12.12.2012 12:43
Bewerten
(11)

Aus den Fugen geraten

Roland Klaus-Kolumne: Aus den Fugen geraten | Nachricht | finanzen.net
Roland Klaus-Kolumne
Roland Klaus
DRUCKEN
Der Rückblick auf das Jahr 2012 zeigt uns eine Wirtschafts- und Finanzwelt, die immer mehr aus den Fugen gerät.
Was wir in den vergangenen Wochen vielleicht als vermeintliche Beruhigung der Lage wahrgenommen haben, dürfte das Ergebnis der Tatsache sein, dass bestehende Probleme zugekleistert werden – allerdings mit Maßnahmen, die diese Probleme letztlich noch vergrößern. Schulden werden mit neuen Schulden bekämpft. Defizite mit neuen Defiziten. Und während alle Welt vor allem auf die Probleme in der Eurozone schaut, präsentieren sich die USA in einem mindestens genauso besorgniserregenden Zustand.

Der US-Vermögensverwalter Jeffrey Gundlach zeigt diese Effekte sehr anschaulich in seiner Präsentation „To catch a thief“. Zu den interessantesten – und in der breiten Berichterstattung viel zu wenig beachteten - Entwicklungen zählt dabei die Entwicklung von Unternehmensrenditen, Löhnen und Arbeitsmarkt. Die Unternehmen verdienen soviel wie nie zuvor, während immer weniger davon bei den Arbeitern und Angestellten ankommt. Die erste Grafik zeigt den Anteil der US-Unternehmensgewinne am BIP. Er ist so hoch wie nie zuvor.

Ein Grund dafür ist, dass sich die Unternehmen mit neuen Investitionen zurückhalten – offenbar, weil sie keine Planungssicherheit für ihr Geschäft sehen und damit ihr finanzielles Polster lieber stärken. Sie investieren weniger in neue Maschinen, haben daraufhin weniger Abschreibungen zu verzeichnen. Die Gewinne steigen, doch die Substanz der Produktion erodiert. Und natürlich schaffen die Unternehmen in diesem Umfeld auch weniger neue Jobs. Der Anteil von Löhnen und Gehältern am US-BIP ist im Gegenzug auf einem Allzeit-Tief angekommen.

Dabei haben wir es mit einem langfristigen Trend zu tun. Natürlich ist er zu einem wesentlichen Teil darin begründet, dass ein wachsender Teil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung durch maschinelle Produktion und höhere Produktivität erzielt wird. Doch vor allem wurden in den letzten Jahren kaum noch neue, gut bezahlte Jobs geschaffen. Die wenigen neuen Arbeitsplätze befinden sich überwiegend im McDonald´s-Segment der Wirtschaft.

In der Konsequenz werden immer mehr Amerikaner aufs Abstellgleis geschoben. Während der Anteil der 20 bis 40jährigen, die berufstätig sind, in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gesunken ist, steigt die Zahl der Alten, die Jobs suchen. Der Anteil der 70 bis 74jährigen, die einer bezahlten Tätigkeit nachgehen (müssen), hat sich seit 1990 verdoppelt und dürfte weiter steigen.

Während die Jungen also immer weniger Jobs – erst recht gut bezahlte Jobs – finden, sind immer mehr Alte gezwungen, an der Supermarkt-Kasse die Tüten zu packen. Auch das erklärt den überproportionalen Anstieg der schlecht bezahlten Jobs.

Auch wenn die Amerikaner nicht für ihr überbordendes Sozialsystem bekannt sind: Diese Entwicklung wird die staatlichen Kassen weiter belasten. Der Eiertanz rund um das fiscal cliff wird aller Voraussicht nach kurz vor Jahresende mit einem faulen Kompromiss enden, der die staatlichen Schulden und Defizite weiter steigen lässt und von den Finanzmärkten bejubelt wird. Die Lösung wird lauten: Mehr Defizit, mehr Schulden. Das Haushaltsdefizit, das in diesem Jahr bei etwa 7,6 Prozent liegen wird, dürfte sich in absehbarer Zeit nicht nennenswert verringern. Die Staatsverschuldung wird weiter steigen.

Die Blaupause für das, was die USA und uns in Europa in den nächsten Jahren erwartet, ist Japan. Dort tickt derzeit die größte Zeitbombe. Dazu mehr in der kommenden Woche.

Roland Klaus arbeitet als freier Autor in Frankfurt/Main und ist aktiver Investor. Für den amerikanischen Finanzsender CNBC und den deutschen Nachrichtenkanal N24 berichtete er von 2004 bis 2009 von der Frankfurter Börse. Bekannt wurde er durch seine fast zehnjährige Tätigkeit als Moderator und Börsenreporter für die Telebörse auf n-tv. In seinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ entwirft er eine Analyse der Schuldenkrise und liefert Ratschläge, wie man sich auf die entstehenden Risiken einstellen kann. Sie erreichen Ihn unter www.wirtschaftliche-selbstverteidigung.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

The rise of Tiger and Dragon: Die besten Aktien aus China!

China ist das Bevölkerungsreichste Land der Erde. Mit einem zuletzt gemeldeten Wirtschaftswachstum von fast 7 % im 1. Halbjahr 2017 ist das Land auf bestem Wege, das eigene Wachstumsziel zu übertreffen. Erfahren Sie im neuen Anlegermagazin, bei welchen chinesischen Aktien vielversprechende Zukunftsaussichten bestehen und warum.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX geht kaum bewegt ins Wochenende -- US-Börsen kaum verändert -- Bundestagswahl und DAX: Darauf hoffen Börsianer -- Lufthansa mit guten Chancen bei Air Berlin -- Apple, Siltronic, Airbus im Fokus

Siemens und Alstom ringen um Bahntechnik-Bündnis. L'Oreal-Aktie profitiert von Spekulationen über Nestlé-Anteil. Liliane Bettencourt: Reichste Frau der Welt ist tot. China kritisiert Herabstufung durch Ratingagentur S&P. Personalvermittler Adecco setzt Erlöswachstum im dritten Quartal fort.

Top-Rankings

KW 38: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 38: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 37: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
Das sind 2017 bislang die größten Verlierer in Buffetts Depot
Welche Aktie enttäuschte bisher am meisten?
Bizarre Steuereinnahmen
Das sind die bizarrsten Steuereinnahmen der Welt
Nicht nur schön und talentiert
Diese Frauen haben in Hollywood am meisten verdient
Diese Banken wurden für die Finanzkrise am härtesten bestraft
Welche Bank zahlte am meisten?
mehr Top Rankings

Umfrage

Der Dieselskandal hat die Reputation der deutschen Wirtschaft beschädigt. Unterstützen Sie deshalb die Forderung der Anti-Korruptions-Organisation nach einem Unternehmensstrafrecht?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Apple Inc.865985
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Scout24 AGA12DM8
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
CommerzbankCBK100
BASFBASF11
E.ON SEENAG99
Allianz840400
TeslaA1CX3T
Deutsche Telekom AG555750
Bitcoin Group SEA1TNV9
BMW AG519000
Amazon906866