aktualisiert: 12.03.2013 20:45
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Geldanlage: Wie die weibliche Geld-Wirklichkeit aussieht

Geldanlage: Was Frauen wollen
Feminin investieren
Ein Aspekt blieb bei den Berichten zum Weltfrauentag am 8. März außen vor: Geld. Dabei zeigen viele Studien, dass Frauen besser anlegen als Männer. Stimmt das?
€uro am Sonntag

von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag

Bis auf den letzten Platz ist der Konferenzraum gefüllt. 50 Frauen sind angereist, um ein spezielles Seminar der Stuttgarter Börse zu besuchen: Geldanlage für Frauen. Von A wie Aktie bis Z wie Zertifikat wird an diesem Nachmittag alles im Schnelldurchlauf durchgenommen. Auch wenn am Ende mehr Fragen offen sind als zu Beginn, ist das Ziel der Veranstalter erreicht: Frauen kümmern sich auf eigene Faust um ihre Finanzen und die so wichtige Altersvorsorge.

Für den Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen Winfried Neun ist dies „ein Potenzial an Intelligenz, was es zu heben gilt“. Er ist einer der Referenten in Stuttgart und erklärt seinen Zuhörerinnen, weshalb auch in ihnen erfolgreiche Anlegerinnen schlummern. „Aus evolutionspsychologischer Sicht neigen Frauen zu Weitsicht. Sie können oft mehrere Aspekte gleichzeitig wahrnehmen, ohne in Hektik zu verfallen“, sagt Neun. Wegen ihrer vorsichtigeren und überlegteren Herangehensweise seien Frauen darum prädestiniert, das Börsengeschehen einzuschätzen und selbst zu investieren.

Frauen sind auch nur Zocker
Tatsächlich belegen zahlreiche Studien die Theorie, dass Frauen mindestens genauso gute Investoren sind wie Männer. So hat die DAB-Bank vor einiger Zeit die Depots ihrer Kunden und Kundinnen miteinander verglichen. Das Ergebnis ist frappierend: Im Jahr 2007, als die Börsen gut liefen, erzielten Männer eine Rendite von 14 Prozent, Frauen hingegen 18 Prozent. Im Crash-Jahr 2008 verloren beide Gruppen, allerdings lagen Männer mit 36 Prozent, Frauen jedoch nur mit 30 Prozent im Minus.

Der Erfolg der Frauen, den viele Untersuchungen feststellen, liegt häufig nicht in der besseren Titelauswahl — darin unterscheiden sich beide Geschlechter kaum. Es sind eher die Verhaltensweisen, die Frauen erfolgreicher zu machen scheinen. Laut einer Studie der University of California, nach der Frauen durchschnittlich eine um 1,4 Prozent höhere Rendite als Männer erzielen, schichten Männer ihr Depot mehr als doppelt so häufig um wie Frauen. Das erhöht Transaktionskosten und mindert die Rendite. Einmal investiert, bleiben Frauen ihren Investments länger treu — auch weil sie im Schnitt mehr Aufwand für die Titelauswahl betreiben und risikoaverser sind. In Stuttgart wird bei Kaffee und Kuchen ausgiebig über Kennzahlen oder die jüngsten Geschäftsentwicklungen potenzieller Anlageobjekte in China diskutiert. „Frauen sammeln mehr Informationen und wägen länger ab, bevor sie einen Kauf tätigen“, sagt Winfried Neun.

Allerdings spielen neben wirtschaftspsychologischen Unterschieden auch die Summen eine Rolle, mit denen Männer und Frauen an der Börse handeln. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) zeigt, dass Männer und Frauen ein ähnliches Risikoverhalten aufweisen würden, stünden ­ihnen dieselben Summen zur Verfügung.

Bei 5.000 Euro liegt die Wahrscheinlichkeit, in risikoreiche Produkte zu investieren, bei 32 Prozent. Bei einer Summe von 100.000 Euro ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch. Frauen sind also auch nur Zocker. Weil sie im Schnitt jedoch 33.000 Euro weniger auf der hohen Kante haben als Männer, kommt ihre Spielernatur seltener zum Vorschein. Doch bei all den positiven Studien: Viele Frauen kommen erst gar nicht so weit, an der Börse zu investieren.

Armutsfalle X-Chromosom
Als Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vergangenen Herbst den vierten Bericht zur Altersarmut vorstellte, war der Aufschrei groß: Arbeitnehmer, die weniger als 2.500 Euro brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, könnten ab 2030 lediglich eine Rente in Höhe des Grundsicherungsbetrags von 688 Euro bekommen. Besonders hart betroffen sind Frauen: Insgesamt 41 Prozent der westdeutschen und 21 Prozent der ostdeutschen Frauen werden sogar weniger als die Grundversorgung bekommen. Unterbrechungen im Arbeitsleben, etwa durch Auszeiten zur Kindererziehung oder die Pflege eines Angehörigen, drücken ihre Rentenpunkte.

Hinzu kommt, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer. Sie können so weniger Rentenpunkte sammeln und gleichzeitig während ihres Berufslebens weniger ansparen. Kommen Scheidung oder Krankheit dazwischen, wirkt sich das ebenfalls negativ auf das Einkommen im Alter aus.

Frauen haben also allen Grund, sich mit der Geldanlage auseinanderzusetzen. Dass sie es bislang noch zu wenig tun, hängt mit klassischen Rollenbildern zusammen, aber viel zu oft liegt es auch an mangelnden finanziellen Mitteln. Zudem fehlt es dem weiblichen Geschlecht häufig an Wissen und Erfahrung im Umgang mit Finanzprodukten oder schlicht auch an Interesse und Mut, sich damit zu beschäftigen.

„Frauen neigen dazu, ihr Geld entsprechend ihrer finanziellen Situation anzulegen“, erklärt Constanze Hintze. Die Vermögensberaterin von Svea Kuschel & Kolleginnen hat sich auf die Anlageberatung von Frauen spezialisiert. „Mit meinen Kundinnen bespreche ich zunächst ihre finanzielle Situation“, sagt die Münchnerin. Wichtig sei es vor allem, Ausgaben und Einnahmen aufzuschlüsseln und zu analysieren. „Viele haben gar kein Gefühl dafür, wo ihr Geld am Ende des Monats geblieben ist“, sagt Hintze.

Ist die Finanzübersicht erstellt, geht sie in zwei Schritten vor: „Bevor wir an die Altersvorsorge denken, sollte erst einmal die Arbeitskraft versichert werden, vor allem bei jungen Frauen.“ Berufsunfähigkeitsversicherungen seien das A und O. Anschließend bespricht sie mit den Kundinnen, welche Summen sie pro Monat zurücklegen können. Je nach Alter, Einkommen, bereits vorhandenem Vermögen und persönlicher Situation kann dies stark variieren.

Wie bunt gemischt Hintzes Kundschaft sein dürfte, lässt sich am Stuttgarter Publikum ablesen. Neben Berufsanfängerinnen, die ihre Finanzplanung selbst in Angriff nehmen wollen, finden sich auch viele Frauen, die aus persönlichen Gründen plötzlich dazu gezwungen sind. Nicht wenige haben Depots von erheblichem Wert geerbt und nun begonnen, sich mit der Materie zu befassen.

Constanze Hintze bemerkt, dass bei vielen ihrer Kundinnen das Interesse an der Finanzplanung steigt, wenn sie sich erst einmal damit befassen. Sie und ihre Kolleginnen setzen vor allem auf Fonds mit vermögensverwaltenden Strategien (Auswahl siehe Investor-Info). „Wichtig ist mir, dass meine Kundinnen die Produkte und Anlagestrategien verstehen, in die sie investieren“, so die Fachfrau. Wirtschaftspsychologe Winfried Neun pflichtet ihr bei: „Der größte Fehler, den Frauen machen können, ist, zu versuchen, so wie ein Mann zu sein.“

Von Frau zu Frau
Kleine Auswahl

Das Finanzdienstleistungsunternehmen Svea Kuschel und Kolleginnen hat sich auf die finanzielle Beratung von Frauen spezialisiert. Dazu gehört auch die Auswahl von Investmentfonds. Aus den beliebtesten Fonds der Kundinnen hat die Redaktion eine Auswahl solider Produkte zusammen­gestellt, die nicht nur für das vermeintlich schwache Geschlecht geeignet sind.

Nachhaltig
Sarasin Sustainable Portfolio

Anleger, denen ökologisch-ethische Grundsätze bei der Geldanlage wichtig sind, können auf den Sarasin Sustainable Portfolio Fund setzen. Er verfolgt eine ausgewogene Portfoliostrategie auf Basis von Aktien und Anleihen, deren Emittenten einen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten. Die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen liegt derzeit bei etwa 50 : 50. Auf Drei­jahressicht liegt der Fonds mit über 20 Prozent im Plus. Er trägt derzeit FondsNote 2. Im Crash von 2008/2009 verlor der Fonds etwas weniger als 30 Prozent an Wert.

Vorsichtig
Sauren Global Defensiv A

Für sicherheitsorientierte Anleger, die geringe Vermögensschwankungen wünschen, empfiehlt sich der Sauren Global Defensiv Fund. Dabei handelt es sich um einen konservativen Dachfonds mit Absolute-Return-Konzept. Das heißt, der Fonds verfolgt in jeder Marktlage das Ziel, unabhängig von einem Vergleichsindex möglichst kontinuierliche Wertzuwächse zu generieren. Fast die Hälfte des Vermögens ist derzeit in Rentenfonds angelegt. Der einzige empfehlenswerte Dachfonds im defensiven Bereich, da sonst hohe Kosten diese Produktgattung wenig sinnvoll erscheinen lassen.

Luxuriös
JB Luxury Brands Fund

Klischees hin oder her — Luxus ist etwas für Frauen, auch im Portfolio. Der Julius Bär Luxury Brands Fund setzt auf Konsumfreude und investiert in Unternehmen, die über etablierte Marken im Luxusgütersektor verfügen, etwa den französischen Konzern LVMH, zu dem auch Gucci gehört. Dank hoher Nachfrage aus Asien verzeichnen die Hersteller Rekordumsätze. Starker Themenfonds zur Beimischung im Aktienportfolio.

Bildquellen: Inga Ivanova / Shutterstock.com
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