09.01.2013 03:00
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Vier bewährte Anlageregeln, mit denen Sie am Markt ­erfolgreich mitspielen

Produktstrategien 2013
Welche Anlagestrategien im Neuen Jahr Erfolg versprechen, auf welche Produkte Anleger setzen sollten.
€uro am Sonntag

von Christian Ingerl und Wolfgang Hagl

Das abgelaufene Börsenjahr erscheint im Nachgang mühelos. Mit 29 Prozent Plus legte der DAX das beste Jahr seit 2003 hin. Hinter dem Anstieg steht nicht zuletzt das Versprechen der Europäischen Zentralbank (EZB), alles für den Erhalt des Euro zu tun und Anleihen von hoch verschuldeten Staaten aufzukaufen.

Das Gros der Finanzmarktprofis ist auch für 2013 positiv gestimmt. Insbesondere Europas Märkte — allen voran Deutschland — zählen zu den Favoriten. „Das Risiko des Zusammenbruchs der Eurozone ist vorerst durch die EZB entscheidend verringert worden, und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ist klar erkennbar“, meint Henning Gebhardt, Leiter des Aktienfondsmanagements Europa der DWS. Seiner Ansicht nach ist der alte Kontinent in vielen Portfolios untergewichtet. Beim DAX hält Gebhardt neue Höchststände für möglich.

Das sehen auch die Analysten des japanischen Bankhauses Nomura so. Sie veranschlagen ein Kursziel beim DAX von 8890 Punkten und beim Euro Stoxx 50 von 3050 Zählern — immerhin ein Potenzial von plus 16 Prozent gegenüber den Schlussständen 2012.

Es dürfen jedoch keinesfalls die Risiken ausgeblendet werden. Die Reformen der Europeripherieländer gehen nur zaghaft voran, hinter der chinesischen Wirtschaftsdynamik steht noch ein Fragezeichen, und auch die USA senden gemischte Konjunktursignale aus. Diese vielen ­Unsicherheitsfaktoren können die Kurse also jederzeit wieder in die Knie zwingen. Anleger sollten sich daher auch 2013 eine für sie passende Anlagestrategie zurechtlegen.

Um Richtungswechsel an den Märkten besser zu überstehen, ist ein Schwenk überlegenswert — in weitgehend „sichere“ Aktien, deren Ertragslage zum großen Teil unabhängig von Konjunkturabschwüngen ist. Im Fachjargon wird das ­„Value Investing“ genannt.

Auf Dividenden setzen
Eine klassische, einfache und vor allem besonders lukrative Methode ist die Dividendenstrategie. Bereits vor mehr als 70 Jahren entwickelte der Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham die Theorie, dass ­Anleger nur solche Aktien kaufen sollten, die jedes Jahr eine hohe Ausschüttung abwerfen. Dies gilt umso mehr in unsicheren Zeiten, da dann die Gewinnbeteiligung ein wichtiges Signal aus dem Unternehmen ist. Mit der Dividendenstrategie profi­tieren Anleger gleich mehrfach: Sie ­setzen auf substanzstarke Titel, kassieren Ausschüttungen und gleichen schlechte Marktphasen besser aus. Für die DWS-Experten steht bereits fest, dass „dividendenstarke Titel auch 2013 im Fokus stehen werden“.

Ausschüttungsfreudigen Konzernen dürfte noch ein anderer Faktor helfen: niedrige Zinsen im Rentenbereich. Dies könnte vermehrt zu Umschichtungen aus dem Bond- in den Aktienmarkt führen. „Zu den ersten Profiteuren sollten Dividendenwerte zählen“, meint VP-Bank-Experte Bernd Hartmann.

Anleger holen sich die defensivere Anlagestrategie etwa mit dem Divi­denden-Strategie-Index-Zertifikat der Commerzbank ins Depot. Das Papier setzt sich aus Dividendenstars aus dem Euro Stoxx 50 zusammen. Der Auswahlprozess beinhaltet aber noch zusätzliche hilfreiche Stellschrauben: Die Titel müssen hinsichtlich technischer Analyse überzeugen, und zusätzlich findet beim Selektionsprozess noch eine Diversifikation bezüglich Sektor und Land statt. Die Überprüfung der Zusammensetzung und Gewichtung erfolgt einmal jährlich. Außerdem wird jedes Mitglied mit einem Stoppkurs versehen, um das Risiko zu reduzieren. Derzeit befinden sich mit der Deutschen Telekom, Munich Re, Eni, Sanofi, Total und Vivendi sechs Firmen im Basket. Eine gute Wahl, wie die Zertifikatentwicklung zeigt: Seit Auflage Ende Januar 2012 kletterte das Produkt um knapp 20 Prozent, der Euro Stoxx 50 dagegen schaffte nicht einmal die Hälfte.

Vier Kriterien genügen Gebert
Ebenso wie die Dividendenstrategie eine positive Kursrichtung der Aktien voraussetzt, sind auch bei der Gebert-Strategie steigende Notierun­gen vonnöten, um Gewinne zu erzielen. Die ausgeklügelte und bewährte Börsenstrategie, welche die Inflationsrate, die Zinsveränderung der EZB, den Dollar-Euro-Kurs sowie die Saisonalität in die Strategie einfließen lässt, überzeugte in der Vergangenheit mit einer deutlichen Mehrrendite gegenüber dem deutschen Leitindex DAX.

Auch in den DAX-Minusjahren 2008 und 2011 zog sich Gebert ohne größere Blessuren aus der Affäre. Anleger können die Strategie mit dem Börsenindikator-2-Zertifikat der Bank of America Merrill Lynch einfach und bequem umsetzen. Seit der Emission der zweiten Auflage des Papiers Anfang Juni 2012 liegt die Strategie zwar um rund zwei Prozentpunkte hinter dem DAX, auf lange Sicht hat das Gebert-System aber die Nase weit vorn.

Investoren, die mit weniger Optimismus auf 2013 blicken, brauchen eine Strategie, die auch bei fallenden Kursen die Chance eröffnet, Gewinne zu erzielen. Eine interessante Option dafür stellt die UBS-RADA-Strategie dar. Auf Basis der vom UBS Investment Bank Research entwickelten Dynamic Equity Risk Indi­cator, kurz DERI, zur Messung der Marktstimmung, geht der RADA-Stil entweder long in Erwartung steigender Kurse, bleibt in Form einer Geldmarktanlage neutral oder ist short bei Annahme fallender Notierungen. Dieser Timingansatz folgt strikt einem streng vorgegebenen Regelwerk.

Menschliche Unzulänglichkeiten wie die Neigung, zwischen Panik und Euphorie zu schwanken, werden auf diese Weise komplett eliminiert. Der DERI-Indikator, der über die aktuelle Marktpositionierung entscheidet, wurde auf der Grundlage statistischer Methoden entwickelt, um gegenüber einer Direkt­anlage in Aktien höhere und beständigere Renditen zu erreichen.

RADA-Strategie ist komplex
Mit Erfolg, wie der Blick auf die Historie zeigt: Seit Lancierung der Indizes im April 2007 hat das jeweilige UBS-RADA-Strategie-Barometer die Benchmarks DAX und Euro Stoxx 50 sowohl bezüglich Rendite als auch Volatilität geschlagen. Die Verwaltungskosten für den aufwendigen Prozess betragen ein Prozent pro Jahr, sodass die Papiere Investoren den kosteneffizienten Zugang zu einer innovativen Anlagestrategie mit Timingansatz erlauben. Gegenwärtig ist der DERI-Indikator für DAX und Euro Stoxx 50 long.

Auch im Markt für Exchange ­Traded Funds (ETFs) spielen regelbasierte Vorgehensweisen eine immer bedeutendere Rolle. Dabei ist häufig vom „Smart Beta“ die Rede. Im Prinzip steht dieses Schlagwort für Produkte, die darauf abzielen, den Markt oder einen speziellen Index abzuhängen. Insofern nähert sich die ETF-Branche dem Geschäft mit aktiven Investmentfonds an.

Vor knapp zwei Jahren machte Source den Man-GLG-Europe-Plus- Index investierbar. Die hinter dieser Benchmark steckende Vorgehensweise versucht mithilfe der ­Anlagetipps führender Broker eine Überrendite gegenüber dem euro­päischen Aktienmarkt zu erreichen.

Auf die Profis hören
GLG hat dazu eine Methodik entwickelt, die täglich aus dem großen Datenfundus von Vermögensverwaltern aussichtsreiche Profitipps he­rausfiltert. „Diese Strategie zeichnet sich durch ein normales Aktien­risiko aus und peilt eine Outperformance von zwei bis fünf Prozent jährlich gegenüber europäischen Vergleichsbarometern an“, erklärt Sascha Specketer, der für den Bereich deutscher institutioneller Anleger bei Source verantwortlich ist.

Im Vorjahr schnitt das Börsenbarometer sogar noch besser ab: Während der MSCI Europe gut 13 Prozent vorankam, legte der Man GLG Europe Plus um mehr als 20 Prozent zu. Damit ging das Kalkül der Mehrrendite bereits das fünfte Jahr in Folge auf. Der Erfolg zieht die Investoren an: Mittlerweile liegen knapp 700 Millionen Euro in dem Source-ETF. Der mit einer Management­gebühr von 0,75 Prozent pro Jahr ­versehene Indexfonds ist über die Deutsche Börse handelbar.

Mit den vier vorgestellten Strategien dürfte für Investoren das Börsenjahr 2013 zwar vermutlich nicht wieder so extrem erfolgreich werden wie das Spitzenperformancejahr 2012, aber eine gute Strategie ist an der Börse schon die halbe Miete.

Investor-Info

Dividenden-Strategie
Ausschüttung plus Chart

Dividenden bringen mehr als die Hälfte der Gesamt­rendite langfristiger Aktienanlagen. Das Commerzbank-Dividenden-Strategie-Zertifikat setzt auf dividendenstarke Titel aus dem Euro Stoxx 50. Die Auswahl erfolgt zusätzlich nach charttechnischen Faktoren. Stoppkurse begrenzen die Verluste.
ISIN: DE000CZ34QZ0

Gebert-Strategie
Vier Faktoren reichen

Die Strategie beruht auf vier Fragen: Ist die Infla­tionsrate in der Eurozone niedriger als vor einem Jahr? War der jüngste Zinsschritt der EZB eine Senkung? Steht der Dollar zum Euro höher als vor zwölf Monaten, und befinden wir uns in den Monaten November bis April? Bei mindestens dreimaligem Ja legt das Zertifikat im DAX an, was derzeit der Fall ist. Werden dagegen zwei Antworten ­verneint, wandert das Kapital an den Geldmarkt.

RADA-Strategie
Das Timing macht’s

Es kommt nicht darauf an, so billig wie möglich zu kaufen, sondern der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Das UBS-Zertifikat auf die Risk-Adjusted-­Dynamic-Alpha-Strategie, kurz RADA genannt, kann den richtigen Zeitpunkt für fallende und steigende Kurse für Gewinne nutzen. Die regelbasierte Marktpositionierung der RADA-Methodik auf den DAX ­erfolgt auf Basis des DERI-Indikators. Dieser bezieht eine Fülle von Daten wie Volatilität, Swap Spreads oder Devisenschwankungen mit ein.
ISIN: DE000UB0C7S5

Smart-Beta-Strategie
Den Profis folgen

Beim ETF von Source auf den Man-GLG-Europe- Plus-Index wird auf die Einschätzung führender Broker zurückgegriffen und ein liquides sowie diversifiziertes europäisches Aktiendepot aufgebaut.

Bildquellen: sergign / Shutterstock.com
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