22.04.2013 13:30
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Apple: Kann die Aktie noch günstiger werden?

Apple: Leckeres Fallobst
Nervosität steigt
Schwache Zahlen ­eines Zulieferers bringen die Aktie des Tech-Riesen unter Druck. Für Anleger dürfte sich Coolness auszahlen. Die Gründe.
€uro am Sonntag

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Wenige Tage vor der Quartalsbilanz am kommenden Dienstag sind Apple-Aktionäre so nervös wie lange nicht. Der Schock nach den letzten Quartalszahlen, als der Kurs um mehr als zehn Prozent nach unten rauschte, ist noch präsent. Auch deshalb sackte der Kurs am Mittwoch um mehr als fünf Prozent ab. Der Auslöser: der weitgehend unbekannte Audiochipzulieferer Cirrus Logic hatte hohe Lager­bestände gemeldet.
Weil die Asiaten gut 90 Prozent ihres Geschäfts mit Apple machen, schien sofort klar: Die Kalifornier haben im zweiten Quartal weniger iPhones verkauft als erwartet. Und weil der Konzern mit Smartphones mehr als die Hälfte des Umsatzes und Gewinns einfährt, rutschten die Papiere unter die psychologisch wichtige 400-Dollar-Marke.

Die Erwartungen der beim Börsendienst Bloomberg gelisteten Analysten sind für einen Wachstumswert bescheiden: Fürs vergangene Quartal rechnen sie mit gut acht Prozent Umsatzwachstum und einem Gewinnrückgang um 19 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar. Dennoch ist es möglich, dass Apple auch diese niedrige Hürde reißt.

Der Gewinnbringer iPhone könnte sich schlechter verkauft haben als erwartet, zumal Konkurrent Samsung mit attraktiven Modellen ordentlich Dampf macht. Dass das kleinere Tablet iPad mini womöglich gut gelaufen ist, dürfte das nicht ausgleichen, schließlich sind die Gewinnmargen hier niedriger. Der Profit könnte im Quartal also sogar stärker geschrumpft sein als erwartet.

Fiele dann auch noch der Ausblick für das laufende Quartal schwächer aus als erwartet, dürfte der Aktienkurs weiter abrutschen. Abwegig ist ein solches Szenario nicht. Apple-Aktionäre sollten daher durchaus auf weitere kurzfristige Kursrückschläge gefasst sein.

Massen von Cash im Speicher
Das weitere Rückschlagrisiko dürfte allerdings begrenzt sein. Dafür spricht etwa der sehr geringe Anteil von Aktien, die in Händen sogenannter Leerverkäufer liegen. Gerade einmal zwei Prozent sind es. Bei hoch bewerteten Papieren wie dem Elektroautohersteller Tesla sind schon mal 40 Prozent der Papiere geshortet.

Die günstige Bewertung dürfte aber auf mittlere Sicht dafür sorgen, dass sich weitere Kursverluste stark in Grenzen halten. Die Aktie ist, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), inzwischen rund 40 Prozent billiger als der S & P-500-Index. Allein 137 Milliarden des Börsenwerts von insgesamt rund 370 Milliarden Dollar sind durch Cashbestände gedeckt. Gemessen an den rund 41 Milliarden Dollar Nettogewinn, die 2013 erwartet werden, bringt es die Aktie ohne Cash auf ein KGV von gerade mal 5,7. Das liegt dann auf dem Niveau von Konzernen wie Hewlett-Packard, wo man allerdings massive Probleme hat.

Zudem ist Apple unzweifelhaft ein Topspieler in Wachstumsmärkten. Der Tablet-Markt boomt, er soll sich je nach Schätzung im laufenden Jahr um 30 bis 50 Prozent ausweiten. Da ist es keine ­Katastrophe, wenn der Marktanteil von 46 auf 43 Prozent sinkt. Und auch das Smartphone-Geschäft ist weiterhin sehr lukrativ — auch wenn die Konkurrenz aufholt und die Margen sinken.

2013 werden 23 Prozent Nettorendite bei einem Umsatz von 179 Milliarden Dollar erwartet, 2014 sollen es bei ähnlicher Marge über 200 Milliarden Dollar Umsatz werden. Auch wenn die Schätzungen womöglich zu hoch sind: Zehn Prozent Gewinnwachstum, 20 Milliarden Dollar netto mehr pro Jahr machen die Aktie angesichts dieser Bewertungskennzahlen zum Schnäppchen.

Kein Zweifel, die Aktie ist derzeit alles andere als hip. Schon die Ankündigung deutlich höherer Dividenden oder Aktienrückkäufe könnte das jedoch rasch ändern. Allein das klug aufgebaute „Ökosystem“ mit Inhalten von iTunes sorgen auch künftig für einen üppigen Cashflow. Neue Produkte wie ein iTV, ein Apple-Fernseher oder die iWatch, über die spekuliert wird, wären das Sahnehäubchen obendrauf. Apple ist ein ­Value-Wert mit Wachstumspotenzial.

Bildquellen: nui7711 / Shutterstock.com
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