Rumänien: Zurück im Kreis der Besten
15.06.16 17:30 Uhr

Das EU-Mitglied hat sich von der Finanzkrise erholt und seine Staatsfinanzen saniert. Auch die Wirtschaft läuft prächtig.
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von J. Billina und E. Eder, Euro am Sonntag
Das Eröffnungsspiel zur Fußball-Europameisterschaft gegen Frankreich rückte das sonst eher unauffällige Land Rumänien kurzzeitig in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Erstmals seit 2008 konnte sich die Karpaten-Elf wieder für ein großes Turnier qualifizieren. Es geht also wieder aufwärts mit dem Fußball des Balkanstaats. Die Parallelen zur Wirtschaft sind unübersehbar.
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Nach der Finanzkrise im Jahr 2009 wies Rumäniens Staatshaushalt nämlich ein dickes Minus auf. Die Gesamtverschuldung war damals auf 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Nur mit einem Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar konnte eine drohende Staatspleite verhindert werden. Im Gegenzug verlangte der IWF aber eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und drastische Sparmaßnahmen.
Das Anpassungsprogramm wirkte: Ende 2015 betrug das Haushaltsdefizit nur noch 1,50 Prozent, die Schuldenrate war auf 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Das Land zählt damit bezüglich der Staatsfinanzen wieder zum Kreis der Besten in Europa, genauso wie die Fußball-Nationalmannschaft.
Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody’s ist Rumänien mittlerweile gut gegen globale Finanzkrisen geschützt. Moody’s erhöhte im Dezember den Ausblick der mit "Baa3" eingestuften Anleihen von "stabil" auf "positiv". Dass die Amerikaner in den kommenden Monaten auch die Bonitätsnote verbessern werden, ist aber unwahrscheinlich. Da Rumänien keine weiteren IWF-Finanzspritzen benötigt, ist die seit November 2015 und bis zu den Parlamentswahlen im Spätherbst dieses Jahres amtierende Expertenregierung von Ministerpräsident Dacian Ciolos in ihren Budgetentscheidungen unabhängig.
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Die neue Freiheit wird genutzt. So kürzte die Regierung im Januar die Umsatzsteuer um vier Prozentpunkte auf 20 Prozent und erhöhte den Mindestlohn um 19 Prozent. Auch will sie die Gehälter im öffentlichen Dienst erhöhen.
Kräftiger Aufschwung
Anleiheinvestoren brauchen dennoch nicht nervös zu werden. Ein erneuter kräftiger Anstieg der Verschuldung ist nicht zu befürchten. Die Maßnahmen treiben die Binnennachfrage. In diesem Jahr wird die Wirtschaft wohl um 4,2 Prozent zulegen. Damit ist der Balkanstaat eines der am stärksten wachsenden Länder in der EU.Im Zuge des Aufschwungs sollten die Steuereinnahmen steigen. Zudem dürften ausgewanderte Rumänen wieder stärker motiviert sein, in ihr Heimatland zurückzukehren. Auch davon wird der Staatshaushalt wohl profitieren.
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