krakau mehrere Gründe. Waren es früher vor allem wenige große Märkte, in die die Turbinenbauer ihre Anlagen verkauften, wie Dänemark, Deutschland, Spanien und Großbritannien, so können sie künftig mit einer breiteren Nachfrage aus ganz Europa rechnen. Machen osteuropäische Länder wie Rumänien oder Bulgarien, wo bisher Windstille herrscht, mit ihren Plänen Ernst, locken künftig jährlich dreistellige Millionenumsätze. Auch Finnland, Schweden und Irland wollen mehrere Tausend Anlagen neu ­installieren. Und selbst in kleineren Staaten wie Lettland, Litauen und der Slowakei kann die Branche mit lukra­tiven Großaufträgen rechnen.
Als Investoren stehen Geschlossene Fonds, Versicherungen oder Infrastrukturunternehmen bereit, um die Pläne der Politik umzusetzen. Für nachhaltige Investments besteht am Kapitalmarkt eine steigende Nachfrage. Außerdem werden nationale und globale Energieversorger ihr Engagement für saubere Kapa­zitäten aus betriebswirtschaftlichen Gründen verstärken.


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Denn ab 2013 wird für sie der Ausstoß von Kohlendioxid aus ihren Kohle- und Gaskraftwerken deutlich teurer. Ab diesem Zeitpunkt werden die Emissionszertifikate, die zur Freisetzung des Treibhausgases berechtigen, nicht mehr kostenlos durch die EU-Staaten ausgegeben. Kein Wunder, dass Versorger mit einer Vielzahl großer Kohlekraftwerke in Europa wie die schwedische Vattenfall nach grünen Alternativen Ausschau halten. Eine Ausnahme­situation besteht allerdings in Deutschland. Durch die Verlängerung der Laufzeiten der CO2-freien Kernkraftwerke ist die gute Klimabilanz der Versorger für die nächsten Jahre gesichert. Das erklärt, warum etwa der Essener Stromriese RWE seine Investitionen in regenerative Energien nicht weiter steigern will.

Dafür investieren europäische ­Wett­bewerber umso mehr. Iberdrola Renovables, eine Tochter des spani­schen Strom- und Gaskonzerns Iberdrola, ist mit zwölf GW installierter Leistung – davon zwei Drittel in Europa – weltweit der größte Produzent von Windstrom und will diese Position weiter ausbauen. Im jüngsten Quartalsbericht nennt das Unternehmen eine langfristige Projektpipeline von 62 GW. Konkret verfolgt es in Europa Projekte mit mehreren Tausend Megawatt.
Auch der Grünstromversorger EDP Renovaveis, eine Tochter des portugiesischen Stromriesen EDP, expandiert. In den nächsten Jahren will Europas Nummer 3 ihre Windstromkapazitäten von rund 3500 MW mehr als verdoppeln. In diesem lu­kra­tiven Geschäft mischt auch Enel Green Power mit, die Ökostromtochter des italienischen Versorgers Enel, die Anfang November den Schritt an die Börse wagen will. Mit bis zu 3,4 Milliarden Euro Emissionserlös wird es der größte Börsengang in Europa drei Jahre nach Iberdrola Renovables sein.

Die Windturbinenbauer litten dagegen an Überkapazitäten auf dem Markt. Weltmarktführer Vestas etwa hatte in den ersten beiden Quartalen 2010 einen Verlust von 0,99 Euro je Aktie angehäuft, auch Wettbewerber wie die deutsche Nordex und die spanische Gamesa gerieten ins Straucheln. Gamesas Bruttogewinn (Ebit) sackte um die Hälfte ab, Nordex’ um 25 Prozent. Die Umsätze waren sogar um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Doch diese schweren Zeiten scheinen sich dem Ende zu nähern. So sieht das japanische Analysehaus Nomura in einer aktuellen Studie den Tiefpunkt der Branche erreicht. Ein Beleg ist der anziehende Auftragseingang bei den Lieferanten.

So vermeldete der Hamburger Windkraftanlagenbauer Repower für die Monate April bis September zwar einen Umsatzrückgang von 18 Prozent, dafür aber ein Auftragswachstum von 60 Prozent. Die UBS erwartet beim dänischen Weltmarktführer Vestas im vierten Quartal einen kräftigen Turnaround. Zum dritten Quartal war der Weltmarktführer in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt, schockte die Börse aber mit der Aussage, dass der Markt schwierig bleibe.

Dass die Margen trotz Wachstums in Europa weiterhin unter Druck stehen werden, hat mit der angespannten Finanzlage der öffentlichen Kassen zu tun. Die Zeiten üppiger staatlicher Subventionen sind vorbei. „Der Kostendruck hält an“, sagt Christoph Aubin-Nury, Manager des Green-Energy-Funds der Investmentgesellschaft Hathor Capital. So enttäuschte etwa Gamesa die Analysten bei Vorstellung des Businessplans 2011 bis 2013 mit der geplan­ten Ebit-Marge von sechs bis sieben Prozent. Und auch in Norderstedt beim drittgrößten deutschen Turbinen­bauer, Nordex, herrscht Zurückhaltung. „Die Perspektiven hellen sich auf“, sagt Sprecher Ralf Peters. Doch noch sei es zu früh, in Jubel auszubre­chen, da die Pläne der EU-Staaten erst noch umgesetzt werden müssten.
Und auch die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung neuer Windparks ist noch nicht vorbei, obwohl sich die Lage laut Peters verbessere. „Der hohe Finanzbedarf und die Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe werden die Konsolidierung der Branche vorantreiben“, prognostiziert Fondsmanager Aubin-Nury. Und UBS-Analyst Patrick Hummel ergänzt: „Insbesondere asiatische Unternehmen könnten mittelfristig Interesse an Windkraft-Know-how aus Europa haben, um hier Fuß zu fassen.“
Vor diesem Hintergrund sind auch die Bewegungen im Aktionärskreis von Nordex und Gamesa zu verstehen. Die Großaktionäre Klatten bei Nordex sowie Iberdrola bei Gamesa haben im laufenden Jahr ihre Beteiligungen auf 25 und 15 Prozent ausgebaut und verbessern damit ihre Positionen für etwaige Offerten. Bei Repower ist die Situation anders. Der indische Mehrheitsgesellschafter Suzlon könnte Teile seines Aktien­pakets wegen eigener finanzieller Engpässe verkaufen wollen.

Bildquellen: BMU/H.-G. Oed
Seite: 12

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Kommentare zu diesem Artikel

khaproperty schrieb:
05.11.2010 17:03:51

Die Spargel versauen Landschaft, Stromkosten und Charakter der zu Schmarotzern verkommenen Investoren. Außer riesigen unnötigen Kosten produzieren sie nichts.

ING_Immerwieder schrieb:
05.11.2010 11:22:27

Sehr schön, dann war es ja richtig Nordex bei 6,25 zu kaufen !

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