Dividendenstarke Aktien sind wieder im Kommen
Es ist ein ziemlich kryptisches Kürzel, und doch sind in ihm die Ängste einer globalisierten Welt vor dem Übergang ins neue Jahrtausend konzentriert: Y2K. Die Buchstaben-Zahlen-Kombination stand für das Jahr-2000-Problem – die Befürchtung, beim Jahreswechsel 1999/2000 würden weltweit die Computer verrückt spielen. Die Szenarien reichten bis hin zur Weltwirtschaftskrise oder dem ungewollten Auslösen eines Atomkriegs.
Doch das befürchtete Chaos blieb aus. Und nicht Y2K, sondern wiederkehrender Realitätssinn ließ einige Monate später die Börsenkurse einbrechen. Aus den astronomisch hohen Bewertungen der Tech- und Internetwerte entwich die Luft. Eine nötige Korrektur, und doch eine, die den Siegeszug der neuen Technologien und des World Wide Web nicht aufhalten konnte. Der Computerbauer Apple mischte die Musik- und Mobiltelefonbranche auf, der Suchmaschinenbetreiber Google wurde zum Herrscher des Internets.
Doch ist zum Ende des ersten Jahrzehnts die einst so bezeichnete New Economy bei Weitem nicht das Einzige, was Anleger beschäftigt. Die vergangene Dekade steht ebenso für ein Comeback der Rohstoffe, angetrieben durch die enorm gestiegene Nachfrage aus den Schwellenländern. Und auch in puncto Energie geht die Entwicklung immer mehr weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Quellen wie Sonne und Wind. Bezeichnend dafür ist der Ölmulti BP, der sich bereits im Jahr 2000 den Slogan „beyond petroleum“ (jenseits des Öls) verpasste.
Welche großen Trends und Umbrüche das vergangene Jahrzehnt bestimmten und vor welchem Hintergrund Anleger ihre Entscheidungen in der neuen Dekade treffen müssen, das beleuchtet €uro am Sonntag in einer neuen Serie. Was beim Rückblick auf die abgelaufene Dekade schnell klar wird: Aktienanleger, die in den breiten Markt investierten, sind nach zehn Jahren per saldo nicht vom Fleck gekommen. Im Gegenteil: Wer Anfang 2000 sein Geld in DAX-Aktien steckte, verlor bis heute im Schnitt 0,3 Prozent pro Jahr. Berücksichtigt man zusätzlich die Inflation, steht sogar ein jährliches Minus von zwei Prozent zu Buche, wie Richard Stehle, Professor für Betriebswirtschaft an der Berliner Humboldt-Universität, berechnet hat.
Ähnlich das Bild an der US-Börse: Wer vor zehn Jahren 100 Dollar in amerikanische Aktien steckte, ist Ende 2009 um zehn Dollar ärmer (siehe Grafik in der Investor-Info). Anleger, die Rohstoffe kauften, sind dagegen deutlich im Plus. Ein 100-Dollar-Goldinvestment ist heute sogar rund 380 Dollar wert.
Ein verlorenes Jahrzehnt an den Börsen, unken deshalb viele Kommentatoren. Doch das gilt nur für passive Anleger. Wenn die vergangene Dekade mit ihren zwei großen Kurseinbrüchen eins gezeigt hat, dann das: Eine Buy-and-Hold-Strategie war nicht der Königsweg. Wer jedoch die Aufwärtsphasen an den Märkten – von 2003 bis 2008 und seit März 2009 – geschickt ausnutzte, erzielte Traumrenditen. Die sind auch im neuen Jahrzehnt möglich. Doch noch mehr als in der abgelaufenen Dekade wird das Markttiming der entscheidende Faktor sein. Denn die Gefahr von Vermögenspreisblasen ist hoch, und Investoren tun gut daran, sich auf stark schwankende Märkte einzustellen.
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