von Tim Schäfer, Euro am Sonntag (aus Las Vegas)
Milliardär Stephen Wynn überließ in seinem neuen Luxushotel Encore nichts dem Zufall. Die Fahrstühle im Erdgeschoss sind hinter einarmigen Banditen, Roulettetischen, Restaurants und Geschäften versteckt. Das Kalkül: Wer in sein Zimmer in einer der 63 Etagen will, muss sich mühselig seinen Weg zwischen den Hindernissen bahnen und lässt dabei unterwegs möglichst viel Geld. Gelegenheiten gibt’s dazu genug – auch für notorische Nichtspieler. Immerhin ist das Encore das glamouröseste Hotel auf dem Strip mit Boutiquen von Rolex über Hermès bis hin zu Chanel. Ein Wellnessbad, ein Ferrari-Maserati-Händler und eine 18-Loch-Golfanlage, die direkt an das Hotel grenzen, runden das 2,3 Milliarden teure Projekt ab.
Eröffnet hat Wynn den Luxustempel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Mitten in der schlimmsten Rezession seit mehr als 50 Jahren knallten kurz vor Weihnachten 2008 die Champagnerkorken. „Let the games begin!“, rief der Unternehmer am 22. Dezember zur Einweihung freudestrahlend in die Kameras. Dabei stürzte der Aktienkurs seines Unternehmens Wynn Resort damals täglich immer weiter ab. Vor einem Jahr markierte der Kurs bei rund 15 Dollar schließlich ein Tief.

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Doch Wynn hat schon viele Krisen durchgestanden. Er wird auch diese schaffen. Inzwischen notiert die Aktie wieder bei 67 Dollar. Die Bilanz gilt im Gegensatz zu der der beiden großen Gegenspieler in Las Vegas, Sands und MGM, als robust. Vor allem MGM leidet unter einer erdrückenden Schuldenlast von 12,5 Milliarden Dollar. Doch machte MGM-Finanzchef Dan D’Arrigo vor einer Woche seinen Aktionären Hoffnung, als er mit seinen Gläubigern ein Kreditpaket verlängerte. Der Manager bezeichnete die Übereinkunft als „Meilenstein“: Ein 5,55-Milliarden-Dollar-Kredit wird nicht im Oktober 2011 fällig, sondern erst zwei Jahre später.
Mit der Bank of America, Royal Bank of Scotland und JP Morgan verhandelt D’Arrigo zudem über eine Umschuldung. Es geht darum, das Überleben des Kolosses sicherzustellen. „Es zeigt sich, dass der Umgang der Banken mit unserem Konzern stabiler geworden ist. Wir sind zwar noch nicht aus dem Gröbsten heraus, aber die Banken glauben wieder stark an uns. Und sie wissen, dass sich das Geschäft erholen wird“, resümierte D’Arrigo. Viel Hoffnung wird auf das MGM-Joint-Venture in Macau gesetzt. Ein Börsengang der asiatischen Tochter könnte zwischen 250 und 500 Millionen Dollar in die leer gefegte Kasse spülen. Überdies gibt es Überlegungen, das gerade ebenfalls im Rahmen eines Joint Ventures errichtete CityCenter in Las Vegas mitsamt Kasino, Hotel, Geschäften und Apartments abzuspalten.
Kasinoking Wynn hat keine Konkurssorgen. Der Mann, der von Forbes auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Rang 468 geführt wird, begann sein erstes großes Projekt 1989 mit dem Mirage. Damit löste er einen Bauboom in Las Vegas aus. Mit einem tropischen Regenwald im Inneren des Gebäudes und einem Vulkangelände im Außenbereich setzte er schon damals Akzente. Den 630 Millionen Dollar teuren Bau finanzierte Wynn über Junkbonds mithilfe des befreundeten Finanziers Michael Milken.
Schon damals galt das Mirage wegen seiner hohen Kosten und der luxuriösen Bauweise als Stein gewordener Größenwahn. Doch schuf das Kasino die Grundlage für den heutigen Reichtum des 68-jährigen Unternehmers, der in den 60er-Jahren klein anfing, als er das Bingogeschäft seines Vaters übernahm. 1993 eröffnete Wynn mit dem Treasure Island Hotel and Casino ein weiteres Megaprojekt. Auf der Anlage, die 450 Millionen Dollar verschlang, sorgen täglich mehrere Piratenshows für das Amüsement der Gäste. Und mit dem Bellagio setzte Wynn noch eins drauf: Mit 1,6 Milliarden Dollar war das Projekt mit den angeschlossenen Restaurants Paris, New York und San Francisco damals das teuerste Hotel der Welt.
Die Reaktion der Konkurrenz ließ nicht auf sich warten. So errichtete Harrah’s Entertainment das Hotel Paris Las Vegas mit einer Nachbildung des Eiffelturms als Blickfang. 1997 startete Las Vegas Sands den Venetian-Prunkbau, einen der größten Fünf-Sterne-Komplexe der Welt mit über 4000 Suiten. In der schillernden Anlage schippern Gondo-lieri die Gäste fröhlich über ein Canal-Grande-Imitat.
Angelockt von dem Hype und den billigen Krediten investierte Donald Trump nahe des Strip weitere Milliarden in ein Apartmenthochhaus. Der Boom in der Stadt der Sünden oder „Sin City“, wie die Amerikaner sie nennen, nahm Züge eines Goldrauschs an. Selbst Goldman Sachs riss sich vor drei Jahren, kurz vor dem Platzen der Blase, Carl Icahns Firma American Real Estate Partners unter den Nagel. Der Deal beinhaltete das Stratosphere Las Vegas Hotel and Casino mitsamt unbebautem Land. Die Investmentbank blätterte 1,3 Milliarden Dollar hin.