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21.06.2010 08:57

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KOLUMNE
PROF. OTTE-KOLUMNE

Warum ich BP-Aktien kaufe…

BP zu myNews hinzufügen Was ist das?


…und keine Probleme damit habe

Sehr geehrte Privatinvestoren, in den vergangenen Tagen habe ich massiv BP-Aktien gekauft. Mein durchschnittlicher Einstiegskurs liegt nun bei 4,69 Euro. Der aktuelle Kurs liegt zwölf Prozent darunter. Dennoch schlafe ich ruhig. Weder meldet sich mein Gewissen, noch habe ich größere Angst, dass ich mein Geld nicht wiedersehe.

Zunächst einmal zu meinem Gewissen: Ich sage nicht, dass es richtig war, was BP getan oder unterlassen hat. Nein, es war schrecklich. BP hat rücksichtslos Profitinteressen auf Kosten der Sicherheit verfolgt. Nur – das tun mehr oder weniger alle großen Ölfirmen. (Und ich habe das auch schon so gesagt, bevor es bei einem Vergleich der Notfallpläne am Dienstag im Kongress bekannt wurde.) BP mag ein wenig schlechter sein als die anderen, aber die anderen sündigen auch massiv.

Die maximalen Schätzungen gehen davon aus, dass das Leck insgesamt bislang vielleicht zwei bis drei Millionen Barrel Öl verströmt hat. Die USA alleine verbrauchen 19 Millionen Barrel pro Tag. Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Unfall passiert ist, sondern, dass nicht mehr Unfälle passieren, solange wir unseren Ölhunger mit Bohrungen unter 150 Atmosphären in der Tiefsee stillen.

Ein Boykott von BP ändert gar nichts. Er beruhigt nur das Gewissen desjenigen, der boykottiert, und die anderen machen weiter wie bisher. Hier hat die Politik, das politische System insgesamt, versagt. Regierungen und Politiker sind zu einem Spielball der Konzerne geworden, effektive Aufsicht gibt es im Ölsektor (und auch im Bankensektor) anschei¬nend nicht mehr.

Unternehmen sind nicht „moralisch“. Menschen sind es. Unternehmen sollen Gewinne machen und die Gesetze einhalten. Wenn wir die Standards verbessern wollen, müssen wir etwas am politischen System ändern: bessere Aufsichtsbehörden und bessere Gesetze schaffen, dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden und dass die Politiker nicht mehr Marionetten der Konzerne sind. (In der Bankbranche scheint das leider wieder nicht zu gelingen). Und wenn wir unmoralische Praktiken durch Boykott ändern wollen, dann müssen wir ganz aufs Öl verzichten. Wer BP boykottiert und weiter Auto fährt, der heuchelt.

Die größte Heuchelei ist „Corporate Social Responsibility“. Auf der Internetseite des Frankfurter Flughafens sehe ich zum Beispiel Wälder und Wiesen. Wie krank ist das?

Ich schlafe aber auch als Geschäftsmann ruhig. Zunächst wurde der Schaden auf eine Milliarde geschätzt, dann sollte BP sieben Milliarden in einem Entschädigungsfonds zurück¬stellen, jetzt sind es 20 Milliarden Dollar. Das ist ein Jahresgewinn.

BP hat 240 Milliarden Dollar in Vermögensgegenständen, darunter 70 Milliarden liquide Mittel, beschäftigt mehr als 80.000 Menschen und hat mehr als 50 Explorations- und Förderstellen auf der ganzen Welt. BP gibt pro Jahr 20 Milliarden Dollar für Forschung, Entwicklung und Exploration aus.

Die Wahrscheinlichkeit, dass BP durch diesen Schaden in die Insolvenz geht, schätze ich auf unter zwei Prozent.

Und aus diesem Grund kaufe ich BP-Aktien.

Auf gute Investments, Ihr Prof. Dr. Max Otte

P.S.: Und denken Sie mehrfach nach, bevor Sie in „alternative Energien“ investieren. Diese Energien sollten zwar staatlich gefördert werden, aber die entsprechenden Unternehmen vermarkten dieses Modethema und ziehen Ihnen das Geld mit vielen Versprechen und wenig Substanz aus der Tasche.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Kommentare zu diesem Artikel

weltbeweger schrieb:
01.07.2010 17:03:31

Ihr Gewissen regt sich nicht, weil es Ihnen an Kompetenz fehlt. Unternehmen sind institutionelle Bürger. Sie sind von einem stbilen Gemeinwesen abhängig. Folglich haben sie Bügerpflichten. Das Fraport-Beispiel ist falsch, denn hier geht es nicht um CSR, sondern um misslungene PR.

BubbleBobble schrieb:
24.06.2010 17:02:20

Heulsusen. Meine Kinder brauchen was zwischen die Zähne , also Geld her! Moral lol. Ihr seid solche Heuchler! Zocken aber rumjaulen!

ugot1 schrieb:
22.06.2010 15:59:39

denkmäßig ist alles richtig im dem arikel. leider ist es trotzdem zum kotzen durch eine ölpest geld zu verdienen zu wollen.

Realo schrieb:
22.06.2010 12:10:31

Herr Otte, Sie haben mit diesem Artikel versagt. Sie zeigen keine Moral und keinen Respekt vor der Umwelt. Sie nehmen die bislang größte Umweltkatastrophe zum Anlaß, mit dieser verlogenen Firma Geld zu verdienen. Sie allein ist dafür verantwortlich u. nicht die Politiker. Schämen Sie sich.

becht schrieb:
22.06.2010 07:18:49

70 Mrd liquide Mittel hat bp nicht. 20 Mrd hatten sie, wenn die Dividende ausfaellt. Und bp will 50 Mrd durch assetverkauefe aufstellen....

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