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28.11.2011 12:00

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€uro am Sonntag

NEBENWERTE

Deutsche Nebenwerte: Die Jagd ist eröffnet

LPKF LaserElectronics zu myNews hinzufügen Was ist das?



Börsianer suchen Schnäppchen
Trotz gedämpfter Stimmung auf dem Eigenkapitalforum: An unterbewerteten Aktien herrscht kein Mangel. €uro am Sonntag stellt vier Firmen vor, die bei Investoren punkten konnten

von K. Schachinger, J. Spiering, L. Winter, J. Lang u. J. Castner, €uro am Sonntag

Solch ein freundliches November-Wetter hat Deutschland seit über 100 Jahren nicht erlebt. Und seit drei Jahren kein so unfreundliches Börsenklima. Eher mulmig war deshalb den meisten Besuchern des Eigenkapitalforums in Frankfurt zumute, bei dem sich vergangene Woche rund 300 Unternehmen den Investoren, Analysten und Journalisten präsentierten. Die Veranstaltung war an allen drei Tagen von fallenden Kursen begleitet.

Einigen Börsenfavoriten von anno dazumal gelang es dennoch, sich auf der wichtigsten Nebenwertekonferenz des Jahres wieder ins Gedächtnis der Anleger zurückzubringen. Ob Wizcom, Sygnis (älteren Semestern noch als Lion Bioscience bekannt) oder HPI (vormals CE Consumer) – mehrere der einstigen Klassiker des 2004 beerdigten Neuen Markts bieten inzwischen ganz neue Perspektiven und konnten mit gelungenen Vorträgen das Interesse der Investorengemeinde wieder anfachen.

Da diese Aktien zum Teil recht spekulativ sind, gehören sie nach Ansicht unserer Redaktion auf die Beobachtungsliste, zu überstürzten Käufen besteht kein Anlass. Wizcom etwa notiert gerade mal bei 15 Cent. Bei Sygnis hängen Wohl und Wehe vom am weitesten entwickelten Produktkandidaten AX 200 gegen akuten Schlaganfall ab. Dort stehen demnächst die Ergebnisse der Phase-II-Studie an.

Konservativere Investoren wenden sich daher Unternehmen aus klassischen Branchen zu. Bei Edel zum Beispiel ist allein wegen der Dividendenrendite von über fünf Prozent Musik drin. Die Hamburger haben in den vergangenen Jahren eher zurückhaltende Investor-Relations-Arbeit betrieben und waren deshalb vom Radar vieler Anleger verschwunden.

In Zukunft will Vorstandschef Michael Haentjes wieder häufiger den Dialog mit den Investoren suchen. Edel hat sich in den vergangenen Jahren vom Musikspezialisten zum Medienkonzern gewandelt. Die Produktion von Tonträgern wie CDs und LPs zählt zwar weiter zum Kerngeschäft. Inzwischen kamen aber auch Videos/DVDs und über die Tochter Kontor New Media noch Musikdownloads hinzu. Seit der Übernahme des Zabert Sandmann Verlags hat der Konzern darüber hinaus Kochbücher von Stargastronomen wie Alfons Schuhbeck oder Johann Lafer im Programm. Somit verfügen die Hanseaten über ein stabiles Kerngeschäft, das die Marge durch die fortlaufende Entschuldung kontinuierlich verbessern kann. Wachstumsfantasie steuert das Musik-Downloadgeschäft bei.


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Starkes Interesse an LPKF Laser
Von einem Comeback kann bei LPKF zwar nicht die Rede sein. Innerhalb von drei Jahren war der Kurs von unter zwei auf zeitweise über 14 Euro geschossen. Dennoch war das Eigenkapitalforum für Vorstandschef Ingo Bretthauer eine neue Erfahrung. Im Vorjahr hatte der auf Lasertechnik spezialisierte Anlagenbauer noch mit strammem Wachstum geglänzt und war damit auf mäßiges Interesse gestoßen. Diesmal warteten die Niedersachsen mit einer Umsatzstagnation sowie einem – durch hohe Investitionen bedingten – Gewinnrückgang in den ersten drei Quartalen auf. Und waren plötzlich bei den Investoren stark gefragt. Bretthauer: „Wir waren zwei Tage komplett durchgebucht.“

Neben dem deutlich zurückgekommenen Kurs dürfte das vor allem am Auftragseingang liegen, der ein neues Rekordniveau erreichte. Mit einem Auftragsbestand von über 30 Millionen Euro habe man eine „sehr gute Planbarkeit über das laufende Jahr hinaus“, sagt Bretthauer.
Auf den bis zu 600.000 Euro teuren Maschinen der Niedersachsen werden unter anderem Antennen für Smartphones und Tablet-PCs strukturiert, aber auch Komponenten für die kriselnde Solarindustrie. Wegen der überlegenen Technik und der kürzeren Produktionszeiten hat die Solarsparte bei LPKF im Unterschied zum Wettbewerb jedoch keinerlei Rückgänge zu verzeichnen und war – im Gegensatz zum Vorjahr – profitabel.

Ein Klassiker, der anders als Edel und LPKF nie am Neuen Markt notiert war, jedoch vor langer Zeit als Analystenliebling gehandelt wurde und dann in Vergessenheit geriet, ist Takkt. Das Versandunternehmen bietet Büro-, Betriebs- und Lagereinrichtungen weltweit unter verschiedenen Marken wie Kaiser & Kraft oder Topdeq an. Seit mehr als einer Dekade steigert die Firma den Umsatz kontinuierlich. Nach Abzug von Kosten für Werbung und Personal bleiben in der Regel mehr als zehn Prozent vom Umsatz als Betriebsergebnis in den Büchern. Die laufenden Investitionen hingegen sind vernachlässigbar.

Die erwirtschafteten Mittel können eingesetzt werden, um Schulden abzubauen, neue Firmen zu kaufen oder die Aktionäre mit Ausschüttungen zu bedenken. Weil die Verschuldung niedrig ist und im Moment keine Zukäufe anstehen, wie Vorstandschef Felix Zimmermann erklärte, dürfte das Unternehmen fürs laufende Jahr neben der Basisdividende von 32 Cent einen dicken Bonus bezahlen. Nach neun Monaten hat Takkt bereits 82 Cent pro Aktie verdient. Daher könnte sich der Konzern eine Dividende von 80 Cent leisten, was einer Rendite von fast zehn Prozent entspräche.

Als heimlicher Star des Nebenwertesegments aber gilt ein Unternehmen mit wesentlich kürzerer Börsenhistorie: Mobotix ist erst vor vier Jahren aufs Parkett gekommen, der Kurs hat sich seither knapp vervierfacht. Entsprechend gut besucht war die Präsentation, auch Branchengrößen wie Acatis-Fondsmanager Hendrik Leber drängten in den überfüllten Raum. Kein Wunder: Der Kurs ist bei Weitem nicht so stark gestiegen wie Umsatz und Ertrag. Die Bewertung mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis und einer Dividendenrendite von sieben Prozent erscheint überaus attraktiv. Der Hersteller von Videoüberwachungssystemen und Alarmanlagen hat die Weichen weiter auf Wachstum gestellt. Nach hohen Investitionen in ein neues Werk, das im Sommer eingeweiht wurde, wird für die kommenden zwölf Monate ein Umsatzplus von 30 bis 35 Prozent erwartet, bei einer Bruttomarge vor Zinsen und Steuern von 23 Prozent. Auch in den Folgejahren soll es laut Management aufwärtsgehen. Das Unternehmen glänzt vor allem durch innovative Produkte wie hochauflösende 180-Grad-Kameras, die Firmenangaben zufolge global technologisch führend sind.

Nach solchen gelungenen Präsentationen hellte sich die gedrückte Stimmung auf den Fluren des Frankfurter Kongresszentrums immer mal wieder etwas auf. Analysten, Fondsmanager und Privatinvestoren zeigten sich dann zuversichtlich, das eine oder andere Schnäppchen machen zu können. Denn an aussichtsreichen, unterbewerteten Aktien herrscht derzeit kein Mangel.

Investor-Info

LPKF Laser
Wachstumstrend intakt

Trotz des starken Auftrageingangs und des positiven Ausblicks für 2012 reagierte die Börse enttäuscht auf die Neunmonatszahlen. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Rofin Sinar (KGV: 12,1) ist die Aktie günstiger bewertet. Ein guter Indikator sind die Transaktionen von Firmengründer Bernd Hildebrandt, der bei Kursen über 13 Euro verkauft hat und im August begann, wieder aufzustocken. Wachstumsstory ist intakt.

Takkt
Dividende höher als erwartet?

Der B-2-B-Versandhändler ging Ende der 1990er-Jahre aus Gehe hervor – das Mutterunternehmen war seinerzeit in Celesio und Takkt aufgespaltet worden. Anfänglich stand die Aktie hoch in der Gunst der Börsianer, dann verschwand sie im Schatten der Schwesterfirma. Das dürfte sich beizeiten ändern. Der Umsatz wächst moderat, der Gewinn überproportional. Bei der Dividende ist eine positive Überraschung drin.

Mobotix
Sicherheit ist Trumpf

Terrorgefahr, Sicherheitsbedürfnis und nicht zuletzt die Erweiterung der Produktionskapazitäten spielen dem Hersteller von Überwachungskameras und Alarmanlagen in die Karten. Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Dass die Aktie mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet ist und zudem über sieben Prozent Dividendenrendite abwirft, spricht für erhebliches Aufwärtspotenzial.

Edel
Altlasten abgearbeitet

In der Euphorie des Neuen Markts leistete sich Edel einige Abenteuer, an denen die Firma lange zu knabbern hatte. Inzwischen liegt die Eigenkapitalquote wieder bei akzeptablen 27 Prozent. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um sechs Prozent auf 129,8 Millionen Euro, der Gewinn um 50 Prozent auf 4,2 Millionen. Spekulativ!cat

Bildquellen: Julian Mezger

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