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aktualisiert: 23.01.2016 20:49
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Pharma & Biotech: Das sind die besten Aktien!

Euro am Sonntag-Titel
Kein anderes Börsensegment entwickelte sich zuletzt so ­erfolgreich. Drei Experten verraten, wo die größten Chancen liegen.
€uro am Sonntag

von Julia Groß, Euro am Sonntag

Etwas Smalltalk in der Lobby - in San Francisco konnte das vergangene Woche sehr schnell sehr teuer werden. Im Hotel Nikko wurden für die Lounge-Sessel 35 Dollar pro Person und Stunde verlangt. Das Marriot kassierte für Tische im Foyer 80 Dollar pro Stunde.



Bezahlen sollten die Gäste der JP-Morgan-Healthcare-Konferenz, eines gigantischen Schaulaufens der Gesundheitsbranche, das Vorstandschefs und Investmentbanker aus der ganzen Welt nach Kalifornien lockt. Dass die es sich leisten können, denken Hotelmanager nicht ganz zu Unrecht: An der Börse hat sich in den vergangenen Jahren kein anderer Sektor so fulminant entwickelt wie Biotech, Pharma und Co. Der Nasdaq Biotechnology Index erzielte seit 2011 mehr als die dreifache Rendite des S & P 500. Selbst der breiter gestreute MSCI World Healthcare lag immer noch 50 Prozent über dem Index der 500 größten amerikanischen Unternehmen.

Ein Grund dafür ist der Siegeszug der Biotechnologie. Die Anwendung von Erkenntnissen aus der Genomforschung, das Verständnis für grundlegende Mechanismen vieler Krankheiten hat einen beispiellosen Innovationsschub gebracht. Aids, Hepatitis C oder manche Krebsarten sind behandel- oder sogar heilbar geworden. Dazu kommen grundlegende globale Trends wie die demografische Entwicklung, die wachsende Mittelschicht, aber auch Umweltverschmutzung und die Verbreitung ungesunder Ernährungsgewohnheiten, die den Gesundheitsmarkt anschieben.

Seit vergangenem Herbst mussten erfolgsverwöhnte Gesundheits-Investoren allerdings einige Rückschläge hinnehmen. Biotechaktien haben allein seit Jahresbeginn fast 15 Prozent verloren. Ein Grund dafür ist die vor allem durch den US-Wahlkampf befeuerte Diskussion über die Kostenexplosion im ­Gesundheitswesen.


Warum Anlegern dieses The­ma aber nur begrenzt Sorgen bereiten sollte und wie sie daran sogar verdienen können, darüber hat €uro am Sonntag mit drei erfahrenen Branchenexperten gesprochen: Harald Schwarz zählt zum Managementteam des FCP OP Medical BioHealth Trends Fund, eines der erfolgreichsten deutschen Gesundheitsfonds. Andreas Bischof ist 2015 mit seinem nova Steady ­HealthCare gestartet, der sich auf die Unternehmen der Branche fokussiert, die keine Medikamente entwickeln. Karl Nägler schließlich investiert für die belgische Risikokapitalgesellschaft Gimv in junge, noch nicht börsennotierte Firmen aus dem Bereich Medizin und Pflege.

Die Euro-am-Sonntag-Diskussionsrunde mit Experten lesen Sie auf der nächsten Seite!

Euro-am-Sonntag-Diskussionsrunde mit Experten

Die Gesundheitsbranche gehörte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Sektoren an der Börse. Trotzdem trauen sich viele Privat­anleger nicht an das Thema heran. Woran könnte das liegen?
Harald Schwarz: Der aktuelle Zyklus, der etwa 2011 begann, kam vermutlich für viele Anleger überraschend. Wir hatten ja eine Phase von 2001 bis 2010, wo die Pharmaindustrie dramatisch durch Patentabläufe gebeutelt wurde. 2010 war der Pharma- und Biotechsektor dann niedriger bewertet als der S & P 500. Das hieß im Grunde, das sei keine Wachstumsindus­trie mehr. Deshalb haben Anleger die Titel gemieden und nicht mitbekommen, dass sich die Zulassungsbedingungen der USA dramatisch verbessert haben.

Die Rally begann dann 2011 mit der Übernahme von Pharmasset durch Gilead für elf Milliarden Dollar …
Schwarz: … und keiner hat damit gerechnet, dass sich das lohnt, eine derartig hohe Sum­me auszugeben. Hat es aber. Dann merkten die Leute, dass 2011 über 30 Arzneimittel zugelassen wurden. 2012 wurde in den USA die Breakthrough Designation eingeführt, die eine viel schnellere Zulassung von Medikamenten erlaubt. Da kam es zu erheblichen Kurssteigerungen, sodass Anleger dachten: "Jetzt ist mir der Sektor weggelaufen." Die Dynamik wurde von vielen gar nicht erkannt.

Es fällt besonders auf, dass deutsche Investoren nicht ­ dabei waren.
Schwarz: In Deutschland be­obachten wir generell ein eher ­risikoaverses Klima, da waren auch institutionelle Anleger nicht in vorderster Front bei der Anlage in Biotech- oder Health­care-Fonds dabei.
Andreas Bischof: Was aber schwer nachzuvollziehen ist, denn es gibt meines Wissens kaum einen Sektor, der solche Qualitäten auf sich vereint, wie der Gesundheitssektor. Er wächst laut OECD bis 2060 deutlich stärker als die Volkswirtschaften und ist nicht konjunkturabhängig. Gesundheitsprodukte und Dienstleistungen sind unverzichtbar. Deshalb wird der Sektor einen wachsenden Anteil an der Volkswirtschaft haben. Insofern ist es ein Fehler, da nicht vertreten zu sein. Sowohl für Privatanleger als auch für Ins­titutionelle. Ob man sich dann das Risikoprofil von Biotech antun will, muss jeder selbst entscheiden, aber der Gesundheitsmarkt an sich ist ein großartiger, nachhaltig wachsender Markt.
Karl Nägler: Ich würde die These aufstellen, dass Biotech kein Sektor für Privatanleger ist. Da braucht es ein gewisses Know-how und Diversifizierung.
Bischof: Es ist auch meine Sicht, dass sich Privatanleger nicht im Biotechsektor engagieren sollten, es sei denn über Fonds. Oder sie überlegen sich, ob es im Healthcare-Sektor nicht noch etwas anderes gibt als Pharma und Biotechnologie. 1.600 börsennotierte Unternehmen sind in anderen Bereichen des Sektors aktiv. Die besitzen möglicherweise ein attraktiveres Rendite-Risiko-Profil als Biotech, wo man natürlich sensationelle Renditen einfahren kann. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man viel Geld verliert, ist leider viel größer.

Viele Anleger verstehen diese Unterteilungen nicht. Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Biotech und Pharma?
Schwarz: Das verschmilzt immer mehr. Der Unterschied ist heute: Biotechunternehmen haben kaum Konkurrenz durch Nachahmerprodukte, sogenannte Biosimilars. Deswegen bringt jedes neue Produkt bei Biotech mehr Gewinn, während Pharma die durch Patent­abläufe entstehenden Löcher kompensieren muss.
Bischof: Das ist für mich kein struktureller Vorteil. Biotechpatente laufen ja ebenfalls ab. Nur die Branche ist noch jünger und die Produkte haben deshalb jetzt noch keine Konkurrenz. Die Umsätze der Biotechindus­trie werden irgendwann genauso erodieren.
Nägler: Wobei es Produktklassen gibt, wo das weniger wahrscheinlich ist. Zum Beispiel onkolytische Viren, bispezifische Antikörper, T-Zell-Engager -hier ein Biosimilar herzustellen, ist schon extrem anspruchsvoll.
Bischof: Wie viele dieser Produkte sind schon auf dem Markt?
Nägler: Ein bispezifischer Antikörper von Amgen hat zum Beispiel Ende 2014 die Zulassung bekommen. Ob es jetzt Dutzende solcher Arzneimittel geben wird, weiß ich nicht. Aber das sind komplexe Produkte, und wir sehen ja jetzt schon, wie lange es dauert, bis Biosimilars auf den Markt kommen. Und sie haben nicht denselben Effekt auf den Preis wie Generika bei den traditionellen Pillen.

Können Sie das näher erklären?
Nägler: Früher war es so, dass am Tag des Patentablaufs 20 Nachahmerprodukte auf den Markt kamen und der Preis unmittelbar um 80 bis 90 Prozent sank. Die Biosimilar-Entwicklung können sich jedoch nur ­wenige Firmen leisten. Deshalb kommen da nur zwei oder drei auf den Markt und der Preis sinkt vielleicht um 25 Prozent.
Schwarz: Entscheidend ist, dass biotechnologische Forschung einen riesigen Innovationsschub gebracht hat. Die sinkenden Kosten für Genomsequenzierungen haben es ermöglicht, neue Zielstrukturen für Medikamente zu identifizieren, die wirklich die Ursachen von Erkrankungen beeinflussen.
Nägler: Man braucht sich ja nur die aktuellen Entwicklungen in der Immun-Onkologie anzuschauen. Vergangenes Jahr wurde ein wissenschaftlicher Fallbericht veröffentlicht, wo es um eine Patientin mit einer faust­großen Melanom-Metastase unter der Brust geht. Sie wurde mit zwei der neuartigen Medikamente von Bristol-Myers-Squibb behandelt, und nach drei Wochen war der Tumor weg. Da war ein Loch. Der Arzt beschreibt, wie man jetzt vor der ungewohnten Frage steht, was man mit diesem Loch macht. Die Prognose der Frau lag vorher bei wenigen Monaten, jetzt wird sie wahrscheinlich überleben. So wird es heute voraussichtlich einem Viertel der Patienten mit dieser Indikation gehen. Und das ist erst der Anfang. Der Bereich Immun-Onkologie könnte der Industrie über 50 Milliarden zusätzlichen Umsatz bringen.
Bischof: Ich muss jetzt aber noch mal einwerfen, dass es im Sektor 1.600 Unternehmen gibt, die keine Medikamente entwickeln. Die etwa Brillengläser machen. Der Markt wächst jährlich um vier bis fünf Prozent, da kann man auch investieren, das ist sehr risikoavers. Es gibt Hersteller von Hörgeräten, Zahnimplantaten, Botoxspritzen, es gibt Tiermedizin, Krankenhausbetreiber, Dialysezentren. Man konzentriert sich immer auf die Medikamentenentwickler. Das ist ja auch richtig, ich bin ja selbst als Molekularbiologe fasziniert davon. Es gibt aber Investment­alternativen innerhalb des Gesundheitssektors. Das Ausfall­risiko für Investoren ist im Biotechsektor deutlich höher als in den anderen Sektoren.

Auffällig ist, dass auch Gimv in letzter Zeit nicht mehr in Medikamentenentwickler investiert hat. Warum nicht?
Nägler: Wir waren die vergangenen Jahre damit beschäftigt, den Großteil unseres Biopharma-Portfolios zu verkaufen, weil das Umfeld gut ist und Bewertungen hoch. Gleichzeitig sind wir Engagements in anderen Bereichen eingegangen, etwa in ambulante Spezialkliniken und Medizintechnik, wo es vielleicht attraktivere Bewertungen gibt. Nehmen wir nochmals das Beispiel Immun-Onkologie. Das wird in den kommenden Jahren einen riesigen Einfluss haben, und die Bewertungen sind entsprechend hoch. Da ist jetzt vielleicht gerade nicht der beste Augenblick, um bei Start-ups einzusteigen.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Bewertungen im Sektor?
Schwarz: Im Nasdaq-Biotech-Index gibt es 190 Firmen. 18 davon werden nächstes Jahr profitabel sein. Das KGV dieser 18 Firmen beträgt 19, die Wachstumserwartungen liegen bei 21 Prozent. Die profitablen Firmen des Index sind also mit einem Verhältnis von KGV zum Wachstum von 0,8 bewertet, das haben wir jahrzehntelang nicht gesehen. Von daher kann man ganz offiziell sagen: Der Biotechsektor ist günstig bewertet.

Wir hatten aber auch gerade eine heftige Korrektur. Hätten Sie im vergangenen Sommer ­gesagt, raus aus Biotech?
Schwarz: Nein, hätte ich nicht gesagt. Das ist ein Sektor, in dem man langfristig investiert und Rückschläge zum Nachkaufen oder Einsteigen nutzt.

Die Kursverluste wurden auch durch Hillary Clintons Bemerkungen über die Deckelung von Medikamentenpreisen ausgelöst. Rechnen Sie mit entsprechenden Gesetzen in den USA?
Bischof: Ich glaube nicht, dass da in den nächsten zwei, drei Jahren etwas kommt. Preise zu regulieren ist sehr unameri­kanisch. Die Republikaner machen es vermutlich auf keinen Fall, den Demokraten würde es sehr schwerfallen, so etwas umzusetzen.
Nägler: … zumal der Kongress ja erst mal republikanisch bleibt. Aber langfristig kann man nicht für jeden Krebspatienten mehrere Hunderttausend Dollar auf den Tisch legen. Da wird sich was ändern müssen.
Schwarz: Grundsätzlich ist das Kostenthema nicht zu lösen, weil Gesundheit unser höchstes Gut ist. Ein Arzt ist verpflichtet, bei seinen Patienten neue heilende und lebensrettende Produkte einzusetzen, auch wenn sie teurer sind. Wichtig ist jedoch, den Missbrauch des Systems zu reduzieren. Wie jetzt in den USA bei Valeant: Da wurden legale Mechanismen grenz­wertig ausgereizt, um sich die Erstattung überteuerter Produkte ohne Zusatznutzen zu ­erschleichen.
Bischof: Die Gesundheitskosten betragen in den USA circa 18 Prozent vom Bruttoinlands­produkt. Das zeigt, dass das System sehr ineffizient ist. In Europa liegt der Anteil bei zehn Prozent, die Lebenserwartung ist hier aber ein paar Jahre höher. Das ist so nicht haltbar und sagt mir als Investor, dass ich mich auf die Unternehmen konzentriere, die sparen helfen.

Wie können Anleger denn vom Kostensparen profitieren?
Schwarz: Indem sie bei Medikamenten auf Innovation setzen, beim Service auf Kostensparen.
Nägler: Interessant ist zum Beispiel alles, was ambulant passiert. Spezialisierte ambulante Kliniken, die auf bestimmte ­Eingriffe fokussiert sind. Oder Healthcare-IT. Im Medizintechnikbereich schauen wir auf integrierte Lösungen, da geht es nicht nur ums Produkt.
Bischof: Es gibt börsennotierte Unternehmen in den USA wie Amedisys, die sich darum kümmern, dass Leute nicht mehr in Krankenhäuser zurückmüssen und zu Hause gepflegt werden. Digitalisierung ist ein ganz wichtiger Trend, Beispiel elektronische Patientenakte. Ich glaube allerdings, dass 2016 schwierig werden könnte wegen des Wahlkampfs in den USA.

Sprechen wir über den deutschen Markt. Der Mittelstand ist weltberühmt, aber im Biotech- und Gesundheitssektor sind wir eher schwach. Warum?
Bischof: Es müsste mehr Risikokapital zur Verfügung gestellt werden. Das hat auch mit der Mentalität zu tun. In den USA sagt man "tolle Chance, lass es uns probieren", trotz des Risikos. In Deutschland sagt man, "lass es lieber bleiben". Das ist ein langfristiger Wandlungsprozess. Und sehr bedauerlich, denn die Leute sind hier sehr gut ausgebildet, haben Schule, Universität, Promotion durchlaufen, aber wenn es zur Anwendung geht, verlassen sie das Land.
Nägler: Man braucht auch etablierte Unternehmen, Leuchttürme, damit es funktioniert. So was haben wir hier kaum, höchstens Morphosys und Evotec. Das hat vielleicht auch mit dem Börsenumfeld zu tun. Es war Pech, dass die Dotcom-Welle gleichzeitig mit den ersten Biotechs kam. Wir haben aber auch nach wie vor kein Segment für deutsche Biotechunternehmen.

Glauben Sie denn, dass so ein Segment helfen würde?
Nägler: Das würde absolut ­helfen. Aber man braucht das ganze Ökosystem: Investoren, Analysten, Spezialisten, Generalisten, das finden Sie halt in den USA und hier nicht. Interessante deutsche Biotechunternehmen werden entweder an Big Pharma verkauft oder gehen an Nasdaq und Euronext.

Warum nicht nach Frankfurt?
Bischof: An der Nasdaq sind die Bewertungen höher, da ­kriegen sie mehr Geld, da ist die Expertise von Analysten und Fondsmanagern.

Hat die Deutsche Börse versagt?
Nägler: Das eigentliche Pro­blem ist, dass es in Europa kein vergleichbares Segment zur Nasdaq gibt. Es gibt auch kaum deutsche Investoren in Biotech. Das Risikokapitalsystem existiert quasi nicht mehr.

Sie haben gesagt, Biotechaktien seien nichts für Privatanleger. Aber was spricht gegen große Einzeltitel?
Schwarz: Es spricht nichts dagegen, in ein großes, diversifiziertes Unternehmen zu investieren, so wie Johnson & Johnson, Medtronic, Gilead oder Amgen.

Wovon würden Sie abraten?
Schwarz: Man sollte nicht in Firmen investieren, deren Kurs­entwicklung von binären Ereignissen abhängig ist. Also Zulassung ja oder nein, Phase-3-Daten gut oder schlecht. Da können innerhalb eines Tages Verluste von 70, 80 Prozent auflaufen. Hier ist es besser, in einen Fonds zu investieren, der auf diese Unternehmen spezialisiert ist und eine ausgewogene Risikodiversifizierung bietet.
Nägler: Ich würde versuchen, die Akkumulation von Risiken zu vermeiden. Also nicht in schwierigen Indikationen ein Unternehmen suchen, das ein völlig neuartiges Produktkonzept in der Entwicklung hat. Ich würde nach nachhaltigen Trendthemen suchen und über viele Unternehmen streuen. Etwa Immun-Onkologie: Da sind die vier großen Konzerne Bristol-Myers, Roche, Merck und ­AstraZeneca führend.
Schwarz: Oder sie nehmen mehrere kleinere Firmen wie ­Incyte, Celldex, Innate Pharma.
Bischof: Ein mittelgroßes Gesundheitsunternehmen, das fast keiner kennt, ist Align Technology, die transparente Zahnspangen herstellen. Uns gefällt auch Coloplast, ein dänischer Hersteller von Inkontinenzprodukten.

Gibt es auch deutsche Firmen, die Sie für aussichtsreich halten?
Bischof: Fresenius ist auf Sicht von ein, zwei Jahren ein attraktiver Kandidat. Weil es ein diversifiziertes Unternehmen ist. Der Konzern produziert Infusionslösungen, ist der größte deutsche Krankenhausbetreiber und Welt­marktführer in der Dialyse.
Nägler: Herr Bischof und ich mögen auch Morphosys.
Schwarz: Wir sind zurückhaltender, weil das Geschäftsmodell zweideutig ist. Kooperationen stehen im Vordergrund, aber bei der wertentscheidenden Entwicklung eigener Produkte liegt die Firma zurück.
Nägler: Oft wird gefragt, was ist der große Gewinner in deren Portfolio?
Bischof: Braucht es den wirklich? Morphosys hat 25 Antikörper in der Klinik, legt man eine typische Erfolgswahrscheinlichkeit zugrunde, kommen acht davon auf den Markt. Unterstellt man jedem davon eine Milliarde Umsatz, würde Morphosys’ Umsatzbeteiligung - falls alle diese Produkte bei Partnern lägen -vielleicht auf etwa 400 Millionen Vorsteuergewinn herauslaufen. Das bedeutet dann schon ein ordentliches Potenzial für den Aktienkurs.

Können Sie sich vorstellen, dass wir in ein paar Jahren beim Thema Gesundheit über ganz andere Firmen reden, etwa Nestlé, Google oder IBM?
Nägler: Bei den Venture-Finanzierungen in den USA hat Healthcare-IT gerade zwei Rekordjahre hinter sich. Daran lässt sich schon ein Trend ablesen. IBM investiert in Systeme, die Entscheidungen treffen können. Es ist enorm, was der Superrechner Watson schon kann.
Bischof: Ich denke ebenfalls, dass wir in drei Jahren über andere Werte sprechen werden. Nahrungsmittel und Gesundheit hängen auch sehr stark zusammen, da passiert viel. Zum Glück!

Andreas Bischof
Risiken minimieren

Vita:
Andreas Bischof führte bei der Allianz jahrelang eines der größten Portfolios im Gesundheitsbereich, bevor er 2013 mit Oliver Kämmerer die Gesellschaft novafunds gründete.

Nova Steady Healthcare
Unbekannte Perlen

Der im April 2015 aufgelegte Fonds ist ein Unikat: Er setzt seinen Schwerpunkt auf weniger bekannte Segmente des Gesundheitsmarkts, wie zum Beispiel Diagnostik, Tiermedizin oder Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber. Biotechaktien sind ausgeschlossen, Pharma spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die rund 30 Titel im Portfolio sind Firmen mit stetigem, nachhaltigem Wachstum, deren Aktienkurse auch weniger schwankungsanfällig sein sollten als der Sektor insgesamt.

Karl Nägler
Der Risikokapital- Investor

Vita: Karl Nägler ist seit 14 Jahren bei verschie­denen Risikokapitalgesellschaften für ­Investments im Bereich der Biowissenschaften ­verantwortlich.

Gimv
Kapital aus Belgien

Gimv ist eine über 30 Jahre alte Investmentgesellschaft aus Belgien. Sie verwaltet derzeit rund 1,8 Milliarden Euro an Beteiligungen. Der Gesundheitssektor ist dabei nur einer von vier Investmentschwerpunkten. Die anderen drei sind: Konsum, innovative Industriebetriebe und nachhaltige Infrastruktur. Bemerkenswert ist die konstant hohe Dividendenrendite, zuletzt knapp über fünf Prozent.

Harald Schwarz
Blick in die zweite Reihe

Vita:
Harald Schwarz arbeitete über 20 Jahre lang in der Pharmabranche, bevor er zu Medical Strategy stieß. Das siebenköpfige Team verwaltet den Medical-BioHealth-Trends-Fonds seit seiner Auflage vor 16 Jahren.

FCP OP Med. Biohealth Trends
Ausgewogene Mischung

Der Fonds investiert in Biotech, Medtech, Pharma und Emerging Pharma, also den Gesundheitsmarkt in Schwellenländern. Auf Biotechaktien entfallen aktuell etwas über 40 Prozent, auf Medtech und Pharma jeweils rund 20 Prozent. Das Management setzt insbesondere auf kleine und mittelgroße Unternehmen, derzeit stecken über 40 Prozent des Vermögens in Firmen mit einer Marktkapitalisierung unter einer Milliarde Dollar. Um damit verbundene Risiken zu begrenzen, werden die Investments über fast 100 Positionen gestreut.

Investor-Info

InCyte
Die Aufsteiger

Heißer Anwärter auf den Aufstieg in die erste Liga der Branche. Incyte sollte 2016 profitabel werden und in den kommenden Jahren stark wachsen. Ein Krebsmittel ist bereits auf dem Markt, ein weiteres gilt als Top-Kombinationsprodukt in der Immun-Onkologie.

Morphosys
Die Abgestraften

Dass der US-Konzern Celgene eine wichtige Kooperation mit den Münchnern aufgekündigt hat, kam bei Investoren zu Recht schlecht an. Doch mit 25 fortgeschrittenen Produkten ist Morphosys viel breiter aufgestellt. Das reflektiert der Aktienkurs zurzeit nicht.

Fresenius
Die Weltmarktführer

Der Gesundheitskonzern erwartet 2016 solide Wachstumsraten. Der Umsatz soll währungsbereinigt um acht bis zehn, das Ergebnis ­sogar um 20 bis 22 Prozent steigen. Das Geschäft gilt als krisensicher. Trotz nicht ganz günstiger Bewertung ein Basisinvestment.

Amedisys
Die Kostendrücker

Krankenhausaufenthalte sind teuer. Viele Patienten kehren noch dazu schnell wieder in die Klinik zurück. Der US-Konzern schickt Pflegepersonal oder Physiotherapeuten nach Hause, was viel weniger kostet, häufig mehr bringt - und Amedisys kräftig wachsen lässt.

Fonds und ETFs
Das Risiko breit streuen

ETFs bieten einen preiswerten Einstieg in den Gesundheitssektor. Ein Produkt von Source bildet den Nasdaq Biotech Index ab, der alle 190 an der US-Technologiebörse notierten Firmen des Segments umfasst. db X-trackers hat einen ETF auf den MSCI World Healthcare im Angebot, in dem 127 größere Gesundheitsunternehmen aus ­Industrieländern enthalten sind. Es gibt außerdem zahlreiche aktiv gemanagte reine Biotech-Fonds - der von Candriam zählt seit Jahren zu den besten. Eine Alternative ist die Aktie der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech.

Name ISIN Perf. 3 Jahre
BB Biotech CH0038389992 333 %
Candriam Biot. LU0108459040 95 %
dbx MSCI Health. LU0540980223 53 %
Source Nas. Bio. IE 00B Q70 R69 6 - *
* ETF wurde erst 2014 aufgelegt Quelle: finanzen.net

Bildquellen: Jakub Krechowicz / Shutterstock.com, Erwin Wodicka/Fotolia, anyaivanova / Shutterstock.com

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