Nicht jede Goldanlage bringt GewinnViele Anleger setzen auf den Kauf von Gold, um ihr Vermögen zu sichern. Aus Investmentsicht ist das aber nur bei großem Kapitaleinsatz sinnvoll. Physisch hinterlegte Papiere können eine Alternative sein.
von Oliver Ristau, €uro am Sonntag
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen steht der Besitz von Gold hoch im Kurs. Doch nicht in jedem Fall rechnet sich der Kauf des Edelmetalls. Wer zum Beispiel auf einen üppigen Wertzuwachs bei seinen goldenen Eheringen hofft, dürfte in der Regel enttäuscht werden. Nicht nur, dass es die Harmonie in der Ehe empfindlich stören könnte, wenn die monetäre Motivation offenkundig wird, auch ist die Wertentwicklung von neu erworbenem Goldschmuck mehr als dürftig.
Kostete etwa ein Ring aus 750er-Gold mit einem Gewicht von 12,5 Gramm im Jahr 2004 rund 400 Euro, bieten Goldankäufer für ein solches Stück aktuell kaum mehr als 270 Euro. Und das, obwohl sich der Goldpreis in der Zwischenzeit fast vervierfacht hat.
Wer dennoch Schmuck zu Geld machen will, der sollte sich an einen seriösen Edelmetallhändler oder sogenannte Scheideanstalten wenden. Letztere schmelzen Altgold auf und können damit den Gehalt der vorhandenen Edelmetalle exakt bestimmen. „Juweliere zahlen nur 50 Prozent des Werts, weil sie nicht genau wissen, wie sich der Schmuck zusammensetzt“, erklärt David Reymann, Vertriebschef beim Edelmetallhändler Pro Aurum. Bei den An- und Verkaufsläden für Gold, die in den Großstädten aus dem Boden schießen, bekommt man sogar teils nur ein Drittel. Das Münchner Unternehmen dagegen bietet den Kunden neben der kostenfreien Analyse des Schmucks für jedes Gramm Gold den aktuellen Spot-Preis abzüglich 15 Prozent. Das ist mehr als bei manchen Banken.
Für Anleger, die sich am Wert des Edelmetalls dauerhaft erfreuen wollen, kommt nur eine Investition in Münzen oder Barren infrage. Dabei kommt dem Volumen eine entscheidende Rolle zu. „Wer möglichst viel Gold für sein Geld erhalten möchte, sollte kleine Stückelungen meiden“, empfiehlt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). „Bei Einheiten von einem Gramm beträgt der Aufschlag auf den Goldpreis wegen der Herstellungskosten 30 bis 40 Prozent“, ergänzt Reymann. Bei einem Barren mit einer Unze (31,1 Gramm) sind es fünf bis sieben, bei einem Kilogramm nur noch ein bis drei Prozent.
Bei Münzen sieht das nicht anders aus. Investoren, die eine Goldmünze bekannter Prägung wie zum Beispiel Krügerrand mit einem Goldgehalt von einer Unze kaufen, zahlen rund 14 Prozent weniger als für zehn kleine Krügerrand-Münzen, die zusammen über genau den gleichen Goldgehalt verfügen. Bei kleineren Stücken ist außerdem die Spanne zwischen Brief- und Geldkursen erheblich breiter.
Wer etwa einen Feingoldbarren zu einem Gramm beim Hamburger Anbieter Goldkontor erwirbt, bezahlt dafür derzeit 43,75 Euro. Verkäufer erhalten hingegen nur 34,50 Euro. Als Wertanlage eignen sich solche Goldkäufe kaum. Denn erst wenn der Goldpreis auf über 1900 Dollar steigt, hätte sich das Geschäft bezahlt gemacht (vorausgesetzt, die US-Währung bleibt stabil). „Diese Größenordnungen fallen eher in den Geschenke- denn in den Anlagebereich“, sagt Reymann.Interessant wird es ab einer Unze, die derzeit 1070 Euro kostet. Dann sinken die Spannen zwischen Verkauf und Ankauf auf vier Prozent. Beim Kilobarren sind es nur noch anderthalb Prozent. Dann ist allerdings ein Kapitaleinsatz von aktuell mehr als 34.000 Euro nötig.
Edelmetallprofi Reymann empfiehlt Anlegern außerdem, auf Qualitätssiegel zu achten, wenn sie Gold kaufen. Denn: „Markenware verfügt über eine deutlich höhere Handelsfähigkeit.“ Das wichtigste Zertifikat ist das der London Bullion Market Association (LBMA). Bei Goldbarren ohne dieses Prüfsiegel müssen sich Verkäufer entweder mit einem Preisabschlag oder einer kostenaufwendigen Analyse abfinden – auch wenn das Gold, so Reymann, „chemisch nicht anders sein mag“.
Doch viele Investoren setzen beim Kauf von physischem Gold sowieso weniger auf die Aussicht künftiger Gewinne als auf Sicherung des bestehenden Vermögens. „Der Vorteil physischen Goldbesitzes ist, frei von den Entwicklungen in der Finanzwirtschaft zu sein“, betont Wilhelm Peinemann. Der selbstständige Kaufmann und frühere Anlageberater erwirbt seit sieben Jahren mit seiner Vermögensbetreuungsfirma Edelmetallbestände im Auftrag privater Investoren. Die lagert er dann an verschiedenen Standorten ein, unter anderem in den Tresoren einer ehemaligen Göttinger Sparkasse.
Nachdem Peinemanns Vermögensbetreuung zuletzt vor allem den Stamminvestoren zur Seite stand, will der Anlageberater seine Firma bald wieder für neue Kunden öffnen. „Das Interesse an physischem Gold ist groß“, stellt er fest. Die Telefone seiner kleinen Firma stehen kaum still. Potenzielle Investoren reizt die Einkaufsposition Peinemanns. „Je dichter ein Käufer an der Goldgewinnung dran ist, desto kleiner werden die Geld-Brief-Spannen“, erklärt er.
„Als Einkaufsgemeinschaft können wir das Gold direkt beim Hersteller erwerben und damit deutliche Preisvorteile erzielen.“ Peinemann zählt zu den Kunden des belgischen Gold- und Metallproduzenten Umicore. „Um im Fall eines Kollapses des Finanzsystems das Vermögen zu wahren, machen nur Investitionen in physische Bestände Sinn, auf die die Anleger auch Zugriff haben.“ Dagegen ist Peinemann bei Anlagen, die lediglich in Papierform in physisches Gold investieren, vorsichtig. „Damit holt man sich andere Risiken ins Depot.“
Dennoch können Investments in börsennotierte Indexfonds, kurz ETFs, für manche Anleger maßgeschneidert sein. Denn ein Einstieg ist schon mit kleinen Beträgen möglich, ohne dass hohe Geld-Brief-Spannen den Einsatz von vornherein schmälern. Doch die Auswahl ist nicht leicht, wenn es um die Frage geht, wie viel Gold tatsächlich hinter einer solchen Investition steckt. Anleger müssen Prospekte genau unter die Lupe nehmen, empfiehlt Detlef Glow vom Fondsanalysehaus Lipper. Denn die Frage nach der physischen Erfüllung „handhaben alle anders“.
Bei den Exchange Traded Funds (ETFs) sind tatsächlich nur bei Anbietern aus der Schweiz physische Goldbestände hinterlegt. „Denn bei physischer Hinterlegung dürfen ETFs in Deutschland nicht beworben werden“, erklärt Glow. Zu kaufen sind sie trotzdem, aber nur über die Schweiz. Das, so Glow, sei kein Problem, sofern die Angebote steuertransparent seien. „Das ist bei den meisten Anbietern der Fall.“ Von 114 in Europa erhältlichen Commodity-ETF-Produkten stammen mehr als die Hälfte aus der Schweiz.
Bei anderen Gold-ETFs, die einem Edelmetallindex mit Schwerpunkt Gold folgen, besteht in der Regel keine Verpflichtung zur physischen Lieferung. Anders ist das bei Exchange Traded Commodities (ETCs), die sich entweder an einem Korb verschiedener Edelmetalle oder ausschließlich am Gold orientieren. Hier lagern die Bestände tatsächlich in den Tresoren der Depotbanken.
Doch der Teufel steckt wie immer im Detail. Denn beim Anleger verbleibt das Emittentenrisiko. Fällt der Emittent eines Goldpapiers wegen Insolvenz aus, kann es passieren, dass der Zugriff auf die Ware schwierig wird. „Daneben ist der Ort der Auszahlungsstellen von zentraler Bedeutung“, sagt Glow. So nutzt es deutschen Investoren wenig, wenn sie ihr Gold in den USA oder Tokio abholen müssen. Angesichts der Reisekosten wäre selbst die Investition in Goldringe die bessere Alternative.
Investor-Info
Goldmünzen
Eine runde Sache
Münzen bieten Anlegern die einfachste Möglichkeit, Gold zu kaufen, das sich jederzeit wieder veräußern lässt. Die gängigsten Prägungen sind American Eagle, Britannia, Krügerrand, Maple Leaf, Nugget und Philharmoniker. Diese Bullion-Münzen verfügen über einen garantiert hohen Feingoldgehalt und repräsentieren mit einem geringen Aufschlag das gegenwärtige Goldpreisniveau. Im Verkaufsfall von Vorteil sind Münzen wie Krügerrand und Maple Leaf, deren Erscheinungsbild sich seit der ersten Prägung kaum verändert hat. Die Münzen sollten nur bei seriösen Edelmetallhäusern oder Banken bezogen werden, um Fälschungen auszuschließen. Auf Plattformen wie Ebay werden teils zu hohe Preise verlangt.
Xetra-Gold-ETC
Gramm für Gramm
Das umsatzstarke ETC-Papier aus Frankfurt ist mit Gold physisch besichert und folgt der Wertentwicklung des Edelmetalls an den Rohstoffbörsen. Die Deutsche Börse garantiert als Emittent den Anspruch der Anleger auf die physische Lieferung von Gold an die depotführenden Banken. Jede Schuldverschreibung repräsentiert dabei ein Gramm des Edelmetalls und ist damit auch für Investoren mit schmalem Geldbeutel interessant. Wegen des hohen Handelsvolumens ist die Geld-Brief-Spanne gering. Das in Euro notierte Papier ist allerdings Wechselkursrisiken ausgesetzt, da Gold in Dollar abgerechnet wird.
ZKB-ETF
Schweizer Gold
Der Gold-Indexfonds der Zürcher Kantonalbank, kurz ZKB, investiert in physisches Gold, das sich Anleger jederzeit für eine Gebühr von 0,2 Prozent ausliefern lassen können. Mit einer Rücknahmegebühr von einem Prozent ist er zudem günstiger als andere Gold-ETFs aus der Schweiz. Bei der Anlage kann zwischen vier verschiedenen Währungen (Dollar, Euro, Franken, Pfund) gewählt werden. Ein Fondsanteil entspricht in etwa dem Wert einer Unze Gold. Laut Geschäftsbericht besaß der Fonds per 30. September 184.000 Goldbarren zu je 12,5 Kilogramm. Anteile können nur über die Schweizer Bank direkt oder eine Schweizer Börse gekauft werden. Da der Fonds seine Besteuerungsgrundlagen im Bundesanzeiger veröffentlicht, ist er steuerlich transparent.
Bildquellen: Creativ Collection