Nahverkehrssysteme, neudeutsch auch Telematik genannt, gelten weltweit bei den Investoren als Wachstumsbranche, da die Notwendigkeit des Nahverkehrs aufgrund der Konzentration der Weltbevölkerung in den Großstädten immer mehr zunimmt. In dieser Branche arbeitet die Berliner
IVU Traffic Technologies AG, die es in den letzten Jahren regelmäßig auf einen Umsatz von ca. 40 Millionen Euro bringt.
Herr Kochanski, wie ist im Moment das Klima in Ihrer Branche?
Frank Kochanski: Die Stimmung ist gut. Aufgrund der anhaltenden Urbanisierung wird wieder viel in Mobilität investiert. Die Städte weltweit wachsen mit einer kaum kontrollierbaren Dynamik und schnell entstehen Engpässe in der Infrastruktur. Weltweit haben die Länder das Problem erkannt und es wird nach intelligenten und nachhaltigen Lösungen gesucht. Für unsere Branche sind die Aussichten entsprechend optimistisch.
Bei welchem Auslandsmarkt läuft das Geschäft noch am besten?
Bedarf an intelligenten Verkehrssystemen besteht überall. Wir konzentrieren uns jedoch insbesondere auf den asiatisch-pazifischen Raum und Südamerika, da hier der größte Bedarf entsteht. Allein in Asien wird die Verstädterung bis 2030 um weitere 14 Prozent zunehmen, in Südamerika sind es 7 Prozent. Mit Vietnam und Kolumbien konnten wir hier bereits gute Referenzprojekte gewinnen und uns einen Namen machen. Diesen Kurs werden wir fortsetzen.
Können Sie für das laufende Jahr Ihre Prognose einhalten, oder müssen Sie die Erwartungen nach unten korrigieren?
Bereits zum Halbjahr hat der Auftragsbestand den geplanten Jahresumsatz vollständig abgedeckt. Ich sehe demnach keinen Anlass, die gesteckten Ziele nach unten zu korrigieren. Ich rechne weiterhin mit Wachstum.
Wie werden Sie die Aktionäre an der guten Ertragslage beteiligen?
Durch einen hoffentlich steigenden Aktienkurs, sofern die Börse den Wert eines solide wachsenden Unternehmens wie der IVU erkennt.
Es gibt viele Beispiele bei den Small- und Mid-Caps, die trotz Verlustvortrag auch eine Dividende zahlen. Warum tut das die IVU nicht?
Die Dividendenpolitik ist in unserer Satzung festgelegt. Demnach entscheidet die Hauptversammlung der IVU über die Verwendung des Bilanzgewinns und damit auch die Verteilung an die Aktionäre in Form einer Dividende. Dabei berechnet sich der Bilanzgewinn durch den Abzug der gesetzlichen Rücklagen und Verlustvorträge vom Jahresüberschuss. Aufgrund derzeit noch hoher Verlustvorträge hat sich bisher kein entsprechender Bilanzgewinn ergeben.
Wann glauben Sie kann frühestens eine Ausschüttung getätigt werden?
Rein technisch rechne ich damit, dass wir in ca. 2 bis 3 Jahren wieder genügend Eigenkapital durch Gewinne erwirtschaftet haben, welches größer ist als das gezeichnete Kapital. Erst dann sind wir in der Lage, aus darauf folgenden Gewinnen eine Dividende zu zahlen.
Die IVU präsentiert sich in wenigen Tagen auf dem Eigenkapitalforum. Wie viele qualifizierte Anmeldungen haben Sie für Frankfurt bereits? Was haben Sie zusätzlich IR-technisch noch geplant?

IVU-Finanzvorstand Frank Kochanski
Derzeit besteht reges Interesse an der IVU. Das haben wir nicht zuletzt dem Großauftrag aus Vietnam zu verdanken. So sind erfreulicherweise auch alle Termine für Einzelgespräche auf dem Eigenkapitalforum belegt. Und jeden Tag kommen neue Anfragen hinzu. Wir sind also voll ausgebucht. In Sachen IR werden wir an unseren Grundsätzen festhalten und weiterhin transparent und offen kommunizieren. Zudem präsentieren wir uns auch 2013 wieder auf der Münchner Kapitalmarktkonferenz und dem Eigenkapitalforum in Frankfurt.
Ist absehbar wann die IVU einen technologischen Quantensprung machen wird oder ist die Technik schon so ausgereift, dass damit nicht mehr zu rechnen ist?
Wir entwickeln unsere Software kontinuierlich weiter. Das müssen wir auch, denn die Herausforderungen im öffentlichen Verkehr nehmen stetig zu. Mit Quantensprüngen ist deshalb nicht zu rechnen. Unsere Technologien sind im internationalen Vergleich bereits auf einem sehr hohen Niveau, aber natürlich gibt es immer noch Entwicklungsmöglichkeiten. Das jüngste Beispiel sind die enormen Fortschritte, die wir in der Fahrgastinformation gemacht haben und mit denen wir nun in London punkten.
Was sagen Sie zu der Bewertung der Aktie?
Unsere Aktie ist nach wie vor stark unterbewertet. Wir wachsen seit nunmehr 7 Jahren solide, sind auf dem Weltmarkt eine wichtige Größe mit nur zwei anderen Anbietern und zudem schuldenfrei. Das sind meiner Meinung nach gute Voraussetzungen für Investoren.
Die IVU wird am Jahresende über einen hohen Cash – Bestand verfügen. Wollen Sie diesen nicht einmal in Akquisitionen umsetzen?
Nein, Akquisitionen stehen in naher Zukunft nicht an.
Unsere Produktpalette ist bereits vollständig. Jetzt gilt es, diese technisch weiter auszubauen und sich so vom Wettbewerb abzuheben. Auch 2013 werden wir wieder unsere notwendigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau der hauseigenen Infrastruktur aus selbst erwirtschafteten Mitteln finanzieren.
Wann geben Sie einen Ausblick für das kommende Jahr?
Wie in jedem Jahr veröffentlichen wir die Prognosen für das kommende Jahr in unserem Geschäftsbericht. Der Bericht für 2012 wird am 20. März 2013 publiziert.
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