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25.02.2013 17:21

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INTERVIEW EXKLUSIV

Dirk Müller: „George Soros interessiert mich nicht“

Apple zu myNews hinzufügen Was ist das?


Seite 2 von 1:

von Benjamin Summa

Wie würden Sie aktuell ein liquides Anlagevermögen von 100.000 Euro investieren?
Ich würde einen Teil in Cash behalten, um flexibel auf Veränderungen des Marktes reagieren zu können. Ansonsten würde ich mich auf Sachwerte wie Aktien konzentrieren und 15 bis 20 Prozent des Gesamtportfolios in Edelmetalle anlegen. Von Geldwerten lasse ich momentan die Finger.

Welche Aktien sind aktuell Ihre Favoriten?
Daimler gefällt mir derzeit ausgesprochen gut. Das Unternehmen spricht mit wesentlich sportlicheren Modellen zusätzliche Märkte an. Daimler ist zudem technologisch ganz weit vorn dabei und investiert in erneuerbare Energien und die Entwicklung von Wasserstofffahrzeugen. Es gibt aber noch andere spannende Bereiche: Samsung Electronics ist zum Beispiel sehr breit aufgestellt und nicht wie Apple auf ein Trendthema fokussiert. Und Cisco Systems profitiert stark von dem Gedanken an die Cloud, auch charttechnisch sieht die Aktie aktuell prima aus.

Es dominieren derzeit zwei mögliche Szenarien für den Dax: Er steigt in diesem Jahr um 15 Prozent plus x, setzt also die Rallye aus 2012 fort - oder er stagniert nahezu, weil die Konjunktur weltweit nicht in Gang kommt. Welchem schließen Sie sich an?
Ich will an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Es ist aktuell sehr schwer abzuschätzen, ich glaube, dass aufgrund des billigen Geldes steigende Kurse möglich sind, aber die Eurokrise ist nicht im Ansatz ausgestanden und kann jeden Moment zurückkommen – und dann können sich die Märkte auch wieder schnell sehr negativ entwickeln. Sowohl eine Fortsetzung der Hausse als auch ein Einbruch ist möglich. Ich halte mich daran: Ich investiere stark in Aktien und Edelmetalle und wenn es haarig wird, dann sichere ich beide Anlageklassen gegen Kursschwankungen ab.

Star-Investor George Soros hat kürzlich mehr als die Hälfte seines Goldinvestments verkauft, das im SPDR Gold Trust eingebracht war. Der Goldpreis hat anschließend dann auch deutlich nachgegeben. Was sagen Sie privaten Goldanlegern, die jetzt auch den Ausstieg planen?
Soros spielt sein eigenes Spiel, er gibt mal dieses und mal jenes bekannt, darauf würde ich nicht viel geben – der Mann wird überschätzt. Sicher kann er mit seinen Milliarden und der entsprechenden PR Märkte manipulieren. Ich kümmere mich aber um die Daten, die ich einschätzen kann und nicht um die Spielereien eines Superreichen.
Bei überstürzten Ausstiegen aus dem Goldmarkt wäre ich derzeit vorsichtig. Wir haben seit Jahren einen extremen Anstieg und inzwischen eine Seitwärtsphase, der Goldpreis konsolidiert auf sehr hohem Niveau. Am wahrscheinlichsten ist aus meiner Sicht, dass der Goldpreis die Marke um 1500 Dollar hält und von dort aus einen nächsten Schwung nach oben nimmt. Dennoch muss man das Restrisiko im Auge behalten, dass bei einem nachhaltigen Bruch der 1500-Dollar-Linie ein deutliches Abwärtsrisiko besteht.

Derselbe Investor Soros hat in den vergangenen Monaten mit Wetten auf den fallenden Yen enorm viel Geld verdient. Experten sprechen von einem Währungskrieg. Wie gefährlich sind solche Spekulationen aus Ihrer Sicht?
Wir haben eindeutig einen Währungskrieg. Alle Staaten versuchen, über eine Abwertung der Währung ihre Industrie zu stützen. Die Folge ist Inflationierung durch Geldmengenausweitung. Genau aus diesem Grund konzentriere ich mich auf Sachwerte und meide Geldwerte.

Viele Deutsche halten immer noch Ihren Bundesanleihen die Treue. Dass 1,6 Prozent Zinsen bei Zehnjährigen aufgrund der zunehmenden Inflation faktisch Vermögensvernichtung bedeuten, kommt bei vielen Anlegern nur langsam an. Wie bewerten Sie den Markt der Staatsanleihen augenblicklich?
Natürlich ist das Geldvernichtung! Die Inflationsrate liegt deutlich höher als die Zinsen. Die Discounter erhöhen die Preise jedes Jahr um 4,5 Prozent, zudem haben wir drastische Miet- und Benzinpreissteigerungen. Die Kaufkraft des Geldes wird von Jahr zu Jahr weniger.

Und wie sieht es mit Unternehmensanleihen aus? Was sollten Privatanleger tun, wenn Ihre alten, renditeträchtigen Papiere - sagen wir von BMW oder Siemens - auslaufen bzw. die Unternehmen diese vorzeitig zurückzahlen?
Wenn ich in BMW oder Siemens investieren will, kaufe ich die Aktien und nicht die Unternehmensanleihen.

In Städten wie München und Berlin ist vom Immobilienboom die Rede. Langfristig steigende Mieten sollen gute Renditen sichern. Wie bewerten Sie die Geldanlage in Wohnungen und Häuser?
Prinzipiell sind Immobilieninvestments nicht schlecht. Aber momentan würde ich auch hiervon die Finger lassen. Die Preise sind mir einfach zu hoch. Mir sagen Immobilienprofis, dass der Markt leergefegt ist und nur noch Schrott am Markt ist. Wenn die Profis keine guten Objekte finden, wie soll ich dann als Halb-Laie in diesen Markt erfolgreich investieren?

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Finanztransaktionssteuer ruft heftigen Widerstand in der Finanzwelt hervor. Wie bewerten Sie diese Maßnahme: Sinnvolle Steuer zur Beteiligung der Banken an den Kosten der Finanzkrise oder Standortnachteil für europäische Institute oder gar Strafzahlung für Kleinsparer?
Ich bin für die Finanztransaktionssteuer, weil sie die Märkte langsamer machen wird. Für ein Fondsmanagement würde es sich nach der Einführung nicht mehr lohnen, sekündlich Werte hin und her zu handeln. Die Fonds würden sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren – nämlich in gute Unternehmen längerfristig zu investieren. Wenn die Finanzindustrie jetzt argumentiert, das Ganze sei eine Strafzahlung für Kleinanleger, dann kann ich das nur als PR-Trick bezeichnen. Bei Fonds zahlen Kleinanleger zwischen 3 und 5 Prozent Ausgabeaufschlag, die Finanztransaktionssteuer fiele pro Order lediglich mit 0,1 Prozent ins Gewicht. Diese kleine Summe macht den Privatanlegern überhaupt nichts aus, die Steuer stört nur die, die wild zocken.

Sie veröffentlichen bald Ihr drittes Buch. Worum geht es?
Ich will noch nicht zu viel verraten. Das Buch wird im April erscheinen. Es geht um den Euro und um die Zukunft Europas. Ich thematisiere Dinge, die die Leser sehr interessieren dürften und die bisher in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch gar nicht stattgefunden haben - die aber elementar sind, um zu verstehen, was hinter den Kulissen abläuft und welche Folgen das dann für uns in Europa hat.

Zur Person

Dirk Müller alias „Mister DAX“ ist einer der gefragtesten Börsenexperten in TV-Interviews sowie bei Vorträgen und Zeitungsberichten. Anfang 2009 erschien sein Bestseller C(r)ashkurs, in dem er über die Hintergründe der Börsen- und Finanzwelt aufklärt und die Mißstände unseres Wirtschaftssystems deutlich ausspricht. Am 12. September erschien sein zweites Buch Cashkurs – ein Finanzratgeber für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Dirk Müller ist Geschäftsführer der Finanzethos GmbH und außerdem Betreiber der Internetseite cashkurs.com, wo er sich ebenfalls das Ziel gesteckt hat, die Menschen über Hintergründe und Zusammenhänge der Wirtschaft und Finanzmärkte aufzuklären.

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Kommentare zu diesem Artikel

najib schrieb:
Wertung: 5/5

26.02.2013 02:00:37

Gehört er nicht auch zur NWO Elite?

Schneewittchen007 schrieb:
26.02.2013 01:31:07

Mich stört, daß der Kleinanleger 1 Zehntel Prozent TAS zahlen soll und die Großkopfigen 0,01 Prozent, also nur 1 Hundertstel. Da wird der Kleinsparer und Rentner beim Aufbau seiner private Alterssicherung abgezockt nach dem Motto Kleinvieh macht mehr Mist. Kein Thema für die Medien?

Blasenstecher schrieb:
25.02.2013 18:14:11

Wenn Soros Gold verkauft und dies äußert, kann das auch andere Gründe haben, als nur kurzfristige Profitmaximierung. Er ist ein Global-Player, der welt- und finanzpolitisch in der höchsten Liga spielt.

eddykus schrieb:
Wertung: 5/5

25.02.2013 17:09:48

dirk vom dax trifft den nagel auf den kopf-aber was gilt schon der einsame rufer in der wüste

vgr schrieb:
25.02.2013 13:39:45

was hätten die Euro-Politiker getan, wenn die europäischen Banken gesagt hätten, dass sie kein Vertrauen zu ihrem jeweiligen Heimatstaat bzw. EU-Nachbarstaat haben und jegliche Staatspapiere meiden. Dann wäre der Crash auch ohne Banken gekommen und die Steuerzahler hätten wirklich bezahlt!

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