11.01.2017 17:24
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VW-Aktie auf Höhenflug - Vergleich zwischen VW und US-Justizministerium ist fix

Pressekonferenz am Abend: VW-Aktie auf Höhenflug - Vergleich zwischen VW und US-Justizministerium ist fix | Nachricht | finanzen.net
Pressekonferenz am Abend
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Der Vergleich zwischen Volkswagen und dem US-Justizministerium steht. VW hat zur Bewältigung des Abgasskandals bereits rund 18 Milliarden Euro zurückgestellt.
Die im Dieselskandal erwartete Milliardenstrafe in den USA dürfte Volkswagen einem Insider zufolge nicht so hart wie befürchtet treffen.

Die mit der US-Regierung ausgehandelte Strafe über umgerechnet rund vier Milliarden Euro könnte die Rückstellungen voraussichtlich um maximal rund zwei auf 20 Milliarden Euro erhöhen. Zurückgelegt hat der Konzern bisher 18,2 Milliarden Euro. "Schätzungen, die von 18 Milliarden plus vier Milliarden ausgehen, sind zu hoch gegriffen", sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Vergleich soll am Mittwoch (19.30 MEZ) in Washington bekannt gegeben werden, wie die US-Umweltbehörde EPA mitteilte.

In Wolfsburg hat der VW-Aufsichtsrat die Vereinbarung mit dem US-Justizministerium und dem Zoll abgesegnet, wie "Bild" berichtete. Neben Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns hätten auch die zuständigen US-Gerichte die Einigung abgesegnet, berichtete die "Bild"-Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. VW Erst nach den US-Behörden werde Volkswagen kommunizieren.

Ziel der Gespräche sei es gewesen, Vergleichsvereinbarungen über die Beilegung "bestimmter strafrechtlicher Untersuchungen" und "bestimmter zivilrechtlicher Bußgeldverfahren" abzuschließen, teilte das Unternehmen mit. Parallel bringen brisante Zeugenaussagen im Zuge einer Strafanzeige die Konzernspitze unter Druck.

RÜCKSTELLUNGEN REICHEN WOHL NICHT

VW hat zur Bewältigung des Abgasskandals bereits rund 18 Milliarden Euro zurückgestellt. Diese Summe wird nun laut VW voraussichtlich nicht reichen, weil bereits eine Milliardensumme für einen zivilrechtlichen Vergleich eingeplant ist. Wie hoch die Belastung für das Jahresergebnis 2016 ist, lasse sich noch nicht sagen.

Der Autobauer habe einen konkreten Vergleichsentwurf mit den US-Behörden ausgehandelt, hieß es. Dieser sehe Bußgeld- und Strafzahlungen in einer Gesamthöhe von rund 4,3 Milliarden Dollar (rund 4,1 Mrd Euro) vor. Teil dieses Vergleichsentwurfs sei auch ein Schuldanerkenntnis in Bezug auf bestimmte US-Strafvorschriften.

ZUSTÄNDIGE VW-GREMIEN BEFASSEN SICH 'KURZFRISTIG' MIT DEM VERGLEICH

Der Autobauer hatte im September 2015 eingeräumt, Abgastests bei Dieselautos manipuliert zu haben. Der Ursprung des Skandals liegt in den USA. Dort sind mehr als 550 000 Fahrzeuge betroffen, weltweit rund elf Millionen. Das stürzte den Konzern in eine schwere Krise, als Folge leitete VW einen grundlegenden Konzernumbau ein.

Die zuständigen VW-Gremien würden sich nun "kurzfristig" mit dem Vergleich befassen, möglicherweise noch am Dienstag beziehungsweise am Mittwoch, teilte VW mit. Doch selbst wenn VW-Management und -Aufsichtsrat grünes Licht geben, liegt die finale Entscheidung bei der US-Justiz. Das Justizministerium in Washington war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

NEUER ÄRGER IN DER DIESELAFFÄRE MIT DEM FBI

VW hatte in den USA bereits einen zivilrechtlichen Vergleich mit Klägern und Behörden erzielt. Der sah unter anderem Rückkäufe von Autos, Entschädigungen und Reparaturen vor. VW kann dieser Vergleich mehr als 16 Milliarden Dollar kosten.

Bereits am Montag war neuer Ärger für VW in der Dieselaffäre bekanntgeworden. Die Bundespolizei FBI wirft der VW-Konzernspitze Vertuschungen in dem Skandal vor, wie aus einer von der Bundesanwaltschaft in Detroit veröffentlichten Strafanzeige gegen einen leitenden Angestellten des Konzerns hervorging.

FESTNAHME

Noch wenige Monate vor dem Auffliegen der Affäre im Herbst 2015 hätten Manager von Volkswagen bei Mitarbeitern die Verheimlichung der Abgas-Manipulationen abgesegnet, heißt es in dem Gerichtsdokument. Der leitende Angestellte, der bis 2015 mit Umweltfragen in den USA betraut gewesen sein soll, war am vergangenen Samstag in Miami festgenommen worden. Dem Mann wird eine Beteiligung am massenhaften Abgasbetrug und Irreführung der US-Behörden vorgeworfen, er soll am Donnerstag in Detroit vor Gericht erscheinen. Ein Richter in Miami ordnete an, dass er bis dahin in Gewahrsam bleibt.

Der VW-Angestellte gehörte laut Strafanzeige zu einer Gruppe von Mitarbeitern, die das Management bei einem Treffen am 27. Juli 2015 über die Risiken des Betrugs informierten. Statt die Aufklärung des Falls gegenüber den bereits unter Hochdruck gegen VW ermittelnden US-Behörden anzuordnen, habe die Konzernführung autorisiert, die Tricksereien weiter unter den Teppich zu kehren. Ähnliche Verdächtigungen hatte es schon zuvor gegeben, doch nun werden sie durch Zeugenaussagen von VW-Insidern untermauert. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern.

Die VW-Vorzüge können am Mittwoch zeitweise im XETRA-Handel um rund 2 Prozent zulegen.

VW-AKTIE AUF HÖHENFLUG

Die Aktie von VW verteuert sich am Mittwoch im XETRA-Handel zeitweise um mehr als 3 Prozent auf 152,90 Euro und ist damit einer der Spitzenreiter im DAX. Demnach setzt das Papier den Höhenflug der vergangenen Wochen fort: Seit Anfang Dezember hat die Aktie mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen.

KEINE KAPITALERHÖHUNG NOTWENDIG

Die zusätzlichen Milliarden, die VW nun voraussichtlich berappen muss, scheinen Anleger offenbar nicht zu stören. Zwar fielen die Strafzahlungen mit insgesamt 20,5 Milliarden höher aus als die Rückstellungen von 18,2 Milliarden Euro, heißt es von Goldman Sachs. Dies sei aber von untergeordneter Bedeutung: Die Einigung könnte als positiver Katalysator dienen, da hiermit der letzte große rechtliche Unsicherheitsfaktor in der Dieselaffäre aus dem Weg geräumt sei, auch wenn noch Strafzahlungen in anderen Regionen möglich seien. Die Analysten sind aber zuversichtlich, dass VW auch in Zukunft ohne Kapitalerhöhung wird auskommen können.

Es sei zwar noch mit Strafzahlungen außerhalb der USA zu rechnen, so ein Händler, es sei mit der Einigung in den USA aber der "große Brocken vom Eis". Er sieht im VW-Papier nun Aufwärtspotenzial bis 160 Euro.

/hoe/DP/he

dpa-AFX / Dow Jones Newswires/Reuters

Bildquellen: Bocman1973 / Shutterstock.com, VW
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