10.07.2013 14:00
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UnitedHealth: Im Kern gesund

UnitedHealth: Im Kern gesund
Kaufenswert dank ObamaCare
ObamaCare bringt dem größten US-Krankenversicherer UnitedHealth Millionen neuer Mitglieder. Die Aktie ist attraktiv und bietet noch Potenzial.
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von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Es ist ein alljährlich wiederkehrendes Ritual. Im Dezember, wenn der Minnetonka zugefroren ist, kreuzt eine Handvoll Demonstranten hinter der Villa von Steve Hemsley am Seeufer auf. Auf Plakaten und per Megafon werfen sie dem Manager vor, sich auf Kosten des Gesundheits­systems zu bereichern. Hemsley ist Chef des mit 70 Millionen Mitgliedern größten Krankenversicherers in den USA: UnitedHealth.

Der Mann ist nicht eben für seine Bescheidenheit bekannt. Hemsley schaffte es mit 101 Millionen Dollar Gehalt an die Spitze der Forbes-Liste der bestbezahlten Manager.
Die Zeit der exzessiven Gehälter in der Versicherungsbranche dürfte jedoch bald vorbei sein. ObamaCare kommt — am 1. Oktober tritt die US-Gesundheitsreform, Prestigeprojekt des Präsidenten Barack Obama, in Kraft. Die Assekuranzen sind dann per Gesetz dazu verdonnert, mindestens 80 Prozent ihrer Prämieneinnahmen ihren Mitgliedern zugutekommen zu lassen. Maximal 20 Prozent dürfen sie behalten. Schließlich sollen alle Amerikaner Zugang zu einer Krankenversicherung bekommen, auch Geringverdiener.

Dass das Management künftig knapper gehalten wird, gefällt den Anlegern an der Wall Street. Die Aktie ist seit Monaten im Aufwärtstrend. Vor allem bringt die Reform UnitedHealth voraussichtlich Millionen bislang unversicherter Kunden.
Auf den Ansturm ist die Konzerntochter Optum gut vorbereitet. Optum betreut jetzt schon 61 Millionen US-Versicherte und ist darauf spezialisiert, das Beste für ihre Kunden herauszuholen. Mit 80 Prozent aller US-Krankenhäuser arbeitet Optum zusammen. Auch für andere Firmen aus dem Imperium gibt es lukrative Aufträge. Die IT-Tochter Quality Software Systems etwa erhielt aus Washington den Auftrag, für 55 Millionen Dollar eine Datenbank für alle amerikanischen Versicherten zu entwickeln.

2011 hatte Hemsley das Softwarehaus gekauft. Der Vorstandschef geht mit schöner Regelmäßigkeit shoppen: Im Oktober 2012 kaufte Hemsley die Mehrheit an Brasiliens Marktführer Amil. 4,4 Millionen Kunden gewann der Konzern so auf einen Schlag in Lateinamerika.

Auch der Jobmotor schiebt an
Die Kundenakquise läuft auch ohne Übernahmen gut. Seit dem Ende der Wirtschaftskrise sinkt die Arbeitslosenquote. Mehr Arbeitnehmer müssen sich versichern. Überdies wächst die amerikanische Bevölkerung um ein Prozent jährlich.

Auf dem Heimatmarkt sammelte UnitedHealth binnen Jahresfrist fast zwei Millionen neue Mitglieder ein. Seit April sind zudem 2,7 Millionen Armeeangehörige samt ihren Familien in der Kundenkartei gelandet. Der fünfjährige Vertrag mit dem Verteidigungsministerium hat einen Wert von 1,4 Milliarden Dollar. Inzwischen versichert außerdem die Hälfte der 100 größten US-Konzerne ihre Belegschaft bei UnitedHealth.

Die Masse macht’s in dem Geschäft — das dürfte sich auch unter ObamaCare nicht ändern: Jeder Kunde sorgt für mehr Macht in Preisverhandlungen mit Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken. „Konsumenten brauchen einen vertrauensvollen Navigator, der sie durch das komplexe Gesundheitswesen führt“, sagt der Chef selbstbewusst. Navigator Hemsley steuert die Klientel dabei in eine ihm genehme Richtung. Um die Ausgaben zu senken, will der Manager Familien künftig mehr denn je für einen gesunden Lebensstil belohnen. Wer regelmäßig ins Fitnessstudio geht, erhält 20 Dollar im Monat erstattet. Telefonberatung soll Raucher auf den Pfad der Tugend bringen.

Aktionären verspricht Hemsley auch künftig eine exzellente Eigenkapitalrendite: Die Kennziffer liegt bei kerngesunden 19 Prozent. Erstklassig ist — neben der Villa des Chefs — inzwischen auch die Börsenpräsenz. Seit Herbst ist UnitedHealth Mitglied im Dow Jones.

Investor-Info

UnitedHealth
Attraktiv bewertet
Anteilseigner sind zufrieden: Pro Jahr sprudelt ein Cashflow von sieben Milliarden Dollar, nur eine Milliarde wird investiert. Es bleibt ausreichend Geld für Aktienrückkäufe, Dividenden und Übernahmen.
Umsatz, Gewinn, Dividenden steigen kontinuierlich. Die Dividendenrendite liegt bei knapp zwei Prozent, das KGV bei günstigen zwölf. Attraktiver Substanz­titel mit Potenzial. Kaufen.
Kursziel: 58,00 Euro
Stopp: 44,00 Euro

Bildquellen: Jakub Krechowicz / Shutterstock.com
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