Arqueonautas: Mit einem Wrack zum Erfolg
Der Schatzsuchfirma könnte bald ein Coup gelingen. Ein Ming-Wrack vor der indonesischen Küste soll geborgen werden. Wert: über 100 Millionen Euro.
von Daniela Meyer, Euro am Sonntag
Nur Gold und chinesisches Porzellan überstehen unbeschadet mehr als 500 Jahre auf dem Grund des Meeres. Kein Wunder also, dass sich Nikolaus Graf Sandizell über das neueste Projekt seines Schatzsuchunternehmens Arqueonautas freut. Über 500000 Stücke Ming-Porzellan werden im Wrack einer chinesischen Dschunke vermutet, die vor der indonesischen Küste gefunden wurde. Geschätzter Wert: 100 Millionen Euro oder mehr.
„Wir verhandeln gerade über ein Joint Venture“, erklärt Sandizell. Fünf bis zehn Prozent des gemeinsam geborgenen Schatzes würden für Arqueonautas und deren Aktionäre bei dem Deal herausspringen.
Das marinearchäologische Bergungsunternehmen ist seit Ende 2008 an der Frankfurter Börse gelistet. Seitdem stieg die Aktie von 2,50 Euro auf zeitweise 5,90 Euro. 2009 schaffte sie ein Plus von 87 Prozent. Etwa 600 Aktionäre zählt die Firma, die sich auf die Suche nach historischen Wracks spezialisiert hat. Mit einer Roadshow will Sandizell weitere potenzielle Aktionäre vom Geschäftsmodell überzeugen. Spätestens ab Sommer soll die Aktie dann über Xetra und im Entry Standard und nicht mehr nur im Open Market handelbar sein.
„2009 war unser bestes Jahr. Wir lagen mit einem Ergebnis von 300000 Euro nach Steuern im ersten Halbjahr erstmals in der Gewinnzone“, so Sandizell, der das Unternehmen 1995 gründete. Seitdem hat er mit einem Team aus Wissenschaftlern und Tauchern über 300 Wracks gefunden und 20 geborgen.
Nach Schätzungen der UNESCO befinden sich auf dem Meeresgrund insgesamt mehr als drei Millionen. 20000 dieser gesunkenen Schiffe enthalten Fracht, deren Wert im zweistelligen Millionenbereich liegt. Trotzdem birgt das Geschäft hohe Risiken. Ein Suchtag auf dem Meer kostet 5000 Euro. „Wir versuchen durch Archivrecherche Gebiete, in denen Wracks liegen, einzugrenzen und so das Risiko, auch mal nichts zu finden, zu minimieren“, so Sandizell.
Ein neuer Geschäftszweig bietet weitere Sicherheit. Die Expeditionen werden seit Kurzem von einem eigenen Fashionlabel in Kooperation mit der Kitaro- und Otto-Gruppe mitfinanziert. „In drei bis fünf Jahren wollen wir 50 Prozent des operativen Geschäfts damit machen.“ Erste eigene Läden gibt es bereits in Düsseldorf und Salzburg und ab nächstem Monat in Dresden, Hannover und Hamburg.
Sandizells Ziel ist es, den Erfolg 2010 auszubauen: „Wir arbeiten an drei Projekten, bei denen es, wenn sie sich alle realisieren, insgesamt um mehrere Hundert Millionen Euro geht.“ Zudem plane man den Eintritt in neue geografische Regionen sowie eine Partnerschaft mit einer Tiefseebergungsfirma (500 bis 4000 Meter). Derzeit kann Arqueonautas nur bis zu 60 Metern tief suchen.
Zu den neuen Ländern zählen Brasilien, wo bereits ein Joint Venture vereinbart ist, China und die Philippinen. „Wir haben schon Verträge mit den Regierungen von Kapverden, Indonesien und Mosambik“, so der Graf. Bei einer Bergung erhalte das Land nach Abzug der Expeditionskosten rund 50 Prozent des Wrackwerts.
Für Abenteuerlustige
Spannendes Geschäftsmodell mit großen Risiken. Für Abenteurer als Fünf-Prozent-Beimischung im Portfolio zu empfehlen.