08.11.2012 15:18
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Der Faktor Hoffnung

Neues im Börsenblog
Früher hat die Wirtschaft das Auf und Ab am Aktien- oder Immobilienmarkt bestimmt. Jetzt scheint es genau umgekehrt zu sein. Und das ist wohl gewollt.
€uro am Sonntag

Früher, so scheint es, war es doch so, dass die Wirtschaft das Auf und Ab am Aktien- oder Immobilienmarkt bestimmte. Jetzt, so kommt es mir vor, scheint es genau umgekehrt zu sein. Es sind die Preise, die an den Börsen und Märkten bezahlt werden, die das Auf und Ab der Wirtschaft bestimmen. Oder dies zumindest sollen.

Denn früher war es doch so, dass die Notenbanken die Zinsen reduzierten, um die Wirtschaft anzukurbeln und Investitionen zu erleichtern. Jetzt jedoch sind die Zinsen schon seit vier Jahren mehr oder weniger auf Null. Bei Berücksichtigung der Inflation gar unter Null. Und trotzdem kommt die Wirtschaft nicht wirklich in Schwung.

Früher war es auch so, dass Aktien zwar Dividenden abwarfen, diese bei weitem jedoch nicht an die Verzinsung von festverzinslichen Papieren heranreichten. Jetzt ist auch das genau umgekehrt. Egal ob DAX oder S&P, die Dividendenrendite von Aktien stellt die Verzinsung von Anleihen längst in den Schatten. Da muss man doch in Aktien investieren?

Und früher war es auch so, dass es zwischen dem Aktienmarkt und der Bilanzsumme der Notenbanken keinen Zusammenhang gab. Inzwischen jedoch scheint genau das – überspitzt formuliert – größeren Einfluss auf die Kurse zu haben als die Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Interessante Zeiten sind das. Und sie sind gewollt: Wenn schon die Nullzinsen nicht direkt wirken, dann sollen doch bitte die steigenden Preise an den Börsen und Märkten die Wirtschaft ankurbeln. Aber ob das funktioniert? Mir scheint, hier setzen die Entscheidungsträger vor allem auf eins: den Faktor Hoffnung (nicht von ungefähr sagte der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama in seiner Siegerrede, er habe "niemals mehr Hoffnung in Amerika gesetzt" als jetzt).

P.S. Schon aufgefallen, wie häufig zuletzt der Anker als Symbol der Hoffnung in unserem Alltag auftaucht? In der Modewelt, in der Musik. Hier ein hübsches – und sinniges(!) – Beispiel: ein Geld- oder Krawattenclip des New Yorker Juweliers Miansai. Seit heute zu haben. Passt auch durchaus zu meinem Post vom Dienstag: Modisches für Börsianer.

Bildquellen: Martin Bluemel
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